Ich hab doch vor einiger Zeit über die Bekannte aus der Slowakei geschrieben, die als Näherin arbeitet und im Verhältnis den totalen Hungerlohn kassiert. Dass ihr Gehalt im Vergleich zu den wirtschaftlichen Anforderungen eines lebenswürdigen Lebens (Wohnen, Essen, Kindererziehung, feddisch) in etwa genauso hoch ist wie die paar Zerquetschten, die die Näherinnen in Fernost verdienen, habe ich mir ja damals schon gedacht. Allerdings sprechen wir da natürlich von einem komplett anderen Level – doch es ist in beiden Fällen das Level, das sich bereits unter der Armutsgrenze befindet.
Dieser Gedanke wurde mir nun von Südwind bestätigt. Die – also deren Clean Clothes Campaign – haben gemeinsam mit der Erklärung von Bern eine Studie über die Verhältnisse in Schneidereien in Mazedonien herausgebracht. Remember: Das ist net weit weg. Die sind EU-Beitrittskandidat, oder sind sie gar schon dabei? Weiß nicht. Jedenfalls darf ich mir erlauben, hier mal die Zusammenfassung des Berichts abzuschreiben:
Die in der ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien (RM) genähte Bekleidung ist von hoher Qualität. Die NäherInnen fühlen sich verantwortlich für ihre Arbeit, die Qualität und die rechtzeitige Lieferung. Gleichzeitig sind zahlreiche Verletzungen von Menschenrechten, ILO3-Kernarbeitsnormen und andere Übereinkommen der ILO und des Arbeitsgesetzes der RM vorzufinden. Dazu zählen vor allem die folgenden Verstösse, die von den ForscherInnen in den untersuchten Betrieben dokumentiert wurden:
- ArbeiterInnen erhalten durchgehend nur Armutslöhne. Die befragten Beschäftigten bekommen durchschnittlich 19% eines Existenzsichernden Lohns. Oft verdienen sie nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn. Die niedrigen Löhne schlagen sich in den Lebensumständen der ArbeiterInnen deutlich nieder. Arbeiterinnen subventionieren ihren Lohn durch Substistenz-Landwirtschaft.
- Überstunden fallen regelmäßig und unfreiwillig an.
- 3-6monatige Arbeitsverträge treten exzessiv auf, Zuschläge und Lebensperspektiven werden den Beschäftigten so genommen.
- In keiner Fabrik gibt es eine Gewerkschaft oder eine ArbeitnehmerInnenvertretung.
- Die Gesundheit der ArbeiterInnen wird teils schwer beeinträchtigt.
ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie schuften unter inhumanen Bedingungen. Die Arbeit der NäherInnen ist hart und verschleißend. Viele sind die HauptverdienerInnen in ihren Familien. Die Krise 2008 führte zu einem noch höheren Arbeitsdruck, und die ArbeiterInnen nehmen die herrschenden Bedingungen hin. Die überwiegende Mehrheit der mazedonischen BürgerInnen kämpft ums tägliche Überleben. Mit einem Job in der Bekleidungsindustrie kann man diesem Kampf nicht entrinnen. (….) Der gesetzliche Mindestlohn liegt noch unter dem in China und Indonesien. Tatsächliche Löhne und ein Basis-Existenzlohn klaffen ähnlich weit auseinander wie in Bangladesch.
So. Und dann stellt sich ein Vertreter der WKO bei der Diskussion letztens hin und sagt: „Die österreichischen BürgerInnen können beruhigt sein, wenn sie Ware österreichischer Hersteller kaufen, denn die wird nur innerhalb der EU oder in Beitrittsländern produziert.“ Na da bin ich ja sehr beruhigt. Ich glaube übrigens nicht, dass keine Sau es sich mehr leisten kann, in Österreich produzierte Kleidung in Österreich zu verkaufen, ich glaube, dass keine Sau das mehr will, weil da nur der Bruchteil des Gewinns rausschauen würde, der durch derzeitige Vorgangsweisen erwirtschaftet wird.