Archiv der Kategorie: ichkaufnix

Extraschön.

„Ich will einen Nachmittag mit dir!“, sagte Gina. Stimmt, wir hatten den schon viel zu lange nicht mehr. „Las uns Second Hand shoppen gehen!“, sagte Gina. Gina lebt nicht mehr in Wien, es war also eine Art Städteurlaubsnachmittag für sie. Gesagt, getan. Wir trafen uns erstmal bei meiner lieben Martina und dem Grinsehund Paco im Zweitkleid7 (wo ich ein Paar Schuhe fand, kaum getragene Geox, in grau, und sie ein richtig cooles Alcantara-Gilet, mit dem sie jedes Outfit businesslike aufpeppen kann, echt steiles Ding – ja, ich hab keine Fotos, und nein ich mag jetzt nicht die Schuhe fotografieren). Dann spazierten wir weiter Richtung Mahü, eigentlich wollte ich mit ihr in einen Second Hand Laden, von dem eine andere Freundin mir mal vorgeschwärmt hatte, ich wusste die genaue Adresse jedoch nicht. Doch Moment mal, auf der Kaiserstraße gibts doch auch so einen Vintageladen? Wie heißt der nochmal? Extraschön, genau!

Wir schauten dort hin. Und liebe Wienerinnen: Es war Liebe auf den ersten Blick. Ina Holub verkauft dort nicht Second Hand, sie verkauft Vintage. Sie bietet richtig tolle Stücke aus diversen Jahrzehnten an, und das absolut bezahlbar. Außerdem ist der zweite Raum ihres Ladens Flohmarkt, die Teile dort kosten zwischen fünf und 18 Euro. Und was für Teile das sind, Ina hat da echt ein gutes Auge für Vintagekleidung, die man durch entsprechendes Styling extrem gut in die Gegenwart holen kann. Ökologisch ein Traum: Je länger ein bestimmtes Kleidungsstück Wert hat, desto später muss ein neues produziert werden, lautet die Rechnung. Ja, sie geht Richtung Milchmädchen, aber wenn man mit einschließt, dass Slow Fashion allgemein auf Qualität und nicht Quantität setzt, dann ist Vintage und Second Hand wirklich die beste aller Wahlen. Teilweise bietet Ina zwar auch neue Stücke an, die alle in Richtung Rockbilly und Vintage gehen- die zugegebenermaßen nicht fair produziert sind, aber warum ich dem ein halbes OK gebe, erklär ich gleich:

Weil das wirklich wirklich wirklich WIRKLICH absolut Leiwande, das mich restlos begeistert: Sie bietet Kleidung bis Größe 52 oder sogar größer (ich habs mir nicht gemerkt) an. Tolle, süße Kleider für dicke Frauen. Aus ihrem Laden geht man glücklich raus, egal, ob man Größe xs oder xxl hat: Man findet was. Und das ist etwas, was bei der fairen Mode leider echt bei dem Großteil der DesignerInnen noch abgeht: Größeninklusivität. Es kann nicht sein, dass Frauen jenseits der Standardmaße sich in Zelte hüllen müssen. Jede Frau hat ein Recht, sich durch ihre Kleidung auszudrücken, wenn sie das will – und Ina gibt jenen, die es gern sehr weiblich mögen, die Gelegenheit dazu. In ihrem Laden bekam ich so richtig Lust, mich mal so echt total von oben bis unten auf 30er, 40er oder 50er Jahre stylen zu lassen, mit Tolle in den Haaren, knallroten Lippen, Hütchen, Handschühchen und dem restlichen Klimbim.

Während Gina sich durch die Kleiderstände wühlte, saß ich Ina gegenüber, und sie meinte: „Nimm mal das getupfte Kleid neben dir, das passt dir sicher famos! Ich krieg das nicht gscheit verkauft, weil alle Frauen zu klein für diese Überlänge sind“.  Ich probierte es an, und sie hatte recht.

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Bin ganz begeistert, es ist echt alt, mein allererstes echtes Vintagekleid und schaut einfach von oben bis unten toll aus. Am leiwandsten: Es ist schwarz-weiß und nicht wie üblich blau-weiß, und das heißt, ich kann extrem viel dazu kombinieren aus meinem Kleiderschrank 🙂 Ich kann mich nur noch nicht entscheiden, ob es mir mit oder ohne Gürtel besser gefällt (mit Gürtel fühl ich mich ein bisschen wie Pretty Woman mit Ärmeln):

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Sehr stolz darf ich berichten: Dieses Kleid hat Ina selbst auf den Flyern für ihren Laden an, damit bekommts für mich gleich noch mehr Bedeutung (und wie sehr ich Kleidung liebe, die für mich eine Bedeutung jenseits des „ich-renn-nicht-nackt-durch-die-Straßen“ hat, dürften meine Stammleserinnen wissen):

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Überhaupt, Ina. Ich hab noch am selben Abend nach der Website des Ladens gesucht und dabei ihren Blog gefunden. Ina ist offen queer und steht zu jedem einzelnen Gramm an ihrem Körper. Sie ist Feministin und Plus-Size-Model. Sie schminkt die tollsten Lidstriche, die ich je gesehen habe. Sie macht Burlesque. Sie denkt inklusiv. Sie spricht mir mit jedem ihrer Beiträge aus der Seele. Ich freue mich extrem, sie kennengelernt zu haben, Frauen mit starker Meinung und starke Macher(innen)geist find ich unglaublich toll. Ich bin dann mal am Lesen 😉

Ihr könnt ja derweil nach schönen alten Kleidern suchen gehen:

Extraschön

Dienstag – Freitag 14 – 19 h
Samstag 14 – 18 h

Danke, Petra. I got this.

Super. Nach wochenlanger Pause seit zwei Wochen wieder so richtig im Stress, und zwar schwerst positiv motiviert (hier steht von einer sehr tollen Kollegin geschrieben sehr genau, warum mein neuer Job anders und einfach super ist) und seit gestern früh: Halbmast. Zack. So richtig mit Anlauf, der Hals brennt, ich fühl mich, als ob ein Lastwagen über mich drüber wäre und im Rückwärtsgang gleich noch mal, es schüttelfrostet mich immer wieder. Einmal in die Apotheke ums Eck fühlt sich wie eine Weltreise an, ich wandere maximal von Sofa zu Bett und zurück. Denke mir: he, super, wenn ich krank bin, hab ich mehr Zeit zu schreiben, ich bin eh so heillos hinten in meinem eigenen Plan! Fehlanzeige, ich starr den Laptop an und mach maximal ein paar Sachen für die Arbeit. Und denk mir: fuuuuuuuck! Ich kann das grad gar nicht brauchen! Ich hab Stress!! (Kein Wunder, dass es mich jetzt grad zusammengehaut hat).

Und dann kommt die Post und hat ein kleines Kuvert für mich :

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Es kommt von Petra, einer alten Schulfreundin, wir gingen bis zur dritten (in Deutschland ist das glaub ich die siebte) in Parallelklassen und verbrachten einige Pausen miteinander. Petra hat mich vor Jahren auf Facebook wiedergefunden, wir haben uns auch mal wieder gesehen, und ich finde es unglaublich schön, wenn man an Vergangenes anknüpfen kann. Wenn man Leute im Leben hat, die einen in einer ganz anderen Phase mal begleitet haben.

Neben der Arbeit hat Petra nämlich nun ihr Hobby öffentlich gemacht: Sie bastelt Armbänder. Und obwohl man solche Armbänder wohl schnell um zwei, drei Euro wo bekommen könnte, find ichs wunderschön, dass ich welche von ihr habe. Sie hat sie gemacht, dabei an mich gedacht (no na, ich hab mir den Spruch selbst ausgesucht, ich brauch das in den nächsten Monaten als Movitator), sie hat sie schön verpackt und abgeschickt. Und ich freu mir grad einen Haxen aus. Jedesmal, wenn ich die Armbänder jetzt an meinem Arm sehe, habe ich erstens einen Grund, mich selbst neu zu motivieren, und zweitens einen Grund, an Petra zu denken – und wie schön es ist, wenn Menschen einem irgendwie dann doch erhalten bleiben oder sich wiederfinden.

Auch die, die Petra nicht kennen, können übrigens bei ihr bestellen: Auf Momelith stellt sie immer wieder neue Modelle vor. Ist doch VIEL schöner, als schnell mal beim Textilschweden solche Armbänder mitnehmen und sie zwei Mal tragen! 🙂

Ethical Fashion Show die Zweite

Fashion Week also, zum zweiten Mal in meinem Leben. Abgesehen von der Tatsache, dass es vielleicht nicht die schlaueste Idee ist, den Tag um halb fünf in der Früh in Wien mit Acht-Zentimeter-Haken zu beginnen (und es um sechzehn Uhr und nach einem ausführlichen Fußmarsch die Spree entlang bereits sehr zu bereuen, den Koffer mit den anderen Schuhen in der Früh im Hotel abgegeben zu haben), ist Berlin einfach geil wie immer.

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So auch die Ethical Fashion Show. Ich war gemeinsam mit Laura vom Ebenberg unterwegs, und wir entdeckten neben ihren üblichen Verdächtigen ein paar richtig coole neue Brands.

 

Von oben nach unten: Werner Shoes – kein Mensch kann mir erklären, dass Ökolatschen auch so aussehen müssen. Lanius goes Leather – wieder sehr klassisch gehalten, aber ein paar sehr feine Teile dabei, die durch Details in Schnitt und Ausführung überzeugen (ich hör mich an wie eine Fachjournalistin, sorry). Woody – wenn aus einem Kärntner Wald meine Lieblingsschuhe werden (ich hab solche mit genau der gleichen Sohle, trotz Absatz superbequem, hab schon ein ganzes Konzert mit denen durchgetanzt). Und ganz unten: deepmello – die ErfinderIn des Rhabarberleders. Mit Rhabarber färben und dadurch auf Chrom V und VI und sonstige giftige Gerb-Chemikalien verzichten zu können ist schon mal eine geniale Idee. Dann aber nicht nur Taschen draus machen, sondern gleich noch mal eine ganze Modekollektion mit Lederapplikationen: WUNDERSCHÖNE TEILE DABEI! Die sind meine absoluten Favoriten dieses Jahr (und einige der Sachen werden bei Laura im Laden hängen nächsten Herbst!).

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Was mich außerdem sehr freut: Die Ethical Fashion Show hat die Outdoormode entdeckt und ihr sogar eine eigene Innovations-Ausstellung gewidmet. Besonders im Zuge der Tatsache, dass meine letzte große Textilkampagne bei Greenpeace jene hier war, freut mich das ungemein! Endlich geht auch in diesem Bereich wirklich was weiter!

Schön wars, wiedermal so viel faire Mode auf einem Haufen zu sehen! Von Streetstyle bis hin zu Maßanzügen für Männer und Highhighhighend Mode für Frauen ist alles vorhanden. Ich liebe es, diese Vielfalt auf einem Haufen zu sehen!

 

 

Genug.

In meinem seit vergangenem Sommer heißgeliebten Coron auf den Philippinen will Nickelodeon einen Spongebob-Unterwasserpark bauen – auf 400 Hektar! Ein Stück Meer, wo es noch lebende Korallenriffe gibt, Schildkröten, Riffhaie, Seesterne, das ganze echte Unterwassergesocks, wie es sein soll, soll zerstört werden, damit man Spongebob „echt“ sehen kann. Man will nur noch mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen.

Auf ORF heute Riesenmeldung: Acht Männer sind reicher als die halbe Welt. Ich glaub, eine so arge Arm-Reich-Schere hat es nicht mal im tiefsten Mittelalter gegeben.

Draußen hats Minusgrade, und in Belgrad – einer europäischen Stadt, keine sechs Autostunden von Wien entfernt –  vegetieren über 1000 Flüchtlinge wie Tiere am Bahnhof, frei von jeglicher Menschenwürde.

Auf der Mahü knallen mich die Sale-Schilder von jeder Seite an. Kaufenkaufenkaufen.

Manchmal reichts mir.

 

Bitte was tut die da?

Zeit ist momentan mein wahrer Luxus. Selten war ich so durchgetaktet wie in den letzten Tagen – und in den nächsten Monaten wird sich daran sehr wahrscheinlich nichts ändern. Aber gut erholt nach einigen freien Wochen kann ich nur sagen: Bring it on! Ich bin bereit!

Was genau mach ich eigentlich? Einerseits schreib ich grad an einem Buch, das ganz viel mit diesem Thema zu tun hat, andererseits bin ich goood. Und goood sein ist so richtig anstrengend, chaotisch, wild, lustig, Startup eben. Und nach kurzen Bauchweh, diesen tollen Job bei diesen wunderbaren KollegInnen von Greenpeace zu verlassen, bin ich schon jetzt, nach ein bissl Einarbeiten, sicher: Es war eine gute Entscheidung. Eine gooode Entscheidung. Warum, steht hier.

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Aber auch in Sachen Textil bin ich nicht still. Es wird wieder von Tauschparties, von neuen Kollektionen bei der Ethical Fashion Show und dem Green Showroom in Berlin und von ganz tollen Frauen, die sich auch auf den nachhaltigen Modeweg begeben, was zu Berichten geben! Und irgendwann komm ich auch wieder zum Stricken, ich schulde dem Kapitän nämlich schon eine ganze Weile eine blaugelbe Mütze. 🙂

Die Crowd ist gefragt: Job für Kabir gesucht!

Die Crowd ist gefragt! Mein werter Bruder kümmert sich seit Jahren um Kabir, einen nach Wien geflüchteten Afghanen. Der sucht jetzt einen neuen Job. Ich könnts nicht besser ausdrücken als Bruderherz, daher hier seine Mail, bitte kontaktiert einfach mich, entweder über ichkaufnixx ät gmail.com oder per Facebook, wenn ihr was wisst:

Ihr Lieben!

Wie die meisten von Euch wissen, bemühe ich mich seit einiger Zeit, Kabir, einem Freund aus Afghanistan, zu helfen, hier bei uns ein neues Leben aufzubauen. Mir ist im letzten Jahr aufgefallen, dass das, was Flüchtlingen am meisten fehlt, nicht so sehr das Geld sondern ein Netzwerk in der neuen Heimat ist. Meines versuche ich hiermit für Kabir zu nützen und danke Euch für Eure Mühe dabei:

Kabir ist vor ein paar Jahren nach Österreich geflüchtet. Zu Hause hat er für die US-Army als Übersetzer gearbeitet und konnte auch einen Terroranschlag auf ein Quartier der US Soldaten verhindern. Nach deren Abzug wollten sich die Taliban an ihm rächen. Als ihm nach seiner Flucht in Österreich endlich permanentes Asyl gewährt wurde, konnte Kabir vor einem Jahr seine Frau Farima und seine drei Söhne – den jüngsten konnte er bei dieser Gelegenheit erst persönlich kennenlernen – nach Wien nachholen. Sie mussten sich all die Jahre vor den Taliban verstecken und alle paar Wochen umziehen.

Jetzt leben sie alle glücklich hier in Wien in einer kleinen Mietwohnung und lernen erfolgreich Deutsch. Kabir und seine Familie sind uns gute Freunde geworden. Kabir ist sehr stolz, nach weniger als einem Jahr keine Sozialhilfe mehr zu benötigen, sondern seine Familie selbst ernähren zu können. Für Anfang März muss er aber einen neuen Job suchen, da seine derzeitige Arbeitsstätte, ein Flüchtlingsquartier des Hilfswerks, geschlossen wird.

Seinen aktuellen Lebenslauf findet ihr anbei. Durch seine jahrelange Arbeit als Übersetzer für die US Army kann Kabir wahrscheinlich besser Englisch als wir alle zusammen. Deutsch lernt er motiviert und hat derzeit ein Diplom für das Sprachniveau A1. Als seine Familie nach Wien nachkommen konnte, hatte er zwei Jobangebote: Küchenhilfe und Billeteur. Er hat sich für die schlechter bezahlte Stelle als Billeteur entscheiden, weil er so gezwungen war, mit vielen Leuten Deutsch zu sprechen. Dann konnte er beim Hilfswerk einen Job antreten und hat seither sein Talent als Organisator und Übersetzer sehr eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Da dieses Heim aber mit Ende Februar geschlossen wird, sucht Kabir einen neuen Job. Kabir ist sehr pflichtbewusst und verlässlich. In seiner Zeit in einem Asylquartier in Kärnten hat er aktiv mitgeholfen, Deutschkurse für Asylwerber zu organisieren, die unser Freund Helmut dort im Rahmen eines Schulprojektes angeboten hat. So haben wir Kabir kennengelernt.

Ich bitte Euch nun, in Eurem Freundeskreis zu fragen, ob jemand eine Stelle weiß, auf die Kabir sich bewerben kann. In diesem Fall bitte mit mir oder direkt mit Kabir Kontakt aufnehmen.

Mit herzlichem Dank für Eure Mithilfe und Euch allen ein glückliches neues Jahr wünschend

Werner

 

Beim Lebenslauf hab ich die Kontaktdaten rausgenommen, bitte macht das über mich, ich will nicht, dass einfach so Kabirs Nummer im Netz herumgeistert! 🙂

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Es wird ernst…ääh….goood

So, für mich wirds jetzt wieder ernst. Und ich freu mich wie auf den Osterhasen: Ein neuer Job, eine neue Aufgabe, neue Arbeitsbereiche, altes Büro, hihi!

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Liebe deutsche LeserInnen: goood ist sehr, sehr coool. Weil man sich nicht mehr überlegen muss, ob sich diesen Monat eine Spende ausgeht, sondern es automatisch mit der Handyrechnung machen kann. Soll heißen: Eine Spende an eine Organisation eurer Wahl (es stehen irre viele Möglichkeiten zur Auswahl) ist in eurer Handyrechnung bereits enthalten.

Viel einfacher, Gutes zu tun, geht es nicht. Schaut es euch an.

Wenn ein Hase mich auf die Palme treibt

Ach, es ist so einfach, mich kurz mal eine Palme hochklettern zu lassen. Heute geschehen, als ich es mir in meiner Hängematte gemütlich machte und mal wieder ein paar Seiten fürs Buch schreiben wollte. Aber zuerst noch so ein bissl im Netz surfen, kennt man ja, nüm? In letzter Zeit surfe ich gerne zu Revelist, einer Website für Frauen, in denen es zwar viel um den üblichen Schas a la Make-Up, Outfits und Stars geht, aber auch sehr viel um Body Positivity, um Inklusion aller Körperformen, sexuellen Ausrichtungen und sonstigen Eigenschaften, die einen sonst schnell ins ausgeschlossene Eck stellen können. Ich mag die Seite sehr, da sie wichtige, feministische Themen sehr niederschwellig daher bringt – und damit Menschen erreicht, die vielleicht bisher noch nicht so massiv über solche Themen nachgedacht haben.

Aber fertig mit der kurzen Werbung und zurück zur Palmenkletterei.

Ich liebe liebe liebe liebe liebe meine Nichten und Neffen zum Quadrat und nochmal hoch zehn. Die fünf sind ein wunderbarer Haufen an komplett unterschiedlichen Menschen, und es ist unglaublich spannend, den Zwetschgen dabei zuzuschauen, wie sie ihre Persönlichkeiten entwickeln und im Laufe der Zeit heranwachsen. Die Nichten sind grad neun und zehn, und eine der beiden hat mir jetzt schon zwei Mal angefangen mit „ich bin so fett, boah, da auf dem Foto im Bikini, urfett, wäh“. Nachdem ich als Kind erstens definitiv runder war als sie und zweitens oft von Eltern und sonstigen Verwandten gehört habe, ich bin das dicke, ungschickte Kind und mei, was wird wohl aus der und Copyright Opa „Die muss mal mit dem Kopf punkten.“ (Tu ich eh, Opa, tu ich eh. Unter anderem. 😉 ), bin ich hyperallergisch auf solche Themen.

Hätte mir als Kind öfter wer gesagt, dass es komplett wurscht ist, dass ich ein Baucherl hab (adipös war ich definitiv nicht), ich glaube, ich hätte sehr viel schneller einen positiven Zugang zu meinem Körper und somit auch zu meinem Selbstwert gewonnen. Daher habe ich auch der Nichte letztens, als sie wieder mit „auf dem Foto bin ich so fett, wäh“ anfing, eine recht ausführliche Tantenrede gehalten – dass es überhaupt nicht stimmt, dass sie, solange sie ohne Baucheinziehen und seitlich gehen durch die Tür passt, NICHT FETT IST, dass sie noch einiges zu wachsen hat, dass es außerdem sowieso und überhaupt komplett wurscht ist, weil Schönheit ist was ganz was anderes als wenige Kilos und ein Monalisa-Lächeln, schön ist man von innen, und überhaupt ist sie so wunderschön, dass ich sie gern auffressen würde, und und und. Ich frage mich seither, wo sie das her hat. Obwohl nicht der größte Fan ihrer Mutter, bin ich überzeugt davon, dass diese sich sehr wohl Mühe gibt, ihr Akzeptanz von sich selbst und anderen beizubringen. Mein Bruder ist jetzt auch keiner, dem die perfekte Silhouette bei anderen wichtig ist, der schaut auch auf ganz andere Werte. Es kann also nur von ihrem Umfeld in der Schule kommen. Kinder, die ihren Mamas dabei zuschauen, wie diese sich selbst vorm Spiegel geißeln. Und mir ziehts dabei alles zusammen.

Das Schlimme ist, es ist nicht nur die eine Mama, die ihrem Kind unbewusst ein falsches Körperbild einimpft, sondern es ist eine ganze Kultur. Auf Revelist fand ich heute diesen Artikel. Eine Kinderbekleidungsfirma bietet einen Pulli an, auf dem es um Diät geht. Ja, es gibt inzwischen weitaus mehr aus gesundheitlicher Perspektive zu dicke Kinder. Und denen das Abnehmen mit ein bissl Spaß schmackhaft zu machen, ist sicher nicht die blödeste Idee der Weltgeschichte, aber das gilt für sehr wenige Kinder, und sollte wirklich sensibel behandelt werden. Aber kann mir wer erklären, wieso dieser Pulli (der übrigens sicher nicht bio und fair produziert wurde, nur so nebenbei) in Größe S verkauft wird?

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Kindern nicht nur bereits den Schlankheitswahn einreden, sondern damit auch noch Geschäft machen ….. es rennt so viel falsch in unserer Gesellschaft….

Und übrigens, weils grad mal wieder eine komplette Spontanaktion war: Meine neueste Leidenschaft, Körperbilder und was die Industrie mit uns anstellt, passt ja nicht immer zwingend auf ichkaufnix, allerdings hab ich hier eine so wunderbare Leserschaft. Damit ich euch nicht permanent mit dem Thema konfrontiere, das eigentlich nur halb zum Blog passt, hab ich schnell einen weiteren gebastelt. Drüber bei „Fuck Photoshop“ gibts in Zukunft mehr Gedanken zu dem Thema. Ich werd mir aber auch weiterhin erlauben, hier auch über andere Themen als Textilproduktion zu schreiben 😉

2016 war nicht gar so scheiße, wie ihr tut

Heute früh bin ich aufgewacht und hab mir gedacht, es ist mal wieder Zeit, hier etwas zu schreiben. Ich habe einen superlustigen Abend mit Freunden hinter mir, bin aufgewacht in meiner  warmen und überraschend aufgeräumten Wohnung, eine meiner besten Freundinnen ist gerade auf Besuch, der ganze Weihnachtswahnsinn ist überstanden, kurz: Alles leiwand. Unfassbar privilegiert, und das klopf ich mir jeden einzelnen Tag ins Hirn, um die Dankbarkeit nicht zu verlernen. Ich will damit absolut nicht angeben und euch zeigen, wie super mein Leben nicht ist – nein, euer Leben ist es auch, wenn ihr ein bissl nachdenkt drüber!

Und dann hab ich begonnen, ein bissl nachzudenken. Und ich mach jetzt meinen eigenen Jahresrückblick. Einfach, weil ich auch mal was anderes sehen möchte als das ewige „hach, 2016, schleich dich endlich“. 2016 war nämlich nicht nur scheiße. Gut, globalpolitisch schon, aber hier? Hey, Kern als Kanzler, Van der Bellen als Präsident – ich finde diese Kombi schon verdammt super. Ich kann zugegebenermaßen aber auch grad nicht anders, als es auf mein Umfeld zusammenzustutzen, politisch wars schlicht und einfach mörderisch scheiße dieses Jahr. Da gibts nix dran zu rütteln.

Ja, die Statistik hat echt Schindluder mit uns getrieben dieses Jahr und uns viele KünstlerInnen und Bekanntheiten weggenommen. Natürlich gibt uns das zu denken, wenn die HeldInnen unserer Kindheit uns verlassen (aber George Michael: An Weihnachten? Ehrlich? Musste das sein?). Mir gibt mehr zu denken, dass uns diese Schlagzeilen wirklich treffen. Ich mein, rein psychologisch ist das schon leicht erklärbar, man baut durch das Ikonendasein, das rund um Bowie, Fisher oder Prince aufgebaut wurde, irgendwie eine persönliche Beziehung zu denen auf, lässt sie in ihr Wohn- oder Schlafzimmer (ich schau grad wieder Friends, und da gibts doch diese eine Princess Leia Folge…. gnihihihi). Aber Leute, nur so ein kleiner Hinweis: Ihr braucht euch nicht massiv auf 2017 freuen, ich hege nämlich den begründeten Verdacht, dass auch dann Leute sterben werden.

In Hundertschaften im Mittelmeer abgesoffene Flüchtlinge haben uns dieses Jahr kaum noch berührt, das waren maximal Kurzmeldungen auf orf.at. Stattdessen wird hierzulande ein nie dagewesener (oder nie an die Öffentlichkeit hervorgerülpster) Hass gegen alles Andersartige formuliert. Dieser Hass, der da hervorgebrochen ist, der macht mir Angst (und ja, ich weiß, Angst sollte man nicht haben, Angst bringt nix, okok, aber pfuh, diese Meldungen auf rechten Seiten sind mir nimmer wurscht). Kokett wird mit dem Thema Hasspostings umgegangen und Leuten erklärt, dass sie sich halt in einer Filterblase befinden, hui, da kann man nix machen. Da MUSS man sogar was machen! Ich bin für das Lehrfach Social-Media-Kompetenz in der Schule! Obwohl nie sonderlich großer Fan von Florian Klenk, dass er sich mit einem seiner Hassposter getroffen hat und dieser nun auch andere Medien als unzensuriert.at konsumiert, war eine der ganz großen Geschichten dieses Jahr – und sollte eigentlich von uns allen wiederholt werden.

Eine Frau, die nur wenige Kilometer von Wien komplett einsiedlerisch lebt und schnell mal ihre gesamte Familie auslöscht: Ein Artikel auf den Niederösterreich-Seiten. Und ich dachte mir tagelang (wie auch schon bei Kampusch, Fritzl und Co.): WIE GEHT DAS? Wie kann das sein, dass da keine Interaktion mit den Nachbarn herrschte? Ich mein, man muss nicht gleich jeden Nachmittag im nachbarlichen Wohnzimmer hocken, aber ist nicht so ein bisschen soziale Interaktion mit der Nachbarschaft nicht das, was den Alltag wirklich verbessert (und auch vereinfacht? Ich sag nur Teilen und Helfen…)? Dieses prinzipielle „Einander helfen, nutzts nix, kosts nix“-Ding, haben wir das echt schon so verlernt? Zu mir sagte mal ein Nachbar in der Ferienwohnung meiner Großeltern, nachdem er komplett selbstlos stundenlang geholfen hatte, gröberen Schaden an der Wohnung durch ein kaputtes Rohr zu verhindern, dass „alles im Leben zurück kommt“. Ich mein das jetzt komplett unchristlich, aber Nächstenliebe ist nicht nur so ein Wort. Das hat schon auch wirklich Sinn. Auch hier kann ich eine Geschichte, die für mich 2016 geprägt hat, liefern: Eines Abends saß ich zuhause und dachte mir, meine Schuhe und Kisten im Vorzimmer wären irgendwie hübscher in einem geschlossenen Schrank als in einem offenen Regal aufgehoben. Also postete ich einfach schnell mal auf Facebook, dass der oder die nächste, der oder die einen weißen Kleiderschrank zu vergeben hat, an mich denken soll. Exakt SIEBEN Minuten später wurde mir einer von einem Bekannten angeboten, dessen Bruder gerade zufällig umgezogen war und den Schrank nicht mehr brauchte, nochmal ein Tag später war der Transport organisiert, auch über Facebook nach Hilfe gesucht, und am selben Abend kam – Überraschung, wieder, weil ich auf FB um Hilfe gefragt hab – eine ehemalige Schulkollegin und baute ihn (eigentlich weniger mit mir sondern eher für mich – ich hab da null Talent dafür) auf. Zack, fertig. Als ich meinte, ich liebe Facebook, sagte Esther nur trocken: „Nein, das ist nicht Facebook, das sind die Menschen, mit denen du dich umgibst.“ Recht hat sie. Und damits nicht nur einseitig ist, versuche ich auch immer wieder einzuspringen, heute zum Beispiel beim Gulasch-für-sechzig-Leute-kochen einer Freundin. Was ich damit sagen will: Sich gegenseitig helfen, das ist gleichzeitig ein Höhepunkt und eine Selbstverständlichkeit 2016 gewesen.

Zu Weihnachten kam ein Artikel, der mich sehr berührte, über Massenentlassungen von protestierenden ArbeiterInnen in bengalischen Nähereien. Leute! Die finden nicht einfach mal so einen neuen Job! Eine solche Entlassung aufgrund von gewerkschaftlichen Aktivitäten kommt einem Berufsverbot gleich, den Frauen bleiben  unter anderem nur noch die Möglichkeiten „zurück aufs Land zur Familie und dort finanziell nix beitragen können“ oder „in der Stadt bleiben und auf den Strich gehen“. Und das in einem der ärmsten Länder der Erde. Aber Hauptsache, wir können auf den Einkaufsstraßen auswählen zwischen unzähligen verschiedenen Fast Fashion – Herstellern, deren Zeugs inzwischen eh schon alles gleich ausschaut. Mich macht das rasend – nur nix vom eigenen „weil ich es mir wert bin“-Lebensstil aufgeben, wird schon keine Kinderarbeit sein, da sinds in der EU doch eh so streng. Jo, genau. Aber zum Glück gibt es (oder begegnen mir) immer mehr Menschen, die diesen ganzen Konsumwahnsinn nicht mehr mitmachen wollen. Immer mehr Initiativen, die soziale und gesellschaftliche Verantwortung in den Vordergrund stellen – an vorderster Stelle für mich goood: Lauter ehemalige Kapitalismusgewinnerinnen (und das hör ich noch lang von Claudia, wenn sie das liest, gell?), aber sowas von top notch oberste Liga, beschließen, sie wollen das System so nicht mehr, sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben, sie haben schon genug bekommen. Hier ist mein Stichwort für 2016: Empathie. Und auch davon gab es – ohne Beispiele, die habt ihr sicherlich alle selbst auf Lager – einige große Momente im vergangenen Jahr. (Mich würd ja mal interessieren, Empathie bei politisch recht- und linksgelagerten zu messen. Meine Theorie ist, dass genau diese Charaktereigenschaft politische Überzeugungen prägt.) Ja, es gab auch viel Gegenteiliges, aber sorry, da muss sich jede/r von uns an der eigenen Nase nehmen und Verantwortung für sich und sein Umfeld übernehmen.

Und ohne Scheiß jetzt: Persönlich habe ich das zweifellos beste Jahr meines Lebens hinter mir – nicht nur, weil mir einfach verdammt leiwande Sachen passiert sind, sondern  vor allem auch, weil ich eine völlig neue Wertschätzung für mein Leben, meine Entscheidungen und das mich Umgebende entwickelt habe (und mit meiner Dankbarkeit und guten Laune einigen Freunde schon ziemlich am Senkel geh, gell, Teresa? 😉 ). Für mich ist übermorgen einfach nur der erste Jänner und kein Neuanfang. Es ist nämlich nicht das Jahr, das scheiße zu einem ist – da kann man in unserem höchstprivilegierten Teil der Welt so einiges auch selbst steuern. Es heißt ja nicht, dass man gleich die Welt ändert, wenn man versucht, auf Plastik zu verzichten, mit einem Migranten Deutsch zu lernen, für den Canisibus Hauben zu stricken oder Suppe zu verteilen, weniger zu fliegen oder regelmäßiger zu spenden – das sind genaugenommen in dieser minimalen Skala alles Taten fürs eigene Gewissen. Aber sie deshalb nicht tun, nur weils global eh keinen Unterschied macht, und dann raunzen, dass alles so scheiße ist, das hab ich noch nie verstanden. Alle, die das hier lesen können (also deutsch verstehen, sinnergreifend lesen können und Medienkompetenz im Internet haben), sind sowas von mordsprivilegiert! Und alle haben sie Möglichkeiten, im Kleinen oder Größeren Empathie und Nächstenliebe zu zeigen.

In diesem Sinne: Happy 2017! Gehen wirs an!

Aber bitte lassts mir die Queen am Leben….und Betty White. Und für meinen Opa bitte den Otto Schenk. 🙂 

:)

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Ab genau JETZT geht der Stress los. Aber ich freu mich drauf 🙂