Saulus, Paulus und Bullshit

Weil ich gestern von einer treuen Leserin diesbezüglich angeschrieben wurde, mache ich mir grad ziemliche Gedanken, wie „vorverurteilerisch“ ich eigentlich bin. Mein erster Impuls ist bei so einem Gedanken jedesmal: Ich verurteile nicht, ich mach mir nur so meine Gedanken, öffentlich.

Dann denk ich drei Minuten nach und komm drauf: Bullshit, natürlich verurteile ich. Jeder Mensch verurteilt sein Umfeld auf diese oder jene Art.

Ich verurteile genau die Personen, die Bescheid wissen, herummoralisieren – und drauf pfeifen. Die also wissen, was bei der Produktion von Billigkleidung abgeht, ganz groß mit aufgerissenen Rehaugen einen auf betroffen machen, wenn man drüber redet, das aber ganzganz weit in den Hinterkopf schieben, wenn sie mal wieder ein Zehn-Euro-Kleid-Angebot in die nächste Filiale einer beliebigen Textilkette reinschiebt.

Ich bin mir sicher, dass sich jetzt so einige LeserInnen denken werden: „Na Momeeeeent, da lehnt sie sich aber jetzt sehr weit aus dem Fenster, die Nunu….“ Recht habt ihr. Ich selbst mach da grad wirklich so eine Saulus-zu-Paulus-Transition durch. Ich war genau die Person, die ich da oben beschrieben habe (minus der Rehaugen). Erst seit diesem Jahr – und ich hab doch schon ein paar 29. Geburtstage hinter mir – wandle ich mich. Reichlich spät. Und pfoah, ist das manchmal anstrengend.

 

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6 Gedanken zu „Saulus, Paulus und Bullshit

  1. Patricia sagt:

    Schlechtes Gewissen vermiest das Leben – freu dich doch, dass durch deinen Boykott xx Herbi- und Pestizide, Wasser, Öl und was weiß ich noch eingespart wurden.

  2. Mausflaus sagt:

    verurteilen heißt doch, dass man sich ein urteil, also eine meinung über etwas bildet. solange es keine VORverurteilungen sind, finde ich das vollkommen in ordnung. wenn ich das verhalten einer person analysiere und zu dem urteil komme „das ist doof“ ist das doch vollkommen normal. wie soll s sonst gehen?

    • nunette sagt:

      naja, und jetzt ist die frage: habe ich die modebloggerin vorverurteilt, weil ich sie eigentlich nicht kenne? oder habe ich sie verurteilt, weil ich mir angeschaut habe, was sie macht – und das nicht gut finde…

  3. nukimama sagt:

    Ich verstehe genau, was Du meinst und Du hast recht. Wenn man diesen Weg einmal eingeschlagen hat, kann man nicht mehr zurück. Und drum ist es ganz wichtig, das auch mal genau so drastisch auszusprechen, wie Du es hier tust. Ja, es ist schwierig und ich bin grad noch froh, dass ich in diese Bredouille derzeit nicht komme (Ich bin ja sogar noch mitten drin im Auge des Orkans). Ignoranz wäre hier soooooo gemütlich. Dumm stellen und weitershoppen. Ja. Kann schon sein, dass uns das nächstes Jahr vielleicht auch noch passiert. Ich will mir da weiß Gott auch keinen Heiligenschein aufsetzen, ich hab keine Ahnung, ob ich nächstes Jahr schon so gefestigt bin, dass ich allen schwedischen oder spanischen oder sonstigen Versuchungen kaltlächelnd widerstehe.

    Aber selbst wenn ich schwach werden sollte, wird sich etwas verändert haben. Falls ich wirklich nochmal auf die bunte, wahl- und kritiklose Massenkonsumwelt reinfallen sollte, wird die ganze Zeit dieses ungute Gefühl nagen und das wird mich so ärgern, dass es dann hoffentlich gar nicht mehr vorkommen wird.

    Ich glaube felsenfest an das Prinzip, dass hier jeder einzelne sein kleines Bisschen beitragen kann. Ich möchte mein gesamtes persönliches Konsumverhalten darauf ausrichten, dass ich möglichst kein schlechtes Gefühl mehr zu haben brauche. Im nächsten Schritt werde ich versuchen, die Idee im Familien- und Freundeskreis populär zu machen. Ich werde meinem Kind seine Converse nicht ausreden können, aber ich kann ihr die Problematik dahinter bewusst machen und sie in möglichst vielen Bereichen zu einem verantwortungsvollen Konsumenten erziehen.

    In der Summe, wenn jeder von uns nur 10% seines Kaufverhaltens nachhaltig verbessert (gilt ja nicht nur für Fetzen, es geht ja auch um Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände etc.) kommt dann was raus. Wir sind die Konsumenten. Wenn wir nicht mehr kaufen, werden sich die Anbieter was überlegen. Denkt an Pelze – im Massenmarkt kaum noch erhältlich, weil einfach gaga und ganz böse. Genau da müssen wir hin.

    • nunette sagt:

      ich komm mir noch dazu etwas auf dem präsentierteller vor – ich bin für dich, katrin und die anderen bloggerinnen das „grüne gewissen“, ohne dass ich es selbst so empfinde. Auch mir könnten in zukunft ausrutscher beim textilschweden passieren. ich will ja gar nicht missionieren. aber den blog nutzen, ein bewusstsein zu schaffen – das ich live selbst grad entwickle….

      • nukimama sagt:

        Siehst Du? Drum bist Du mein Gewissen-Engerl :-), grad weil Du eben erst selbst dabei bist, Dich da hineinzufinden, mit allen Zweifeln und Unsicherheiten und allem Ehrgeiz und Idealismus. Darum sind verschmitzt dreinblickende, manchmal selbstironische und vielleicht manchmal Hörndl-tragende Raffael-Engerl so viel sympathischer und liebenswerter als diese überheblich- sendungsbewussten Erzengel mit ihren flammenden Schwertern. 🙂

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