Shopping weltweit.

Ach Greenpeace. Ich finds immer wieder geil, wenn eine Organisation, die weltweit agiert und eine entsprechendes Budget hat (also zumindest mehr als die 100 Euro, die ich pro Jahr in diesen Blog investiere, damit unter meinen Artikeln nicht irgendwelche Werbebanner angezeigt werden, auf die ich keinen Einfluss habe), Themen aufgreift, die ich seit Jahren runterbete. Und wie sie das getan haben! Chapeau!

KonsumentInnen in den verschiedensten Ländern wurden befragt, WARUM sie eigentlich gern shoppen gehen. Die Antworten sind nicht wirklich überraschend:

Weil es kickt.

Weil es aufmuntert.

Weil es das Selbstwertgefühl steigert.

Ja, kenn ich.

Gekauft wird, weil man in den sozialen Medien dazu inspiriert wurde.

Das eigene Budget überzieht man.

Alles Dinge, die zumindest LeserInnen dieses Blog schon seit ein paar Jahren kennen oder nachempfinden können. Aber Greenpeace zeigt: Leute, es ist fünf vor zwölf: Das Ding mit dem Shoppen, das rennt global in die komplett falsche Richtung! (Ja, das sind jetzt nicht unbedingt Breaking News, aber Greenpeace liefert endlich Zahlen, Daten, Fakten aus diesem Bereich. Freude. Ein fulminant schöner Report!!!)

Wie viel Kleidung braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Jede Menge, glauben viele Konsumenten im Shopping-Rausch. Doch die Ernüchterung folgt schnell. Umfragen, die Greenpeace in Europa (Deutschland, Italien) und Asien (Hongkong, Taiwan, China) durchführen ließ, zeigen, dass der Kaufrausch wie eine Achterbahnfahrt mit nur einem Gipfel ist: Erst geht es steil nach oben – und dann genauso schnell wieder hinunter.

Denn Scham und Schuld sind die Gefühle, die sich meist bereits nach einem Tag, manchmal sogar noch früher einstellen, wenn weit über den Bedarf eingekauft wurde. Etwa die Hälfte der Befragten in Ostasien fühlt sich wegen ihrer Shopping-Gewohnheiten derart schlecht, dass sie ihre Einkäufe aus Angst vor negativen Reaktionen oder Vorwürfen der Geldverschwendung verstecken.

In Deutschland geben 29 Prozent der Befragten zu, mehr zu kaufen als sie es geplant hatten. In China sind es sogar 46 Prozent. „Ob in Europa oder Asien: Eine wachsende Zahl von Konsumenten zeigt deutlich Sättigungserscheinungen und Ermüdung, wenn es um billige, schnelle Mode geht“, sagt Kirsten Brodde, Greenpeace-Expertin für Textilien. Und sie ist überzeugt „Wirklich glücklich macht gut produzierte Kleidung, an der man wirklich hängt und die man dauerhaft schätzt.“ (…)

Es muss sich also etwas in unserem Denken ändern – und in unserem Handeln. Denn häufig hängen Kleidungsstücke noch mit Preisschild im Schrank: im Kaufrausch ergattert und nie getragen. Solch ein Umdenken ist gar nicht mal so schwer. Schon kleine Änderungen im Alltag führen zu einer bewussteren Lebensweise, die weniger konsumgesteuert ist. So lassen sich schadhafte Teile oft ganz einfach ausbessern, auf Kleidertauschbörsen können Fehlkäufe durch coole neue Outfits ersetzt werden.

Doch auch die Textilanbieter müssen etwas ändern. Greenpeace setzt sich erfolgreich für eine saubere Textilindustrie ein – und hat bereits 79 globale Modemarken dazu verpflichtet, bis 2020 Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht genug. „Es braucht handfeste neue Geschäftsmodelle in der Modeindustrie, die auf Qualität statt Quantität setzen, gebrauchte Kleidung oder Leihservices anbieten“, so Kirsten Brodde. Die Umfragen zeigen: Das Bewusstsein, dass übermäßiger Konsum ein folgenschwerer Rausch  ist, wächst. Jetzt geht es also darum, diesem trügerischen Glück zu widerstehen.

…schreibt greenpeace.de.

Es ist eine weltweite Kampagne. Können wir uns also bitte auch endlich weltweit dieser Problematik stellen? Es ist niemandem geholfen, wenn wir hier mit dem Finger auf Asien zeigen und sagen, dass dort ja das eigentliche Konsumproblem liege (ja, tut es zum Teil), und dass wir uns in unserem Bobo-Wohlfühlkonsum unser Gewissen beruhigen. INSGESAMT WENIGER ist die Devise.

 

Meine Gedanken zum Fashion Revolution Day: Warum sind wir alle solche Idioten?!

Heute ist Fashion Revolution Day. Heute vor vier Jahren brach in Dhaka ein Fabriksgebäude zusammen, in dem Menschen für Benetton, KiK und Co. nähten. Über tausend Menschen starben, weit über zweitausend waren verletzt.

Seither ist viel passiert. Überall sterben Menschen sinnlose Tode. Ob es Ersticken an Giftgas ist, weil in Syrien die USA und Russland einen massiv grausamen Stellvertreterkrieg führen (kalter Krieg, diesmal auf ganz und gar nicht kalt), ob Lastwägen in Menschenmengen fahren, oder ob Lawinen über Hotels drüberrollen und Unschuldige lebendig begraben. Und das sind nur Ausschnitte, die mir gerade so auf die Schnelle einfallen, es ist noch viel, viel mehr passiert.

Manches berührt uns, manches lesen wir in den Nachrichten und denken: Ja, blöd, nüm? Aber weit weg. Was sich jedoch nicht ändert: Diese Menschen sind für immer tot. Nichts kann sie ins Leben zurück holen. Und die Menschen in Rana Plaza sind – wie all die anderen Genannten auch – einen sinnlosen Tod gestorben.

Es wäre angesichts der Tatsache, wie viele solcher Todesmeldungen täglich auf uns einprasseln ein Leichtes (und Nachvollziehbares), einfach nicht mehr drüber nachzudenken. Zu leben, wie es halt gerade am Angenehmsten ist, nur auf sich selbst zu schauen, schauen, dass der Lebensstil passt, dass der Kontostand passt und sich selbst in den Gedanken einlullen, dass man ja selbst nix Böses will, man nimmt nur das Angebot wahr.

Ich kann solche Gedanken sehr gut nachvollziehen. Egal, ob Brexit, Trump oder Syrien: Ich kann mich des Eindrucks langsam nicht mehr erwehren, dass wir global gerade wirklich auf was sehr, sehr Ungutes zusteuern. Und dann wirds niemandem nützen, dass da ein paar NGO-Hansln erklären, sie hätten es uns ja gesagt – auch den Hanseln selbst nicht.

Was ist meine Reaktion? Ich will den Kopf in den Sand stecken. Ich träume momentan ungelogen jede Nacht davon, in einem acht Monate andauerndem Sommer auf einer Insel zu sein, irgendwo in den schwedischen Schären, mit einer einzelnen rot angestrichenen Holzhütte drauf und einem kleinen Boot, mit dem ich von der Nachbarinsel beim Greißler Vorräte kaufe, weit weg von allen, mit ein paar guten Büchern, die mich gedanklich in andere Welten eintauchen, und dankeschön,  Gesellschaft und Weltpolitik findet bitte ohne mich statt. Ich hab eh schon mehr dazu beigetragen, Menschen zum Umdenken zu bringen, als andere.

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Die andere Gedankenvariante ist: Ich will einfach mal nicht mehr nachdenken müssen. Ich will einfach auch mal zu Primark gehen, mir zehn neue Outfits kaufen, mit vollen Einkaufstüten und trotzdem immer noch voller Geldbörse den Laden verlassen. Einfach, weil Shoppen blöderweise immer noch glücklich macht, weil man damit Stress und Unschönes kompensieren kann.

Aber sorry, es geht einfach nicht. Wir haben keinen Plan B, wir haben keinen Planet B und wir haben kein Recht, andere Menschen als ArbeiterInnen zweiter Klasse zu behandeln, nur weil die weit weg sind und wir ihre Lebensumstände am fertigen Produkt nicht sehen.

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Was mich richtig, richtig ärgert: Wir sind so blöd! Immer wieder versuchen laufend tolle Menschen tolle Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. Es GIBT bereits viele angebotene Alternativen für uns, um nachhaltiger zu handeln. Es gibt sooo viele wirklich gute Projekte: Wir können faire Textilien kaufen, wir können Schuhe und Jacken aus Polyester kaufen, das aus Plastik produziert wurde, das spanische Fischer aus dem Meer geholt haben (und weil mir der Name dieser Firma grad nicht einfällt, kann ichs grad nicht verlinken 😉 ), wir können spenden, während wir telefonieren, Himmelnochmal, wir können sogar Gutes tun, während wir uns den Arsch auswischen!! Also warum tun wir es nicht einfach alle – und damit meine ich wirklich ALLE? Stattdessen wird auf diesen Unternehmen herum getreten, werden NGO-MitarbeiterInnen als weltfremd bezeichnet und davor, dass man selbst ganz ganz einfach mit der eigenen Geldbörse Verantwortung übernehmen kann, werden die Augen verschlossen. Weil wenn man sich da mal beginnt, damit auseinanderzusetzen, dann fallen einem plötzlich ganz viele Dinge auf, die man dann eigentlich nicht mehr machen sollte. Und wäh, das hieße ja, ich müsst mein Leben umstellen und wäh, das ist ja anstrengend. Nein, ist es nicht, lieber „erwachender“ Konsument. Alle machen wir mal den ersten Schritt, und wie weit du gehst, liegt einzig und allein bei dir. Aber geh bitte mal los.

Ob kleiner, fairer Schuhproduzent in Österreich oder fairer Modedesigner in Deutschland – alle versuchen es mit einem positiven Image, um zu zeigen, wie schön und leicht Nachhaltigkeit sein kann, wenn man nur will (was ja auch hundertprozentig stimmt!). Die Antworten und Reaktionen darauf geben mir die sozialen Medien, wo irgendwelche Leute, die genau null Schritte Richtung Nachhaltigkeit oder Sozialverantwortung setzen, auf genau diesem Produktangebot herumreiten und herumtrollen – einfach nur, weil sie können und weil es sie nix kostet, ein bissl herumzulästern. Sie lästern, weils ja eh billiger geht, weils ja eh schneller geht, weils ja eh mit mehr Produktqualität geht.

Ja, es geht billiger, aber mit welcher Konsequenz? Mit der, dass wir übelsten Schaden anrichten. Es ist mir inzwischen wirklich bereits blunzenwurscht, wenn mit Leute mit Argumenten kommen wie „Aber es herrschen Standards in Europa, die eingehalten werden müssen“ oder „So haben die Leute dort wenigstens einen Job.“ Das ist einfach nur dumm und kurzsichtig. Diese Menschen WOLLEN sich nicht informieren. Ok, gut, sollen sie – ich würd auch gern in dem Bereich manchmal einfach weniger wissen-, aber:

Tatsache ist: Weil Pantone letztes Jahr babyblau und puderrosa zur Farbe des Jahres erkoren hat, in der wir alle herumlaufen sollen, sind derzeit die Geschäfte voll davon. Jetzt hat Pantone gesagt: Knallgrün, und eine zweite Farbforschungsfirma: Glitzer! Ich wette mit euch: Nächsten Sommer rennen wir alle wie verkleidete Frösche auf Speed durch die Gegend, einfach, weils grad cool ist. Der für uns unsichtbare Effekt: Die NäherInnen in Bangladesch, dem Land, in dem so viele Menschen bei miesester wirtschaftlicher Lage und beschissenen topographischen Voraussetzungen auf engstem Raum leben, sodass Arbeitskraft schlicht nichts wert ist, kommen nicht nach mit der Produktion. Die Standards sind unter aller Diskussion und eigentlich gar keine Standards, und damit das Zeug in Europa verkauft werden kann, bastelt das Label sich halt ein bissl ein grüneres Image, der Sprecher schaut hin und wieder ernst in die Kamera und erklärt, wie wichtig Verantwortung nicht ist.

Und wir KonsumentInnen kippen da volle Breitseite drauf rein. Es wird uns beigebracht, dass kaufenkaufenkaufen glücklich macht und Postmaterialismus gilt als Luxusschmäh für die, die es sich eh leisten könnten. Wie die Geier werden wir darauf trainiert, das günstigste Angebot zu suchen, und fordern damit die Unternehmen zu einem Konkurrenzkampf auf, den nur wenige Große überleben. Aber weils grad cool ist, auf Konzerne zu schimpfen, schimpfen wir halt mit – in der Jeans vom Textilschweden und dem neuen Pulli von Primark. Aber die, die nicht nur kritisieren, sondern verantwortungsvolleres Handeln auch in ihren Alltag integriert haben oder wirklich etwas machen wollen, ihre berufliche Arbeitskraft in diesen Dienst an der Empathie stellen, werden mit einem Jesusschlapfenträger-Vorwurf bedacht. So „uncool“ will man dann halt auch nicht sein.

Eigentlich könnte man sich ja vortrefflich darüber lustig machen – und ich selbst mach das ja auch gern. Genauso, wie ich dieses Ding mit dem kritischen Konsum, für den ich wirklich mein Herzblut einsetze, hin und wieder selbst nicht mehr ernst nehmen kann und über die ganzen Rucola-Bobos in Wien und die Tofu-Hipster in Berlin lache.  Manchmal, wenn mir wirklich alles bis zum Haaransatz steht, dann schaffe ich es auch nicht mehr, jenen Leuten, die sich bisher nicht mit der Macht des Konsums an sich auseinandergesetzt haben, respektvoll und geduldig zu begegnen. Dann möcht ich sie schütteln und sie anschreien, dass sie mit ihrer unreflektierten GeizistgeilundNachhaltigkeitmachtnurschlechtLauneundbringtdochehnix-Art den Planeten niederreiten und Menschen für sie sterben. Was genau sinnlos ist, davon werden die es nämlich auch nicht lernen. Aber muss man wirklich jede/n Einzelne/n wie ein kleines Kind an die Hand nehmen ihnen mit möglichst dramatischen Worten und drastischen Bildern den Weg der Hose vom Saatgut bis zum Transport vor die Haustür zeigen, die er oder sie sich gerade bei Amazon bestellt hat? Echt jetzt? „Schau mal, diese Frau näht da gerade Deine Hose. Ist ganz schön eng und stickig hier in der Fabrik, oder? Sollen wir wieder rausgehen? Musst du aufs Klo? Hast du Durst? Na aber jederzeit können wir gehen – die Näherin aber übrigens nicht, die darf nur einmal am Tag für zehn Minuten aufs Klo – und da stehen dann alle anderen Näherinnen, die grad Pause haben, auch an. Blöd, oder? Wollen wir nicht, gell?“

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Wir sind als Gesellschaft inzwischen leider wirklich ein Haufen narzisstischer Idioten, die sich von einer rücksichtslos kapitalorientierten Industrie einfach nur was vormachen lassen. Weil „wir es uns wert sind“. Genau. Wir denken nicht einen Zentimeter über den Tellerrand hinaus. Ich packs wirklich langsam nicht mehr: Muss man erst alles Schlechte verbieten, damit Leute nur noch die Option des nachhaltigen Konsums haben (eigentlich cooles Gedankenspiel: Würde die EU beschließen, dass Fast Fashion in Europa nicht mehr verkauft werden darf, wie würden die Konzerne reagieren – abgesehen von der Tatsache, dass wir einen wirtschaftlichen Bauchfleck vom Zehnmeterbrett machen würden, weil wir uns alle von diesem ausbeuterischen System abhängig gemacht haben…)? Sind wir wirklich so verblödet, dass wir nicht mehr wahrnehmen, dass wir die Wahl UND die Verantwortung haben?

Warum ich heute so weit aushole? Weil – oh Überraschung! – die Opfer von Rana Plaza immer noch tot sind. Und sich bei uns in den letzten vier Jahren gesellschaftlich nichts geändert hat. Obwohl es inzwischen mehr „grünes“ (nicht im Pantone-, sondern im nachhaltigen Sinn) und soziales Angebot in wirklich fast allen Produktkategorien, die wir als unersetzlich für unser westliches Leben ermessen, gibt. Lebensmittel, Kleidung, Handys, Möbel, ALLES kriegt man bereits auch aus guter Produktion. Und trotzdem florieren Primark und Co. Weil. wir. uns. einlullen. lassen. Weil wir das System nicht endlich anders denken.

Und solange das so ist, waren diese über tausend Tode sinnlos.

R.I.P.

Kokoworld – Faires aus Polen

Nach langer, langer Zeit stell ich euch wiedermal ein Label vor: Kokoworld. Sie sind mir schon vor ein paar Monaten aufgefallen, allerdings vergaß ich wieder auf sie. Dabei vereinen sie ziemlich coole Konzepte: Sie suchen auf Reisen fair produziertes Kunsthandwerk aus aller Welt zusammen und sie produzieren mit diesen Materialien fair in Polen. Sehr hübsch finde ich ihre Fair Trade Accessoires, doch auch ihre Basics sind wirklich fein anzusehen. Fair produziert – die Stoffe sind nicht zwingend bio, aber durch das Sourcing aus Handwerksarbeit gerechtfertigt. Was mir am besten gefällt: Sie kennen ihre HandwerkerInnen nicht nur, sie stellen sie auch vor und geben ihnen damit ein Gesicht.

Der Ehrlichkeit halber: Ich hab mich besonders in dieses Kleid verliebt und bedanke mich sehr bei ihnen – eigentlich wollte ich nur frech um einen Discount anfragen, und zack, schon war da ein Paket bei mir im Büro. 🙂 Tragefoto gibts noch keins, dazu muss ich es noch ein bisschen längentechnisch abändern…“Maxi“ ist bei meiner Hünenstatur eher eine unvorteilhafte Midilänge, und mit einem Schnipp werde ich es auf eine mir gut passende Länge kürzen 🙂  Ich freu mich schon!

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Wie sehr sich die Menschen hinter Kokoworld engagieren, zeigt auch diese Aktion:

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Für ÖsterreicherInnen ist die Aktion aufgrund der hohen Versandkosten wohl eher uninteressant, euch empfehle ich, eure alten Jeans zu Anna Pollack zu bringen, die kann Jeans nämlich immer für ihre genialen Upcyclingprojekte im Kinderbereich brauchen. Doch von Deutschland aus dürfte es etwas günstiger sein, wer also alte Jeans hat und damit ein Kinderheim in Uganda unterstützen will: Hier sind die Details! Meine Empfehlung: Tauschparty unter Freundinnen mit dem Thema Jeans organisieren, und was an Jeans übrig bleibt, geht in einem Gemeinschaftspaket mit geteilten Versandkosten nach Polen! Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse 🙂

 

 

 

 

Liebe LeserInnen, Euer Input ist gefragt!

Ich lebe noch! Ich lebe zwar nur noch zwischen Arbeit und Schreiben und gelegentlicher Bewegung, da ich sonst mit dem Sessel verwachse, aber *winkewinke*!

Mit dem neuen Buchthema hab ich mir ja ordentlich was eingefangen – das ist so unendlich schwer zu recherchieren, weil es so viele, viele Wahrheiten dazu gibt und eben nicht nur eine so wie bei der Textilproduktion von Primark. Die is nämlich scheiße und Punkt.

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Aber ich beschäftige mich derzeit ganz viel mit dem Begriff der Schönheit – und der Frage, warum, ohne Scheiß jetzt, sich SECHSUNDNEUNZIG PROZENT DER FRAUEN WELTWEIT SICH NICHT SCHÖN FINDEN. Was ist dann bitte schön, wenn fast keine Frau der Welt es ist?!

Daher hab ich jetzt eine Frage an euch, und ich würd mich über ganz viel Antworten von Männern und Frauen freuen, es würde mir extremst helfen: Was ist für euch Schönheit (bei Menschen), was macht einen Menschen für euch schön, und wer danach noch genauer werden will: Was macht einen Menschen des für euch anziehenden Geschlechts schön?

(Wer das nicht öffentlich posten will, gerne auch per Mail ichkaufnixx ät gmail punkt com  an mich, je mehr Antworten von verschiedenen Menschen ich bekomme, desto besser!)

Eine endgültige Definition dafür wird es wohl nie geben, aber ich will das ganze endlich mal wenigstens im Ansatz kapieren 🙂 Das Bild ist übrigens absichtlich „unmenschlich“, damit ich euch nicht irgendwie beeinflusse!

 

Danke im Vorhinein!

Ichkaufnix – Vortrag, der Letzte!

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Ich hab mal wieder einen Termin anzukündigen – aber diesmal einen mit besonderer Bedeutung: Ich halte am kommenden Samstag in Wien einen Vortrag zu meinem Shoppingstop und dem Blog hier und dem Buch und überhaupt, was da so alles passiert ist und was das mit mir gemacht hat.

Ich habe seit zweieinhalb Jahren keine Lesung gemacht – die Trennung vom Liebsten ließ mich damals die Vergangenheit in einem anderen Licht sehen und ich wollte schlicht nicht mehr über den Liebsten (vor)lesen, und ihn ganz aus den Lesungen rauszuhalten, ging nicht wirklich. Inzwischen ist der eine oder andere Liebste ins Land gegangen 🙂 aber gelesen hab ich immer noch nicht wieder, einfach, weils nie so wirklich gepasst hat.

Für Diana mache ich eine Ausnahme – ich kenne sie seit langer Zeit (ich sie länger, als sie mich, aber das ist eine andere Geschichte), und sie hat nach steiler Karriere in jungen Jahren nun beschlossen, teilweise umzusatteln und Menschen bei dem Versuch, achtsamer zu sein, zu helfen. Sie hat die Happy Mansion (ich mag ja das Wortspiel – Happy Mansion – Happy Menschen, fast gleich ausgesprochen – hach, mit Wortspielen kriegt man mich immer) gegründet und veranstaltet dort nicht nur Yogastunden (sehr zu empfehlen übrigens, die erste, bei der ich mich wohlfühle, die die richtige Mischung aus Sport und in-sich-reinfühlen bietet), sondern auch Events und Vorträge unterschiedlichster Art.

Und ein Event davon bin ich. Ich werde von dem Projekt erzählen, ich werde ein oder zwei Kapitel draus lesen, und ich werde auch schon vom nächsten Buchprojekt erzählen, das ebenfalls viel mit Konsum, Achtsamkeit und (Selbst-)bewusstsein zu tun hat. Und es wird übrigens nicht nur meine erste Lesung seit zweieinhalb Jahren sein, es wird auch meine letzte für eine ganze Weile sein, da mein Zeitkontingent mir solche Events in den nächsten Monaten einfach nicht mehr erlaubt.

Ich würd mich freuen, dort viele Leute zu sehen, die Mansion, eine umgebaute Greisslerei, klein, aber fein, ist übrigens auch sehenswert 🙂

Das Ganze findet am 4. März (kommender Samstag!) um 17h in der Schöffelgasse 13 im 18. Bezirk statt (wer öffentlich kommt: mit dem 10a bis Csartoryskigasse, die Gasse rauf und die erste links rein). Weitere Details gibts hier!

Extraschön.

„Ich will einen Nachmittag mit dir!“, sagte Gina. Stimmt, wir hatten den schon viel zu lange nicht mehr. „Las uns Second Hand shoppen gehen!“, sagte Gina. Gina lebt nicht mehr in Wien, es war also eine Art Städteurlaubsnachmittag für sie. Gesagt, getan. Wir trafen uns erstmal bei meiner lieben Martina und dem Grinsehund Paco im Zweitkleid7 (wo ich ein Paar Schuhe fand, kaum getragene Geox, in grau, und sie ein richtig cooles Alcantara-Gilet, mit dem sie jedes Outfit businesslike aufpeppen kann, echt steiles Ding – ja, ich hab keine Fotos, und nein ich mag jetzt nicht die Schuhe fotografieren). Dann spazierten wir weiter Richtung Mahü, eigentlich wollte ich mit ihr in einen Second Hand Laden, von dem eine andere Freundin mir mal vorgeschwärmt hatte, ich wusste die genaue Adresse jedoch nicht. Doch Moment mal, auf der Kaiserstraße gibts doch auch so einen Vintageladen? Wie heißt der nochmal? Extraschön, genau!

Wir schauten dort hin. Und liebe Wienerinnen: Es war Liebe auf den ersten Blick. Ina Holub verkauft dort nicht Second Hand, sie verkauft Vintage. Sie bietet richtig tolle Stücke aus diversen Jahrzehnten an, und das absolut bezahlbar. Außerdem ist der zweite Raum ihres Ladens Flohmarkt, die Teile dort kosten zwischen fünf und 18 Euro. Und was für Teile das sind, Ina hat da echt ein gutes Auge für Vintagekleidung, die man durch entsprechendes Styling extrem gut in die Gegenwart holen kann. Ökologisch ein Traum: Je länger ein bestimmtes Kleidungsstück Wert hat, desto später muss ein neues produziert werden, lautet die Rechnung. Ja, sie geht Richtung Milchmädchen, aber wenn man mit einschließt, dass Slow Fashion allgemein auf Qualität und nicht Quantität setzt, dann ist Vintage und Second Hand wirklich die beste aller Wahlen. Teilweise bietet Ina zwar auch neue Stücke an, die alle in Richtung Rockbilly und Vintage gehen- die zugegebenermaßen nicht fair produziert sind, aber warum ich dem ein halbes OK gebe, erklär ich gleich:

Weil das wirklich wirklich wirklich WIRKLICH absolut Leiwande, das mich restlos begeistert: Sie bietet Kleidung bis Größe 52 oder sogar größer (ich habs mir nicht gemerkt) an. Tolle, süße Kleider für dicke Frauen. Aus ihrem Laden geht man glücklich raus, egal, ob man Größe xs oder xxl hat: Man findet was. Und das ist etwas, was bei der fairen Mode leider echt bei dem Großteil der DesignerInnen noch abgeht: Größeninklusivität. Es kann nicht sein, dass Frauen jenseits der Standardmaße sich in Zelte hüllen müssen. Jede Frau hat ein Recht, sich durch ihre Kleidung auszudrücken, wenn sie das will – und Ina gibt jenen, die es gern sehr weiblich mögen, die Gelegenheit dazu. In ihrem Laden bekam ich so richtig Lust, mich mal so echt total von oben bis unten auf 30er, 40er oder 50er Jahre stylen zu lassen, mit Tolle in den Haaren, knallroten Lippen, Hütchen, Handschühchen und dem restlichen Klimbim.

Während Gina sich durch die Kleiderstände wühlte, saß ich Ina gegenüber, und sie meinte: „Nimm mal das getupfte Kleid neben dir, das passt dir sicher famos! Ich krieg das nicht gscheit verkauft, weil alle Frauen zu klein für diese Überlänge sind“.  Ich probierte es an, und sie hatte recht.

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Bin ganz begeistert, es ist echt alt, mein allererstes echtes Vintagekleid und schaut einfach von oben bis unten toll aus. Am leiwandsten: Es ist schwarz-weiß und nicht wie üblich blau-weiß, und das heißt, ich kann extrem viel dazu kombinieren aus meinem Kleiderschrank 🙂 Ich kann mich nur noch nicht entscheiden, ob es mir mit oder ohne Gürtel besser gefällt (mit Gürtel fühl ich mich ein bisschen wie Pretty Woman mit Ärmeln):

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Sehr stolz darf ich berichten: Dieses Kleid hat Ina selbst auf den Flyern für ihren Laden an, damit bekommts für mich gleich noch mehr Bedeutung (und wie sehr ich Kleidung liebe, die für mich eine Bedeutung jenseits des „ich-renn-nicht-nackt-durch-die-Straßen“ hat, dürften meine Stammleserinnen wissen):

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Überhaupt, Ina. Ich hab noch am selben Abend nach der Website des Ladens gesucht und dabei ihren Blog gefunden. Ina ist offen queer und steht zu jedem einzelnen Gramm an ihrem Körper. Sie ist Feministin und Plus-Size-Model. Sie schminkt die tollsten Lidstriche, die ich je gesehen habe. Sie macht Burlesque. Sie denkt inklusiv. Sie spricht mir mit jedem ihrer Beiträge aus der Seele. Ich freue mich extrem, sie kennengelernt zu haben, Frauen mit starker Meinung und starke Macher(innen)geist find ich unglaublich toll. Ich bin dann mal am Lesen 😉

Ihr könnt ja derweil nach schönen alten Kleidern suchen gehen:

Extraschön

Dienstag – Freitag 14 – 19 h
Samstag 14 – 18 h

Danke, Petra. I got this.

Super. Nach wochenlanger Pause seit zwei Wochen wieder so richtig im Stress, und zwar schwerst positiv motiviert (hier steht von einer sehr tollen Kollegin geschrieben sehr genau, warum mein neuer Job anders und einfach super ist) und seit gestern früh: Halbmast. Zack. So richtig mit Anlauf, der Hals brennt, ich fühl mich, als ob ein Lastwagen über mich drüber wäre und im Rückwärtsgang gleich noch mal, es schüttelfrostet mich immer wieder. Einmal in die Apotheke ums Eck fühlt sich wie eine Weltreise an, ich wandere maximal von Sofa zu Bett und zurück. Denke mir: he, super, wenn ich krank bin, hab ich mehr Zeit zu schreiben, ich bin eh so heillos hinten in meinem eigenen Plan! Fehlanzeige, ich starr den Laptop an und mach maximal ein paar Sachen für die Arbeit. Und denk mir: fuuuuuuuck! Ich kann das grad gar nicht brauchen! Ich hab Stress!! (Kein Wunder, dass es mich jetzt grad zusammengehaut hat).

Und dann kommt die Post und hat ein kleines Kuvert für mich :

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Es kommt von Petra, einer alten Schulfreundin, wir gingen bis zur dritten (in Deutschland ist das glaub ich die siebte) in Parallelklassen und verbrachten einige Pausen miteinander. Petra hat mich vor Jahren auf Facebook wiedergefunden, wir haben uns auch mal wieder gesehen, und ich finde es unglaublich schön, wenn man an Vergangenes anknüpfen kann. Wenn man Leute im Leben hat, die einen in einer ganz anderen Phase mal begleitet haben.

Neben der Arbeit hat Petra nämlich nun ihr Hobby öffentlich gemacht: Sie bastelt Armbänder. Und obwohl man solche Armbänder wohl schnell um zwei, drei Euro wo bekommen könnte, find ichs wunderschön, dass ich welche von ihr habe. Sie hat sie gemacht, dabei an mich gedacht (no na, ich hab mir den Spruch selbst ausgesucht, ich brauch das in den nächsten Monaten als Movitator), sie hat sie schön verpackt und abgeschickt. Und ich freu mir grad einen Haxen aus. Jedesmal, wenn ich die Armbänder jetzt an meinem Arm sehe, habe ich erstens einen Grund, mich selbst neu zu motivieren, und zweitens einen Grund, an Petra zu denken – und wie schön es ist, wenn Menschen einem irgendwie dann doch erhalten bleiben oder sich wiederfinden.

Auch die, die Petra nicht kennen, können übrigens bei ihr bestellen: Auf Momelith stellt sie immer wieder neue Modelle vor. Ist doch VIEL schöner, als schnell mal beim Textilschweden solche Armbänder mitnehmen und sie zwei Mal tragen! 🙂

Ethical Fashion Show die Zweite

Fashion Week also, zum zweiten Mal in meinem Leben. Abgesehen von der Tatsache, dass es vielleicht nicht die schlaueste Idee ist, den Tag um halb fünf in der Früh in Wien mit Acht-Zentimeter-Haken zu beginnen (und es um sechzehn Uhr und nach einem ausführlichen Fußmarsch die Spree entlang bereits sehr zu bereuen, den Koffer mit den anderen Schuhen in der Früh im Hotel abgegeben zu haben), ist Berlin einfach geil wie immer.

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So auch die Ethical Fashion Show. Ich war gemeinsam mit Laura vom Ebenberg unterwegs, und wir entdeckten neben ihren üblichen Verdächtigen ein paar richtig coole neue Brands.

 

Von oben nach unten: Werner Shoes – kein Mensch kann mir erklären, dass Ökolatschen auch so aussehen müssen. Lanius goes Leather – wieder sehr klassisch gehalten, aber ein paar sehr feine Teile dabei, die durch Details in Schnitt und Ausführung überzeugen (ich hör mich an wie eine Fachjournalistin, sorry). Woody – wenn aus einem Kärntner Wald meine Lieblingsschuhe werden (ich hab solche mit genau der gleichen Sohle, trotz Absatz superbequem, hab schon ein ganzes Konzert mit denen durchgetanzt). Und ganz unten: deepmello – die ErfinderIn des Rhabarberleders. Mit Rhabarber färben und dadurch auf Chrom V und VI und sonstige giftige Gerb-Chemikalien verzichten zu können ist schon mal eine geniale Idee. Dann aber nicht nur Taschen draus machen, sondern gleich noch mal eine ganze Modekollektion mit Lederapplikationen: WUNDERSCHÖNE TEILE DABEI! Die sind meine absoluten Favoriten dieses Jahr (und einige der Sachen werden bei Laura im Laden hängen nächsten Herbst!).

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Was mich außerdem sehr freut: Die Ethical Fashion Show hat die Outdoormode entdeckt und ihr sogar eine eigene Innovations-Ausstellung gewidmet. Besonders im Zuge der Tatsache, dass meine letzte große Textilkampagne bei Greenpeace jene hier war, freut mich das ungemein! Endlich geht auch in diesem Bereich wirklich was weiter!

Schön wars, wiedermal so viel faire Mode auf einem Haufen zu sehen! Von Streetstyle bis hin zu Maßanzügen für Männer und Highhighhighend Mode für Frauen ist alles vorhanden. Ich liebe es, diese Vielfalt auf einem Haufen zu sehen!

 

 

Genug.

In meinem seit vergangenem Sommer heißgeliebten Coron auf den Philippinen will Nickelodeon einen Spongebob-Unterwasserpark bauen – auf 400 Hektar! Ein Stück Meer, wo es noch lebende Korallenriffe gibt, Schildkröten, Riffhaie, Seesterne, das ganze echte Unterwassergesocks, wie es sein soll, soll zerstört werden, damit man Spongebob „echt“ sehen kann. Man will nur noch mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen.

Auf ORF heute Riesenmeldung: Acht Männer sind reicher als die halbe Welt. Ich glaub, eine so arge Arm-Reich-Schere hat es nicht mal im tiefsten Mittelalter gegeben.

Draußen hats Minusgrade, und in Belgrad – einer europäischen Stadt, keine sechs Autostunden von Wien entfernt –  vegetieren über 1000 Flüchtlinge wie Tiere am Bahnhof, frei von jeglicher Menschenwürde.

Auf der Mahü knallen mich die Sale-Schilder von jeder Seite an. Kaufenkaufenkaufen.

Manchmal reichts mir.

 

Bitte was tut die da?

Zeit ist momentan mein wahrer Luxus. Selten war ich so durchgetaktet wie in den letzten Tagen – und in den nächsten Monaten wird sich daran sehr wahrscheinlich nichts ändern. Aber gut erholt nach einigen freien Wochen kann ich nur sagen: Bring it on! Ich bin bereit!

Was genau mach ich eigentlich? Einerseits schreib ich grad an einem Buch, das ganz viel mit diesem Thema zu tun hat, andererseits bin ich goood. Und goood sein ist so richtig anstrengend, chaotisch, wild, lustig, Startup eben. Und nach kurzen Bauchweh, diesen tollen Job bei diesen wunderbaren KollegInnen von Greenpeace zu verlassen, bin ich schon jetzt, nach ein bissl Einarbeiten, sicher: Es war eine gute Entscheidung. Eine gooode Entscheidung. Warum, steht hier.

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Aber auch in Sachen Textil bin ich nicht still. Es wird wieder von Tauschparties, von neuen Kollektionen bei der Ethical Fashion Show und dem Green Showroom in Berlin und von ganz tollen Frauen, die sich auch auf den nachhaltigen Modeweg begeben, was zu Berichten geben! Und irgendwann komm ich auch wieder zum Stricken, ich schulde dem Kapitän nämlich schon eine ganze Weile eine blaugelbe Mütze. 🙂