Presse

Unten ist mein Pressespiegel von 2012 – Oktober 2013 zu sehen. Danach folgte ein Meer an Beiträgen über das Buch „Ich kauf nix!“ und nochmal danach muss ich ehrlich sagen, hab ich den Überblick verloren, weil ich bei Greenpeace auch viele Interviews zu unterschiedlichsten Themen gebe und das nicht alles monitore (weils eh die Kollegen machen, hihi!). Sorry.

  1. Verlosung des Buchs auf gaarn.de
  2. Verlosung des Buchs auf Welovehandmade.at
  3. Interview auf Stylekingdom – 25. November
  4. Berliner Zeitung – 26. November
  5. Kronenzeitung – 27. November
  6. Verlosung des Buchs auf Biorama.at – 27. November
  7. Rezension auf handmade2.0 – 27. November
  8. Rezension auf typischich.at – 27. November
  9. Besuch in der Morningshow auf FM4 – 28. November
  10. Interview in der bella – 28. November
  11. Interview auf SPIEGEL.DE (!!!!!) – 28. November
  12. Interview auf jetzt.de – 28. November
  13. Interview auf wirklichfrau.de – 28. November
  14. Interview auf brigitte.de – 29. November
  15. Auftritt im Kölner Treff, WDR – 29. November
  16. Gespräch im Cafe Sonntag, Ö1 – 1. Dezember
  17. Auftritt bei ServusTV am Morgen – 3. Dezember
  18. Interview mit Hitradio Ohr – 3. Dezember
  19. Interview mit DPA Audio – 3. Dezember
  20. Interview in der „Für mich“ – 5. Dezember
  21. Interview in den Oberösterreichischen Nachrichten – 10. Dezember
  22. Interview in der Ganzen Woche – 11. Dezember
  23. Funkhausgespräch live bei WDR5 – 12. Dezember
  24. Interview Österreichische Textilzeitung – 12. Dezember
  25. Interview Lisa – 18. Dezember
  26. Interview Radio Oberösterreich (und anscheinend auch Niederösterreich) – 20. Dezember
  27. Interview Ö1 – 21. Dezember
  28. Der Standard – Essay und Rezension – 21./22. Dezember
  29. ZIB 9: Beitrag – 23. Dezember
  30. Frühstücksfernsehen Sat 1 – 27. Dezember
  31. Interview OKTO – 31. Dezember
  32. Beitrag ORF Heute Mittag – 3. Jänner
  33. Interview zu Kambodscha FM4 – 3. Jänner
  34. Radio Live Interview bei RBB Radio eins – 8. Jänner
  35. Interview W24 „Guten Abend Wien“, live – 8. Jänner
  36. Interview Madonna – 11. Jänner
  37. Rezension Derstandard.at – 12. Jänner
  38. Auftritt in ORF heute leben live – 14. Jänner
  39. Wien.orf.at Porträt – 15. Jänner
  40. Falter – 22. Jänner
  41. Deutsche Welle – 24. Jänner (auch auf Spanisch und Englisch)
  42. Vienna.at Interview – 26. Jänner
  43. Bild.de – 31. Jänner
  44. Wiener Zeitung / Wiener Journal – 31. Jänner
  45. gofeminin.de Interview – 1. Februar
  46. dazwischen hab ich sicher was vergessen
  47. RTL Punkt 12, 18. Februar
  48. RTL Aktuell, 18. Februar
  49. RTL Punkt 6, 19. Februar
  50. noch zwei
  51. Radiosendungen in Deutschland
  52. Tiroler Tageszeitung, 19. März

Ich bin wirklich sehr beeindruckt und fühle mich geschmeichelt, Österreichs Medienlandschaft zeigt Interesse an meinem Projekt. Hier eine Sammlung all der Beiträge über „ichkaufnix“.

1) Alles begann mit ORF.at:

Die Geschichte erschien am Samstag, den 31.März – und löste auf diesem Blog Besucherzahlen von 10.000 in nur zwei Tagen aus.

Von Panikkäufen und gutem Gewissen

Die Frühlingsmode ist da, und überall sind neue Schuhe, Jacken und Röcke ausgestellt. In Magazinen, auf Werbeplakaten und in Onlineshops wird lautstark damit geworben, dass in diesem Frühjahr nur „in“ ist, wer diese oder jene Farbe wählt oder ein bestimmtes Accessoire kauft. Doch Nunu Kaller macht heuer beim Shoppingwahnsinn nicht mit.

Ein ganzes Jahr lang – ausgehend vom 15. Jänner – will die Wienerin nur das tragen, was in den Tiefen ihres Kleiderkastens schlummert. Und das sollte eigentlich reichen, ist Kaller überzeugt.

Kaufrausch als Rettungsanker

„Ich mache das nicht, um die Welt zu verbessern“, erzählt Kaller gegenüber ORF.at. Eigentlich hat alles damit begonnen, dass sie auf ihrer Urlaubsreise über einen Artikel über eine deutsche Shoppingverweigerin gestoßen ist. „Es waren nur ein paar Zeilen, aber ich hab den ganzen Urlaub darüber nachgegrübelt“, sagt Kaller. Zu diesem Zeitpunkt war das Einkaufen zu einem Rettungsanker in ihrem Leben geworden. Private und berufliche Turbulenzen führten dazu, dass Jacken, Röcke und T-Shirt als Trostobjekte herhalten mussten. „Das ging so weit, dass ich die Einkaufstaschen vor meinem Freund versteckt habe“, so Kaller.

Mantel last Minute

Das Wochenende vor dem Start des einjährigen Projekts verbrachte Kaller in Barcelona. „Ich habe mir am Flughafen in letzter Minute noch einen Mantel gekauft. Es war ein Panikkauf, denn plötzlich wurde mir bewusst, dass es das letzte Mal für lange Zeit sein würde“, erzählt die 31-Jährige. Doch der Entschluss stand fest, und über ihre Beobachtungen an sich selbst und an ihrer unmittelbaren Umgebung berichtet sie seitdem in ihrem Blog. „Das ist auch eine Kontrollfunktion. Denn ich bin zwar stur, doch konsequent bin ich nicht“, gesteht Kaller.

Verzichte – aber blogge darüber

Die Wienerin ist mit ihrem Projekt nicht alleine. Ausgehend von der Konsumgroßmacht USA schwappte der Trend langsam auch auf Europa – und mit Verzögerung bis nach Österreich – über. In Deutschland schreiben derzeit zeitgleich zwei Frauen über ihre Shoppingdiäten. Kerstin (Modediät), Redakteurin in München, und Katrin (Shoppingdiät), PR-Beraterin, haben beide festgestellt, dass ihre Kleiderschränke überquellen und sich darin Dinge befinden, die – noch mit dem Preiszettel versehen -, nie angezogen werden.

Beide sind ausgesprochene Modeliebhaberinnen und beide mussten mittlerweile feststellen, dass es nicht immer einfach ist, den vielen Versuchungen zu widerstehen. Mitunter sind ihre Versuche, mit „Do it yourself“-Techniken alten T-Shirts wieder neues Leben einzuhauchen, auch ungewollt komisch. Aber beide haben auch Schlupflöcher in den Regeln eingebaut. Sollte wirklich mal etwas Essenzielles kaputtgehen, dann besteht immer noch die Chance, es sich von Freunden schenken zu lassen.

Wenn Sojasauce zum Luxus wird

Deutlich radikaler ist die US-Journalistin Judith Levine ihr Abstinenzprojekt angegangen. 2003 beschlossen sie und ihr Partner Paul, ein Jahr lang nur das Nötigste zu kaufen. Dazu gehörten Lebensmittel und Hygieneartikel. Aber wo hört das Lebensnotwendige auf und wo fängt Luxus an? Ist Sojasauce unverzichtbar, und wie steht es mit Papiertaschentüchern? In dem Buch „No Shopping!“ dokumentiert Levine auf humorvolle aber auch nachdenkliche Art und Weise ihr Verzichtexperiment und wurde damit zu einer Vorreiterin für viele Nachahmer weltweit.

Vor so viel Konsequenz kann Kaller nur den Hut ziehen. Völlig auf das Kaufen verzichten kann und will sie auch gar nicht. Doch wie bei Levine interessiert auch sie sich für die Psychologie hinter dem Verlangen nach neuen Sachen und beschäftigt sich bewusst mit den Effekten, die sich nach einiger Zeit auch bei ihr automatisch einstellen. Auf der einen Seite gibt es natürlich praktische Probleme („vor allem wenn man eine Katze besitzt“) wie zerrissene Strumpfhosen, aber gleichzeitig sei ihr immer mehr bewusst geworden, wie viele Sachen man kaufe, die man gar nicht brauche.

34 Röcke – und nichts zum Anziehen

„Nur 20 Prozent des Inhalts eines Kleiderschrankes wird im Schnitt auch tatsächlich angezogen“, verweist Kaller auf das Pareto-Prinzip. Der italienische Soziologen Vilfredo Frederico Pareto fand heraus, dass 80 Prozent der Ergebnisse in 20 Prozent der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die 80-20-Regel wird mittlerweile auf viele andere Dinge im Alltag umgelegt. Daher stand zunächst eine Erhebung des „Istzustandes“ auf dem Programm. Zu ihrer großen Überraschung besitzt sie 34 Röcke, 30 Jacken und unzählige T-Shirts – und hat trotzdem immer wieder das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben.

Zwar ist sie überzeugt, dass sie nach dem Jahr wieder Kleidung kaufen wird, „aber es wird nicht mehr so sein wie zuvor“. „Man hinterfragt, woher die Ware kommt“, erklärt Kaller. Sie weiß jetzt schon, dass sie künftig mehr auf Qualität achten und nachhaltiger, ökologischer oder einfach „entschleunigt“ einkaufen wird. Dann müssen es nicht mehr drei Pullover sein, sondern nur noch einer – der ist dann aber der perfekte Pullover.

Gabi Greiner, ORF.at

Es folgten viele Anfragen.

2) Zunächst war da Biorama am 10. April:

Shoppingdiät: Gezielter Verzicht

Seit 15. Jänner 2012 hat Nunu Kaller kein Modegeschäft mehr betreten. Obwohl – betreten wahrscheinlich schon, nur hat sie es jedes Mal ohne Einkauf wieder verlassen. Das liegt weder an den hohen Preisen, noch an der aktuellen Kollektion. Denn sie hat ein Experiment gestartet: ein Jahr ohne Kleidungsshopping. Im Interview erzählt Kaller, wie sie auf diese Idee kam, warum öko eigentlich nur ein anderes Wort für das Leben unsere Großelterngeneration ist und welche Auswirkungen Überforderung auf unser tägliches Konsumverhalten hat.

 

BIORAMA: Du hast dir vorgenommen, ein Jahr lang keine Kleidung mehr zu kaufen. Was sind deine Beweggründe für diese Aktion?

Nunu Kaller: Letztes Jahr bin ich zufällig auf einen Artikel von einer Frau gestoßen, die eine Modediät gestartet hat. Das klang für mich wie eine Erleichterung, denn immer, wenn ich Probleme hatte, habe ich mich mit Shopping getröstet. Ich hatte überhaupt keinen Überblick mehr über meine Sachen. Außerdem habe ich neu gekaufte Kleidung sogar schon vor meinem Freund im Schrank versteckt. Zu den Beweggründen zählte aber auch, dass ich seit 3 Jahren im NGO Bereich arbeite und es langsam nicht mehr verantworten kann, in einem 5-Euro-T-Shirt durch die Gegend zu laufen.

In deinem Blog schreibst du, dass du dir eine Excel-Liste anlegen musstest, um dich in deinem Kleiderschrank orientieren zu können. Wo würdest du persönlich die Grenze zwischen Notwendigkeit und Luxus ziehen?

Was Kleidung angeht: wenn ich Garderobe für drei Wochen habe, ohne waschen zu müssen, dann reicht das völlig. Aber diese strenge Trennung: was brauche ich und was ist Luxus, mag ich eigentlich nicht. Für mich ist Luxus, wenn ich mir ein neues Buch kaufe. Ich habe es in der Hand, ich fühle und rieche es. Für einen Freund von mir ist der neue Kindle ein Luxus. Was für mich wiederum ein Horror ist, weil ich dieses haptische Erlebnis brauche. Und wieder Andere definieren Luxus über ihre neue Gucci-Jacke. Ich denke, das ist immer eine subjektive Definition.

Du hast festgelegt, dass du dir selbst Dinge nähen darfst und Freunde dir Kleidung schenken können. Das klingt für mich wie ein Raucher, der „nur“ beim Fortgehen raucht oder „nur“ wenn ihm eine Zigarette angeboten wird. Inwieweit geht es dir tatsächlich um ein „Umdenken“ in Bezug auf Konsum?

Ich denke, es kann sich jeder seine eigenen Regeln aufstellen. Es gab einen ORF-Artikel über meine Aktion und nach der Veröffentlichung habe ich viele positive Zuschriften bekommen. Ein paar Leute haben sich angehängt und jeder hat sich eigene Regeln gesetzt. Eine Frau meinte, sie will in allen Lebensbereichen verstärkt auf die Herkunft von Produkten achten. Eine Andere hat erzählt, sie könne nicht ohne Nagellack leben. Deswegen ist bei ihrem Shoppingverzicht alles verboten – außer Nagellack. Das Selbst-Produzieren habe ich festgelegt, weil ich sehen wollte: Wie viel Arbeit steckt dahinter? Wovon ich wegmöchte, ist diese Fast-Food-Kultur in der Bekleidungsindustrie.

Inwiefern siehst du in Konsumfragen Bereiche wie die Werbebranche in der Verantwortung?

Es läuft sicher sehr viel auf der unterbewussten Ebene ab. Zum Beispiel diese Zeitschrift, in der ich den Artikel über die Modediät entdeckt habe: Ich blättere zwei Seiten weiter und da steht eine tolle Dessouswerbung. Es ist komplett absurd. Ich bin aufgewachsen mit Kleidung, die auch schon meine Brüder getragen haben. Dann bin ich mit 19 ausgezogen und habe quasi neben einem H&M gewohnt – und vorbei war es mit dem Ganzen. Gerade mit 19 oder 20 schafft man sich ja auch optisch eine Identität. Das Problem hängt jedenfalls nicht nur mit der Werbebranche zusammen, sondern insgesamt mit dieser Fast-Food-Kultur. So ein System finde ich erschreckend, das hat keine Zukunft.

Diese Systemkritik sprichst du in deinem Blog nicht direkt an. Sollte ein Nachdenken über Konsum, nicht immer auch ein Nachdenken über gesellschaftliche Fragen sein?

Ich bin nicht missionarisch unterwegs. Das bin ich im Job, ich bin Pressesprecherin von Global 2000. Die Modediät ist mein Projekt und in meinem Projekt will ich Niemandem etwas aufzwingen. Es ist ein Test, und ich teste meine eigene Konsequenz. Ich bin ein politischer Mensch. Trotzdem habe nicht vor, mit diesem Blog die Welt zu verbessern. Die Grenzen zu meinem Job sind ohnehin fließend, es ist aber trotzdem mein eigenes Projekt.

GLOBAL 2000 richtet unter dem Motto “Der gute Style” momentan einen Wettbewerb für junge Leute aus. Wie präsent ist das Thema nachhaltiges Konsumieren bei Jugendlichen?

Wir sind mit dem Style-Wettbewerb dann wirklich erfolgreich, wenn H&M tatsächlich Umsatzeinbußen hätte. Aber das – und so realistisch muss man sein – wird nicht passieren. Aber bereits jetzt zeigt die Resonanz, dass wir ein Thema erwischt haben, dass die jungen Leute auch “packt” – und dass da ein Umdenken zu sehen ist, freut uns. Wir haben einen Schulungsfilm für Jugendliche gemacht und touren damit durch Österreich. Wir erreichen viele Schüler und Schülerinnen, aber das ist nur ein Bruchteil. Und wiederum nur ein Bruchteil davon, nimmt wahrscheinlich auch tatsächlich die Message mit. Ich fürchte, der Großteil der Jugendlichen denkt sehr konsumorientiert. Das Interesse für das Thema ist aber da, das sieht man auch an den Leserzahlen meines Blogs. Man muss da ganz optimistisch sagen: Jede und jeder, bei der oder dem ein Umdenken in die ökologische Richtung einsetzt, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Dein Ziel ist es, in Zukunft nachhaltiger und ökologischer zu konsumieren. Das würde bedeuten, nur noch in Weltläden oder ähnlichen Einrichtungen einzukaufen. Deine bisherigen Shoppingziele wie H&M fallen damit weg….

Beim Thema Konsum ist es generell schwer, immer alles richtig zu machen. Meine Weste ist von H&M und ich habe mich beim Kauf unglaublich toll gefühlt, weil sie aus Biobaumwolle ist. Dann lese ich den CSR-Report und merke: das ist nur Greenwashing. Wenn man einmal anfängt, sich mit diesen Punkten zu beschäftigen, macht man sich ein riesiges Feld auf. Und genau da setzt die Überforderung ein. Wenn ich beschließe, mir etwas zu nähen, vermeide ich zwar, dass eine arme Näherin in Bangladesch einen Mindestlohn kassiert. Aber wo kommt der Stoff eigentlich her? Da bin ich wieder bei der ökologischen Frage. Würde ich den Ökogedanken konsequent umsetzen, müsste ich irgendwo am Land leben, ein Beet im Garten haben und Tiere halten. Das ist aber für mich einfach nicht realistisch. Oft denke ich mir: Es geht gar nicht um  “nur öko” – es geht einfach darum, wieder die Werte zu berücksichtigen, nach denen meine Großmutter gelebt hat. Dazu gehört selbst nähen genau so wie qualitativ und regional einkaufen. Die Frage ist nur: Wo ist der Weg dahin – für mich als “modernen” Stadtmenschen?

Man könnte also sagen: Man kann nicht alles richtig machen, aber man kann versuchen, möglichst wenig falsch zu machen….

Ich glaube, dass man sich Bereiche aussuchen kann. Ich selbst merke, wie gut es mir tut, dass ich mich komplett auf einen Bereich konzentrieren kann. Das soll jetzt keine Schutzrede für mich sein, aber ich denke, es ist schon viel getan, wenn sich die Menschen zumindest in einem Bereich ihres Lebens intensiv mit einem Thema auseinandersetzen. Alles andere ist zu viel erwartet. Da erreicht man nur eine sehr kleine Gruppe, die das tatsächlich in die Tat umsetzt. Ich bewundere diese Leute sehr, aber ich freue mich auch schon, wenn es im Kleinen anfängt.

3) Es folgte ein Blogbeitrag von Irene Zöhrer auf NEWS.at am 2. Mai:

Ein Jahr ohne Kleiderkauf

Je sommerlicher das Wetter, desto stärker zieht es mich in Geschäfte mit luftigen Sommerkleidchen und bunten Röcken. Steigen die Temperaturen, nimmt die Kontrolle über meine Geldbörse anscheinend merklich ab.

Just in dieser frühsommerlichen Stimmung bin ich auf das Web-Tagebuch einer jungen Wienerin gestoßen, das durchaus nachdenklich macht. „Ich kauf nix“ heißt der Facebook-Blog, in dem Nunu Kaller ihr Experiment „Ein Jahr ohne Kleiderkauf. Shopaholic auf Entzug“ schildert. Nunu teilt ihre Gedanken und Erlebnisse mit, seit sie sich im Jänner einen völligen Verzicht auf Modeshopping verordnet hat. Erlaubt sind lediglich Geschenke von Freunden wie Strumpfhosen und Selbstgenähtes. Ihr bisheriges Fazit reicht von Neidgelüsten beim Fernsehen über Hadern mit den in Amerika erworbenen Lieblingsstiefeln „made in Romania“ bis hin zu neu entflammter Liebe für vor Jahren in Italien erstandene Sandalen. Ein erzieherischer Lesegenuss für alle, die es wie mich gerade in jedes Schuhgeschäft treibt.

Hand aufs Herz: Ein Projekt wie jenes von Nunu Kaller würde ich nie durchstehen. Zu groß ist die Versuchung, den Sommer zumindest mit einem Paar neuer Ballerinas und dem schönsten Kleid der Saison zu zelebrieren. Aber der Blog ist ein heilsamer Appell ans Gewissen, und schon ist die Geldbörse ein bisschen besser im Griff.

4) Im Mai ging es wirklich ab. Kurz vor meinem Wochenende in Berlin erschien ein Artikel im Schaufenster der Presse was mich besonders freut, ist, dass ich diesen Artikel mit Katrin von der Shoppingdiät teilen darf.

Shoppingdiät: Kostverachtung im Modebrei

09.05.2012 | 15:41 |  von Daniel Kalt (Die Presse – Schaufenster)

Verzicht liegt im Trend: Anhänger der Shoppingdiät entsagen der saisonalen Garderobenerneuerung.

Die Liste der von Lifestyle-Meinungsmachern oktroyierten Imperative will nicht enden: Kauf dich schön, kauf dich gesund, kauf dich jung! – das gab es alles schon. Und seit Kurzem gilt es im Sinn eines nachhaltigen Tuns und Handelns auch noch das „Kauf dich grün!“ zu bedenken. Ihr Verantwortungsbewusstsein untermauern Konsumenten demzufolge, indem sie am besten heute noch ihre gesamte Garderobe durch nachhaltig produzierte Ware ersetzen. Oder greift es womöglich zu kurz, einfach nur die eigenen Konsumgewohnheiten mit einem Hauch von Grün zu veredeln?

Shoppingstopp. Als das gute Gewissen des Modebusiness entpuppte sich vor zwei Jahren Vivienne Westwood. Sie forderte ausgerechnet während des Treibens der Londoner Modewoche Endverbraucher auf, sich sechs Monate lang keine neuen Kleider zuzulegen. Den Managern ihres Unternehmens dürfte sie damit Zornesfalten in die Stirn gegraben haben. Doch war die Britin mit ihrem, allerdings ein wenig fadenscheinig anmutenden Appell am Puls der Zeit, denn von den USA ausgehend greift nicht mehr nur in spartanischen Kreisen die Idee des Shoppingverzichtes um sich.

Einen bemerkenswerten Vorstoß startete zum Beispiel Sheena Matheiken, die sich ein Jahr lang täglich für das gemeinnützige „Uniform Project“ in immer demselbem schwarzen Kleid, entworfen von ihrer Designerfreundin Eliza Starbuck, fotografieren ließ. Diesen Look ergänzte Matheiken mit „nachhaltigen“ Accessoires wie Flohmarktfunden, Recyclingobjekten und Ähnlichem. Offensichtlich trafen die beiden damit einen Nerv, denn es gab in der Branche viel Aufmerksamkeit für ihr Projekt, mit dem sie Geld für eine indische Bildungsorganisation sammelten.

Mittlerweile ist eine ähnliche Idee auch auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland dokumentieren Bloggerinnen ihre Versuche, sich ein Jahr lang in „Shoppingdiäten“ zu üben, um aus dem Teufelskreis von Habenwollen und Kaufenmüssen auszubrechen. Angenehme Nebenwirkung: Das Sparschwein füllt sich. Zwischen 100 und 300 Euro spare sie im Monat, meint die Wienerin Nunu Kaller (Ichkaufnix.wordpress.com), und ihre deutsche Konsumverweigerungskollegin Katrin Becht (Shoppingdiaet.wordpress.com) beziffert die Ersparnisse ebenfalls mit 300 Euro pro Monat. Becht, die selbst als PR-Beraterin in der Lifestylebranche tätig ist („Hier wird man schon nach dem Äußeren beurteilt“), zeigt sich außerdem erfreut darüber, dass ihre neue Enthaltsamkeit Kreativitätsschübe bedingt hat: „Man trägt ohnehin nur 20 Prozent der Dinge, die im Kleiderschrank hängen. Das wird dann doch schnell langweilig, und man muss kreativ werden.“ An dieser Stelle tritt die Nähmaschine auf den Plan, auch wenn nicht jede Shoppingdiättreibende sich automatisch als DIY-Profi entpuppt. Nunu Kaller entdeckt derweil die Stylistin in sich: „Durch das viel bewusstere Überlegen, was ich anziehen soll, wird mir ganz allgemein nicht fad. Was nicht heißt, dass ich nicht manchmal komplett danebenhaue und mich den ganzen Tag in meiner Kleidung nicht wohlfühle.“ Vor dieser Art von Unbehagen ist allerdings auch nicht gefeit, wer jeden Arbeitstag mit einer Belohnungs-Shoppingorgie ausklingen lässt.

Tausch dich chic. „Leider musste ich feststellen, dass es einen Grund gibt, warum ich einige Dinge schon sehr lange nicht mehr anhatte: Sie waren entweder hässlich, schlecht geschnitten oder passten nicht mehr“, fasst Katrin Becht eine Situation zusammen, die auch bei Nichtkonsumverweigernden die Teilnahme an einer Swapping-Party zur Option werden lässt. In immer mehr Städten, zuletzt auch in Wien, werden diese Veranstaltungen abgehalten: „Swapper“ tauschen Kleider, die ihnen nicht mehr gefallen oder einfach Fehlkäufe waren. Auf einem besonders hohen Level möchten ein paar New Yorker Insider, die sich ebenfalls mit dem Nachhaltigkeitsmascherl schmücken, demnächst eine Onlinetauschbörse ins Leben rufen: Zugang zur Tausch-Community „Bib + Tuck“ soll nur erhalten, wer sein Profil von einer gestrengen Jury evaluieren lässt. Nachahmungstäter in Europa werden wohl nicht auf sich warten lassen.

Ebenfalls absehbar ist, dass sich Nunu Kaller und Katrin Becht eines Tages wieder unter die Einkaufenden mischen. Für diese Zukunft haben sie freilich gute Vorsätze: „Ich habe mir fest vorgenommen, im nächsten Jahr klüger einzukaufen“, bemerkt Becht und gibt doch zu: „Beim Winterschlussverkauf 2013 sehe ich mich aber schon zuschlagen.“ Auch Kaller meint, sie wolle künftig der „Fast-Food-Kultur im Textilbereich“ den Rücken kehren, selbst wenn sie wohl nicht zur reinen Ökomode-Fetischistin mutieren wird. Als Belohnung stellt sie sich übrigens einen aus Socken gefertigten Pulli der Wiener Remade-Fashion-Spezialistin Anita Steinwidder in Aussicht. Quasi das ideale Menü, um nach einem Jahr Modediät wieder in die Gänge zu kommen.

5) Und nur wenige Tage später erblickte ich mein eigenes Antlitz im HEUTE (ok, nicht ganz überraschend, weil ich ja interviewt wurde, aber ich kannte das Datum des Erscheinens vorher nicht):

Seit mehr als 100 Tagen

Selbst-Test Nunu (30) geht nicht shoppen

NähenSie lernt jetzt im Stoffsalon nähen (© Graf)

Ich kauf nix-Blog

Alle Infos

Für manche Frauen wäre es wohl die Höchststrafe, Nunu Kaller macht es ganz freiwillig: Ein Jahr lang verzichtet sie auf Shopping-Touren durch sämtliche Bekleidungsgeschäfte. Was hinter dem ungewöhnlichen Selbst-Test steckt, erzählte sie Heute.

Bevor sich Nunu Kaller am 16. Jänner dem Einkaufswahn freiwillig entzog, verfiel sie bei einem Wochenendtrip nach Barcelona noch einmal dem Kaufrausch: „Das letzte Jahr war persönlich sehr schwer. Ich bin draufgekommen, dass ich, wenn es mir schlecht geht, einkaufen gehe. Diesen Kreislauf wollte ich durchbrechen.“ Kaller, die bei der Umweltschutzorganisation Global2000 arbeitet, gibt zu, dass die erste Zeit schwer war.

Nach mehr als 100 Tagen „Modediät“ ist die Mariahilfer Straße aber kein Problem mehr: „Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, baue ich es mir mit meinen eigenen Sachen nach.“ Auch einen Nähkurs besucht Kaller. So einfach kann es gehen… (© Barbara Jandl)

6) Und dann war da noch Radio Kronehit, die mich interviewten und auch einen Beitrag online stellten – ich freute mich sehr, dass der Beitrag einen Tag lang auf der Startseite war:

Shopping-Diät: Ein Jahr Einkaufs-Verbot

Die Shopping-Diät ist der neueste Trend! Ausgehend von den USA wollen auch in Österreich mehr und mehr Menschen auf Einkaufs-Entzug gehen. Shopping-Diät bedeutet: Ein Jahr lang nicht shoppen – also kein Geld für neue Kleidung, neue Schuhe oder neue Accessoires ausgeben. Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern spart auch jede Menge Geld. Auch die Wienerin Nunu Kaller ist seit Monaten auf Shopping-Diät.

7) Mitte Juni wurde es dann rosafarben: NEWS produzierte eine Sonderausgabe namens NEWS Schule, und ich wurde fotografiert und interviewt.

News Schule (c) nunette colour

News Schule (c) nunette colour

News Schule (c) nunette colour

News Schule (c) nunette colour

Samstagabend, und in einer Stunde geht die Party los. Doch was soll Sandra bloß anziehen? Den roten Minirock oder doch die Jeans mit dem blauen Pailletentop? „Hätte ich Mum doch überreden können, mir das pinke Kleid zu kaufen“, denkt Sandra sich ärgerlich. Eine typische Situation – Protagonisten und Ausgehpläne sind austauschbar: Schick angezogen zu sein, die neusten Klamotten zu haben und im Vergleich mit den anderen nicht hinterherzuhinken ist wichtig. Doch wie wichtig? und was ist mit Shoppen? Im Interview erzählen Nunu Kaller und Christian Reininger von ihren interessanten Projekten.

NEWS Schule: Wir haben deinen Blog über den Verzicht auf jeglichen Kleiderkauf für ein Jahr entdeckt. Wie kamst du darauf?

Nunu: Als selbsttest, weil ich davor wirklich sehr viel geshoppt habe. Ich habe einen Artikel einer Redakteurin gelesen, die nach elf Monaten eine ungetragene Jacke mit Preisschild aus ihrem Kasten gezogen hat. Da habe ich bemerkt, dass ich so viel Gewand besitze, dass ich Sachen aus meinem Kleiderberg ziehe und mir denke – cool, die habe ich auch noch. Ich will herausfinden, ob ich ein Jahr durchhalten kann und wieso ich soviel shoppe.

NEWS Schule: Und wie geht’s dir bis jetzt?

Nunu: Es gab schon schwierige Situationen. Zum Beispiel, als ich das erste Mal über eine große Einkaufsstraße nachhause ging und tolle Stiefel in der Auslage entdeckte. Da habe ich echt Tage daran gedacht. Mittlerweile habe ich den Cold Turkey hinter mir und bin draufgekommen, dass ich mich durch Shoppen auch belohnt, abgelenkt oder getröstet habe – zum Beispiel, als meine Katze gestorben ist und ich mich plötzlich in einem Onlineshop mit zwei Kleidern im Einkaufskorb wiedergefunden habe.

NEWS Schule: Was geht dir am meisten ab?

Nunu: Am schwersten ist es, keine Strumpfhosen und Leggings zu kaufen, weil die schnell kaputt werden. Ich frage mich schon, wie ich mit meinem Projekt durch den nächsten Winter komme. Sonst besitze ich echt viel Gewand. Ich hab begonnen zu zählen und bin auf insgesamt 30 Jacken und Mäntel sowie 34 Röcke gekommen. Danach habe ich aufgehört zu zählen.

NEWS Schule: In deinem Blog bezeichnest du dich als „Shopaholic auf Entzug“ Was sind deiner Meinung nach die Hauptgründe für Kaufsuct, vor allem bei jungen Menschen?

Nunu: Ich habe gerade begonnen, ein bisschen etwas darüber zu lesen. Ichd enke, bei Jugendlichen steckt schon so etwas wie fehlendes Selbstbewusstsein dahinter. Das spielt rückblickend sicher auch bei mir eine Rolle. Ich war in der Schule nicht bei der coolen Mädelsclique dabei, sondern eher die Außensiterin. Als ich es mir danach leisten konnte, habe ich viel Geld in Kleidung investiert, um mich optisch abzugrenzen. Davon ist etwas zurückgeblieben: Wenn ich mich heute in meinem Gewand nicht wohlfühle, knallt in mir sofort wieder dieses alte Außenseitergefühl hoch.

NEWS Schule: Wie wirst du nach dem Jahr Auszeit mit Shopping umgehen?

Nunu: Sicher anders. Ich werde mehr auf Qualität Wert legen und überlegen, was ich wirklich brauche. Das „Fast-Food-Shoppen“, bei dem man etwas kauft, nur weil es günstig ist, werde ich lassen. Je länger mein Projekt dauert, desto wichtiger werden mir ökologische Aspekte. Bei einem Leiberl um fünf Euro weiß ich, dass daran zum Beispiel eine Näherin aus Bangladesch für 35 Euro Monatslohn gearbeitet hat, die in einem kleinen Zimmer haust. Für das gibt sie 30 Euro aus und fünf Euro bleiben ihr zum Leben. Dabei würde ein Preisanstieg von nur 50 Cent pro Shirt der Frau einen Mindeststandard von 64 Euro Monatslohn bringen. Aber das ist nur ein Beispiel, in China ist es ähnlich. Und auch die Umweltbelastung stört mich. Bei so etwas denke ich mir jetzt: Das kann doch nicht wahr sein!

NEWS Schule: Was genau beschäftigt dich in punkto Umweltbelastung?

Nunu: Es gibt zum Beispiel spanische Firmen, die ihre Kleider in Ländern wie Indien und Marokko produzieren lassen und diese dann zum Verpacken nach Spanien schiffen. Von dort werden sie wieder in chinesische Filialen geschickt. Die Kleider reisen also einmal um die Welt, bleiben eventuell auch noch im Zoll hängen und landen auf dem Müll. Bei so etwas möchte ich einfach nicht mehr mitmachen.

8) ATV Life

Also. Ich war im Fernsehen. Und ich muss zugeben: Ich hab mich selbst schon anschauen können. Stirnfransen schneiden sollt ich wiedermal. Und fasten. Aber mei, ich red mich jetzt mal auf Kamera und fünf Kilo mehr und so raus …. Und ja, ich rede so. Mit viel „Gesicht“…

Hier gehts zum Video – Sendung vom 4.9. Falls der Link nicht geht, versuchts mal hier.

9) Bewusstkaufen.at

Die liebe Andrea von der Agentur, die hinter bewusstkaufen.at steht, bat mich um einen Gastbeitrag. Und hier ist er – war sogar kurz auf der Startseite des Portals, yey!

Ich kauf nix – Bewusst (nicht) kaufen

Gastbloggen für Bewusstkaufen.at/blog also. Spannende Anfrage. Ich kauf doch gar nix, ich kaufe also nicht bewusst, ich kaufe bewusst nicht. Doch auch beim bewusst nicht kaufen lernt man bewusstes Kaufen.

Doch zuerst erkläre ich lieber einmal, wieso ich mich zum einjährigen Shoppingboykott entschlossen habe. Ich habe immer schon gerne geshoppt, on- und offline. Doch im Jahr 2011 übertrieb ich es damit – ich ging wirklich permanent in die Filialen der großen Textilketten und deckte mich mit Dingen ein, die ich sowieso nicht brauchte. Da noch ein Rock, dort ein Kleid, und Himmel, diese Stiefel, die ich online entdeckt hatte, die mussten einfach sein. Der Zusammenhang lag auf der Hand: Aufgrund  von mehreren persönlichen Schicksalsschlägen war ich permanent traurig und schlecht drauf – und brauchte etwas zur Aufheiterung, Ablenkung, Belohnung oder zum Trost. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, wann ich etwas gekauft habe, weil ich es auch wirklich als Kleidungsstück gebraucht habe.

Gleichzeitig war ich aber eine Meisterin der Verdrängung – natürlich war mir klar, dass ich mit dem Rock um zehn Euro Umweltverschmutzung, Pestizideinsatz, Kinderarbeit und mieseste Bezahlung der Näherinnen „mitbezahlte“. Nachdem ich bereits seit einigen Jahren im NGO-Bereich arbeite, wusste ich es sogar sehr gut. Doch kaum war ich aus dem Büro draußen und in der favorisierten Textilfiliale drinnen, war dieses Wissen plötzlich sehr weit verdrängt, ganz weit hinten im Hirnkastl verstaut. Weil ich doch so dringend genau dieses Kleid brauchte…

Und damit war ich wohl eine von vielen. Wir alle haben es doch schon mal gehört. So gut wie alle wissen, dass in den Fabriken in Fernost immer wieder Kinderarbeit aufgedeckt wird, viele wissen von den schrecklichen Bezahlungsverhältnissen in Bangladesch, wo Näherinnen um die 40 Euro im Monat verdienen (was auch in Bangladesch alles andere als viel ist), und manche wissen vielleicht sogar, wie umweltschädigend und gesundheitsgefährdend der konventionelle Baumwollanbau ist. Doch mitten im sauberen, gutsortierten, parfümierten und hintergrundbeschallten Fashion Store ist all das nicht zu sehen. Am fertigen Produkt sieht an vielleicht eine schräge Naht oder einen wegstehenden Faden, aber nicht, dass das Kleidungsstück bereits um die halbe Welt verschifft wurde und noch vor seinem ersten Einsatz an meinem Körper mehr Kilometer hinter sich hat, als ich in zwei Jahren zusammenbringen würde.

Meine Entscheidung, für ein Jahr lang keine neue Kleidung, keine neuen Schuhe, Taschen und Accessoires zu kaufen, um meiner eigenen Psyche ein Schnippchen zu schlagen, ging also einher mit dem Beschluss, mich mit der Herkunft meiner Kleidung genauer zu beschäftigen. Damit waren alle die obengenannten Infos wieder ganze weit vorne im Bewusstsein. Inzwischen – es sind bereits über acht Monate meines Projekts vergangen – kommt für mich nächstes Jahr ein Rock oder ein Top um fünf Euro einfach nicht mehr in Frage.

Während meiner Shoppingabstinenz habe ich also begonnen, mich mit dem Rundherum der Bekleidung zu beschäftigen, und nicht mehr nur auf Produkt und Preis alleine zu schauen. Und genau da liegt die Essenz des bewussten Kaufens: Man muss hinterfragen. Egal, ob es sich um Nahrung, Kleidung oder sonstige Produkte handelt: Die Kaufhandlung an sich muss wieder bewusster werden.

Für mich steht fest: Nächstes Jahr gibt es Neukäufe, wenn möglich, nur aus fairer und ökologischer Produktion.

10) Kurier.at – Hofer lebt den Öko-Wahn

Freut mich auch sehr, die Geschichte, weil das Einkaufengehen mit Stefan wirklich lustig war!

Hofer kauft sich eine Hose… (1/2)

Klima-Blog, Woche 14: Die „Wear Fair“ gastiert in Linz. Ich traf mich anlässlich der Mode-Messe mit einer Expertin zum Gespräch. Ort: der kürzlich eröffnete Vegan-Store „Muso Koroni“.

"Muso Koroni"... ist eine westafrikanische Göttin, die Pflanzen und Tiere erschafft. „Muso Koroni“… ist eine westafrikanische Göttin, die Pflanzen und Tiere erschafft.

Schreib doch mal etwas über Mode!“ sekkierten mich Freundinnen. Allein, es fehlten Ehrgeiz, Interesse, Wissen. Seit ich mich redlich bemühe, nachhaltig zu leben – also seit Ende Mai – habe ich kein Gewand mehr gekauft, keine Socke, nichts. Niente. Mein Motto: Solange ich noch Komplimente ob meiner Garderobe bekomme (und diese zurückgeben darf), dürfte es mit dieser nicht allzu sehr im Argen liegen. Warum also Neues kaufen?

Ich komme aus einer kinderreichen Familie. Wem dies nicht Erklärung genug ist: Zuerst trug ich Schnürlsamthosen (heute sagt man Cord, oder?) und Jeans, die ein Bruder schon getragen hat. Oder beide. Oder alle meine Geschwister. Nach mir in der Kette kam nur mehr die Altkleidersammlung. Die Hosen waren also nicht neu, aber noch gut.

Irgendwann folgte die Rebellion: Eigene Jeans! Die erste Tat… Jeans mit Schere und Händen zu präparieren und aufzureißen. Die Hosen waren also neu, sahen aber nicht mehr gut aus.

Heutzutage nimmt die Mode-Industrie sogar diese handwerkliche Arbeit ab (Wo bleibt da der Spaß?). Das nennt sich dann „stonewashed“, ist ungesund und verkürzt die Lebenszeit von Hosen nach eigener Erfahrung unheimlich.

„Ich kauf nixx“

Jüngst, am Tag der offenen Tür des KURIER, schneite Nunu Kaller in die Redaktion herein. Schneite deshalb, weil man im Spätsommer ja auch nicht mit dem Wintereinbruch rechnet. Der Vergleich holpert enorm, erinnerte mich aber an dringend benötigte Kleidung für die kalte Jahreszeit. Und Nunu ist eine Koryphäe in Sachen Mode.

Sie bezeichnet sich selbst als Shopaholic, kauft aber seit Mitte Jänner ein Jahr lang kein neues Kleidungsstück. Für manchen Mann nicht weiter ungewöhnlich, für viele Frauen aber allemal. Aber hallo.

Auf ihrem Blog „Ein Jahr ohne Kleiderkauf“ schildert sie abseits ihrer Kämpfe mit Wollknäuel auch die oft erschreckenden Zustände und Produktionsabläufe in der globalen Bekleidungsindustrie. Das weckte meine schlummerndes Interesse für das Thema dann doch.

Atmosphärisch

Fair eingekleidet: Mit Jasmin Schister in ihrem Vegan-Shop in der Josefstädter StraßeWir trafen uns am Dienstag im „Muso Koroni“ von Jasmin Schister, um für mich einzukaufen. Im erst vor wenigen Wochen eröffneten Shop in der Josefstädter Straße im 8. Wiener Gemeindebezirk verkauft die gebürtige Steirerin Mode und andere Produkte, die drei Kriterien erfüllen: Sie sind vegan, fair und ökologisch. Ich verließ mit zwei T-Shirts und einem Kapuzenpulli den sehr charmant eingerichten Laden. Außerdem kaufte ich eine Hose.

Schister ist übrigens als Ausstellerin auch auf der am Freitag beginnenden „Wear Fair“ vertreten.

„Wear Fair 2012“

Die Messe für faire und ökologische Mode und Design findet vom 28.-30. September zum bereits fünften Mal statt. In der denkmalgeschützten Tabakfabrik in Linz können sich Interessierte über nachhaltige Kleidung aus sozial verantwortlicher und ökologischer Produktion informieren, rund 120 Marken sind vertreten. Ein Schwerpunkt wird heuer auf Design und Style aus dem Bereich Upcycling gelegt (aber dazu ein andermal mehr). Der Eintritt kostet vier Euro.

Wer bei den mittlerweile unzähligen Gütesiegeln in der Bekleidungsbranche Durchblick bewahren möchte, dem sei diese Übersicht auf der Messe-Website empfohlen.

Nach dem Einkauf sprach ich mit Nunu Kaller über Baumwoll-Produktion, Greenwashing uvm. Fortsetzung folgt.

11) WIENERIN!!!

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12) Stöckl am Samstag

Ich habe etwas überlegt, ob ich mir den TV-Auftritt geben soll (aufgrund zweifelhafter Erfahrungen mit einer anderen Produktion), bin jetzt jedoch sehr froh, teilgenommen zu haben, weil: Die Runde war einfach super!

Der Link geht leider nicht mehr….

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13)  Kurier.at, die Zweite

Ich hatte so ein lässiges, langes Gespräch mit Stefan Hofer, dass er die Geschichte über mein Thema auf zwei Beiträge aufteilte. Hier der zweite:

… und geht mit Nunu Kaller essen (2/2)

Klima-Blog, Woche 16: Die Wienerin im Gespräch über ihre Mode-Diät, Chemikalien-Einsatz, Kleidertauschpartys und Selbstmorde indischer Baumwoll-Bauern.

Letztes Update am 05.10.2012, 11:53

Nunu Kaller: Der Anarcho-Hase hätte ihr gefallen, sie blieb im "Muso Koroni" aber enthaltsam. Nunu Kaller: Der Anarcho-Hase hätte ihr gefallen, sie blieb im “Muso Koroni” aber enthaltsam.

Wie kürzlich berichtet, habe ich Nunu Kaller zum Interview getroffen. Nunu Kaller kauft ein Jahr keine Kleidung – und sorgt damit medial für Aufsehen. Wir haben uns nach dem Besuch im Vegan-Shop “Muso Koroni” im Cafe Hummel in Wien über folgende Themen unterhalten…

… die Idee, ein Jahr keine Kleidung zu kaufen
Habe ich im Winter beschlossen. Kurz vor Weihnachten bin ich in einer Zeitschrift auf dieses Konzept gestoßen. Ich hab mir am letzten Tag vor Beginn des shoppingfreien Jahres noch einen Mantel gekauft, in einem leichten Anflug von Panik. Zurück in Österreich ist es am Montag losgegangen. Ich hab mir für dieses Jahr nicht nur vorgenommen, nichts zu kaufen, sondern mich auch über die Hintergründe der Kleidungs-Produktion zu informieren.

… die Reaktion deines Freundes
Er war Feuer und Flamme! – ihn hat meine Shopperei eh schon genervt. Wofür ich ihn sehr lieb hab: Er hat sofort gesagt, er wird diplomatisch auch ein Jahr auf etwas verzichten, was ihm wirklich schwerfällt: auf Gummibärchen (lacht). Er unterstützt mich.

… der Kollektionen-Wahn
Der Mode-Zyklus ist einfach zu schnell geworden. Früher, als ich etwa zwölf war, hat es maximal vier bis fünf Kollektionen im Jahr gegeben. Und wenn du dir ein T-Shirt eingebildet hast, dann hat man das drei Wochen später auch noch kaufen können. Heutzutage hat Zara bis zu 60 Kollektionen, H&M 40 oder 45. Die kriegen alle zwei Wochen neue Kollektionen geliefert!

… Wegwerf-T-Shirts um fünf Euro
Eine 20-jährige Bekannte erzählte mir: “Ich hab mir um drei Euro ein T-Shirt gekauft und geh` heute Abend damit weg. Die Naht ist schon ein bissl offen, aber ist eh wurscht, ich hau` es weg und wasche es gar nicht.”

Ich sage: T-Shirts länger tragen und gut behandeln. Ich wasche sie selten, nicht über 30, 40 Grad. Und trotzdem sind sie kaputt, weil sie einfach eine miese Qualität haben. Bei Kleidung aus Bio-Produktion hast du in 99 Prozent der Fälle auch eine bessere Qualität. Viele Leute kaufen sich vier T-Shirts, weil sie so schnell kaputt gehen. Dann investiert bitte die 20 Euro für vier T-Shirts in ein Gescheites!

  Protest indischer Baumwoll-Bauern, März 2012… Chemikalien in der Kleidung
Es gibt Einnäher, auf denen sogar steht: Vor dem ersten Tragen waschen. Don’t buy it! Da kaufst du einen Chemiecocktail, der seinesgleichen sucht. Wenn Hersteller sogar zugeben, dass du das Stück vor dem ersten Waschgang nicht auf der Haut tragen solltest, dann ist das sehr bezeichnend.… Selbstmorde indischer Baumwoll-Bauern
Ein Viertel aller weltweit eingesetzten Pestizide landet auf der Baumwolle. Schockierend ist die Vorgangsweise von Monsanto (Anm.: In Indien hat der US-Agrarkonzern mit gentechnisch veränderten Baumwollsamen ein Monopol geschaffen und die traditionellen, billigeren Samen vollständig verdrängt). Die Bauern verschulden sich, weil sie Land dazukaufen, da Monsanto ihnen vermittelt, sie können mit gentechnisch modifizierten Samen viel mehr ernten. Diese Gensamen sollten resistent gegen den Kapselwurm – der gefährlichste Schädling bei Baumwolle – sein. Nach nur einer Saison war der Wurm wieder da, die Bauern hatten Unmengen an Geld für Samen und Land ausgegeben und standen vor dem Nichts. Dieses Spiel wiederholt sich derzeit sogar. Insgesamt sollen sich über 200.000 Bauern deshalb bereits allein in Indien umgebracht haben – in den meisten Fällen trinken sie Pestizide.

  Baumwollkapseln: Weiter Weg vom Zweig bis auf die Stange im Geschäft … Alternativen zu Baumwolle
Bis vor 200 Jahren kannte man Baumwolle nicht. Da trugen die Menschen Leinen, Bambusfasern und irrsinnig viel Hanf – mein Lieblingsbeispiel. Hanf ist – vor allem in den USA – extrem kriminalisiert worden, dadurch ist das Wissen darüber verloren gegangen. Der Vorteil bei Hanf: Es wird kein Unkrautvernichter benötigt, der Hanf ist das Unkraut. Er ist auch einfacher zu ernten. Langsam baut sich dieses Wissen um Hanf wieder auf.… was tun mit alter Kleidung
Altkleidersammlungen sehe ich seit einer TV-Doku darüber relativ kritisch. Das Zeug haut den afrikanischen Textilmarkt komplett zusammen, weil die liefern da tonnenweise runter, dort wird es auf Secondhand-Märkten verkauft, es gibt keine eigene afrikanische Textilproduktion mehr, weil die nicht mithalten können. Aus dem Bauch heraus denke ich zunächst einmal an Tauschpartys – eine findet etwa am 10.10. in Wien in der Sargfabrik statt (alle Infos zur Kleidertauschparty). Oder du gibst es wirklich dort weiter, wo du siehst, dass es ankommt, etwa Decken und Jacken direkt in der Gruft, dem Caritas Betreuungszentrum. Da wird es gebraucht, ohne Transport-Zwischenschritte.… Verschleiss und wie es nach dem Jahr weitergeht
Es gibt Sachen, die sich schon auswaschen und grauslich werden. Wenn sie löchrig werden, nähe ich sie. Aber grundsätzlich ist noch genug da. Und danach geht es auch gar nicht mehr anders: Ich möchte nicht mehr aus konventioneller Produktion kaufen, sondern auf die Herkunft achten. Gerade jetzt, wo mein Blog so eine Breitenwirkung hat, könnte ich es vor mir selbst und vor anderen gar nicht mehr verantworten, ein T-Shirt um fünf Euro zu kaufen. Und vor allem: Ich will es auch gar nicht mehr.

14) FM4 – Labor Leben

Ich hatte die Ehre, die erste Interviewpartnerin in Irmi Wutschers neuer FM4-Serie „Labor Leben“ zu sein.

Labor Leben – Eine Versuchsreihe

Menschen erzählen von ihren Selbstversuchen. Jeden Dienstag auf FM4.

Ein Jahr lang keine Kleidung kaufen? In einem gottverlassenen Landstrich Kulturprogramm aufstellen? Oder sich die Beine nicht mehr rasieren? FM4 will sie kennenlernen, die Projekte und Versuche, mit denen Menschen ihre Leben verändern.

Jeden Dienstag stellen wir euch Menschen vor, die etwas wagen, die versuchen ihr Leben zu ändern oder sich eine Zeit lang gewisse Aufgaben stellen. Die Gründe so etwas zu tun sind dabei so unterschiedlich wie die Projekte selbst: Um mehr Bewusstsein für die Dinge um sich herum zu entwickeln, um der Umwelt oder anderen Menschen etwas Gutes zu tun, um die eigenen Grenzen auszutesten oder um sich weiter zu entwickeln.

Den Anfang der Serie machen Nunu Kaller und Barbara Musil, die sich jeweils sehr verschiedenen Aufgaben gestellt haben:

„Ich kauf nix“ – Nunu Kaller

Nunu Kaller kauft sich seit 16. Jänner 2012 für genau ein Jahr lang keine Kleider. „Das ist an sich nicht die Riesengeschichte, manchen Männern passiert das öfter mal“, sagt sie. „Aber für mich ist das eine große Herausforderung.“

Nunu, die auch für eine Umweltschutzorganisation arbeitet, erzählt, dass sie gerade eine Zeit hinter sich hat, in der sie mit vielen persönlichen Rückschlägen fertig werden musste. Und sie hat gemerkt, dass sie sich mit Einkaufen permanent abgelenkt hat. „Ich bin zwei- oder dreimal im Monat in den Textilschweden hinein und hab mir dort einen billigen Rock oder ein billiges Kleid gekauft – einfach nur, um mich abzulenken oder um mich zu belohnen – aber definitiv nicht, weil ich das Zeug gebraucht habe!“

Seit vergangenen Jänner wird also keine Kleidung mehr neu gekauft. Wenn sie neue Sachen haben will, dann tauscht Nunu mit anderen. Oder sie versucht sich ihre Kleider selbst herzustellen, zu nähen oder zu stricken. Außerdem hat Nunu einen Blog eingerichtet: auf ichkaufnix.wordpress.com berichtet sie von Höhen und Tiefen im Selbstversuch, was für Schätze sie im Kleiderkasten ausgräbt oder wie es mit dem Pulloverstricken weiter geht. Aber nicht nur das: Nunu informiert sich auch über Textil- und Kleidungsproduktion und teilt ihre Erkenntnisse auch über den Blog mit. So erzieht sie sich und eine wachsende Anhänger_innenschar auch zum verantwortungsbewussten Kleidungskonsum. „Es macht mich wahnsinnig stolz, dass mein Projekt auf so viel Interesse stößt und dieser Blog so viele Leser hat. Ich wollte das nicht provozieren – aber es freut mich irrsinnig!“

15) Grazer Woche (Online und Print):

Ichkaufnix in der Grazer Woche

Tirili, die Medien haben mich schon wieder entdeckt – und dank des Hinweises eines Lesers aus Graz habe ichs dann auch entdeckt: Ich bin in Meine Woche Graz erschienen. Anscheinend auch im Print (liebe Grazer LeserInnen, wollt ihr für mich scannen? Hab zwar um ein Belegexemplar angefragt, aber noch keine Antwort), und hier online.

http://www.meinbezirk.at/graz/chronik/bewusst-kaufen-statt-shoppen-d403708.html

http://www.meinbezirk.at/graz/chronik/bewusst-kaufen-statt-shoppen-d403708.html

16) Typischich.at

Oh wow, ich war auch in der Online-Wienerin – und hab komplett drauf vergessen. Das Ausmaß des Medieninteresses nimmt langsam echt bedenkliche Maße an – aber ich freu mich drüber, sehr! Und seit gestern weiß ich übrigens, dass ich mein Engagement auch weiterhin beruflich einsetzen darf ;) Freuen, jetzt!

Aber zurück zur Wienerin – hier gehts zum Interview:

http://typischich.at/home/wienerin/aktuelles/1313009/Die-Lust-am-Verzicht?from=suche.intern.portal

17) Gastbeitrag #2 auf bewusstkaufen.at

Ich darf meinen eigenen Regeln zufolge immer noch keine Kleidung kaufen, auch nicht bewusst. Nachdem ich jedoch innerhalb dieses einkaufsfreien Jahres festgestellt habe, dass ich nächstes Jahr meinen Kleiderkauf wirklich anders gestalten will als bisher – richtig geraten, bewusster – habe ich begonnen zu recherchieren. Ich freue mich sehr, eine kleine Auswahl dieser Geschäfte und Onlineportale hier vorstellen zu dürfen. Eine ausführlichere Liste, die auch laufend erweitert wird, finden Sie auf ichkaufnix.wordpress.com.
In Österreich gibt es ein viel größeres Angebot an Bio-Mode als angenommen. FeldkircherInnen können sich im Kleidergrün (www.kleidergruen.at) eindecken, in Graz bietet das Zerum eine Vielfalt an Bio-T-Shirt und -Pullovern (shop.zerum.at). In Linz gibt es das wunderbare Xiling (www.xiling.at), das bereits in zweiter Generation geführt wird und ausschließlich zertifiziert ökologisches, biologisches und fair Gehandeltes aus Naturmaterialien im Angebot hat. In Wien empfehle ich aus ganzem Herzen einerseits das Muso Koroni in 1080 Wien (die unter www.muso-koroni.com auch einen Onlineshop betreibt): Jasmin Schister hat nämlich wirklich leistbare Mode im Angebot und auch eine überraschend große Auswahl für Männer, die in Sachen fairer Biomode ja oft noch auf das klassische T-Shirt reduziert werden. Andererseits ist auch Anukoo (www.eza.cc/anukoo/anukoo.asp) in der Wiener Gumpendorferstraße sehr empfehlenswert: Die Modelinie der EZA Fairer Handel bringt zweimal im Jahr neue Kollektionen heraus, die 100% fair produziert werden – und nebenbei auch noch ziemlich stylish sind.

Die GOTS-zertifizierten Baumwollmodelle der Göttin des Glücks (www.goettindesgluecks.at) kann man sowohl online als auch in Filialen in Wien, Graz, Linz und St. Pölten erstehen. Auch die Grüne Erde hat mehr im Angebot als Möbel aus Holz: Die Modelinie von ihnen kann sich weitgehend sehen lassen und ist in Filialen in ganz Österreich erhältlich (www.grueneerde.com/de/Info/shops_oesterreich.html).

Die beste Quelle für ökofaire Mode ist immer noch das Internet. Es gibt bereits eine Vielzahl an Versandhäusern, die sich komplett der Biomode verschrieben haben. Unter anderem nennenswert sind hierbei Avocado (www.avocadostore.de/), Maas-Natur (maas-natur.de/) und der Waschbärversand (www.waschbaer.de/) – wobei es die stylishsten Teile sicherlich bei Avocado zu finden gibt…

Man sieht: Wenn man sich damit beschäftigt und bewusst recherchiert, findet man Alternativen zur konventionellen Kleiderproduktion in Hülle und Fülle. Das Angebot ist nicht zwangsweise weniger, es ist nur ein anderes. Und ja, die Sachen sind über weite Strecken teurer als bei den klassischen Anbietern wie etwa H&M, C&A und wie sie alle heißen. Ökomode steht jedoch auch für ein anderes Einkaufskonzept: Wer bewusster kauft und bereit ist, für Qualität und faire Produktion mehr auf den Tisch zu legen, muss sich unabhängig machen von dem schnellen Trendwechsel, von dem unsere Zeit geprägt ist. Zara hat beispielsweise alle zwei Wochen eine neue Kollektion im Angebot. Doch mal ehrlich: Können wir da noch mithalten? Wollen wir es überhaupt?

18) Salzburger Nachrichten (Online und Print):

Konsumverzicht – ein Jahr ohne Einkaufswahnsinn

Von (sn) Maria Mackinger | Aktualisiert vor 5 Tagen | Kommentieren

Nunu Kaller ist in der Vorweihnachtszeit nicht dem Kaufrausch verfallen. Schon seit einem Jahr verzichtet die Wienerin aufs Shoppen. „Eine Befreiung“, sagt sie.

Konsumverzicht - ein Jahr ohne Einkaufswahnsinn

 Bild: SN/PRIVAT

Neulich in der Mariahilfer Straße: ein Gedränge, ein Geschiebe, Menschentrauben vor den Läden. „Mir hat beim Zuschauen so gegraust“, sagt Nunu Kaller, die Situationen wie diese seit fast einem Jahr nur mehr aus der Beobachterposition kennt. Schließlich geht die Wienerin seit 16. Jänner 2012 nicht mehr auf Shoppingtour. Neue Kleidung, neue Taschen, neue Schuhe – für die 31-Jährige ein Jahr lang ein selbst auferlegtes Tabu. „Und eigentlich kein Problem für mich, ich hab ja genug davon in meinen Schränken“, sagt sie. In ihrem Blog ichkaufnix.wordpress.com schreibt sie regelmäßig darüber.

Entschlossen zu diesem drastischen Schritt habe sie sich „nach einem fürchterlichen Jahr 2011“. „Es gab einen Todesfall in meiner Familie und mehrere Krankheitsfälle. Ich habe versucht, mir nach außen hin nichts anmerken zu lassen und bin ständig einkaufen gegangen, um nicht über diesen Horror nachzudenken.“ Als Tiefpunkt habe sie empfunden, als sie sich für eine Hochzeit ein elegantes Kleid kaufen wollte, aber mit einem Cordrock und einem Baumwollleiberl heimkam. Ein Kleid für die Hochzeit fand sie später in ihrem Kasten.

„Wie viel Geld ich damals ausgegeben habe, kann ich nicht sagen, es ist sich am Monatsende immer alles ausgegangen“, erzählt sie. Gespart habe sie seit ihrem Konsumverzicht jedenfalls einiges, dafür finanzierte sie sich eine Ausbildung. „Einen Nähkurs habe ich auch gemacht. Aber dafür fehlt mir die Genauigkeit.“ Lieber strickt sie, für sich und für andere. Einiges davon wird heuer unterm Christbaum liegen.

Zu stricken und zu nähen habe sie nicht etwa deshalb begonnen, weil sie Geld sparen wollte, „sondern weil ich sehen wollte, wie viel Arbeit eigentlich dahintersteckt, bis so ein Rock fertig ist“. Damit sei sie zwangsläufig beim Thema Öko-Mode gelandet. „Es ist erschreckend, welche Abgründe in der konventionellen Modeproduktion herrschen.“ Ökologisch und sozial. „Dass eine Näherin im Monat weniger verdient als wir für einen einzigen Pulli ausgeben, kann ja nicht sein. Es gibt Länder, in denen die Menschen nicht genug Boden haben, sich etwas zu essen anzubauen, weil ihre Felder für den Baumwollexport benötigt werden“, sagt Kaller, die Mitarbeiterin der Umweltschutzorganisation Global 2000 ist.

„Es geht nicht darum zu sagen: Ich kaufe gar nichts. Aber es würde sehr helfen, wenn die Menschen sich wieder mehr anschauen, wo etwas herkommt, und dass man nicht immer alles haben muss. Dass man sich lieber einen qualitativ hochwertigen und damit auch teureren Pulli kauft, für den die Hersteller auch fair bezahlt werden, statt beim Textildiskonter um die Ecke fürs gleiche Geld drei Pullis zu kaufen.“ Kaller sagt, sie sei damit aufgewachsen, dass Kleidung wie selbstverständlich von den älteren an die jüngeren Geschwister weitergegeben wird. „Das geht heute oft nicht mehr, weil das billige Zeug nicht so lang hält“, sagt sie. Neulich sei sie an einem Spielzeugladen vorbeigekommen, wo in der Auslage ein Turnsackerl hing mit der Aufschrift: „We love shopping.“ „Als wäre Einkaufen ein Hobby für Volksschülerinnen“, sagt sie und schüttelt den Kopf.

Seit Einkaufen nicht mehr zu ihren Hobbys zählt, habe ihr Leben viel an Qualität gewonnen. „Es hat mir gutgetan, mich zurückzunehmen, nicht mehr dem – auch finanziellen – Druck ausgesetzt zu sein, immer die neueste Kollektion im Kasten hängen zu haben.“ Sie habe mit ihrem Konsumverzicht nicht die Welt verändert, „aber mir selbst hat es viel Entspannung gebracht, und ich weiß, dass mein Einkaufsverhalten ab dem 16. Jänner 2013 ein anderes sein wird“. Nachhaltige Alternativen gebe es genug: bei Tauschbörsen oder in Second-Hand-Geschäften. „Es gibt auch eine große Zahl an öko-fairen Designern“, sagt Kaller.

Bei einem von ihnen wird sie demnächst ihr striktes Kauf-nix-Jahr beenden. „Ich werde mir Stiefel kaufen, darauf freue ich mich sehr.“ Es ist ja nun etwas Besonderes.

19) Kronenzeitung (eine volle Seite am 25.12.)

(c) nunette colour

(c) nunette colour

20) Derstandard.at:

Ein Jahr ohne Instant-Kleidung

Günther Brandstetter, 16. Jänner 2013, 14:01
  • Das krönende Ergebnis der Shopping-Diät von Nunu Kaller: Zwei selbst gestrickte Pullover.
    foto: derstandard.at/gueb

    Das krönende Ergebnis der Shopping-Diät von Nunu Kaller: Zwei selbst gestrickte Pullover.

  • "Sie sind zwar nicht perfekt, aber ich bin wahnsinnig stolz drauf, dass ich mich wirklich traue, meine Strickkunst auch außerhalb der eigenen vier Wände anzuziehen", lautet das Resümee der 31-jährigen Wienerin.
    foto: derstandard.at/gueb

    „Sie sind zwar nicht perfekt, aber ich bin wahnsinnig stolz drauf, dass ich mich wirklich traue, meine Strickkunst auch außerhalb der eigenen vier Wände anzuziehen“, lautet das Resümee der 31-jährigen Wienerin.


Nunu Kaller war ein Shopaholic auf Entzug – genau genommen seit dem 16. Jänner 2012. Das Ziel: 365 Tage lang Kleidung selber stricken und nähen

Nunu Kaller war süchtig. Süchtig nach neuen Kleidungsstücken. Mehrmals im Monat das gleiche Ritual: nach getaner Arbeit noch schnell rein in den nächsten Textildiskonter à la H&M, Zara oder Mango, um für 15 bis 20 Euro ein neues Kleid, einen trendigen Pullover oder eine schicke Hose zu kaufen.

Angefangen hat alles 2011. „Das war ein richtiges Scheißjahr, in dem die Schicksalsschläge wie eine Gewitterfront über mich hereinbrachen. Ein Todesfall in der Familie, gefolgt von einer schweren Erkrankung im Verwandtenkreis und übermäßig Stress im Job“, beschreibt die 31-jährige Wienerin die Hintergründe für ihr Dasein als Shopaholic.

Der Konsumrausch habe derartige Ausmaße angenommen, dass sie begann, die neuen Sachen vor ihrem Freund zu verstecken und erst drei Wochen später anzuziehen. Auf die Frage, „ob das Kleidungsstück neu ist“, konnte sie so mit gutem Gewissen entgegnen: „Nein, das habe ich schon länger.“

Entschluss zur Shopping-Diät

Schließlich wurde ihre Leidenschaft doch bemerkt. „Nicht, weil mich mein Freund so genau angesehen hätte, sondern weil ihm die Menge an Plastiksackerln in der Küche aufgefallen ist“, so Nunu Kaller. Als sie Anfang 2012 bei einem Kurztrip ins spanische Modemekka Barcelona zufällig auf einen Artikel über eine deutsche Shopping-Verweigerin stieß, kam sie ins Grübeln: „Es waren nur ein paar Zeilen, aber dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Irgendwie klang das so erleichternd.“

So fasst Kaller ihren Entschluss zur einjährigen Shopping-Diät. Eine Stunde vor dem Rückflug befällt die Wienerin Panik. Das Resultat: Sie steigt in Wien mit einem neuen Mantel aus dem Flieger. Es sollte das letzte neue Kleidungsstück für längere Zeit sein.

„Ich bin für vieles bekannt, aber definitiv nicht für meine Konsequenz“, gesteht Nunu Kaller. Um sich zu disziplinieren, eröffnet sie kurzerhand einen Blog, in dem sie ihre Erfahrungen mit der selbst auferlegten Shopping-Abstinenz kommentiert.

Während dieser 365 Tage stellt sich für die 31-Jährige auch zunehmend die Frage, „wo und wie ein Großteil der Textilien produziert wird“. Sie beginnt sich mit den prekären Arbeitsbedingungen in Hauptproduktionsländern wie Bangladesch, Pakistan, Indien, China und Teilen von Afrika auseinanderzusetzen, informiert sich über Umweltaspekte der Baumwollproduktion und recherchiert, welche Modelabels eine Alternative durch faire und ökologisch nachhaltige Produktion bieten. Die Ergebnisse ihrer Suche macht sie über ihr Online-Tagbuch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Eigenen Angaben zufolge verzeichnete ihr Web-Diary an manchen Wochenenden bis zu 10.000 Klicks.

Alternative Trostpflaster

Zu dieser Zeit entdeckt Kaller auch ihre Freude am Stricken und Nähen. Anfänglich wagt sie sich nur über relativ banale Dinge wie Schals, Hauben, Fäustlinge und Röcke. Schließlich folgen eine Sehnenscheidenentzündung und zwei Pullover – der dritte ist in Arbeit. „Beim Stricken hatte ich manchmal das Gefühl, ich produziere ein Zelt. Der erste Pullover ist auch etwas breit geraten, aber immerhin – er ist geworden“, lautet ihr selbstironisches Fazit.

Am 16. Jänner 2013 ist es theoretisch vorbei mit der textilen Konsumverweigerung. „Ich werde aber sicher nicht wieder in den Shopping-Wahn verfallen“, sagt Kaller. Vielmehr möchte sie künftig mehr auf Qualität achten und fair, ökologisch und einfach „entschleunigt“ einkaufen. „Es müssen nicht mehr drei T-Shirts und zwei Hosen sein, sondern ein Stück, das wirklich passt.“ Vielleicht sogar zu einem der selbst gestrickten Pullover.

Kaller betont, dass sie mit ihrer Aktion nicht die Welt verändern möchte.“Ein Jahr keine Kleidung zu kaufen passiert manchen Männern öfter einmal. Es war für mich einfach eine wichtige und gute Erfahrung, mehr nicht.“ Nicht umsonst titelt der aktuelle Blogeintrag mit der Frage: „Wos woar mei Leistung?“. (Günther Brandstetter, derStandard.at, 16.1.2013)

21) Kronehit:

22) Anschläge:

22) Kurier Print, 17.2.2013:

Wider den Konsumwahn Verzichten macht glücklich und innerlich reich. Erster Schritt dazu: Co-Konsum – einer der Trends des 21. Jahrhunderts.

Denn arm ist, wer viele Bedürfnisse hat“ Hl. Basilius von Cäsarea

Vor großen Handelsketten graut Nunu Kaller inzwischen: „Diese laute Musik, dieses Gedränge, diese Massen – das alles überfordert mich.“ Das war nicht immer so: Die 31-Jährige hatte stets einen gut gefüllten Kleiderschrank. Nach einigen Schicksalsschlägen in der Familie wurde es extrem: „Ich habe angefangen, mich mit Shoppen abzulenken. Es war leichter, sich mit Outfits auseinanderzusetzen als mit meinen Problemen.“ Das ging so weit, dass sie ihre Einkäufe sogar vor ihrem Freund versteckte und viele Teile ungetragen im Kasten hängen blieben. Dann kam die Wende: Nunu Kaller beschloss, nach Lektüre eines Artikels über Konsumverzicht, gleich ein ganzes Jahr aufs Shoppen zu verzichten. Aus der Idee entstand ein Blog, der inzwischen mehr als 160.000-mal besucht wurde.

Die Industrieländer hängen am Konsumzwang wie Drogensüchtige an der Nadel. Längst ist bekannt, dass Konsumenten nicht an den gekauften Gütern interessiert sind. Sie brauchen sie nur zur Inszenierung ihrer Fantasie – wie Theaterrequisiten. Die Psychologin Sandra Gerö spricht in diesem Zusammenhang von Ersatzbefriedigung und Belohnungsmechanismen, die in Suchtverhalten münden können. Ein Zehntel aller Menschen schlittert irgendwann hinein: „Oft kauft man sich auch Prestige und Image. Je angeknackster das Selbstbewusstsein und verunsicherter die Wertehaltung ist, desto anfälliger wird ein Mensch für Shopping-Attacken“.

Jäger & Sammler

Schuld an der Misere ist die Evolution – die hat uns Menschen auf Jagen und Sammeln programmiert. Gerö: „Es gibt uns ein gutes Gefühl, wenn wir irgendwo was finden, das wir mit nach Hause nehmen können. Der Mechanismus stammt aus Zeiten, da die Ressourcen knapp waren. „Damals war das sinnvoll, jetzt aber herrscht Überfluss.“ Also: Verzichten wir doch mal, denn Verzichten ist wie Fasten. Die Auswirkungen sind nur positiv: Es macht schlanker, gesünder, beweglicher, baut schädliche Rückstände ab und löst verkrustete Strukturen – beim Einzelnen wie bei ganzen Volkswirtschaften. Verzichten macht glücklich und innerlich reich. Wahrer Reichtum bedeutet, von materiellen Dingen unanhängig zu sein.

Nachdem wir uns aber nicht überfordern wollen, könnten wir ja mit „Verzicht light“ beginnen, dem gemeinsamen Konsum: Das amerikanische Magazin Time bezeichnet die Ökonomie des Teilens als einen von zehn Trends, die die Welt nachhaltig verändern werden. Ganz ehrlich: Wie oft benutzen Sie ihr Fondue-Set, die überdimensionale Leiter oder die Gesellschaftsspiele? Und wollten sie schon mal mit der nicht vorhandenen Pastamaschine eigene Nudeln produzieren, mit dem Teleskop Sternderl schauen oder eine Rodelwettfahrt machen? Schlüsseltool ist das Internet, über das der geteilte Konsum organisiert wird: Man tauscht Kleidung, verborgt Bohrmaschinen und Rasenmäher, vermietet seine Wohnzimmercouch (siehe Geschichte rechts). Sogar Miet-Möbel auf Zeit sind zu haben: Die deutsche Firma Winhal bietet ein Möbel-Abo an. Kunden leasen einen Kleiderschrank, benutzen ihn einige Jahre und ersetzen ihn danach durch einen neuen. Der ausrangierte Kasten wird runderneuert und an den nächsten weitergereicht.

„In Deutschland wird geteilter Konsum im Sinne des gemeinsamen Organisierens und Konsumierens über das Internet von zwölf Prozent der Bevölkerung praktiziert“, schreibt der Soziologe Harald Heinrichs in seiner Konsum-Studie. Die Gruppe der „Sozialinnovativen Ko-Konsumenten“, wie er sie nennt, ist noch größer: Ein Viertel aller Verbraucher legt beim Konsum eher Wert auf Innovation und Modernität statt auf Eigentum und Individualkonsum.

Das setzt aber voraus, dass man weiß, was man will und wer man ist. Etwas, das Kinder heute nur mehr schwer lernen. Undenkbar sei es früher gewesen, dass die Kleinen Geräte wie Handys besitzen, sagt Psychologin Gerö: „Das ist für die Persönlichkeitsentwicklung nicht förderlich.“ Wer alles sofort anschafft, kann überhaupt nicht mehr beurteilen, was er wirklich braucht und möchte. „Weg vom impulsiven Kauf. Auf Dinge, die man wirklich haben möchte, sparen und warten“ – das ist der Rat der Psychologin.

Nunu Kaller hat das längst umgesetzt: „Ich finde es schöner, mir zu überlegen, was ich gerne hätte.“ Heute kauft sie lieber ein gutes Stück, das unter fairen Bedingungen hergestellt wurde, als fünf Teile aus Massenproduktion. „Das hat nicht so viel mit Weltverbessertum zu tun, sondern mit Hausverstand.“

ichkaufnix.wordpress.com Nunu Kallers Blog über „Ein Jahr ohne Kleiderkauf“.

23) An.Schläge: Selbst geschrieben!!

Ende 2011, ich packe für den Urlaub. Meine Tasche geht kaum zu, mein Kleiderschrank ist seit Monaten überbelegt. Ich habe einfach viel zu viel anzuziehen. Aber Shopping ist so ein netter Zeitvertreib, es lenkt so wunderbar von den vielen Dramen ab, die sich in meinem Umfeld gerade abspielen. Locker alle zwei Wochen bin ich entweder online am Shoppen, oder offline bei einer billigen Textilkette, schauen, was es neues gibt.

Doch es reicht. Ich weiß, dass das Shoppen eine Ersatzhandlung ist, und vor allem, dass ich mir da nichts Gutes kaufe. Schon lang weiß ich peripher Bescheid über die ganzen sozialen und ökologischen Katastrophen, die an meinem neuen Shirt kleben, noch bevor es in meinem Kleiderschrank zuhause angekommen ist. Ich beschließe, für ein Jahr komplett auf Shopping zu verzichten: Keine neue Kleidung, keine neuen Schuhe, kein neuer Schmuck, keine neuen Taschen. Genug anzuziehen habe ich ja.

Anstatt shoppen zu gehen, beschäftige ich mich intensiv mit der Herkunft meiner Kleidung – und den Alternativen zum schnellen Einkauf beim Billiganbieter von Mode.

Die wichtigste Alternative ist schnell gefunden: Ich beginne, meine vor 15 Jahren begrabenen Näh- und Strickkenntnisse wieder auszupacken – und stelle fest, dass „DIY“ (Do it yourself) gerade im Begriff ist, zu einem riesigen Trend zu werden. Besonders das Stricken packt mich. Tolle Anleitungen finde ich auf YouTube im Kanal von „Nadelspiel“. Unzählige Strickmethoden werden hier vorgestellt.

Nähtechnisch bieten vor allem US-amerikanische Bloggerinnen viel Inspiration: Marisa Lynch beschloss vor mehreren Jahren, mit einem Budget von 365 Dollar jeden Tag ein neues 1-Dollar-Kleid vom Flohmarkt oder aus dem Secondhand-Store umzunähen. Bis heute präsentiert sie auf ihrer Website www.newdressaday.com fast jeden Tag neue Inspiration, die mir die Angst vor dem Zerschneiden und Umarbeiten nicht mehr passender Kleidung nimmt. Ähnlich arbeitet Jillian Owens auf www.refashionista.net – es muss nicht immer neuer Stoff sein!

Die Billigmode vom Massenanbieter ist qualitativ zumeist wirklich mies. Noch vor wenigen Jahrzehnten war Kleidung in Sachen Stoffqualität und Verarbeitung um einiges besser. Daher ist der Vintage-Trend nicht nur modern, sondern auch nachhaltig: Die Kleidungsstücke halten einfach trotz ihres Alters vergleichsweise viel aus. Ein tolles Angebot an Vintagestücken hat Ulla Lütze von Vintage und Rosenroth (www.facebook.com/vintageundrosenroth).

Da ich mir im vergangenen Jahr jedoch kein einziges neues Stück kaufen durfte, war die Vintagemode vorerst auch tabu. Viel Neues boten jedoch verschiedenste Tauschparties. Das Konzept ist denkbar einfach: Bring saubere und nicht kaputte Kleidung mit, die du nicht mehr trägst, und tausche sie gegen Schrankleichen anderer Mädels. Was du ausmistest, kann leicht zum Lieblingsstück einer anderen werden. Ich bringe tolle Funde nachhause und habe die Anzahl meiner Kleidungsstücke doch nicht vergrößert. Ein tolles Konzept – tolle Tauschparties organisiert www.topswap.at

Das einkaufsfreie Jahr war regelrecht erholsam – und aufgrund der vielen Informationen, die ich über konventionelle Modeproduktion gesammelt habe, kommen für mich nur noch biofaire Alternativen in Frage. Eine für Österreich große Auswahl findet sich auf www.wearfair.at – nicht nur zeigt die Website eine große Auflistung ökofairer Modeanbieter, einmal im Jahr findet in Linz die gleichnamige Messe statt, auf der Aussteller von Anukoo über anzüglich und Km/a bis hin zu Aluc und Göttin des Glücks ihre Mode anbieten.

Doch in ganz Österreich und Deutschland gibt es Concept Stores mit ökofairer Kleidung. In Vorarlberg bietet das Kleidergrün (www.kleidergruen.at) eine große Auswahl von Ökolabels, in Graz kann man im Zerum Shirts und Pullover in Bioqualität kaufen (www.zerum.at), in Linz ist das Xiling (www.xiling.at) bereits in zweiter Generation DAS Geschäft für biofaire Mode. In Wien wird das Angebot immer größer: Seit kurzem am Markt und schon in der ganzen Stadt bekannt ist das Muso Koroni (www.muso-koroni.at), das nur vegane Mode verkauft – also keine Wolle, keine Seide, kein Kleber, und die Baumwolle ebenfalls nur in Bioqualität.

Weitere Tipps:

Anukoo (www.eza.cc/anukoo/anukoo.asp)

Anzüglich (www.anzueglich.at)

Göttin des Glücks (www.goettindesgluecks.at) mit Filialen in Wien, Graz, Linz und St. Pölten

Auch beim Onlineshopping gibt es Alternativen zu den klassischen virtuellen Einkaufshäusern: Der bekannteste, doch im Moment aufgrund einer Neuübernahme umstrittene Händler ist sicherlich Hessnatur (www.hessnatur.de) – doch auch Maas Natur (www.maas-natur.de) und Avocado (www.avocadostore.de) bieten eine breite Palette an ökofairen Produkten an.

Man sieht: Wenn man sich damit beschäftigt und bewusst recherchiert, findet man Alternativen zur konventionellen Kleiderproduktion in Hülle und Fülle. Das Angebot ist nicht zwangsweise weniger, es ist nur ein anderes. Und ja, die Sachen sind über weite Strecken teurer als bei den klassischen Anbietern wie etwa H&M, C&A und wie sie alle heißen. Ökomode steht jedoch auch für ein anderes Einkaufskonzept: Wer bewusster kauft und bereit ist, für Qualität und faire Produktion mehr auf den Tisch zu legen, muss sich unabhängig machen von dem schnellen Trendwechsel, von dem unsere Zeit geprägt ist. Zara hat beispielsweise alle zwei Wochen eine neue Kollektion im Angebot. Doch mal ehrlich: Können wir da noch mithalten? Wollen wir es überhaupt?

24) Wiener Zeitung.at

Juhu, ich bin wieder einmal befragt worden. Diesmal zum Thema Flohmärkte. Und das habe ich zu sagen:

Auf Flohmärkten wie dem am Naschmarkt oder in der Neubaugasse trifft man Nunu Kaller eher selten. Zwar sei sie eine leidenschaftliche Flohmarktbesucherin, aber gerade für den Kleiderkauf besuche sie lieber private Tausch- bzw. Verkaufspartys, erzählt die Verfasserin des Blogs ichkaufnix.wordpress.com,, die sich ein Jahr lang selbst eine “Kaufabstinenz” verschrieben hatte. “Ich habe irgendwann gemerkt, dass Shopping für mich Ablenkung, Trost, Belohnung geworden ist”, sagt sie über ihre Beweggründe, eine “Mode-Fastenzeit” einzulegen.

Erst nach und nach hat sich bei ihr auch der Gedanke der Wiederverwertung eingenistet. Und den bemerkt sie auch bei anderen. Neben den echten Flohmärkten boomen nämlich auch Plattformen wie willhaben.at und “Share & Care”-Gruppen im Internet. Erst kürzlich hat Kaller an einer kleinen “Vintage-Party” unter Freundinnen teilgenommen – und die Atmosphäre genossen: Besonders, dass in der kleinen Runde jede erzählt habe, wo sie dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft oder wo sie es getragen hat. Kaller selbst ist froh, dass die Mutter ihres Freundes selbst am Flohmarkt verkauft. “Ich habe inzwischen im Vorzimmer eine Kiste stehen, wo alles reinkommt”, erzählt sie. Für sie sei es inzwischen ein befreiendes Gefühl, Dinge wegzugeben. Und die Gewissheit zu haben, dass es Menschen gibt, die sich auch noch über ihre “Flöhe” und vielleicht sogar über die Geschichten dahinter freuen.

Zum ganzen Artikel geht es hier entlang, bitteschön!

25) Kleine Zeitung online

Diesmal hat mir meine Fratze in der Kleinen Zeitung entgegengegrinst: Tataaaa!

“Kleiderfasten” ist in Mode

Entsagen ist modern geworden in einer Welt voller unnützer Konsumgüter. Die Wienerin Nunu Kaller gehört zu einer immer größer werdenden Anzahl von Bloggern, die ihren Verzicht für die Öffentlichkeit dokumentieren. Ein Jahr schwor sie dem Kleiderkauf ab – und ist heute eine kritische Konsumentin. Von Karin Fritzl

Nunu Kaller in Selbstgestricktem Foto © KKNunu Kaller in Selbstgestricktem

34 Röcke und 30 Jacken im Kleiderschrank einer Frau? Textilhersteller bekommen bei dem Gedanken vor Freude wohl feuchte Augen, aber für Nunu Kaller stellte diese Inventur ihres Kleiderschrankes im Jänner 2012 ein einschneidendes Erlebnis dar. “Ich kauf nix mehr”, dachte sie, und plötzlich fiel es der Pressesprecherin eines Non-Profit-Unternehmens wie Schuppen von den Augen. “Ich bin Nunu, und ich bin shopping-süchtig”, bekannte sie in einem ihrer ersten Einträge auf ihrem Blog ichkaufnix.

Ein Jahr lang entsagte sie jeglichem Kleiderkauf. Im Jänner 2013 wurde das Projekt erfolgreich beendet.Wir baten die Wienerin zum Interview.

Warum gerade Kleidung entsagen?

KALLER: Ich hatte interessanterweise eigentlich nur bei der Kleidung so einen Kaufdrang. Bei Lebensmitteln und anderen Luxusprodukten war ich eher sparsam. Nach den ersten Wochen ohne Kleiderkauf begann ich aber plötzlich sehr viel Bücher zu hamstern. Der Gedankengang: Da ich jetzt Geld spare, kann ich mir jetzt mehr Bücher leisten. Als mir das klar wurde, reduzierte ich meinen Bücherkauf auch radikal und ging mit anderen Käufen auch bewusster um. Die Frage “Brauche ich das wirklich?” stelle ich mir sicherlich öfter als vor dem Nix-Kauf-Jahr. Wenn man weniger kauft, bekommt das, was man sich dann doch leistet, gleich einen ganz anderen Wert. Das finde ich schön.

Wie wichtig war der finanzielle Aspekt?

KALLER: Es war nicht der Hauptgrund für das Projektjahr, allerdings sicherlich ein Mitauslöser – gegen Ende des Monats wurde es bei mir immer eher rötlich am Konto. Immer nur kleinere Beträge, aber garantiert immer, weil etwas aus einem Kleiderladen oder Schuhgeschäft abgebucht wurde. Allerdings kann ich gar nicht sagen, wie viel ich mir erspart habe – zu Beginn ging das Geld eben in Bücher und danach habe ich mit einer teuren Ausbildung begonnen. Mehr Geld als vorher habe ich also definitiv nicht.

“Keine große Leistung”

“Alles was ich getan habe war, ein Jahr lang keine Kleider zu kaufen. Das ist keine große Leistung. Nunu Kaller.

Warum wurde dein Blog übers Entsagen so ein Renner?

KALLER: Die Zugriffe waren enorm und haben meine Erwartungen mehr als überstiegen, zu Spitzenzeiten hatte ich mehrere 1000 Klicks pro Tag, und auch jetzt, nach Ablauf des Jahres, schauen immer noch mehrere hundert Leute täglich auf meinen Blog. Das Feedback war und ist überwältigend und durchgehend positiv. Ich denke, dass ich mehr oder weniger unabsichtlich einen Nerv der Zeit erwischt habe: Noch nie wurde uns so derartig viel angeboten, noch nie hatten wir so viel Auswahl. Statt wie früher auf Produktionsweise und Qualität zu achten, geht es nur noch um das Aussehen des Produkts und den Preis. Alles andere ist ausgeblendet worden.

Ich glaube, dass das schlicht zu einer Überforderung der Menschen geführt hat – egal, wohin man schaut, es schreien einen Ausverkaufsschilder an, es wird einem eingeredet, dass man ‘kaufenkaufenkaufen’ muss. Und wenn man beschließt, das nicht zu tun, ist es gleich etwas Ungewöhnliches. Ich finde das bedenklich. Alles, was ich getan habe, war, ein Jahr lang keine neue Kleidung zu kaufen, weil ich wirklich genug davon besitze. Das ist keine große Leistung – und wird doch von vielen bewundert. Ein bisschen absurd war das schon Aber es freut mich – gemessen an dem Feedback der LeserInnen stehe ich mit meiner Überforderung und meinem Wunsch danach, wieder zu wissen, woher meine Kleidung kommt, wie sie produziert wird und nach einer Verkleinerung meines eigenen Kleiderschranks nicht alleine da. Was mich besonders gefreut hat (und immer noch freut), war und ist das immer noch andauernde Interesse der Medien – das zeigt mir, dass ein bewussterer Umgang mit dem Thema Kleidung, Produktion und Konsum nach gut 20 Jahren massiver Beschleunigung des Textilmarktes wieder spannend wird.

Wie ging dein Umfeld damit um?

KALLER: Meine Freunde waren durchwegs angetan von dem Projekt. Vor allem freuten sich viele mit mir, weil sie merkten, dass ich mit dem Thema wirklich meinen persönlichen roten Faden gefunden habe. Es macht mir Spaß, biofaire Alternativen zu suchen, ich finde es schön, dass ich mich persönlich über die konventionelle Kleidungsproduktion auslassen kann, und ich hoffe, dass ich mich in dem gesamten Thema noch weiter entwickeln kann.

Wie hast du auf deine Gemütsschwankungen reagiert, wenn kaufen keine Option war?

KALLER: Ich wusste ja von Anfang an, was ich da in den letzten Monaten, in denen ich wirklich sehr viel eingekauft hatte, kompensiert hatte. In meiner Familie ging es drunter und drüber, und auch mein damaliger Job überforderte mich. Durch die Auszeit und den bewussten Umgang fing ich an, diese Themen ganz anders zu verarbeiten und ich hatte dann einfach bald keine Gemütsschwankungen mehr. Die Zeit, die ich früher mit (Online-)Shopping verplempert hatte, verbrauchte ich inzwischen dafür, mich intensiv in die verschiedenen Themen rund um Kleidung und Konsum einzulesen. Das machte wahnsinnigen Spaß, so traurig die Themen teilweise auch waren.

Deine Tipps für den Aufbau einer qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Garderobe?

KALLER: Zuerst muss man eine Bestandsanalyse machen. Schau deinen Kleiderschrank durch, was davon ziehst du wirklich an, was waren Fehlkäufe, wie müssen Kleidungsstücke aussehen/geschnitten sein, damit sie dir wirklich stehen? Bei neuer Kleidung immer überlegen: Brauche ich das wirklich? Natürlich darf man sich auch hin und wieder auch einfach was gönnen – bringt ja nix, wenn Kleiderkauf gar keinen Spaß mehr macht.

Achte auf die Qualität: Kleidung aus Bio-Stoffen ist inzwischen nicht mehr viel teurer als Kleidung aus konventioneller Stoffproduktion (gut, mit dem Drei-Euro-Top kann sie nicht mithalten, aber ab 10 Euro bekommt man bereits Bio-T-Shirts) und ist sehr viel umweltverträglicher. Ein Viertel aller weltweit produzierten Pestizide landet auf der Baumwolle, in der Biobaumwollproduktion sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aber verboten.

Achte auf die Produktion: Es gibt leider wenige Gütesiegel, die sowohl die ökologischen als auch den sozialen Aspekt der Produktion berücksichtigen. Ausnahme ist das GOTS (Global Organic Textile Standard)-Siegel. Am Anfang steht immer die Recherche: Wo bekomme ich fair produzierte Kleidung? Eine schöne Quelle ist hier der Shoppingguide www.wearfair.at sowie die Messe selbst – dieses Jahr findet die WearFair von 27. – 29. September statt. Ein Fixtermin für modisch interessierte Menschen, die mit gutem Gewissen einkaufen gehen wollen. Auch ich habe auf meinem Blog eine kleine Auflistung.

Wem es Spaß macht: Selbermachen! Ich bin zum totalen Strick-Junkie geworden und sogar stolzes Gründungsmitglied des ersten Wiener Strickvereins. Tauschen ist auch eine bewährte Alternative. Private Tauschpartys werden zu Recht immer beliebter – Dinge, die man selbst aus irgendwelchen Gründen nicht mehr trägt, können einer Freundin passen und für sie ein besonderes Stück im Kleiderschrank werden. Ich bin ein Riesenfan dieser Partys, weil man mit dem Kleidungsstück gleich eine Geschichte dazu geliefert bekommt, und weil man es ganz anders in Ehren hält, eben weil es von einer Freundin stammt.

Kann man Kleidung aus Bio-Baumwolle tatsächlich vertrauen? Worauf muss man achten?

KALLER: Grundsätzlich ja. Biobaumwolle ist eine gute Alternative – leider ist der Anteil an der Weltbaumwollproduktion noch sehr klein, etwa fünf Prozent. Kauft man bei Massenproduzenten, sollte man aber darauf achten, wie hoch der Biobaumwollanteil ist – oft sind es nur ein paar Prozent, mit denen das ganze Kleidungsstück dann groß beworben wird – mir persönlich fällt da nur der Ausdruck “Greenwashing” dazu ein.

Warum ist es etwas anderes sich den Pullover selbst zu stricken anstatt ihn zu kaufen?

KALLER: Stricken konnte ich vorher schon, habe mir jedoch nie Pullover gestrickt, sondern immer nur Hauben und Schals. Der Pullover war mein erstes Großprojekt, das wahnsinnigen Spaß machte – inzwischen habe ich bereits vier oder fünf Pullis gestrickt. Grundsätzlich wollte ich einfach wissen, wie lange es eigentlich dauert, mir einen Pullover selbst herzustellen, den ich für wenig Geld (in schlechter Qualität) auch kaufen kann. Ich habe gesehen, dass sowohl der Zeit- als auch der Kostenfaktor recht hoch sind – trotzdem hat mir diese Eigenproduktion einfach total Spaß gemacht.

Planst du weitere Entsagungs-Projekte?

KALLER: Derzeit nicht, und ich habe auch festgestellt: Das Leben als bewusste Käuferin ist um einiges komplizierter als das der bewussten Nicht-Käuferin. Letztes Jahr war es einfach, ich durfte einfach nicht. Dieses Jahr darf ich, und das bedeutet, dass ich mich den Verführungen ganz anders stellen muss.

Was ist die Verlockung an Geschäften wie H&M, Zara, Mango etc…? Die ständig neuen Kollektionen oder der Preis?

KALLER: Wahrscheinlich beides. Durch immer neue Kollektionen werden immer neue “Needs” erschaffen – das Marketing und die Werbung dieser Unternehmen versteht es sehr gut, in den Konsumentinnen immer wieder den Wunsch nach Neuem zu erschaffen, und sie gleichzeitig mit den günstigen Preisen anzulocken. Klar ist es super, dass man es finanzieren kann, dass man jederzeit nach den neuesten Trends gekleidet sein kann – aber will man das auch? Ich empfinde mich selbst zwar als modebewussten Menschen, aber alle zwei Wochen neue Kollektionen in den Läden, das ist mir einfach zu steil, zu schnell. Und wer wirklich in seinem Kleiderschrank auf Nachhaltigkeit achten will, der unterstützt dieses System von “Fast-Fashion” einfach nicht – denn genau diese schnelle Massenproduktion erschwert die soziale und ökologische Situation in der Kleidungsproduktion unermesslich.

26) FM4, zum zweiten Mal:

http://fm4.orf.at/stories/1715912/: 

The real fashion victims

Die aktuelle H&M “Conscious Collection” bewirbt nachhaltigere Mode. In den Textilfabriken kollabieren inzwischen die Arbeiterinnen und Arbeiter. Ist fair produzierte Mode für die Massen überhaupt möglich?

Leggins um 4,95 Euro, ein Kleid oder ein Doppelpack T-Shirts um 7,95. Das sind aktuelle Angebote aus der “Conscious Collection” von H&M, die suggeriert, auf den Kleiderstangen in den Filialen hänge ökologisch und sozial fair produzierte Mode.

Seit 2010 sind allerdings allein in Textilfabriken in Kambodscha mehr als 2900 Arbeiterinnen und Arbeiter aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen kollabiert. H&M gehört neben Gap, Levis und Zara zu den größten Abnehmern der dort ansässigen Produktionsstätten.

Die NGO Clean Clothes hat aus diesem Anlass eine Gegenkampagne lanciert, die einmal mehr auf Missstände in der Modebranche hinweist.

Es stellt sich daher die Frage, ob nachhaltige und gleichzeitig preiswerte Mode für die Massen überhaupt möglich ist.

Mode-Bloggerin und Konsum-Verweigerin Nunu Kaller unterscheidet hier zunächst den sozialen vom ökologischen Aspekt. Aus sozialer Sicht, meint sie, müsse es sich ausgehen:

“Es muss möglich sein, dass die Näherinnen unserer Kleidung fair bezahlt werden, dass sie in ihren eigenen Landern und vor allem an ihren Arbeitsplätzen ein sicheres Leben führen können.”

Aus ökologischer Sicht sei die Sache schon schwieriger, was vor allem daran liege, dass der Markt für Bio-Baumwolle innerhalb des konventionellen Baumwoll-Marktes nach wie vor relativ klein sei.

Baumwollfeld

Zudem wird es immer schwieriger zu durchschauen, was hinter den grünen Versprechen vieler Mode-Konzerne steckt. H&M, Adidas und Marks & Spencer zum Beispiel setzen nun vermehrt auf sogenannte “Better Cotton”. Gegenüber konventioneller Baumwolle sei diese hinsichtlich Wasser- und Pestizideinsatz beim Anbau sicherlich umweltverträglicher, meint Kaller, die positive Einstellung der Initiative zu gentechnisch verändertem Saatgut sei allerdings problematisch.

  • Der WearFair Shopping-Guide präsentiert eine Reihe von Modelabels, die sozial und/oder ökologisch nachhaltig produzieren. Zusätzlich gibt er eine Übersicht über Geschäfte in Österreich, die öko-faire Kleidung verkaufen und liefert Infos zu Gütesiegeln.

Aufholbedarf hat die Bekleidungsindustrie auch in puncto Arbeitsbedingungen und Menschenrechte.

Berichte von abgebrannten Fabriken mit zahlreichen Toten, von Unfällen durch Chemikalien, Unterernährung und Überarbeitung zeigen immer wieder, dass das Wohlergehen der Arbeiterinnen und Arbeiter dem Profitdenken untergeordnet ist.

Die Mode-Konzerne argumentieren dagegen oft, dass es an den Regierungen der Produktionsländer läge, Sicherheitsstandards einzuhalten und Mindestlöhne zu bezahlen. Ausreden, meint Nunu Kaller, hätten die Unternehmen doch durchaus Macht und Möglichkeiten, hier Druck zu machen.

Fabriksbrand

Brennende Textilfabrik in Bangladesh: Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen?

Clean Clothes rechnet vor, dass eine faire Bezahlung selbst bei Mode zu Diskontpreisen möglich wäre. Für ein T-Shirt um 8 Euro erhält der oder die ArbeiterIn in der Fabrik maximal 24 Cent. Um diesen Lohn zu verdoppeln, müsste der Händler lediglich weitere 24 Cent aufschlagen – eine Summe, die KonsumentInnen in westlichen Ländern wahrscheinlich nicht einmal auffallen würde.

Dass vonseiten der Politik in den Billiglohnländern hinsichtlich gerechter Entlohnung von Arbeitskräften nicht viel zu erwarten ist, ist wenig verwunderlich. Aus Angst um ihre Wettbewerbsfähigkeit treffen sie keine Maßnahmen, die große Modeketten dazu veranlassen würden, ihre Produktionen zu verlegen.

Paradoxerweise bleibt so der Konsum von Billigprodukten für die Textilarbeiterinnen und -arbeiter überlebenswichtig. GewerkschafterInnen betonen, dass nur, wenn die Menschen einkaufen gehen, die ArbeiterInnen ihre Jobs auch behalten könnten.

Solange also die Modekonzerne ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrnehmen, muss jeder und jede selbst überlegen, welche Kleidung er oder sie guten Gewissens kaufen kann, oder eben nicht.

27) Das Fesche Mascherl, der Fair Fashion Blog aus Wien, interviewte mich:

Ich kauf nix – ein Jahr ohne Kleiderkauf

Ein Jahr lang keine Kleidung konsumieren – keine Röcke, keine Pullover, ja nicht einmal Strumpfhosen. Das hört sich für viele, vor allem junge Leute, wahrscheinlich utopisch an, aber Nunu hat den Selbstversuch gewagt – und auch bis zum Ende durchgezogen! In der Zeit vom 16.01.2012 bis Jänner diesen Jahres hat sie gänzlich auf Shopping verzichtet. Die Entscheidung hatte aber keinen ökologischen Hintergrund, sondern entwickelte sich aus privaten Gründen. Das Jahr 2011 ist für Nunu nicht gut verlaufen und darum ist sie immer öfter Einkaufen gegangen und strapazierte immer mehr ihre Geldbörse. Zufällig ist sie dann auf einen Artikel einer deutschen Moderedakteurin gestoßen, die versucht hat ein Jahr keine Kleidung zu kaufen, aber gescheitert ist. Die Idee hat Nunu gepackt und so hat sie beschlossen den Versuch zu wagen. Im Jänner 2012 war es dann so weit. Von Anfang an dokumentiert sie ihre Erfahrungen in Form eines Blogs – zur Selbstkontrolle sozusagen, denn vor anderen zuzugeben schwach zu werden, ist ja noch einmal eine größere Hürde. Und wenn sie schon so einen Versuch wagt,  dann mag sie auch genau wissen, woher die ganze Kleidung kommt.
Ihr interessantes Experiment hat mir Nunu in chilliger Atmosphäre bei einem Kaffee im Dellago am schönen Yppenplatz erzählt. Auch ich hab mir im ersten Moment nicht vorstellen können, wie man ein Jahr ohne jeglichen Konsum von Kleidung auskommt, aber Nunu zählt mir gleich ein paar Alternativen auf. Stricken und Nähen zählen jetzt zur ihren Leidenschaften. Bei ihrem ersten self-made Rock hat sie einfach ihren Lieblingsrock auf ein Stück Stoff gelegt, ausgeschnitten und zusammen genäht. Den Rock tragt sie noch heute. Den coolen Pullover, den ihr auf den Bilder sehen könnt, hat Nunu selbst gestrickt. Sie ist auch Gründerin des 1. Wiener Strickvereins, bei dem seit Kurzem sogar Strick-Kinoabende organisiert werden. Also, DIY war ein großes Thema und auf Tauschparties hat sie ein paar Stücke ergattert. Außerdem hat Nunu ganz viel gelesen, nachhaltige Kampagnen angeschaut und ist in die Modewelt abseits der großen Handelsketten eingetaucht.
Nunu hat schnell gemerkt, dass ihr Thema viele Leute anspricht. Durch das Überangebot an Kleidung ist eine Überforderung da und viele Leute beginnen sich langsam Gedanken über die Qualität und Herkunft der Kleidung zu machen. Die Rückmeldungen waren sehr positiv und auch die Medien sind auf ihre Geschichte aufmerksam geworden. Ihr Blog hat viele LeserInnen angezogen, die sich  wahrscheinlich gerade durch Nunus ehrlichen und offenen Schreibstil dem Thema nachhaltige Mode angenommen haben.
„Ich habe meinen roten Faden gefunden“, sagt Nunu rückblickend auf das vergangene Jahr. Im Jänner war das Experiment vorbei, was sie ein bisschen wehmütig werden lasst. Sie hat tolle Leute kennen gelernt, ihre Konsumeinstellung überdacht und ihre Leidenschaft für nachhaltige Mode entdeckt. Diese Leidenschaft kann sie jetzt sogar im beruflichen Alltag ausleben, da sie dieses Jahr Pressesprecherin und Mitorganisatorin der WearFair in Linz ist. Und keine Sorge: Nunu führt den Blog weiter! Sie mag den Blog als Plattform behalten, um weiter über ihre Eindrücke aus der Modewelt zu berichten. Und jetzt ratet mal, was Nunu als erstes nach dem Jahr gekauft hat?! Stiefel! Manche Gewohnheiten kann man als ehemaliger shoe-addict nicht so schnell ablegen 😉
28) Welt der Frau, eine echte Entdeckung, schönes Magazin! Juni 2013-Ausgabe:
29) Mit dem Strickfilm vom Strickverein in der Heute, 4. Juni 2013:
strickfilmheute
30) In der Woman, wobei: Das ist kein echtes Clipping, sondern mehr ein Suchbild 🙂

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Ich finds entzückend!

Suchbild!

31) Ogottogott, ich hab auf mein Interview bei 88.6 vergessen! Hat Anfang April 2013 stattgefunden, war sehr lustig und wird irgendwann mal, wenn ichs kapier, wie es geht, auch hier zu hören sein 🙂

32) Langer Beitrag im Enorm Magazin – wird nachgereicht!

33) Myself – wird nachgereicht (sorry, mein Schweinehund ist grad sehr mächtig 🙂 ). Aber hier schon mal ein Hinweis!

34) Augsburger Allgemeine online:

Experiment

Ein Jahr Shopping-Verbot: „Am meisten habe ich neue Schuhe vermisst“

Auf ihrem Blog „Ich kauf nix“ hat Nunu Kaller festgehalten, wie es sich anfühlt, ein Jahr lang auf Shopping zu verzichten. Die 32-Jährige hat nicht nur jede Menge Geld gespart.

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Die Herbst- und Wintermode hängt längst in den Geschäften. Wollweiß, Rosa und Grau sind die Trendfarben. Dass das Frühjahr gelb wird, steht ebenfalls bereits fest. Das Modekarussell dreht sich unaufhörlich. Die 32-jährige Nunu Kaller hat vor einem Jahr beschlossen anzuhalten und auszusteigen. Auf ihrem Blog „Ich kauf nix“ hat die Wienerin festgehalten, wie es sich anfühlt, ein Jahr lang auf Shopping zu verzichten. Am meisten hat sie darunter gelitten, sich keine neuen Schuhe kaufen zu können, sagt sie. Und dass sich ihr Einkaufsverhalten grundlegend verändert hat.

Gab es einen Auslöser, dass Sie gesagt haben: „Jetzt gehe ich ein Jahr lang nicht shoppen“?

Es hat sich schon etwas länger angebahnt: Ich hatte 2011 viele Schicksalsschläge zu verarbeiten und habe nach und nach gemerkt, dass ich meine Trauer mit Shopping kompensiere, anstatt zu verarbeiten. Eine Diskussion mit meinem Freund, der mir immer wieder mal fehlende Konsequenz vorgeworfen hat, hat mich dann darauf gebracht.

Warum gerade der Verzicht auf Kleidung?

Weil das meine persönliche Schwachstelle war. Ich arbeite bei einer NGO, achte auf meinen Lebensmittelkonsum, mag diesen Konsumwahnsinn in vielen Bereichen einfach überhaupt nicht – der ganze Markenwahnsinn bei Elektronika geht mir extrem auf die Nerven, mein Handy muss einfach möglichst lange halten, das ist das Wichtigste. Meine Wohnung ist zu einem guten Teil aus Flohmarktmöbeln eingerichtet. Ich fahre in der Stadt zu 90 Prozent mit dem Fahrrad.

Vieles davon hat bei mir nicht einmal primär ökologische, sondern eher praktische Gründe: Die alten Möbel halten einfach besser als der Möbel-Schweden-Mist, mit dem Rad habe ich wenigstens vor Bürobeginn etwas Bewegung, und und und. Aber beim Kleidershopping, da hat mein Verstand regelmäßig ausgesetzt. Mode ist für mich eine wichtige Ausdrucksform.

Früher war Einkaufen für die 31-Jährige Befriedigung

Was bedeutet für Sie Einkaufen? Was hat es Ihnen früher bedeutet? Was bedeutet es Ihnen jetzt?

Ich bin viel stärker zurückgekehrt zu einem „Brauch ich das wirklich?“-Einkaufsverhalten. Früher war Shopping – und damit meine ich Kleidung, Schuhe, Accessoires, aber auch Luxus- und Freizeitprodukte wie Bücher oder Parfums – für mich Belohnung, Ablenkung, Trost. Der Einkaufsakt selbst hat befriedigt. Das Produkt, seine Herkunft und seine Sinnhaftigkeit für mich persönlich sind jetzt wichtiger. Was aber nicht heißt, dass ich mir nicht hin und wieder etwas „gönne“ und das nicht extrem genieße – sogar mehr als früher, einfach, weil es seltener und ausgewählter stattfindet.

Sind Sie in Ihrer abstinenten Zeit besonders kreativ geworden, was Ihren Kleidungsstil betrifft?

Kann man so sagen! Es hat zwar nicht bei null angefangen, ein gewisser Drang in Richtung kreative Hobbies war vorher schon da, aber seit meiner Shoppingdiät stricke ich leidenschaftlich Pullover ohne Anleitung, sondern einfach so, wie ich sie mir vorstelle, und nähe auch genau so Röcke und Oberteile für mich. Besonders das Stricken ist in dem Jahr zu einem riesigen Hobby geworden.

Wissen Sie, wie viel Geld sie dank der Shoppingdiät gespart haben?

Das kann ich leider nicht feststellen. Einerseits, weil ich vorher nie Buch geführt habe. Andererseits, weil ich in dem Jahr beschlossen habe, eine Post-Graduate-Ausbildung anzufangen, die sehr teuer ist. Schätzen würde ich aber 80 bis 200 Euro pro Monat, je nachdem, ob ich mir Schuhe gekauft habe oder nicht.

Von dem großen Schlussverkauf wollte sie plötzlich nichts mehr wissen

Im Moment locken wieder viele Geschäfte mit Sonderangeboten. Wie schlimm waren die Zeiten des Schlussverkaufs für Sie?

In den ersten Wochen war es schwierig, danach war es sogar entspannend, dass ich bei diesem Gerenne um die besten Schnäppchen nicht mitmachen musste. Unmittelbar nach Ablauf des Jahres war wieder große Ausverkaufszeit – und mir hat es sogar gegraust. Ich hatte mich in der Zeit so intensiv über die Herkunft konventioneller Kleidung informiert – Stichwort Pestizid- und Chemieeinsatz oder Kinderarbeit – dass es mir einfach nicht mehr möglich war, einen Ausverkauf mit seinen „Schnäppchen“ zu genießen.

Gab es etwas, das Sie besonders vermisst haben?

Da bin ich typisch Frau: neue Schuhe. Und vor allem: neue Stiefel.

Wie ging Ihr Umfeld mit dem Projekt um?

Es waren wirklich alle sehr positiv eingestellt, viele Frauen bewunderten mich und meinten: „Das würd ich nie schaffen“. Viele Männer nahmen es nicht allzu ernst, aber Unterstützung kam von allen. Lediglich mein Teamleiter im Büro traute es mir nicht zu und wettete mit mir um 50 Euro – und löste seine Wettschulden sogar brav am ersten Tag nach Ende meines Auszeit-Jahres ein.

Das Jahr ohne Shopping haben Sie überstanden. Planen Sie denn weitere Entsagungs-Projekte?

Derzeit nicht. Der Selbstversuch für mich war sehr erfolgreich, mein Einkaufsverhalten hat sich nachhaltig verändert , ich bin zur kritischen Einkäuferin geworden und nutze Kleiderkauf nicht mehr als Ersatzhandlung. Darauf bin ich schon ziemlich stolz, da braucht es momentan keine neue Herausforderung. Aber sag niemals nie!

Nunu Kallers Selbstherausforderung erscheint ab Dezember auch als Buch mit dem Titel „Ich kauf nix“.

35) Wienerin. Abgetipptes Interview wird nachgereicht, hier mal die Fotos:

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36) Grünes Jugendmagazin EVA:

Mit einem Klick aufs Bild gelangt man zum gesamten Magazin, online durchblätterbar

Mit einem Klick aufs Bild gelangt man zum gesamten Magazin, online durchblätterbar

37) Myself.de

Meine Damen und Herren, ich, Nunu, gebe Schönheitstipps. Da fühl ich mich doch gleich wieder schön! :)

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Startseite myself.de! BOAH!

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38) Titelgeschichte Datum Oktober 2013:

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Das ist nur ein kleiner Teil des Artikels, ich empfehle den ganzen zu lesen – DATUM in der Trafik eures Vertrauens holen!

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39) Heute, 3. Oktober 2013:

gutertag

40) Karriere.at Oktober 2013:

2. Ichkaufnix.com – Ein Jahr ohne Kleiderkauf

Seit wann gibt es deinen Blog?

Nunu Kaller

Nunu Kaller

Nunu Kaller: Den Blog gibt es seit Mitte Jänner 2012, als ich mit meinem Kaufnix-Projekt begann. Nach Ende des Projektjahres habe ich weitergebloggt, weils einfach so viel Spaß macht!

Um welchen Themenbereich dreht sich dein Blog?

Nunu Kaller: Im Jahr 2012 begleitete der Blog mein Projekt, mir ein Jahr lang keine neue Kleidung zu kaufen. In dieser Zeit schaute ich mir die Hintergründe der konventionellen Kleidungsproduktion an, suchte nach Alternativen und testete mich selbst, in dem ich beschloss, mir Kleidung selbst herzustellen. Da war ich einige Male heillos überfordert :)

ich_kauf_nix_seite

Was ist dein persönlicher Lieblings-Blog?

Nunu Kaller: Mein persönlicher Lieblingsblog ist refashionista – weil die sehr wohl nähen kann! – knapp gefolgt von twentyonedayswithout – seehr coole Selbstversuche :)

41) SPIEGEL.de (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!)

Unglaublich. Mein Artikel ausm enorm-magazin wurde von Spiegel.de übernommen (leider noch ohne Hinweis auf mein Buch, also bitte, liebe LeserInnen, die ihr jetzt denkt: “Hm! Nunu Kaller! Mal googlen! Hui, ein Blog!” – und meine Statistik verrät mir, dass das grad ziemlich viele von euch tun: In exakt einem Monat erscheint mein Buch!).

Spiegel.de.

Ich fass es nicht.

spiegel1

Da, bitte, weil ichs so gar nicht pack: Das ist ein Screenshot. Mein Name. Auf Spiegel.de.

Seufz...

Das steht da wirklich. Auf Spiegel.de

Und auf der Startseite ist “mein” Artikel gleich mal über dem neuesten Greenpeace-Test (übrigens wiedermal eine Wahnsinnsstory….). Das ist fast so cool wie damals, überm Lugner. :) :)

spiegelübergreenpeace

Merkt man, dass ich mich grad freu? Ein wirklich wunderschönes Herbstwochenende samt Vier-Stunden-Spaziergang, einem endlich wieder funktionierenden Magen sowie einer irre lustigen Party geht gerade wirklich perfekt zu Ende….

Schulligung, wenn ich euch damit auf die Nerven geh. Meine fünfzehn Minuten Ruhm, die ich nie wirklich ernst genommen habe, dauern inzwischen schon über eineinhalb Jahre an. Blog, Buch, ORF, Spiegel.de – ehrlich, ich wollt das alles nicht (na gut, doch, das Buch, das wollt ich, und wie ich das wollte!). Und ich finds immer noch unglaublich, jedes Mal aufs Neue.

Liebe Leute, danke. Ihr seid da nämlich schuld daran, dass ich so “gefragt” bin. Dankedankedanke. Ohne euch wärs nix gewesen mit Buch und so…

42) VöslauerBlog

43) Furche, November 2013:

furche1

Das gute Geschäft mit der guten Tat
Hinter vermeintlich karitativen Altkleider-Sammlern verbergen sich häufig gewerbliche Firmen – und machen die Container-Textilien zur Ware.
Die Daunenjacke vom letzten Winter sieht heuer irgendwie aufgeplustert aus. Und die ausgewaschene Jeans? Nicht mehr wirklich schön. Laut Schätzungen landen jährlich etwa 80.000 Tonnen dieser nicht mehr benötigten Kleidung in heimischen Altkleidercontainern. Entgegen der Meinung vieler Spender werden die Pullis und Hosen aber oft nicht gratis an bedürftige Menschen verteilt, sondern nach Afrika oder Osteuropa weiterverkauft. “Das Verwerten von Gebrauchtkleidung ist ein weltweiter Wirtschaftszweig geworden“, stellt der deutsche “Dachverband FairWertung e.V.“ klar. Zwar sei die Verwertungskette dahinter ökologisch sinnvoll, zugleich aber auch ein undurchschaubares System.
Schon 2010 berichtete etwa das Monatsmagazin Datum von den undurchsichtigen und profitorientierten Strukturen von “Humana – People to People“. Nur ein geringer Teil der Einnahmen aus dem Altkleidergeschäft fließen demnach in die angepriesene Entwicklungshilfe.
Bei “Caritas“, “Rotem Kreuz“ und “Kolping“ übernimmt der gewerbliche Rohstoff-Recycling-Betrieb Öpula im Osten Österreichs das Einsammeln, Sortieren und Verkaufen der Kleidung. Die Firma leert regional rund 3000 Boxen. “Für die Lizenzgabe ihres Namens auf den Containern bekommen die karitativen Organisationen Geld,“ erklärt Firmenchef Kurt Willheim, hüllt sich aber in Schweigen über die Höhe der karitativen Leistung. Nur soviel will er sagen: “Wir verkaufen die gesammelte Kleidung um rund 500 Euro pro Tonne an unseren Sortierbetrieb in Neapel weiter. In diesem Preis sind diverse Kosten enthalten und auch ein Betrag pro Tonne, den wir den karitativen Einrichtungen geben.“ Vom italienischen Sortierbetrieb aus werden dann rund 40 Prozent der Altkleider als Second-Hand-Ware größtenteils nach Afrika verkauft. Der Rest wird als Putzlappen recycled oder als Dämmstoffe wiederverwertet, rund zehn Prozent der Ware landet auf dem Müll.
“So viele Bedürftige gibt es nicht“
Dass sie mit einem gewerblichen Sammler kooperieren, sei im letzten Jahrzehnt notwendig geworden, betont man sowohl bei Kolping als auch bei Caritas. “Die Altkleidermengen können größtenteils nicht einfach verteilt werden, so viele Bedürftige gibt es in Österreich gar nicht“, erklärt Elisabeth Mimra, Leiterin der Wiener Caritas-Lager. Nur ein kleiner Teil der Kleiderspenden gehe direkt an Bedürftige, etwa über die Gratis-Kleiderausgabe der Caritas. Auch dem Roten Kreuz fehlt die Logistik für das Sammeln im großen Stil, erklärt Andreas Zenker: “Wir kooperieren, weil hier aus einer Sachspende eine Geldspende wird.“ 36 Euro bekomme man pro Tonne, verrät er.
Insgesamt sei das Altkleidergeschäft eine gute Sache, von der alle profitieren würden, ist sich Öpula-Chef Willheim sicher: “Karitative Einrichtungen bekommen Geld, wir entlasten die Mülldeponien und nebenbei werden Arbeitsplätze geschaffen.“
Doch Petra Dannecker, Entwicklungssoziologin und Leiterin des Instituts für Internationale Entwicklung an der Uni Wien, sieht das Geschäft kritischer: “Es ist zweifelsfrei der Fall, dass durch den Handel neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Export nach Afrika hat aber auch dazu beigetragen, dass dort in vielen Ländern die lokale Kleidungsproduktion nicht mehr existent ist.“ Die Billigimporte neuer Kleidung aus China würden Kleinökonomien zusätzlich beeinflussen. Seitens der Caritas verteidigt man die eigene Gangart: “Viele Studien belegen, dass nicht der Import von Altkleidern, sondern Korruption und Misswirtschaft sowie zuletzt die Billigimporte aus Asien die Textilindustrie in Afrika zerstört haben“, heißt es.
Mit der Begründung, der Umwelt etwas Gutes tun zu wollen, setzen neuerdings auch Modeketten auf das Geschäft mit den Altkleidern. H&M, C&A, Reno oder Adidas arbeiten dafür mit einem Schweizer Unternehmen für Textilrecycling und -vermarktung zusammen, der I:Collect AG (I:CO). Das Prinzip: Für alte Kleidung gibt es Rabatte in den eigenen Shops. Auch I:CO verwendet die Textilien letztlich als Second-Hand-Ware, als Dämmstoffe oder lässt sie zu Putzlappen recyclen. I:COs Schlussfolgerung auf der eigenen Homepage: “Man kann mit Freude und ohne schlechtes Gewissen shoppen gehen!“
Eine Conclusio, die Nunu Kaller von Global 2000 so keineswegs unterschreiben würde. “Das ökologischste Kleidungsstück ist immer noch jenes, das nicht produziert wird“, betont sie. “Kritisch betrachtet, könnte man auch sagen, dass es sich Konzerne gar nicht mehr leisten können, keine grünen Projekte zu haben – bei all der Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen in Textilfabriken.“ Vor anderthalb Jahren hat Kaller deshalb privat den Selbstversuch gestartet, ein Jahr lang keine Kleidung mehr zu kaufen – und dies auf ihrem Blog https://ichkaufnix.wordpress.com dokumentiert.

Um Altkleidung guten Gewissens loszuwerden, rät der “Dachverband FairWertung“, genau zu prüfen, ob man sie in Container rein gewerblicher oder karitativer Sammler wirft. So fließt etwa der Erlös, den die Volkshilfe durch den Verkauf von Altkleidern einnimmt, zu hundert Prozent in das Projekt “Proserv“, das die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt fördert. Über Flohmärkte, Online-Marktplätze oder die Schenk-Plattform “Share and Care“ ist immerhin sichergestellt, dass Waren auch ankommen, wo sie gebraucht werden. Doch die Wurzel des Übels bleibt für Nunu Kaller die Massenproduktion der Fast-Fashion-Industrie: “Wiederverwertung ist toll. Sie ist letztlich aber nur ein Pflaster, das man auf eine Wunde klebt, die eigentlich genäht gehört.“

44) Kurier.at

Na toll, kaum bin ich fertig mit dem Beitrag über den Artikel in der Furche, geht der liebe Stefan Hofer von Kurier.at mit einem von mir verfassten Text online. Yippieyeyyeah, war eine spannende Frage und vor allem find ichs toll, dass Stefan einen Infoteil angehängt hat – und den noch dazu “Einstürzende Altbauten” genannt hat. Zynisch, aber ich auf solche Wortwitze steh ich ungemein…

kurierat3

einstürzendealtbauten

10 Gedanken zu „Presse

  1. Ursula Messmer sagt:

    Meine liebe Nunu!
    Ich finde es toll, was du da das letzte Jahr gemacht hast!
    Tolles Vorbild! Vielleicht sollte ich das auch versuchen!
    All das Geld, das man spart!
    LG Ursi

  2. Suse sagt:

    Man spart zwar wirklich viel Geld, aber ich gehe gern shoppen und kann mir das gar nicht vorstellen.

  3. karl sagt:

    Kölner Treff…… was für ein nettes weib !

  4. Claudia sagt:

    Liebe Nunu, grade im Urlaub habe ich dein Buch gelesen und konnte es kaum zur Seite gelesen, ich habe an vielen Stellen herzlich gelacht und mich natürlich in vielem wiedergefunden….vielleicht solltest du drüber nachdenken noch ein Folgebuch zu verfassen, wie es dir in dem Jahr danach gegangen ist, mich würde das brennend interessieren……Als Mama von 2 Kindern ist es noch schwieriger nicht so viel zu kaufen, denn Kinderkram ist ja so schön….aber auch bei den Kids quellen die Schränke über, ich habe sogar schonmal 7 neue Shirts nach einem Jahr in einer Türe gefunden, dabei hatte ich total vergessen dass ich sie gekauft hat….war echt peinlich…Mich hat dein Buch sehr beflügelt mal ein halbes Jahr nix zu kaufen an Klamotten, mal sehen ob es klappt…ich wünsch dir alles Gute aus Köln Claudia

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