Ich gestehe – ich bin Nachrichtenjunkie und Zeitschriftenliebhaberin. Gestern in der Trafik fiel mir sofort ein neues Frauenmagazin auf: SEASON.
Zum einen muss ich sagen: Endlich mal ein paar spannendere Artikel als etwa solche über die meist-nachoperierten Gesichtspartien von Stars oder über die Frage, ob ein „Single-Gen“ Liebesglück verhindert. Einige Artikel gehen in die grüne, nachhaltige Richtung, ohne belehrend zu sein. Noch dazu ist Susanne Klingner, Autorin von „Das hab ich selbst gemacht“ und „Wir Alphamädchen„, Redakteurin von Season. Auch das Papier, angenehm matt, scheinbar recycled und nicht so auf Hochglanz gedrillt wie der Rest der Magazine.
Nette Hinweise auf Selbermachen, Energiesparen und ähnliche Themen. Der USP reichlich praktisch, aber auch reichlich konsumistisch: Alles, was im Magazin abgedruckt ist, kann man im zugehörigen Onlineshop gleich kaufen.
Was ich aber einfach nicht kapiere: Wieso schießen sie sich selbst ins Knie, indem sie Mode präsentieren, die die Durchschnittsfrau sich ihr Lebtag nicht leisten kann, will und wahrscheinlich auch wird? Hosen um 800 Euro, Seidentops um günstige 500. Um mal auf dieser Liga zu bleiben: Nie und nimmer würd ich 2000+ Euro für ein Kleid ausgeben (nein, nichtmal zu ohnedies in der Lebensplanung nicht vorkommenden Hochzeit)! Ich könnt mich jedesmal deppert ärgern, wenn eine Louis Vuitton Tasche um läppische 1300 Euro als nettes Frühlingsaccessoire präsentiert wird, das so manches Outfit aufmotzt – und zwar nicht aus Neid, sondern aufgrund der unsäglichen Arroganz der HerausgeberInnen.
Luxus in der Mode muss sich endlich neu definieren. Weil wo H&M den Schnitt eines Prada-Kleids schamlos kopiert und sofort massenproduziert, kennt die unterbezahlte Schneiderin den Schnitt wahrscheinlich bereits – das Pradakleid hat sie sehr wahrscheinlich auch genäht. Wo es mir ein Rätsel ist, wieso von den 14,90 für ein Kleid bei H&M (und zugegeben, derer hab ich so einige im Schrank) genau gar nix bei denen landet, die es produziert haben, stellt sich mir die Frage bei dem oft hundertfachen Preis gleich hundertmal stärker.
Fazit an Season: Wenn schon grün und nachhaltig, dann bitte ehrlich. Auch das ist möglich, ohne sofort in die Bio-Öko-Stofftaschen-Schublade gestopft zu werden.
Ja, ich bin grad ein bisschen wütend und ja, ich entdecke an mir eine Gewissensänderung. Bin schon gespannt, wie sich das 2013 auswirkt (a.k.a. wie gut werd ich verdrängen können, wenn ich wieder das Fünfeuroshirt verschämt im Plastiksackerl nachhausetrag 🙂 )
Dank für den Tipp und
Amen, das musste mal gesagt / geschrieben werden