Ein ganz normaler Sonntagvormittag

Es ist traurig, wenn man am Sonntagvormittag aufwacht und beim ersten Nachschauen auf ORF.at, ob die Welt eh noch steht, dieses Bild sehen zu müssen:

In Bangladesch ist wieder eine Fabrik abgebrannt. Und wieder waren unzählige NäherInnen eingeschlossen. Lasst mich raten: Natüüüürlich war die Fabrik ISO 8000 zertifiziert, natüüüüürlich haben die Audits keine großen Kritikpunkte ergeben! Mindestens 115 Tote und über 200 Verletzte. Und diesmal darf C&A reagieren, an die wurde nämlich geliefert.

Es macht mich inzwischen einfach nur noch stinkesauer, dass alle naselang sowas passieren kann (erst vor wenigen Wochen hatten wir das Spiel ja in Pakistan), und dass sich hier die meisten Menschen nicht betroffen fühlen. Leute, wir zu einem großen Teil schuld daran, dass die Verhältnisse in den Fabriken so scheisse sind, weil wir die Fünfeuro-Shirts als selbstverständlich erachten, und weil wir einfach überhaupt nicht mehr drüber nachdenken, wo das Teil, das wir in Händen halten, eigentlich gemacht wurde, durch welche Hände es gegangen ist.

Das Ziel kann nicht darin bestehen, nie wieder etwas zu kaufen, was in Bangladesch produziert wurde – darum kämpfen sogar die dortigen Gewerkschaften, damit schlicht und einfach Jobs erhalten bleiben. Aber das Ziel muss darin bestehen, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, einen gerechten Lohn für diejenigen einfordern, die für uns produzieren, keine Zwangsüberstunden, die entstehen, weil westliche Auftraggeber alle fünf Minuten eine neue Kollektion in den Laden hängen wollen, und eine Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz.

So, und ich geh jetzt mal frühstücken. Wobei, mir ist grad ziemlich schlecht.

PS: Aber großes Lob an die Redaktion von ORF.at, wenigstens bringen sie die Geschichte groß und nicht nur unter „ferner liefen“ in der Chronologie….

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