Transportbaby

Eine Freundin von mir hat sich kürzlich fortgepflanzt. Der kleine Sproß hat von seiner Oma eine Kiste voller Babykleidung bekommen, die sie am Dachboden gelagert hatte – von ihren eigenen Kindern, geboren zwischen 1983 und 1990. Die Kleidung war größtenteils „made in Austria“ (wer von uns hatte als Kind keine Winterbekleidung von Mäser, zB.?). Jetzt hat sie eigenen Aussagen zufolge sogar Probleme, Kleidung „made in Europe“ für den Kleinen zu finden. Das hat jetzt nichts mit Nationalismus zu tun, sondern ist eine einfache Schlußrechnung: Je weiter weg, desto teurer (und umweltschädlicher) der Transport. Das bedeutet, logisch, wissen wir schon lange, dass die Produktion außerhalb von Europa um ein zigfaches billiger ist.

Es steht auf einem ganz anderen Blatt, in welcher Qualität die Kleidung produziert wird – sie muss ja gar nicht mal so schlecht sein. Dennoch gefällt mir der Gedanke nicht, dass bereits die Bekleidung für die Kleinsten so weite Strecken hinter sich hat.

Ich sehe es ja auch bei meiner eigenen Nichte – es muss rosa sein, und es muss Hello Kitty draufsein. Und wo kommt das Zeug massenweise her? Richtig. China, Bangladesch, die üblichen Verdächtigen….

Ein Fazit oder einen Beschluss kann ich aufgrund von Kinderlosigkeit nicht tätigen, aber bitte, ich wollt mich mal drüber ausraunzen, dass ich das echt arg find – innerhalb nur einer einzigen Generation wurde das System komplett gedreht…

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5 Gedanken zu „Transportbaby

  1. ja, das ist schon krass. und leider ist man für kindersachen auch nicht immer bereit, viel geld hinzulegen, weil sie einfach so schnell rauswachsen. meine kleine trägt auch immer wieder sachen, die ich schon anhatte, das finde ich ziemlich toll. aber leider auch viel h&m…

  2. nukimama sagt:

    Du hast vollkommen recht – und ich weiß auch keinen Ausweg. Ganz im Gegenteil (bin genau in dieser Branche): wegen der immer schlechteren Flexibilität und der ungeheuren Vorlaufzeiten der Produktion in China würden viele Firmen gerne wieder zu europäischer Produktion zurück kehren. Das bedeutet meistens aber höhere Preise (trotz weniger Transport), außer man schafft es wie Zara, unglaublich schnell hohe Stückzahlen zu drehen. Und für höhere Preise wird man von den Konsumenten in der Regel gnadenlos abgewatscht. So gesehen müssen wir uns alle bei der Nase nehmen und überlegen, inwieweit wir dieses Globalisierungsradl durch unser eigenes Konsumverhalten in Gang gesetzt haben… (Henne? Ei?) Die Überprüfung der eigenen Konsequenz erfolgt, wenn man beim Schweden steht und freudig ein Baumwolle-Elasthan-Shirt um 4,95 oder 7,95 ins Sackl packt. Das geht sich aus der Türkei oder aus Portugal selbst bei knappster Kalkulation nicht aus (jetzt einmal ganz abgesehen von Arbeitsbedingungen usw.) Wer legt ganz ehrlich noch mindestens einen Zwanziger für das selbe Produkt dazu, um das schlechte Gewissen wenigstens ansatzweise nicht zu strapazieren, weil vielleicht Türkei oder Portugal etc im Label steht?
    Obwohl ich diese Hintergründe kenne, bin ich auch immer auf dieses Radl aufgesprungen und hab mich freudig mitgedreht…

  3. Lowrider sagt:

    Ich frag mich dabei – warum hat es bis vor 20, 30 Jahren (so ewig lang ist das ja noch gar nicht her, bin ja noch jung 😉 funktioniert? Was ist dann mit diesen Firmen passiert? Gasser beispielsweise (hab sonst grad kein Stück greifbar, um nachzuschaun, welche Marken das sind).

    Ich tus zwar leider selber nicht, weil ich bei mir und meinem Kleinen gerne eine große Auswahl hab, aber grad beim Babyzeugs, das ja wirklich nur ein paar Wochen passt, wars doch gescheit, so wie die Leute es früher gemacht haben: wenige Teile in guter Qualität gekauft – weitergegeben bzw. fürs nächste Kind aufgehoben und wie man sieht, passts auch noch für die Enkelkinder super! (Mal schauen, die ersten Teile sind schon wieder in die Kiste fürs Urenkerl gewandert …).

    Ich glaube, wir haben uns einfach schon zu sehr an die große Auswahl, das permanente Konsumieren, die permanente Verfügbarkeit von allem und die niedrigen Preise gewöhnt. Außerdem nervt es mich, dass „Shoppen“ (an sich mag ich dieses Wort ja gar nicht) mir einfach Spaß macht und oft als Freizeitbeschäftigung herhält weil der Spaziergang durchs Grüne ja fad is 😦

  4. Sammy sagt:

    Habe auch Babygewand übernommen (Jahrgänge Anfang 90er Jahre).
    Vieles davon Made in Austria. Und ich habe mir damals die Mühe gemacht, bei den Firmen – so weit es sie überhaupt noch gibt – nachzufragen, ob die überhaupt noch Kinderkleidung produzieren – leider Fehlanzeige 😦

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