Französischer Wutausbruch

Kürzlich habe ich mir zwei Ausgaben der Textilwirtschaft zusenden lassen. Spannendes Branchenmagazin – doch bereits in den ersten Seiten hat es mir ein paarmal fast den Vogel rausgehaut. Mir ist völlig klar, dass viele viele VIELE Unternehmen komplett auf Nachhaltigkeit, faire Beschaffung und Öko-Stoffe pfeifen, sie müssen ja nicht, aber dass da so mirnixdirnix steht, dass Esprit noch mehr Geld braucht für eine Neuausrichtung, damit sie wieder mehr als 500 Millionen Euro einnehmen  ist hart. Unmittelbar im nächsten Satz hakts dann bei meiner Milchmädchenrechnung (aber ich hab wirklich keinen Tau in solchen rechnerischen Wirtschaftsdingen, das geb ich zu) – Ausgeben will Esprit dafür 1,7 Milliarden Euro, davon 670 Millionen nur ins Brandbuilding investieren.

Das sind Summen, unfassbar! Für den Insider sinds wahrscheinlich Peanuts, aber Nunu Normalverbraucherin legts da einfach die Ohren an. Die tun das, um Fetzen für 30, 40 Euro zu verkaufen. Und was ich noch viel ärger finde: Es wird anscheinend überhaupt nicht auf bio und fair geachtet, nichtmal jetzt, wo es echt schon so ein Trend ist, springen die nicht auf. Ergo beziehen sie ihre Produkte wahrscheinlich nochmal um eine Stange billiger als jene, die sehr wohl aus fairen Bioproduktionen beziehen.

Eine ihrer Zulieferfirmen dürfte kürzlich in die Schlagzeilen geraten sein, weil die ArbeiterInnen nicht bezahlt wurden, Klagen anhängig sind usw. Und was hat Esprit im Pressebereich von esprit.at dazu zu sagen?

Esprit legt Wert auf die Feststellung, dass es sich in seiner Geschäftsbeziehung mit Li & Fung bezüglich Hey Tekstil stets angemessen und gesetzeskonform verhalten hat. Die finanziellen Schwierigkeiten von Hey Tekstil empfindet Esprit als besorgniserregend, besonders ihre Auswirkungen auf die Lage der ehemaligen Angestellten dieses Unternehmens.

Als eine börsennotierte Aktiengesellschaft und unter Berücksichtigung des türkischen Rechts hat Esprit jedoch keine Handhabe, in diesen Vorgang einzugreifen. Esprit befürwortet eine gesetzeskonforme, faire und gerechte Einigung zugunsten der betroffenen Arbeiter.

Esprit stellt im Übrigen durch eine regelmäßige Überprüfung seiner Zulieferer sicher, dass in seiner weltweiten Wertschöpfungskette die jeweils regional einschlägigen Beschäftigungsgesetze eingehalten werden.

Erstens: Blaaah. Zweitens: Mir als Pressesprecherin tut dieser Pressetext fast schon körperlich weh, gestelzt und gespreizt, wie der geschrieben ist. Drittens: Blaaaahhh!!!!

Vielleicht reicht mein Horizont in Sachen Finanzen auch nicht weit genug, aber solche Unmengen zu investieren, um ein stärkeres Markenbranding zu erreichen, und – wie es scheint – beinahe komplett auf Nachhaltigkeit zu pfeifen (außer: wui, Recycling-Bikinis!), das liegt so derartig weit außerhalb der Gutmenschenblase, in der ich manchmal lebe, dass mir schlecht werden könnte.

Und damit ich Esprit endgültig zu meiner persönlichen Un-Marke mache: Im Onlineshop kann man sich anzeigen lassen, welche Produkte „heute neu“ eingetroffen sind. Heute, Samstag, 17.11., sind das 43. DREIUNDVIERZIG an EINEM Tag. Rennt das wirklich täglich so? Und finde nur ich das absolut pervers?! Abgesehen von der ganze Überproduktion, den Produktionsverhältnissen usw: Wer soll denn da noch nachkommen?!?

 

Getaggt mit , ,

3 Gedanken zu „Französischer Wutausbruch

  1. sehr gut geschrieben, und mal wieder voll auf den punkt gebracht. bin grade krank und ja jetzt würd ich mich auch grade gern aufregen, aber dieses blaaaah! made my day!

  2. was wundern – rundum hörst doch nur – gemma shooooopppen…^^

  3. diegrosse sagt:

    Esprit boykottiere ich bereits seit knapp 8 Jahren, aufgrund eines persönlichen Erlebnisses. Aber es bestätigt meine Meinung absolut die ich sowieso schon von dem Laden hatte. Leider gilt allerdings auch hier Nachfrage schafft Angebot…

    Grüße

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