Elitäre Sauferei

Gestern war ich elitär. Ich habe mich ins Museumsquartier und elitären Leuten beim Diskutieren über Mode zugehört. Etwas, was ich früher niiiiie gemacht hätte. Podiumsdiskussion – gäääähn!! Modetheorie – bitte ich mag einfach shoppen gehen und nicht drüber reden! Laaangweilig. Ja, so ändern sich die Zeiten. Aber leider: Es wird immer die Podiumsteilnehmer geben, die strunzeinfache Aussagen (-> Frauen tragen Männeranzüge, damit wirken sie stärker) so unglaublich geschwollen ausdrücken, dass die ganz die üblen Uni-Erinnerungen von Vorlesungen, bei denen man sich in die erste Reihe zwingen muss, damit man sich aus Angst vor der Peinlichkeit vorm Einschlafen bewahrt. Ironie des Ganzen: Die Dame, die so redete, war wirklich Uniprofessorin.

Das bahnbrechende Fazit der Diskussion: Die Mode ist immer ein Spiegel der Zeit, darum wird man, egal wie sehr man einen vergangenen Stil nachstellen will, nie herumkommen. Aber eine neue Erkenntnis hat es gebracht – eigentlich eh logisch, aber noch nie drüber nachgedacht:

Sämtliche High Fashion Designer haben keine künstlerische Freiheit mehr. Die ganzen alteingesessenen Marken gehören inzwischen zu großen Konzernen. Dort geben Marketingchefs vor, welche Skandale sie brauchen in der kommenden Saison, und auf wieviele verschiedene Arten ein Gürtel designt werden soll. Eine Erkenntnis, die nach ein bißchen Nachdenken eventuell von selbst aufpoppen könnte, mich aber eiskalt in meiner Naivität erwischt hat. Wenn nichtmal mehr die hochbezahlten Kreativlinge kreative Freiheit haben,  dann bleibt wirklich nur noch die Macht der Straße. Und die der kleinen Designer, die davon zwar nicht leben können, dafür aber modisch gewaltig was weiterbringen. Ein Gedanke, der mich grad nicht loslässt: Die Männer und Frauen, die von Millionen von modeinteressierten Menschen als halbe Gottheiten gefeiert werden, sind nicht mehr als Auftragsproduzenten, die noch dazu in der Öffentlichkeit eine Rolle zu spielen haben. Unglaublich traurig.

Und um das Niveau wieder auf Normalmaß runterzuschrauben: Wer von euch kennt das „But…umm“-Trinkspiel aus How I Met Your Mother? Hätt ich das mit dem Moderator gespielt, wär ich bereits nach der Vorstellung der Podiumsteilnehmer hackevoll gewesen und hätt nimmer nachhause gefunden. Aber um seine Ehre zu retten: Kaum war diese Vorstellung dabei, fiel kein einziges „ähm“ mehr…

Kurz: Langsam werd ich Fan von solchen Diskussionen, weils einfach neue Blickwinkel bringt.

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