Archiv der Kategorie: ichkaufnix

Save the Queen – oder nein, die GÖTTIN!

Und schon wieder war ein Monat Ruhe hier – Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Ich hab mir nach der Buchabgabe erstmal Urlaub gegönnt. Heut meld ich mich aber mit einem sehr großen Herzensanliegen. Es ist zwar ein Label, das ich schon sehr oft vorgestellt habe, ich tu es heute aber noch einmal.

Für mich ist die Göttin des Glücks etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil sie eines der ersten Labels waren, die es geschafft haben, in Österreich fair produzierte und ökologische Mode mit internationaler Lieferkette zu verkaufen, nein, es gibt sie in vielen anderen Ländern auch. Sie gehen bewusst einen sehr schwierigen Weg: Sie zeigen als kleines Label, dass Transparenz in der kompletten Produktionskette möglich ist. Dass es möglich ist, nicht nur die Personen, die die Kleidung nähen, persönlich zu kennen und fair zu behandeln, sondern sogar die Bauern, die die mit Regenwasser versorgte Biobaumwolle in Indien anbauen. Sie setzen bewusst auf Internationalität – und gleichzeitig auf Gemeinwohl. Die Menschen hinter der Göttin setzen einfach Maßstäbe, die ich sehr bewundere. Nicht nur im Textilen haben sie früher begonnen als andere – sie haben bereits vor mehreren Jahren einen Gemeinwohlbericht herausgebracht und bauen ihr gesamtes Unternehmen der Gemeinwohlökonomie entsprechend auf. Und ich bin nicht nur Fan ihrer Mode – auch wenn mir nicht immer alles gefällt, es ist in jeder Kollektion das eine oder andere Teil dabei, das ich wirklich sehr liebe…. zum Beispiel diese Hose. Ein Traum.

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Doch mein Herz schlägt vor allem aufgrund des Teams für die Göttin.

Da gibt es beispielsweise Lisa – eine der Gründerinnen. Die Frau ist unglaublich schlau, unglaublich gradaus und immer positiv. Ehrlich jetzt, selbst in richtig ernsten Situationen – bei denen ich weiß, dass sie ihr zusetzen – kann sie noch den einen Strohhalm, diese eine Hoffnung sehen. Das ist eine Eigenschaft, die ich auch gern hätte.

Oder Igor, ebenfalls Gründer. Niemals werde ich diesen Abend vergessen, den wir bei der Party in einem anderen Modeladen miteinander verbracht haben. Das Herz dieses Kerls schlägt für Textil.

Dann gibt es da Liz, die Igor in Designaufgaben zur Seite steht. Ihr trockener Humor und ihre Ästhetik machen den Arbeitsalltag mit ihr sicher sehr leiwand. Liz, wir sehen uns nicht oft, aber ich freu mich jedes einzelne Mal sehr!

Dann wäre da Johanna, die mich einfach mal in ihrem wunderbaren Zuhause in Tirol hat übernachten lassen, als ich einen Vortrag in Innsbruck halten musste letztes Jahr. Ich bewundere sie dafür, dass sie einfach gradaus ist, authentisch und auch immer sehr herzlich (und dieses Küchenplatzl neben dem Ofen, herrlich war das). Ihrer Frau Verena verdanke ich übrigens einen hochrelevanten Make-up-Tipp. So selten ich mich schmink, seit damals werden meine Augenbrauen nicht mehr ignoriert 🙂

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Oder Sabine, die eigentlich die personalisierte Göttin ist – sie leitet den Shop in Linz, ist dort in der sehr aktiven Ökomodeszene umtriebig und bekannt wie ein bunter Hund. Es ist bei jedem einzelnen ihrer Postings auf Facebook für die Göttin zu sehen, wie viel Herzblut und Liebe sie in ihren Beruf steckt.

Und Marie, ach Marie. Aus dieser wundervollen Shopleiterin im Wiener Laden in der Kirchengasse ist inzwischen eine richtig gute Freundin geworden. Marie muss man kennenlernen, die kann man nicht nicht mögen. Danke dir, meine Liebe.

Außerdem gibt es noch einige mehr, die ich – noch? – nicht so gut kenne.

Ihr seht: Ich liebe diesen Haufen, das, wofür sie stehen, und bewundere, wie hart sie an ihrem Herzensprojekt arbeiten. Sie sind in den letzten zehn Jahren langsam gewachsen, und haben immer alles reinvestiert. Doch momentan steckt die Göttin leider ein bisschen in Schwierigkeiten. Durch plötzlichen Konkurs ihrer Näherei mussten sie letztes Jahr die gesamte Produktion in ein anderes Land verlagern – was Lieferschwierigkeiten mit sich brachte und sie ein gutes Stück auf ihrem Weg zurückwarf.

Daher haben sie sich jetzt dazu entschlossen, eine Genossenschaft zu gründen:

Ganz wichtig sind die Infos, die Lisa im zweiten Video gibt:

Wie ihr – bereits mit 100 Euro – mithelfen könnt, lest ihr hier. Lasst uns gemeinsam die Göttin retten. Ich hab bereits ein paar Hinweise bekommen, dass sie sich stilistisch massiv weiterentwickeln werden, und vor allem es viele, viele andere Stoffe geben wird. Ich freu mich drauf, bin schon ratzegespannt auf die neuen Kollektionen, und werde in den kommenden Tagen einzahlen 😉 Ihr auch?

Austrian Design: Lisa Losch / Lindenblut

So. Wichtiges zuerst:

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Das da, das ist das Sopherl. In das Sopherl bin ich verliebt. Die kleine Semmel ist ein unglaublich süßes kleines Hundetier und wir sind inzwischen wirklich gute Freunde, das Sopherl und ich.

Und Sopherl gehört ins Lindenblut, also eigentlich gehört sie der Lisa Losch. Die ich mal kennengelernt habe, weil sie in all ihrer wunderbar offenen Art einmal ins Ebenberg reingerauscht ist – und es bei uns irgendwie gleich mal Freundschaft auf den ersten Blick war. Dort um die Ecke, und zwar in der Lindengasse 20, hat sie seit einigen Monaten ihren eigenen Laden, eben das Lindenblut. Lisa entwirft extreeeeeeemst coole Overalls, aber auch einzelne Teile wie Hosen oder Tops. Der ganze Laden schreit einfach Avantgarde – plus Kuschelhund! Übrigens: Auch Upcycling ist ihr nicht fremd.

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Das Lindenblut ist übrigens auch eine Fundgrube für richtig, richtig coole Second Hand Teile – derzeit aufgrund von einem Umbau des halben Ladens (Verkauf läuft ganz normal) leider eher weniger, aber ich hoffe, sie mischt bald wieder ein paar feine Second Hand Teile unter ihre Overalls, die sie übrigens alle selbst näht. 🙂

Das da ist übrigens Lisa:

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Also….das hier.

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Und Extraspezialgeheimtipp: Auf ihrem Bankerl vorm Laden kann man ganz wunderbar die Bewohner Bobostans beobachten 🙂 – ich tu das leidenschaftlich gern, mit all den tollen Overalls hinter mir, der Lisa neben mir und dem Sopherl am Schoß.

Toller Laden, tolle Frau, tolle Mode – eine Bereicherung für Wien!

Fünf Jahre und ich lerne es nicht…

Es ist doch unglaublich. In den letzten Tagen hab ich mich auf meinen Arsch gesetzt und ein paar Dinge erledigt, die schon lange angestanden sind. Ich hab das gesamte Manuskript nochmal durchgearbeitet. Ich hab für die Friedensflotte ein paar Sachen eingestellt. Ich hab Blogbeiträge geschrieben, meine Motivation für ichkaufnix.com wieder gefunden. Schreiben macht wieder Spaß. Ich hab berufliche Mails endlich erledigt.

Und zwischendurch immer wieder wunderbar prokrastiniert, das ging bis hin zum Wohnungsumstellen. Wunderschöne Tage mit Freunden und Familie zwischendurch verbracht.

Und jetzt bin ich so weit, dass alles auf Schiene ist. Alles, was ich in den kommenden Tagen zu tun habe, ist so weit vorbereitet, dass ich bereits weiß, wann ich mich wofür wieder vor den Laptop setzen muss. Ein wohliges Gefühl von „ich bin mit ein paar Dingen, die mich seit dem Winter belastet haben, langsam, aber sicher fertig“ macht sich in meinem Bauch breit.

Eigentlich eh leiwand, nüm?

Das komplett Irre daran jedoch: Ich habe gerade eineinhalb Stunden auf Kleiderkreisel und Co. verbracht, weil ich mir „was gönnen“ wollte als Belohnung. Herst Nunu, du hast vergangene Woche dein Wohnzimmer mit einem neuen Sofa ausgestattet, du hast erst diese Woche ein neues Kleid GESCHENKT bekommen, was is mit dir?!?!

Fünf Jahre Fast-Fashion-Konsumkritikerin, und immer noch stolpere ich in die Belohnungsfalle. Die „Man gönnt sich ja sonst nichts“-Falle. OIDA!!!!

Man muss echt aufpassen wie ein Haftlmacher, dieses Konsumdenken hat uns wirklich derartig im Griff….

Und nein, ich hab nix gekauft – grad noch 😉

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Austrian Design: Plural

Toll, wie viele Hinweise ich bekommen hab, und sogar schon ein paar Emails von DesignerInnen (eigentlich kann ich das Binnen-I da weglassen, waren bisher nur Frauen). Danke, immer nur her damit, ich freu mich – das Bloggen macht richtig Spaß, wenn man damit andere unterstützen kann! Eine von ihnen ist Magdalena, die seit dreieinhalb Jahren in Graz das Label PLURAL hat.

Sie entwirft und produziert in Österreich, arbeitet mit hochqualitativen Biomaterialien und verzichtet bewusst auf tierische Produkte – bei ihr wird man also keine Wollpullis, keine Lederjacken oder Seidenblusen bekommen. Ihr Motto: Live fair and beautiful. Find ich schön!

Ich musste grinsen, als ich die Fotos sah. Warum? Ich hab eine liebe Freundin, die erstens ausschließlich schwarz trägt und zweitens mir immer wieder erklärt, dass ihr Anspruch an stylishe, minimalistische und zeitlose Mode im Bereich der Fair Fashion einfach nicht befriedigt würde. Meine Liebe, was sagst du zu der im Rücken geknöpften Longbluse? Die könnte bei Zara auch hängen, oder? 🙂

Ich find die Sachen auf alle Fälle sehr fesch, und was am Leiwandsten ist: Magdalena macht auch Männermode – ein Bereich, in dem die Fair Fashion noch ordentlich aufholen muss!

Plural gibts übrigens auch auf Facebook und Instagram

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Meine neue Lieblingsgeschichte: Lieblingsrock!

Oh wow, ich hab per Mail, auf Facebook und in den Kommentaren ja wirklich viele Hinweise auf österreichische DesignerInnen bekommen! Vielen Dank an euch alle, ich freu mich über jede Mail, die ich bekomme! Eine Nachricht hat mich ganz besonders berührt – Silke von lieblingsrock.at schrieb mir:

„Ich habe vor einer gefühlten Ewigkeit von meinem Mann (natürlich ohne jeglichen Hintergedanken seinerseits… hüstel…) dein Buch geschenkt bekommen. Hab es verschlungen, nicht mehr weglegen können, es geliebt und mir dann tatsächlich von meiner Mutter eine alte Nähmaschine geborgt und meinen allerersten Rock genäht. 2 Trapeze an den Seiten zusammengenäht, über die Hüfte raufgezwängt und YEAH!: mein erster Rock.

Damals war ich noch Juristin.

Beim Röcke nähen bin ich geblieben. Mittlerweile durchaus etwas besser in der Ausführung … ! Und vor einem Jahr habe ich die Juristerei an den Nagel gehängt und mich mit meinem Label „Lieblingsrock“ selbständig gemacht. Ich designe und fertige Röcke, zum aus der Reihe tanzen. Du bist also quasi der Grundstein von „Lieblingsrock“ 😉 !“

Moment mal, hab ich richtig gelesen? Ich war – und es kommt mir wie ein Egotrip vor, das allein niederzuschreiben, ich mein das absolut nicht so, im Gegenteil, ich fühl mich unglaublich dankbar und demütig – der Auslöser dafür, dass im Endeffekt – und sicher mit vielen, vielen Schritten dazwischen, mit denen ich genau null zu tun hatte – eine Juristin ihren Job an den Nagel gehängt hat und stattdessen jetzt näht? BITTE? Musste die Nachricht gleich mal meine beste Freundin lesen lassen, die nur trocken meinte: „Hast dich noch immer nicht dran gewöhnt?“

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Nein, habe ich nicht. Werde ich wohl auch nie. Es ist unglaublich, dass eine spontane Idee von mir zu so vielen anderen spontanen Ideen bei anderen führt 🙂 Und mich freut jede Einzelne! Ich hab Silke auf ihrer Facebookseite (und auch auf ihrem privaten Profil, psst, so ein bissl Facebookstalking muss schon hin und wieder sein, nüm? 😉 ) etwas genauer angeschaut und festgestellt: Aus all den Postings kann man die Freude an dem, was sie jetzt tut, rauslesen. Dass ich dabei unbekannterweise einen Minimalanteil hatte, macht mich un-glaub-lich glücklich und dankbar!

Aber jetzt zu ihrem Label „Lieblingsrock„. Röcke in alle Formen und Farben, auf Wunsch, nach Maß, und in den meisten Fällen aus GOTS-zertifizierten Biostoffen (bis hin zum Fotodruck), und – was Silke besonders wichtig ist – dennoch praktikabel und leistbar. Der „Bio-ist-teuer“-Vorwurf gilt bei ihr also nicht, die Röcke kosten zwischen 99 und 129 Euro. Klar, mit dem Textilschweden kann sie nicht mithalten, aber man kanns gar nicht oft genug sagen: Ein Kleidungsstück, das fair im eigenen Land und aus Biostoffen produziert wird, geht sich schlicht nicht um 20 Euro aus. Silke finanziert damit ihr Leben und ihre Werkstatt – ist doch toll, so etwas zu unterstützen, oder, und das Geld ihr zu geben anstatt einem großen Konzern?

Was ich besonders nett find: Bei jedem der Röcke steht: „Du hättest Deinen Lieblingsrock gerne genau so, aber doch irgendwie ganz anders?! Vorschläge, Ideen und Deine besonderen Wünsche sind natürlich herzlich willkommen und werden nach Möglichkeit gerne umgesetzt!!!“

Ich hätte da schon so eine Idee…. aber wenn ich grad was nicht brauch, dann ist es noch ein Rock….aber ihr? Die eine oder andere unter Euch findet sich doch sicher ein Schmankerl unter den vielen, vielen Röcken, die sie anbietet. 😉 Eine Auswahl der Röcke gibt es übrigens in dem wunderbaren Laden „Die Piratin hat den Besten Stoff“ in der Neubaugasse (Ecke Neustiftgasse) sowie bei Anasa in der Piaristengasse, wo Silke übrigens auf Anfrage auch gern zum Maßnehmen persönlich vorbeikommt!

 

Österreichische DesignerInnen gesucht!

Hey! Ich möchte diesem Blog wieder ein bisschen mehr Leben einhauchen, schließlich hat sich gerade im Bereich der fairen Mode in den vergangenen Monaten und Jahren superviel getan. Ich hab jedoch in den letzten fünf Jahren meine persönlichen Lieblingsbrands in den Fokus gestellt – km/a, Steinwidder, die Göttin des Glücks oder maronski zum Beispiel. Ich hab meine fixen Adressen in Wien, in Sachen Concept Store gibt es für mich eigentlich nur das Ebenberg und das Green Ground.

Aber es gibt noch so viele mehr! Es gibt Ulliko, es gibt Lila, es gibt anzüglich, und das Lindenblut und noch hunderte andere. Und ich habe jetzt beschlossen: Ich würde gerne regelmäßig neue Designer vorstellen oder andere, die ich bisher erst einmal oder so am Blog hatte, WIEDER vorstellen. Allerdings bin ich schon so in meinen Bahnen eingefahren, dass mir das zeitliche Kontingent fehlt, das mal wirklich wieder ordentlich auszurecherchieren. Deswegen dreh ich den Spieß jetzt um: Liebe Menschen aus Österreich, kennt ihr faire DesignerInnen, oder seid ihr vielleicht selbst welche? Dann schickt mir doch bitte auf ichkaufnixx @ gmail.com /achtung, ZWEI x!/ ein paar Zeilen und Fotos eurer aktuellen Kollektion, wenn ihr wollt! Ich weiß, voll faul und ur nicht bloggerlike, aber ichkaufnix ist schlicht Spaßprojekt mit immer noch recht guter Reichweite, und ich will möcht einfach meine Reichweite für jene nutzen, die sich die zweiseitigen Anzeigen in der Woman oder das Plakat am Ring nicht leisten können 😉

Anja hat das zum Beispiel getan. Anja Lauermann ist Designerin, die höchst ökologisch mit Stoffen der Lebenskleidung oder Bestandsware arbeitet, und das ganze bei der Volkshilfe in Wien fair produzieren lässt.

Und was dabei rauskommt:

 

Die Teile sind sehr tragbar und gleichzeitig seeeehr elegant. Anja hat einen extrem guten Blick für Schnitte, und das Upcycling-Herrenhemd links oben im Bild muss ich ihr frecherweise „nachnähen“, so eine leiwande Idee! Käuflich erwerben kann man ihre Produkte in ihrem eigenen Laden in Stockerau, wo sie auch noch andere faire Marken führt, bei SBIN in der Wiener Burggasse und außerdem noch in Berlin, Graz und Klagenfurt.

Ich selbst habe auch ein Lauermann-Teil, das ich ein anderes Mal herzeigen werd – ich bin grad der Selbstdarstellung etwas überdrüssig. 🙂

Bitte pfeifts auf den Sale.

Ich hab momentan ein bisschen Tagesfreizeit und bin letztens mal wieder die Mariahilfer Straße runterspaziert. Überall geht bereits der Ausverkauf los.

Ich rede auf einem Geburtstagsfest einer Kollegin mit einer mir unbekannten Freundin von ihr, die meint, meinen Blog gelesen zu haben, das Thema fände sie spannend und sie schaut auch auf ihren eigenen Konsum, aber beim Ausverkauf kann sie noch nicht widerstehen.

Online blinken mich auf Facebook und sonstwo Werbungen an (ich gebe zu, ich hab keinen Ad-Blocker installiert) und überall sehe ich durchgestrichene „vorher“-Preise.

Eine gute Gelegenheit, wieder ein paar Informationen auf diesen Blog zu stellen:

  1. Vorher-Preise bei großen Ketten sind illusorisch. Gutes Beispiel: Ich habe letztens ein Sofa gekauft. Neu, weil willhaben mich stilistisch echt im Stich lassen hat diesmal. War ein leicht lädiertes Ausstellungsstück vom Leiner. Ein Nicht-Lädiertes stand ein paar Meter weiter, ausgeschrieben mit 350 Euro. Am Zettel vom Ausstellungsstück stand „140 statt 500 Euro!“ Als ich den Verkäufer fragte, was da los sei, warum da 500 und am gleichen neuen Sofa ein paar Meter weiter 350 steht, meinte er: „Die 500 sind der vom Produzenten vorgeschlagene Verkaufspreis.“ Als ich meinte, dass sie aber schon ziemliche Ferkeln sind, beim Ausstellungsstück den vorgeschlagenen Originalpreis hinzugeben, während genau fünf Meter weiter ein neues Teil um einen geringeren Preis steht, kam nur ein lapidares „Wir dürfen das.“ Und Modehändler „dürfen“ das auch. Die vertikalen überhaupt, die können selbst beliebig die „Vorher“-Preise festsetzen, damit wir ja glauben, wir haben ein super Geschäft gemacht.
  2. Warum das geht? Weil die betreffende Kleidung oft niemals „vorher“ zum „Originalpreis“ im Laden gehangen ist. Für den Ausverkauf werden inzwischen bei fast allen Fast Fashion Herstellern EIGENE KOLLEKTIONEN ENTWORFEN. Die es eben direkt nur im Ausverkauf gibt, aber dafür in allen Größen. Oder habt ihr euch noch nie gewundert, warum der Textilschwede im Winterausverkauf Fleecejacken und im Sommer Tops immer in allen Größen UND Farben da hängen hat?
  3. Beim Ausverkauf geht ein wunderbarer biochemischer Prozess im Gehirn los: Man ist nicht spezifisch auf der Suche nach einem Teil, aber man findet einen recht hübschen Rock, der plötzlich nur noch zehn statt fünfzig Euro kostet, man denkt sich: „Vierzig Euro gespart!“ – und es regnet einem das Adrenalin ins Hirn. Es ist aufregend, weil man glaubt, man hat ein besonders gutes Geschäft gemacht. Im Endeffekt hat man aber einfach nur 10 Euro für ein Teil ausgegeben, von dem man vor fünf Minuten noch nicht mal wusste, dass man es braucht. Dank Biochemie aber: Ein wunderbarer Kick.
  4. Bittebitte pfeifts doch auf Ausverkaufs-Shoppingtouren. Die Wahrscheinlichkeit, dass genau diese Sachen zu Schrankleichen werden, ist ungleich höher als bei Kleidung, die ihr euch gekauft habt, als sie euch den „Originalpreis“ wert war.

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PS: Gilt für große Fast Fashion Ketten. Bei kleinen, inhabergeführten Boutiquen, die faire Mode verkaufen, geht es darum, Lagerplatz zu schaffen für neue Ware/neue Saisonen. Was ja der eigentliche SINN von Ausverkauf ist. Doch diejenigen, die dich mit leuchtendroten SALE-Buchstaben anschreien, denen würd ich nicht zwingend vertrauen….

Wenn Freunde tolle Dinge tun…

Ich lebe noch!

Und ich muss heute mal schwärmen. Von meinen Freunden. Ich habe nämlich tolle Freunde. Die ganz tolle Sachen machen. Und ich kanns gar nicht oft genug betonen: Meine Bewunderung für Menschen, die einfach mal beruflich ihr Ding durchziehen, gegen alle Widerstände, ist riesig.

Einer von denen ist Stefan. Stefan ist der Herr links im Bild.

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Ein ehemaliger Greenpeace-Kollege, dessen goscherte Sprüche mir seit meinem letzten Tag bei Greenpeace fehlen (und leider auch in Zukunft fehlen werden), der sich mit seinem eigenen Radmode-Onlinestore in die Selbstständigkeit gewagt hat. Ich hatte letzten Sommer die Ehre, gemeinsam mit der coolsten aller Natalies (oben rechts) und dem besten aller Lukasse für ihn zu modeln, die Ergebnisse sieht man hier.

Wind und Wetter gibts jetzt auch offline, und zwar als Laden in der Lerchenfelderstraße 85-89. Für alle RadfahrerInnen, die gerne funktional richtig gut durchdachte und fair produzierte Regenbekleidung hätten: Das ist eure Adresse!

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Dann gibts da noch die Christina. Christina kenne ich seit langen Jahren, wir waren mal Pressesprecherinnenkolleginnen – und sie war diejenige, die damals aus Bangladesch die Verona-Feldbusch-Kollektions-KiK-Shirts aus den Ruinen  von Rana Plaza gezogen und nach Wien mitgenommen hat.

Das ist die wunderbare Christina. Wirklich, könnt ihr mir glauben: WUN-DER-BAR-ER Mensch.

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Christina und ihr Herzensmann Thiago haben in ihrem Wohnzimmer das Atelier Schnittig gegründet. Die beiden nähen tolle Schals aus Krawatten, Geldbörsen und ähnliche kreative Dinge – alles Upcycling aus Bestandsmaterialien, zum Beispiel alte Segel (Christinas Vater segelt gern und muss gerade seine ganzen Segel ausmisten 🙂 ). Ich wollte unbedingt so einen Rucksack aus Segelmaterial haben, doch sie schrieb: „Ich hab einen Spezial-Nunu-Rucksack genäht!“ Da war ich gespannt… uuund (aufm Foto sieht man es nicht: Er hat kleine Segelschiffe und Anker drauf!)

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Ich lauf mit keiner anderen Tasche mehr herum, seit ich ihn habe, ich LIEBE ihn! Doch sobald es regnerischer wird, werde ich ihr wohl noch einen aus dem Segel des familieneigenen Segelschiffs abkaufen – und ihr könnt das unter obigem Link oder hier übrigens auch:

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Doch das ist noch lange nicht alles. Eine andere Freundin plant gerade ein Lokal der besonderen Art, das ich euch demnächst wohl vorstellen werde, und dann gibt es da noch ein paar so tolle Läden in Wien, herrlich!

Von mir selbst gibt es auch Neuigkeiten – ich kehre zurück zu Greenpeace!

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Es gibt Dinge, die ich kann – bled redn an allererster Stelle -, und es gibt Dinge, die ich nicht kann. Was ich in den letzten Monaten gelernt habe: Wenn man zum ersten Mal im Leben (arg eigentlich…) in die Privatwirtschaft geht, dann sollt man sich nicht gleich mal ein Start-Up aussuchen und nebenbei noch ein Buch schreiben. Ich hab mich einfach ziemlich fest selbst übernommen. Manchmal muss man einfach feststellen: So, hier ist die Grenze an Energie für Neues. Nach dem Motto „Schuster, bleib bei Deinen Leisten“ (was angesichts der Tatsache, dass mein Chef bei Greenpeace mit Nachnamen Schuster heißt, ein hübscher Treppenwitz ist) werde ich ab 1. August wieder im Sold von Greenpeace Österreich die Welt retten, da weiß ich nämlich, wie das geht, oder so….. 😀 – und ich freu mich drauf! 

goood – Deutschlands sozialer Mobilfunkanbieter bleibt weiterhin ein absolutes Herzensprojekt von mir, ich liebe die Idee, und ich werde euch garantiert ab Herbst (da startet goood in Österreich) regelmäßig auf die Nerven gehen, ob ihr nicht euren Handyanbieter wechseln wollt. Mit vielen, vielen Argumenten – wie gesagt, bled redn

Shopping weltweit.

Ach Greenpeace. Ich finds immer wieder geil, wenn eine Organisation, die weltweit agiert und eine entsprechendes Budget hat (also zumindest mehr als die 100 Euro, die ich pro Jahr in diesen Blog investiere, damit unter meinen Artikeln nicht irgendwelche Werbebanner angezeigt werden, auf die ich keinen Einfluss habe), Themen aufgreift, die ich seit Jahren runterbete. Und wie sie das getan haben! Chapeau!

KonsumentInnen in den verschiedensten Ländern wurden befragt, WARUM sie eigentlich gern shoppen gehen. Die Antworten sind nicht wirklich überraschend:

Weil es kickt.

Weil es aufmuntert.

Weil es das Selbstwertgefühl steigert.

Ja, kenn ich.

Gekauft wird, weil man in den sozialen Medien dazu inspiriert wurde.

Das eigene Budget überzieht man.

Alles Dinge, die zumindest LeserInnen dieses Blog schon seit ein paar Jahren kennen oder nachempfinden können. Aber Greenpeace zeigt: Leute, es ist fünf vor zwölf: Das Ding mit dem Shoppen, das rennt global in die komplett falsche Richtung! (Ja, das sind jetzt nicht unbedingt Breaking News, aber Greenpeace liefert endlich Zahlen, Daten, Fakten aus diesem Bereich. Freude. Ein fulminant schöner Report!!!)

Wie viel Kleidung braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Jede Menge, glauben viele Konsumenten im Shopping-Rausch. Doch die Ernüchterung folgt schnell. Umfragen, die Greenpeace in Europa (Deutschland, Italien) und Asien (Hongkong, Taiwan, China) durchführen ließ, zeigen, dass der Kaufrausch wie eine Achterbahnfahrt mit nur einem Gipfel ist: Erst geht es steil nach oben – und dann genauso schnell wieder hinunter.

Denn Scham und Schuld sind die Gefühle, die sich meist bereits nach einem Tag, manchmal sogar noch früher einstellen, wenn weit über den Bedarf eingekauft wurde. Etwa die Hälfte der Befragten in Ostasien fühlt sich wegen ihrer Shopping-Gewohnheiten derart schlecht, dass sie ihre Einkäufe aus Angst vor negativen Reaktionen oder Vorwürfen der Geldverschwendung verstecken.

In Deutschland geben 29 Prozent der Befragten zu, mehr zu kaufen als sie es geplant hatten. In China sind es sogar 46 Prozent. „Ob in Europa oder Asien: Eine wachsende Zahl von Konsumenten zeigt deutlich Sättigungserscheinungen und Ermüdung, wenn es um billige, schnelle Mode geht“, sagt Kirsten Brodde, Greenpeace-Expertin für Textilien. Und sie ist überzeugt „Wirklich glücklich macht gut produzierte Kleidung, an der man wirklich hängt und die man dauerhaft schätzt.“ (…)

Es muss sich also etwas in unserem Denken ändern – und in unserem Handeln. Denn häufig hängen Kleidungsstücke noch mit Preisschild im Schrank: im Kaufrausch ergattert und nie getragen. Solch ein Umdenken ist gar nicht mal so schwer. Schon kleine Änderungen im Alltag führen zu einer bewussteren Lebensweise, die weniger konsumgesteuert ist. So lassen sich schadhafte Teile oft ganz einfach ausbessern, auf Kleidertauschbörsen können Fehlkäufe durch coole neue Outfits ersetzt werden.

Doch auch die Textilanbieter müssen etwas ändern. Greenpeace setzt sich erfolgreich für eine saubere Textilindustrie ein – und hat bereits 79 globale Modemarken dazu verpflichtet, bis 2020 Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht genug. „Es braucht handfeste neue Geschäftsmodelle in der Modeindustrie, die auf Qualität statt Quantität setzen, gebrauchte Kleidung oder Leihservices anbieten“, so Kirsten Brodde. Die Umfragen zeigen: Das Bewusstsein, dass übermäßiger Konsum ein folgenschwerer Rausch  ist, wächst. Jetzt geht es also darum, diesem trügerischen Glück zu widerstehen.

…schreibt greenpeace.de.

Es ist eine weltweite Kampagne. Können wir uns also bitte auch endlich weltweit dieser Problematik stellen? Es ist niemandem geholfen, wenn wir hier mit dem Finger auf Asien zeigen und sagen, dass dort ja das eigentliche Konsumproblem liege (ja, tut es zum Teil), und dass wir uns in unserem Bobo-Wohlfühlkonsum unser Gewissen beruhigen. INSGESAMT WENIGER ist die Devise.

 

Meine Gedanken zum Fashion Revolution Day: Warum sind wir alle solche Idioten?!

Heute ist Fashion Revolution Day. Heute vor vier Jahren brach in Dhaka ein Fabriksgebäude zusammen, in dem Menschen für Benetton, KiK und Co. nähten. Über tausend Menschen starben, weit über zweitausend waren verletzt.

Seither ist viel passiert. Überall sterben Menschen sinnlose Tode. Ob es Ersticken an Giftgas ist, weil in Syrien die USA und Russland einen massiv grausamen Stellvertreterkrieg führen (kalter Krieg, diesmal auf ganz und gar nicht kalt), ob Lastwägen in Menschenmengen fahren, oder ob Lawinen über Hotels drüberrollen und Unschuldige lebendig begraben. Und das sind nur Ausschnitte, die mir gerade so auf die Schnelle einfallen, es ist noch viel, viel mehr passiert.

Manches berührt uns, manches lesen wir in den Nachrichten und denken: Ja, blöd, nüm? Aber weit weg. Was sich jedoch nicht ändert: Diese Menschen sind für immer tot. Nichts kann sie ins Leben zurück holen. Und die Menschen in Rana Plaza sind – wie all die anderen Genannten auch – einen sinnlosen Tod gestorben.

Es wäre angesichts der Tatsache, wie viele solcher Todesmeldungen täglich auf uns einprasseln ein Leichtes (und Nachvollziehbares), einfach nicht mehr drüber nachzudenken. Zu leben, wie es halt gerade am Angenehmsten ist, nur auf sich selbst zu schauen, schauen, dass der Lebensstil passt, dass der Kontostand passt und sich selbst in den Gedanken einlullen, dass man ja selbst nix Böses will, man nimmt nur das Angebot wahr.

Ich kann solche Gedanken sehr gut nachvollziehen. Egal, ob Brexit, Trump oder Syrien: Ich kann mich des Eindrucks langsam nicht mehr erwehren, dass wir global gerade wirklich auf was sehr, sehr Ungutes zusteuern. Und dann wirds niemandem nützen, dass da ein paar NGO-Hansln erklären, sie hätten es uns ja gesagt – auch den Hanseln selbst nicht.

Was ist meine Reaktion? Ich will den Kopf in den Sand stecken. Ich träume momentan ungelogen jede Nacht davon, in einem acht Monate andauerndem Sommer auf einer Insel zu sein, irgendwo in den schwedischen Schären, mit einer einzelnen rot angestrichenen Holzhütte drauf und einem kleinen Boot, mit dem ich von der Nachbarinsel beim Greißler Vorräte kaufe, weit weg von allen, mit ein paar guten Büchern, die mich gedanklich in andere Welten eintauchen, und dankeschön,  Gesellschaft und Weltpolitik findet bitte ohne mich statt. Ich hab eh schon mehr dazu beigetragen, Menschen zum Umdenken zu bringen, als andere.

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Die andere Gedankenvariante ist: Ich will einfach mal nicht mehr nachdenken müssen. Ich will einfach auch mal zu Primark gehen, mir zehn neue Outfits kaufen, mit vollen Einkaufstüten und trotzdem immer noch voller Geldbörse den Laden verlassen. Einfach, weil Shoppen blöderweise immer noch glücklich macht, weil man damit Stress und Unschönes kompensieren kann.

Aber sorry, es geht einfach nicht. Wir haben keinen Plan B, wir haben keinen Planet B und wir haben kein Recht, andere Menschen als ArbeiterInnen zweiter Klasse zu behandeln, nur weil die weit weg sind und wir ihre Lebensumstände am fertigen Produkt nicht sehen.

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Was mich richtig, richtig ärgert: Wir sind so blöd! Immer wieder versuchen laufend tolle Menschen tolle Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. Es GIBT bereits viele angebotene Alternativen für uns, um nachhaltiger zu handeln. Es gibt sooo viele wirklich gute Projekte: Wir können faire Textilien kaufen, wir können Schuhe und Jacken aus Polyester kaufen, das aus Plastik produziert wurde, das spanische Fischer aus dem Meer geholt haben (und weil mir der Name dieser Firma grad nicht einfällt, kann ichs grad nicht verlinken 😉 ), wir können spenden, während wir telefonieren, Himmelnochmal, wir können sogar Gutes tun, während wir uns den Arsch auswischen!! Also warum tun wir es nicht einfach alle – und damit meine ich wirklich ALLE? Stattdessen wird auf diesen Unternehmen herum getreten, werden NGO-MitarbeiterInnen als weltfremd bezeichnet und davor, dass man selbst ganz ganz einfach mit der eigenen Geldbörse Verantwortung übernehmen kann, werden die Augen verschlossen. Weil wenn man sich da mal beginnt, damit auseinanderzusetzen, dann fallen einem plötzlich ganz viele Dinge auf, die man dann eigentlich nicht mehr machen sollte. Und wäh, das hieße ja, ich müsst mein Leben umstellen und wäh, das ist ja anstrengend. Nein, ist es nicht, lieber „erwachender“ Konsument. Alle machen wir mal den ersten Schritt, und wie weit du gehst, liegt einzig und allein bei dir. Aber geh bitte mal los.

Ob kleiner, fairer Schuhproduzent in Österreich oder fairer Modedesigner in Deutschland – alle versuchen es mit einem positiven Image, um zu zeigen, wie schön und leicht Nachhaltigkeit sein kann, wenn man nur will (was ja auch hundertprozentig stimmt!). Die Antworten und Reaktionen darauf geben mir die sozialen Medien, wo irgendwelche Leute, die genau null Schritte Richtung Nachhaltigkeit oder Sozialverantwortung setzen, auf genau diesem Produktangebot herumreiten und herumtrollen – einfach nur, weil sie können und weil es sie nix kostet, ein bissl herumzulästern. Sie lästern, weils ja eh billiger geht, weils ja eh schneller geht, weils ja eh mit mehr Produktqualität geht.

Ja, es geht billiger, aber mit welcher Konsequenz? Mit der, dass wir übelsten Schaden anrichten. Es ist mir inzwischen wirklich bereits blunzenwurscht, wenn mit Leute mit Argumenten kommen wie „Aber es herrschen Standards in Europa, die eingehalten werden müssen“ oder „So haben die Leute dort wenigstens einen Job.“ Das ist einfach nur dumm und kurzsichtig. Diese Menschen WOLLEN sich nicht informieren. Ok, gut, sollen sie – ich würd auch gern in dem Bereich manchmal einfach weniger wissen-, aber:

Tatsache ist: Weil Pantone letztes Jahr babyblau und puderrosa zur Farbe des Jahres erkoren hat, in der wir alle herumlaufen sollen, sind derzeit die Geschäfte voll davon. Jetzt hat Pantone gesagt: Knallgrün, und eine zweite Farbforschungsfirma: Glitzer! Ich wette mit euch: Nächsten Sommer rennen wir alle wie verkleidete Frösche auf Speed durch die Gegend, einfach, weils grad cool ist. Der für uns unsichtbare Effekt: Die NäherInnen in Bangladesch, dem Land, in dem so viele Menschen bei miesester wirtschaftlicher Lage und beschissenen topographischen Voraussetzungen auf engstem Raum leben, sodass Arbeitskraft schlicht nichts wert ist, kommen nicht nach mit der Produktion. Die Standards sind unter aller Diskussion und eigentlich gar keine Standards, und damit das Zeug in Europa verkauft werden kann, bastelt das Label sich halt ein bissl ein grüneres Image, der Sprecher schaut hin und wieder ernst in die Kamera und erklärt, wie wichtig Verantwortung nicht ist.

Und wir KonsumentInnen kippen da volle Breitseite drauf rein. Es wird uns beigebracht, dass kaufenkaufenkaufen glücklich macht und Postmaterialismus gilt als Luxusschmäh für die, die es sich eh leisten könnten. Wie die Geier werden wir darauf trainiert, das günstigste Angebot zu suchen, und fordern damit die Unternehmen zu einem Konkurrenzkampf auf, den nur wenige Große überleben. Aber weils grad cool ist, auf Konzerne zu schimpfen, schimpfen wir halt mit – in der Jeans vom Textilschweden und dem neuen Pulli von Primark. Aber die, die nicht nur kritisieren, sondern verantwortungsvolleres Handeln auch in ihren Alltag integriert haben oder wirklich etwas machen wollen, ihre berufliche Arbeitskraft in diesen Dienst an der Empathie stellen, werden mit einem Jesusschlapfenträger-Vorwurf bedacht. So „uncool“ will man dann halt auch nicht sein.

Eigentlich könnte man sich ja vortrefflich darüber lustig machen – und ich selbst mach das ja auch gern. Genauso, wie ich dieses Ding mit dem kritischen Konsum, für den ich wirklich mein Herzblut einsetze, hin und wieder selbst nicht mehr ernst nehmen kann und über die ganzen Rucola-Bobos in Wien und die Tofu-Hipster in Berlin lache.  Manchmal, wenn mir wirklich alles bis zum Haaransatz steht, dann schaffe ich es auch nicht mehr, jenen Leuten, die sich bisher nicht mit der Macht des Konsums an sich auseinandergesetzt haben, respektvoll und geduldig zu begegnen. Dann möcht ich sie schütteln und sie anschreien, dass sie mit ihrer unreflektierten GeizistgeilundNachhaltigkeitmachtnurschlechtLauneundbringtdochehnix-Art den Planeten niederreiten und Menschen für sie sterben. Was genau sinnlos ist, davon werden die es nämlich auch nicht lernen. Aber muss man wirklich jede/n Einzelne/n wie ein kleines Kind an die Hand nehmen ihnen mit möglichst dramatischen Worten und drastischen Bildern den Weg der Hose vom Saatgut bis zum Transport vor die Haustür zeigen, die er oder sie sich gerade bei Amazon bestellt hat? Echt jetzt? „Schau mal, diese Frau näht da gerade Deine Hose. Ist ganz schön eng und stickig hier in der Fabrik, oder? Sollen wir wieder rausgehen? Musst du aufs Klo? Hast du Durst? Na aber jederzeit können wir gehen – die Näherin aber übrigens nicht, die darf nur einmal am Tag für zehn Minuten aufs Klo – und da stehen dann alle anderen Näherinnen, die grad Pause haben, auch an. Blöd, oder? Wollen wir nicht, gell?“

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Wir sind als Gesellschaft inzwischen leider wirklich ein Haufen narzisstischer Idioten, die sich von einer rücksichtslos kapitalorientierten Industrie einfach nur was vormachen lassen. Weil „wir es uns wert sind“. Genau. Wir denken nicht einen Zentimeter über den Tellerrand hinaus. Ich packs wirklich langsam nicht mehr: Muss man erst alles Schlechte verbieten, damit Leute nur noch die Option des nachhaltigen Konsums haben (eigentlich cooles Gedankenspiel: Würde die EU beschließen, dass Fast Fashion in Europa nicht mehr verkauft werden darf, wie würden die Konzerne reagieren – abgesehen von der Tatsache, dass wir einen wirtschaftlichen Bauchfleck vom Zehnmeterbrett machen würden, weil wir uns alle von diesem ausbeuterischen System abhängig gemacht haben…)? Sind wir wirklich so verblödet, dass wir nicht mehr wahrnehmen, dass wir die Wahl UND die Verantwortung haben?

Warum ich heute so weit aushole? Weil – oh Überraschung! – die Opfer von Rana Plaza immer noch tot sind. Und sich bei uns in den letzten vier Jahren gesellschaftlich nichts geändert hat. Obwohl es inzwischen mehr „grünes“ (nicht im Pantone-, sondern im nachhaltigen Sinn) und soziales Angebot in wirklich fast allen Produktkategorien, die wir als unersetzlich für unser westliches Leben ermessen, gibt. Lebensmittel, Kleidung, Handys, Möbel, ALLES kriegt man bereits auch aus guter Produktion. Und trotzdem florieren Primark und Co. Weil. wir. uns. einlullen. lassen. Weil wir das System nicht endlich anders denken.

Und solange das so ist, waren diese über tausend Tode sinnlos.

R.I.P.