Kurze Pausenunterbrechung für eine Ankündigung: WearFair ist!

Hallihallo! Seltsames Gefühl, mal wieder den Editor für den Blog offen zu haben. Aber ich hab einen wichtigen Grund, meine Blogabstinenz zu unterbrechen: Nächstes (also nicht kommendes) Wochenende ist WearFair!

Zwei Jahre lang war die PR für die WearFair ja mein Baby, und ich freu mich, dass das dieses Jahr in den Händen der wunderbaren Lisa liegt – eine Blog-Schwester, deren Cousin obendrein mein großer Fahrradretter war. (ist? Du Christoph, ich hätte da ein neues altes Rad….hehe).

Und weil ich Lisa und auch die vielen wunderbaren AusstellerInnen der WearFair natürlich unterstützen möchte, gibts hier die Ankündigung – biddeschön!

wf_print_grundsujet_seemann_download_ohne_high

Alle, die sich auch nur ansatzweise für faire Mode und einen ökologischen Lebensstil interessieren, sei die WearFair ans Herz gelegt, dort trifft sich wirklich alles, was in der Szene bekannt ist. Oder fast alles, weil ich werd nicht da sein, höhö (ok, das war jetzt ein depperter Übergang, tschulligung).

Die Location allein ist schon sehenswert. Enjoy.

wf_print_grundsujet_hexe_download_ohne_high

Es ist soweit: Ich mag grad nimmer.

So, jetzt ist es passiert. Nach viereinhalb Jahren Bloggen machts grad keinen Spaß. Ich brauch eine Pause – eigentlich nehm ich mir die ja schon seit ein paar Tagen, aber immer mit dem schlechten Gewissen, dass ich ja Bloggen sollt und am Sonntagabend dann und fix und ich muss und so.

Jetzt hab ich grad spontan aus dem Bauch beschlossen: Aus. Bewusst genommene Pause.

So sehr ichs liebe, ist das Bloggen mir zu sehr zur Pflicht geworden. ichkaufnix ist immer mein persönliches Projekt gewesen, geldfrei, in meiner Freizeit, aus meinem Innersten heraus, authentisch. Und es hat mein Leben von Grund auf verbessert, auf allen Ebenen zum Besseren. Ich liebe es wirklich über alles. Es hat mir unter anderem unglaubliche Erlebnisse, die Erfüllung des Traums, ein Buch zu schreiben, einen sehr leiwanden Job bei Greenpeace und am allerwichtigsten: Unglaublich tolle Freunde, die genauso ticken wie ich, eingebracht.

Aber so wie alle Menschen entwickle auch ich mich weiter. Und momentan merk ich gerade, ist in mir und um mich sehr, sehr viel im Umbruch, das meine Aufmerksamkeit braucht, und ichkaufnix fühlt sich mehr wie ein Klotz am Bein an. Ich merke das selbst an meinen Beiträgen, die in letzter Zeit immer öfter „offtopic“ wurden. In mir lodert grad ein neues Feuer, über das ich aber noch nicht allzu viel sagen möchte. Wenns soweit ist, seid ihr die Ersten, die es erfahren, versprochen😉

img_20160815_083653.jpg

Es ist kein Abschluss, ich mach hundertprozentig und garantiert weiter, zu dem Zeitpunkt, an dem ich merke, es macht wieder Spaß. Ich kenn mich, allzu lang wird das sicherlich nicht dauern. Nur jetzt brauch ich in meinem Kopf auch die selbstgegebene Erlaubnis: Du darfst Pause machen, Nunu, du musst nicht bloggen, du musst kein schlechtes Gewissen haben.

Bis dahin: Genießt eure Tage, liebt euch selbst, liebt das Leben, geht behutsam mit anderen um und optimistisch durchs Leben.

Übrigens: Die Facebookseite werde ich natürlich weiterhin mit spannenden Beiträgen rund ums Thema nachhaltige Textilien füttern, aber halt nicht jedesmal einen eigenen Blogpost herum bauen. Bleibt mir gewogen, denn spätestens im Oktober hab ich wieder ein paar Zuckerln für ichkaufnix in petto🙂

Lebenszeichen. Und Afrika.

Ich hab grad so viel um die Ohren, und mich bewegen momentan fundamental andere Themen, ich komm grad einfach nicht zur Ruhe, um mich auf den Blog zu konzentrieren.

Eine spannende Geschichte jedoch: Ostafrikanische Staaten wollen Textilimporte verbieten (oder zumindest regulieren). Find ich super. Denn wenn wir in Europa plötzlich auf unseren Textilmassen sitzen bleiben, gibts entweder endlich ein Umdenken oder die Fernwärme wird billiger (jaja, Zynismus hilft nicht, ich weiß…).

 

Zynische Politiker auf allen Ebenen.

Ich sollt mal wieder was bloggen, nüm? Puh, bin derzeit im Sonnen-Meeres-Hirnverlangsamungs-Modus. Eines ist mir in den letzten Wochen aufgefallen: Drei Mal kam ich seit Ende Juni von Reisen zurück in meine Wohnung. Und drei Mal war ich komplett erschlagen, weil ich so viel Zeug habe. De facto hab ich wahrscheinlich gar nicht soooo viel, aber ich schaffe es, eine große Wohnung fast allein zu füllen. Und das muss sich ändern. Das wird wohl so bissl Blogthema in den kommenden Wochen. Hoffentlich. Wenn ich meinen inneren Schweinehund so weit bestechen kann, dass er mitmacht beim Ausmisten.

Aber nun zu was anderem. Was ganzganzganz anderem. Komplett völlig offtopic. Aber ich möcht einfach, dass das ganz viele Menschen lesen, weils einfach so wahnsinnig zynisch ist. Es geht um eine meiner beiden besten Freundinnen. Sie lebt seit mittlerweile acht Jahren (sniiiiiieeef!!) in England, hat dort ihre Doktorarbeit geschrieben und nun eine Post-Doc-Stelle in Oxford, die Streberin😉 Ich bin wirklich stolz auf sie und beeindruckt von ihr, wie sie ihren Weg geht, wobei das gemessen an ihrer Sturheit, die ich in den vergangenen 22 Jahren kennenlernen durfte, wenig überraschend ist …. Sie hat einen Brief geschrieben an Gisela Stuart, eine aus Deutschland stammende britische Politikerin, die eine der führenden Pro-Brexit-Kräfte war und die sich nun um einen korrekten Ausstieg, bei dems quasi keine Verlierer gibt, kümmern will.

Stephs Brief (sie hat ihn in zwei Sprachen geschrieben, der der Einfachheit halber der deutsche):

Sehr geehrte Frau Stuart,

Ich schreibe Ihnen in unserer gemeinsamen Muttersprache um gleich zu Beginn festzuhalten, dass wir beide einiges gemeinsam haben. Wie Sie bin ich aus dem Deutschsprachigen Raum (Österreich um genau zu sein) nach Großbritannien gekommen um einer akademischen Karriere nachzugehen. Nachdem ich mich nun nicht annähernd so gut auf Politik verstehe wie Sie, habe ich diese auch weiterverfolgt, und nachdem ich letztes Jahr meinen PhD erworben habe, war ich bis vor Kurzem auf einem vielversprechenden Kurs, meinen Karriereweg in diesem Land ähnlich erfolgreich zu gestalten wie Sie das getan haben.

Ich sage “vor Kurzem”, nachdem, wie Sie Presseberichten zufolge ja mittlerweile auch festgestellt haben, mein zukünftiger Aufenthalt in UK keineswegs sichergestellt ist. Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, zu der Sie als eine der führenden Figuren der Leave Kampagne maßgeblich beigetragen haben, heißt, dass ich derzeit, wie hunderttausende andere auch, keinerlei Anhaltspunkt habe, was mein zukünftiges Bleibe- und Arbeitsrecht betrifft. Um es ganz klar zu sagen: dies ist kein Problem, dass in einigen Jahren auf uns zukommen wird, es ist jetzt ein Problem: für diejenigen von uns, die auf Arbeitssuche sind (welcher Arbeitgeber investiert in einen Bewerber, der vielleicht in wenigen Jahren sein Arbeitsrecht verliert), die eine Mietwohnung suchen (selbes Prinzip), diejenigen die hier Unternehmen gegründet haben, deren Zukunft nun in den Sternen steht, diejenigen, die sich bis über beide Ohren verschuldet haben, um ein Haus zu kaufen, ganz zu schweigen von denjenigen, die mit Britischen Staatsbürgern verheiratet sind oder Kinder haben – so wie einige meiner Freunde – und deren Familien nun im schlimmsten Fall auseinandergerissen werden könnten.

Dabei ist nun in der Praxis völlig irrelevant, wie lange unsereins schon im Lande ist, denn wenn man nicht, so wie Sie in der glücklichen Lage ist, die Britische Staatsbürgerschaft zu besitzen, hat man derzeit kaum eine Möglichkeit, einem Arbeitgeber oder Vermieter einen Nachweis des zukünftigen Aufenthaltstitels zu gewährleisten. Man kann natürlich beim Home Office um eine Permanent Residence Card ansuchen (wenn man denn Anspruch hat, was viele, die, wie wir beide, hier studiert haben, nicht tun), die Aussichten, die in näherer Zukunft zu bekommen, stehen allerdings aufgrund der schieren Massen, die gerade beim Home Office ansuchen, eher gering. Für mich persönlich bedeutet das nun ein wenig Kopfzerbrechen (nun gut, eine ausgewachsene Panikstörung), da ich nämlich, wie viele andere Jungakademiker auch, auf einem befristeten Vertrag arbeite, der Ende 2017 abläuft. Aus heutiger Sicht ist unklar, ob ich zu diesem Zeitpunkt einem neuen Arbeitgeber meine Arbeitsberechtigung nachweisen kann um eine neue Stelle zu finden, oder globaler gesprochen, ob ich garantieren kann, dass ich nach 2019 noch im Land verbleiben darf. Meine berufliche Zukunft, wie die vieler anderer, ist daher aus rein administrativen Gründen komplett ungewiss.

Ich erzähle Ihnen dies nun einerseits, da Sie, wie ich lese, eine Untersuchung des zukünftigen Status von EU-Bürgern in UK leiten, und ich Sie daher darauf hinweisen wollte, dass dies nicht eine Frage dessen ist, was passieren wird, wenn UK die EU verlässt – es ist eine Frage dessen, was jetzt gerade passiert. Ich erzähle es Ihnen aber auch, weil Sie meines Erachtens durch ihr Engagement für den Austritt für das, was gerade passiert, persönlich verantwortlich sind. Lassen Sie es mich daher zusammenfassen: 3 Millionen Menschen wie Sie und ich – Menschen die hierhergekommen sind, um sich ein besseres Leben aufzubauen – sind über Nacht zu Bürgern zweiter Klasse mit unklarem rechtlichen Status degradiert worden, und sehen sich dadurch unverzüglich mit existentiellen Problemen konfrontiert, was Arbeit, Unternehmen und Eigentum sowie Familienzusammenhalt betrifft. Dieser Zustand wird so lange anhalten, bis nicht nur klar ist, wie es mit uns weitergeht, sondern bis dies auch bürokratisch umgesetzt ist. In der Zwischenzeit ist es völlig unerheblich, ob die Regierung uns erzählt, dass sich vorerst nichts ändert – es hat sich bereits geändert und zwar gewaltig. Das letztere meine ich wörtlich – zusätzlich zu den bürokratischen Problemen, die wir nun haben, sind wir, wie sie vermutlich wissen, seit dem Referendum mit einer Serie von rassistischen Übergriffen konfrontiert, die sich gegen Fremde jedweder Nationalität sowie einheimische nicht-weisse Gesellschaftsgruppen richtet. Falls Sie es noch nicht getan haben, lade ich Sie herzlich ein, sich die folgende Radiosendung anzuhören, in der eine Dame aus Ihrem Heimatland schildert, wie es ihr seit dem Referendum in ihrer Nachbarschaft geht.
(link)

Damit wir uns ganz klar sind, Frau Stuart: auch dafür sind Sie, durch ihre Entscheidung mit Rassisten gemeinsame Sache zu machen, persönlich verantwortlich, wie auch für die anderen Übergriffe gegen EU-Bürger (ich erspare Ihnen die blutigen Fotos, ich denke, wir verstehen uns schon). Und all das, liebe Frau Stuart, weil diese Menschen nichts anderes wollten als Sie und ich auch – nur waren sie eben nicht clever genug sich einen Pass zu holen, bevor sie sich bewusst dafür einsetzen, der nächsten Generation die Tür vor der Nase zuzuknallen. Wenn Sie nun also mit Ihrer Kommission nach einer Lösung für uns EU-Bürger suchen, dann hoffe ich, dass Ihnen klar ist, dass jeder wegen Brexit verlorene Job, jede kaputte Firma, jede Obdachlosigkeit, jede psychische Erkrankung aufgrund existentieller Unsicherheit, und jeder rassistische Übergriff das Resultat des absolut atemberaubenden Egoismus und der Menschenverachtung ist, mit der Sie durch Ihre Unterstützung für Leave Ihren eigenen Landsleuten und Ihren Mitmenschen allgemein begegnet sind, Mitmenschen, die nichts anderes falsch gemacht haben als später als Sie geboren zu werden. Ich hoffe, dass Sie dies motiviert, so schnell und unbürokratisch wie möglich sicherzustellen, dass jene von uns, die schon hier sind, ihr Leben ungestört weiterführen können – für die Generationen die nach uns kommen ist es, wie es derzeit aussieht, ja schon zu spät.

Mit nicht allzu warmen kontinentalen Grüßen,

Die Antwort der Politikerin:

steph

Da steht: „Über 17 Millionen britisce Wähler haben sich dafür entschieden, die politische Struktur namens EU zu verlassen. Ich versuche sicherzustellen, dass dies passiert und dass dies ordentlich passiert. Ihren Brief würde ich „gemein“ nennen. Ich hoffe, Sie fühlen sich besser, dass sie ihn geschrieben haben. Gisela Stuart“

Ich war sprachlos. Sowas ist führende Politikerin. Und anscheinend eine ziemliche B…tch…. Was passiert da gerade mit unserem Teil der Welt?!

Was aber leiwand ist: Stephs Geschichte hat auf Twitter Shitstorm-Level. Sucht mal nach #gemeingate oder #gemein.

 

Edit: Ich hab die Geschichte gerade ein paar sehr netten Medienmenschen und ein paar politisch interessierten Freunden geschickt. Und so gut wie alle reagierten mit einem „Was erwartest dir? Ist doch eh ganz normal, die Antwort, so ist halt der Umgangston jetzt.“ 

Nein, es ist nicht normal!!! Und ja, der Ton ist in den letzten Monaten VIEL härter geworden, vor allem im Netz, aber das heißt nicht, dass wir jetzt cool drüberstehen müssen, uns abkapseln, eine dicke Haut wachsen lassen und sagen: Ja mei, is halt so. Denn dann wirds wirklich normal, so mit einander umzugehen. Und das darfs nicht werden. Wir können doch nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und sagen: Es ist halt so. In diesem Fall stimme ich meinem persönlichen „es ist so“-Motto überhaupt nicht zu. Es darf so nicht sein. Eine Politikerin darf nicht so auf eine Frau reagieren, die in „ihrem“ Land wohnt. 

Gyalpa – wenn Konsum zur guten Idee wird

Ich halt normalerweise nicht gar so viel von Charity, wo reiche Leute irgendwas Handgemachtes und sich das gute Gewissen, jetzt mindestens ein halbes Dorf in Afrika gerettet zu haben, kaufen (Ja, ich übertreibe. Falls wer fragt.). Aber zufällig bin ich auf Gyalpa gestoßen, und dieses Projekt gefällt mir richtig gut.

Gyalpa kauft Produkte direkt von den Produzenten, zur Zeit meist syrischen Frauen, und verkauft sie ohne Zwischenhändler direkt an deutsche Kunden. (…) Wir zahlen keine Almosen, sondern einen guten Preis für gute Arbeit. Das schafft Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein bei den Produzentinnen. Gyalpa arbeitet profitorientiert, aber ohne Renditeabsicht. Wir sind ein soziales Handelsunternehmen. Sobald Profite erwirtschaftet werden, werden diese entweder direkt an die beteiligten Nichtregierungsrorganisation, insbesondere für Bildungs- und Sozialprojekte in den Herkunftsländern oder direkt an die Produzenten gegeben. Unsere Produzentinnen leben und arbeiten in syrischen Kriegsgebieten oder in Flüchtlingslagern in der Türkei, in Jordanien oder im Libanon.(…) Heute haben unsere Produzenten keine Möglichkeit mehr, ihre Produkte Vorort zu verkaufen. Der Gang auf die Märkte ist zu gefährlich. Gyalpa hat es sich deshalb zur Aufgabe gesetzt, direkte Zugänge zu Märkten im Westen zu öffnen. Gleichzeitig nehmen wir größere Stückzahlen auf eigenes Risiko ab, um Einkommenssicherheit  für Flüchtlinge zu schaffen. Heute in Syrien, Morgen in der Welt.

 Ich mag den Gedanken, dass in Syrien Menschen weiterhin ihrem Handwerk nachgehen können und davon leben können – ohne in Gefahr zu sein, auf den Märkten per Bombe hochzugehen – wobei auf diese Märkte sich sowieso niemand mehr verirrt. Darum: Tolle Idee, unterstützenswert.

Auch die Produkte sind sehr fein. Zum Beispiel diese Taschen (sämtliche Zitate und Bilder übrigens (c) Gyalpashop.com):

damaskus

„Die berühmte Aghabani-Handarbeitskunst ist über 150 Jahre alt und entstand in der ländlichen Umgebung von Damaskus (Douma) sowie im Südosten Syriens. Ursprünglich überwogen Brauntöne und Goldfarben. Und während zunächst große Nadeln verwendet wurden, kommen heute kleine Nähmaschinen zum Einsatz. Aufgrund der Kämpfe in Douma, flohen viele Frauen mit ihren Kindern in die Stadt Damaskus. Einige von ihnen schlossen sich zusammen und halten gemeinsam die Aghabani-Kunst am Leben, obwohl es schwierig geworden ist, das richtige Material zu beschaffen und oft lange Stromausfälle verkraftet werden müssen. Zudem besucht kaum noch jemand die lokalen Märkte, denn die Angst vor Bomben und Anschlägen ist groß. Es gibt für ihre wunderbaren Produkte innerhalb Syriens leider kaum noch Absatzmöglichkeiten. Deshalb organisiert GYALPA den Transport nach Deutschland.“

Weiterlesen

Liebe Textilschweden, waaaaaaarum?! :(

Ich weiß, meine Leier wird langsam ermüdend.

Ja, der Textilschwede tut was in Sachen Nachhaltigkeit.

Ja, der Textilschwede ist in Sachen Detox von Greenpeace wirklich gut unterwegs.

Ja, der Textilschwede ist weiter vorn als Primark und Co.

Aber so lange der Textilschwede Produkte wie dieses (siehe Screenshot unten) anbietet, nehme ich ihm seine Nachhaltigkeitsbestrebungen nicht ab. Null. An Angeboten wie einer Jeans um zehn Euro merkt man, dass der Textilschwede NICHT ernsthaft daran interessiert ist, seinen KundInnen klar zu machen, dass

  • Kleidung etwas Wertiges ist. Mehr wert als zwei Kaffee bei Starbucks zum Beispiel.
  • Jeansproduktion eigentlich der Gipfel der Unnachhaltigkeit ist.
  • Selbst wenn sie bei diesen Angeboten eigenen Aussagen zufolge einfach keine Marge auf die Produkte legen, sondern der Produzent an einer Zehneurojeans genauso viel verdient wie bei einer Vierzigeurojeans, das ein Preis ist, der schlicht nicht in Ordnung ist. Weder für den Produzenten noch für uns KonsumentInnen.

Angebote wie dieses zeigen: Es ist ihnen einfach wurscht. Es geht um Gewinn. Ich hatte diese Diskussion schon mit ihnen. Das Zehn-Euro-Jeans-Angebot ist für mich ein Symbol. Ach ihr lieben Textilschweden, ihr legt doch soooo viel Kohle in eure Nachhaltigkeitsbestrebungen, habt so viele Initiativen draußen, Menschen dafür angestellt, und ihr HÄTTET soooo eine Marktmacht. Aber dann haut ihr konventionelle Stoffe in eure Conscious Collection und bietet weiterhin Jeans um 10 Euro an, anstatt ihren wahren Wert zu bepreisen. Das alles find ich schade. Dass ihr KonsumentInnen dazu bringt, 10 Euro für eine Jeans für einen angemessenen Preis zu halten.

Screenshot: Newsletter von hm.com

  • zehneurojeans

Alternativen zu Leder, die nicht aus Plastik sind

Grundsätzlich bin ich ein Leder-Fan. Ich weiß, dass das mal die Haut eines Tieres war. Ja. Und ich versuche, wenn ich neue Lederprodukte kaufe, darauf zu schauen, dass diese entweder Second Hand sind oder aus ökologisch gegerbtem Leder aus der Fleischproduktion (a.k.a. die Häute sind das, was bei der Fleischproduktion übrig bleibt, und die Tiere werden nicht nur für die Häute getötet – gut, für die VeganerInnen unter euch ist das jetzt wahrscheinlich die Wahl zwischen Pest und Cholera, ist mir auch klar…).

Ich mag halt Plastik nicht. Gar nicht. Auf der Haut schon überhaupt nicht. Ich mag keine reinen Polyesterprodukte (da schwitzt man eh nur wie Sau drin), ich mag keine Sommerschuhe aus Plastik, weil mir einfach davor graust, dass die ganzen Chemikalien und Weichmacher im Plastik direkt auf meiner Haut sind (auch wenn die meisten der in Europa erhältlichen Produkte chemikalientechnisch unter den Grenzwerten liegen. Wobei, Fake-Crocs im Ein-Euro-Shop würde ich nienienienienienienienienienie anziehen. NIE!). Und übrigens: Wer Plastikschuhe als veganes Leder bezeichnet und damit glaubt, Umweltschutz zu betreiben, sollte sich dringend brausen gehen. Plastik ist eine der schlimmsten Umweltgefahren überhaupt.

Aber immerhin, es findet im Alternativenbereich gerade wahnsinnig viel Forschung und Entwicklung statt, die teilweise sogar schon Marktreife erreicht hat.

Sehr spannend finde ich das Leder aus Pilzen, da würde mich die Haptik echt sehr interessieren (und die Art der Verarbeitung, Gerbung und Färbung und so):

Auch interessant, weil mans anscheinend auch wirklich selbst machen kann: Leder aus Kombucha.

Auf der  Fashion Week hatte ich es schon in der Hand: Ananasleder. Ich muss zwar sagen, dass es in der Haptik nicht rasend an Leder erinnert, aber ein sehr spannender und sehr nachhaltiger neuer Stoff ist. Er wird nämlich aus dem gefertigt, was die Ananasbauern sonst wegwerfen: Aus den Blättern:

Und dann gibts da auch noch eine nichtvegane Alternative, die ich sowohl in der Optik als auch in der Haptik echt sehr schön finde: Lachsleder.

Es lohnt sich, dranzubleiben und sich die möglichen Alternativen immer wieder anzuschauen und sich zu überlegen, ob und wie nachhaltig sie für den Eigengebrauch sind. Ich bin ehrlich gespannt auf das Pilzleder….

 

Konsumkritik im Deutschlandradio Kultur

Ganz auf spontan habe ich vorgestern ein Live-Interview an Deutschlandradio Kultur gegeben – basierend auf den in die Höhe geschnellten Umsatzzahlen der deutschen Post wollten sie mit einer Konsumkritikerin reden. Tataa, bitteschön, hier kann mans nachhören.

Leute, es gibt Dinge, die viel, viel glücklicher machen als Konsum. Ich schau, dass ich da jetzt immer eine Liste im Kopf mache, was mir tagsüber so glücklichmachendes begegnet – und es sind die Kleinigkeiten.

  • Die Balu-der-Bär-guten-Morgen-Umarmung vom Nachbarn, das ist immer super, wenn wir uns zufällig in der Früh im Stiegenhaus treffen.
  • Die überraschende Mail eines Mitreisenden mit Urlaubsfotos. Seufz.
  • Das gemütliche, spontane Zusammensitzen mit Freundinnen am Gehsteig vorm Lokal der einen inkl. Kaffee und tollen Gesprächen.
  • Die Gedankenübertragung-Whatsapp-Unterhaltung mit jemand Wichtigen.
  • Der Weg mit dem Rad vom Gürtel zum Stadtpark. Nur bergab. Herrlich.
  • Das Übernachten am Vordach statt im Bett.
  • Die unfassbar vielen und überrumpelnd tollen Rückmeldungen auf diesen Beitrag.

Alles wunderbare Momente. Wahrnehmen. Achtsam sein. Ich weiß, Mördertrend gerade, aber es stimmt einfach.

wienerberg

 

Byebye, Cora Kemperman….

Ich bin wirklich, wirklich traurig. Meine heißheißheiißeißkochendheiß geliebte Modemarke Cora Kemperman gibt es nicht mehr. Nie wieder Ausflüge nach Amsterdam oder Brüssel und reinschneien in diesen unglaublich schönen Boutiquen. Nie wieder vor der Auslage stehen und sich denken: Boah, jedes einzelne Teil da drin ist leiwand.

Was ich besonders geliebt habe an dieser Marke: Sie haben völlig selbstverständlich Ökologie und Fairness gelebt. Alles, was ging, war bio, die Produktion in Indien war von der Firma selbst begleitet, die Strickproduktion und -verarbeitung fand in Italien statt, ebenfalls gut dokumentiert. Und sie haben NIE groß drüber geredet. Sie haben einfach gemacht, und sich auf den Style konzentriert. Sie haben die Tatsache, dass sie sehr viel mit ökologischen Materialien arbeiten (aber eben nicht 100%) nie in den Vordergrund gekehrt, sondern selbstverständlich als Teil ihrer Linie mitgetragen. Der Stil war ebenfalls wunderbar und nachhaltig: Ich habe Teile aus dem Jahr 2010 und Teile aus dem Jahr 2015, die sich miteinander kombinieren lassen, irgendwie haben alle Teile für sich leiwand und „anders“ ausgeschaut, aber dann doch wieder zusammengepasst.

Bankrott. Vor fünf Jahren, als die Gründerin die Firma an ihre Cousine weitergab, war die Firma zehn Millionen wert. Bei sieben Filialen in zwei Ländern. Das ist schon ordentlich Knödel. Und nur fünf Jahre später war alles runtergewirtschaftet. Mir bricht das das Herz, abgesehen davon, dass da einfach meine Lieblingsmarke, die sogar intensivst im Buch vorkommt, eingegangen ist, finde ich den Nachgeschmack einfach sehr bitter: Da versuchts eine Marke auf selbstverständlich bio und scheitert. Dabei ist sie vorher seit 1995 super gelaufen. Da muss seit der Übernahme einiges ordentlich schief gelaufen sein.

Schade.

Die Fotos hab ich mir von Pinterest zusammengesucht:

Ulrike verkauft – Mode und Möbel. Wir lieben Ulrike.

ulrike1

Heute gibts gleich zwei Ankünder. Meine Lieblingsulrike macht mal wieder Pop-Ups. Der erste gehört zu meinen absoluten Favoriten bei ihr: Das Guerilla Home Shopping:

GUERILLA home SHOPPING

Dein Zuhause braucht ein neues Outfit? Wir haben von Ur-Opa Willy den Schreibtisch und das Fauteuil aus den 60-ern, aus dem Schreibergarten von Frau Hillebrand das Waschtisch-Kasterl, den Küchenschemel und den Wäschekorb und von Tante Susanne das stylische Küchenequipment in quietsch-orange aus den 1970ern.

Sesseln & Fauteuils, Hocker, Schemel, Sofakissen, Kästchen & Kommoden, Beistelltisch und Fernsehwagen, Geschirr und jede Menge Blumenvasen.

Freut Euch auf lässige Wohnaccessoires aus 1950 bis 1980, wie immer zu gewohnt niedrigen GUERILLA home SHOPPING Preisen von € 2,– bis max. € 25,–.
First Style. Second Hand.
First come. First serve.

Donnerstag, 4. August 2016 18 – 21 Uhr
blechturm25
1050 Wien, Blechturmgasse 23-27/Geschäftslokal

Wir freuen uns auf Euch.

Ich hab dort bereits einen Drehsessel und eine wahnsinnsleiwande Anrichte (die am Weg zu mir Zwischenstopp auf meinem großen Zeh gemacht hat, aua aua) erstanden, und es gibt nix Besseres: Second Hand, alt, und gerade bei Möbeln gilt das gleiche wie bei Kleidung: Wenns früher gemacht wurde, hat es einfach bessere Qualität, ist langlebiger.

Tags darauf ist dann die Mode dran (und am Sonntag). Unter anderem räumen meine Lieblingslaura und meine Lieblingskathrin  ihre Lager und lassen Ulrike die Ware abverkaufen. Günstig.

ulrike2

 

Eco-Fashion, Bio-Fashion, Fair-Fashion, Slow-Fashion.
Coole Teile, heiße Preise. Minus 30%, 40%, 50, 60%, 70%,…
ladies & gentlemen // damer och herrar // signore e signori // dame i gospodo // …

Freitag, 5. August 2016 15.00 – 20.00 Uhr
Samstag, 6. August 2016 11.00 – 18.00 Uhr

Barzahlung, Bankomat, Kreditkarten.
Blechturm25
1050 Wien, Blechturmgasse 23-27/Geschäft
Eintritt frei.

Am Wochenende wird man mich dort eher nicht sehen, ich bin modisch gerade wieder dank diverser Tauschereien und einer fabelhaften, göttlichen Jacke überversorgt, aber schauen, was Ulrike so an Mobiliar anbietet, werde ich heute definitiv🙂