„Shirts ab 3,50€“ ?!?!?!?!?!!?

Gestern in Stockerau am C&A vorbeigefahren – in der Auslage ein großes Hinweisschild „Shirts und Tops ab 3,50 €“. 

Bitte wie geht sich das für ein Unternehmen aus? Schon klar, man lockt Leute mit superbilligen Angeboten, rechnet bei denen auch mit null Gewinn, und baut drauf, dass die Leute dann nicht nur das Shirt, sondern gleich auch zwei, drei andere Kleidungsstücke im Laden kaufen. Und genaugenommen wird durch solche Angebote auch klar, dass 3,50 für ein Shirt im Grunde wirklich machbar sind, von der Produktion über die Lieferung bis hin zu den Nebenkosten wie Gehalt für die VerkäuferInnen und Strom in den Filialen, zum Bleispliel (Wortschöpfung eines Freundinnenkindes, das es in meinen Wortschatz geschafft hat, genauso wie Luftablon statt Luftballon)…

Da stehen jetzt zwei Gedankengänge in meinem Hirn herum und warten, begangen zu werden. Erstens: Oidaa, wenn sich 3,50 für ein konventionelles Shirt ausgehen, dann ist alles, was drüber ist, Gewinn für die Firmen – damit zahl ich denen die Werbung und das Marketing. Eh klar, das ist jetzt nicht der Stein der Weisen – aber definitiv so ein Punkt, den man sich nicht überlegt, wenn man beispielsweise bei einer kürzlich von mir behandelten Modemarke (Stichwort venezianisch..) ein Shirt um 149 Euro kauft (wobei ich diesen Preis wirklich extrem finde – ich glaube schon, dass die Qualität besser ist als beim 3,50-Shirt, aber bis zu welchem Ausmaß validiert das den dreistelligen Preis?).

Der andere Gedankengang, auf dem ich mich gerade permanent hin- und herbewege wie ein Hund, der sein Rudel zusammenhalten muss: Wie kann es sein, dass 3,50 genug dafür sind, den Stoff für ein Shirt zu produzieren, die NäherInnen zu bezahlen, es mit all seinen Geschwistern aufs Schiff zu packen, in eine Filiale zu liefern, die Miete, Strom, VerkäuferInnengehälter und einiges mehr kostet? Allein schon der Gedanke, dass sich das ausgehen kann, erscheint mir fast schon unmoralisch. Am Ende dieses Gedankenganges hindern mich dann folgende Satzschranken am Weitergehen: „Bitte wieso halten Menschen hier es für ein gutes Geschäft? Wieso freuen sie sich über ein Shirt um 3,50? Wieso checken die nicht, dass sich das nie und nimmer ausgehen kann ohne massiven Sozial- und Umweltschaden?“ Ab 10-15 Euro pro Shirt fängt der Gedankengang in Richtung besserer Qualität o.ä. an, natürlich auch Schwachsinn und nur Marketing, solange es sich nicht um Bio und Fairtrade handelt. Aber 3,50?! Da MUSS man doch drüber nachdenken! Tja, so weit ist es mit mir gekommen: Einmal begonnen, drüber nachzudenken, versteht man bald die Leute nicht mehr, die nicht drüber nachdenken. Oioioioioioi….ich werde wunderlich…

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10 Gedanken zu „„Shirts ab 3,50€“ ?!?!?!?!?!!?

  1. Avatar von Maria Maria sagt:

    schockierend wahr…
    Mit begeisterten Käufen reagieren auf derartige Aktionen halt – ehrlicherweise – gerne die, die sich kein 150€ Shirt leisten können oder diejenigen, die statt einem 150€ Shirt lieber 15 (wenn auch oft nach 1-2 Wäschen verzogene oder verblichene) Leiberl um 10€ haben möchten.
    Soviel zu haben wir man bräuchte, und nicht mindestens das 5-fache ist absolut „out“. Dass es in unserer Gesellschaft inzwischen für annähernd jeden möglich ist, überhaupt mehr als 1-2 Outfits zu besitzen ist ja an sich ein Fortschritt. Wie wir es dazu gebracht haben, dass 2-3 Meter Kleiderschrank pro Person aber keine Ausnahme mehr sind (und daran Schuld ist weder wechselhaftes Wetter noch unzählige Hobbies, für die es jeweils eigener Ausrüstung/Kleidung bedarf!) frag ich mich aber immer wieder.
    Solche 3,5€ Dumpingpreise fördern eben, dass auch „die kleine Frau“ („klein“ nicht auf Körpergröße bezogen und „Frau“ weil Ladies einfach dafür anfälliger zu ein scheinen) sich ihre 2 Meter Kleiderkasten füllen kann. Und falls das 3,5€ Shirt sich als Ein/Zwei/Dreiwegklamotte erweist – hier passt das Wort „Dumpingpreis“ vorzüglich (–> „to dump“ (engl.) wegwerfen!) – warten entweder noch mindestens 9 andre Bekleidungsvarianten oder es gibt sicher bald wieder eine Aktion “Shirts ab 3,50€”.

  2. Avatar von M_S M_S sagt:

    abgesehen davon sind jegliche rabatte, schlussverkäufe und sonstige aktionen maßnahmen, um das lager leerzukriegen. dafür verzichtet man auch auf gewinnspannen. die lagerräume MÜSSEN leer werden, weil bei ketten ja die neue ware zu einem fixtermin kommt. was dann noch im weg rumsteht, muss zurückgeschickt (und anderweitig verkauft/verwertet) werden, und das kostet den produzenten mehr, als wenn er es zb zum herstellungspreis verkauft.
    ich kann mich an die details nicht mehr erinnern, aber so hab ichs im unternehmertraining gelernt. nicht gewinn um jeden preis, aber zumindest umsatz um jeden preis.

    • Avatar von nunette nunette sagt:

      ist mir alles klar, aber das schlimme ist: wieso denken die leut net nach, dass dreifünfzig einfach wirklich unmoralisch ist? das macht mich so traurig. und von wegen lager leerkriegen – da war ja auch der textilschwede mal voll in der kritik, weil verkäuferinnen das sogar im sale nicht verkaufte gewand hinterm geschäft zerschnitten haben, bevor sie es wegschmissen…

      • das ist echt krass und ich glaube, das machen die ja nicht mehr, oder? das problem mit den 3,50 EUR shits ist, dass sie oft vorher 10 EUR gekostet haben und somit aus der unmoralisch-falle raus sind. dass ein shirt für 10 EUR auch nicht gerade gut produziert sein kann, darüber denkt man natrlich nicht nach. ach, echt furchtbar das alles. war mir vor der shoppingdiät wirklich nicht so klar…

      • Avatar von nunette nunette sagt:

        Ich bin mir nicht sicher, ob es da um Sale ging, stand nirgends dabei. ich glaube eher, dass sie jetzt echt schon keinen Genierer mehr haben, Shirts gleich um 3,50 anzubieten, um die Leut ins Geschäft zu locken…

  3. Heo Nunu!

    Die Frage stelle ich mir seit Jahren bei:
    Burger für 1€
    Ikea Teflonpfanne 1.79€
    Schweineschnitzelfleisch für unter 1€
    Und spätestens seit ich einen Nähkurs besuchte wundere ich mich über jedes Kleidungsstück welches für unter 50€ angeboten wird.
    Eine große Kunst, dieses Klamotten-Erzeugen

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