Hauls, zum Heulen

Lustig, inzwischen weist mich sogar schon mein Geschäftsführer auf Artikel zu Thema hin – noch dazu auf ziemlich spannende: Die Zeit schreibt von „unserer zweiten Haut„. Bei denen ich sogar noch was lerne… Es geht um sogenannte Haul Videos. Das sind Videos, in denen Mädchen die Beutestücke ihrer Shoppingtripps in die Kamera halten und möglichst oft „Sosososo süß“, „war so günstig“, „passt perfekt“ und „soooo toll“ sagen. Ich habe mir eines davon angesehen, und es hat mich mal wieder ein Zwiespalt ereilt, mit dem ich mich seit ein paar Jahren herumschlage: Finde ich das total beschissen, weil ich einfach anders ticke als diese minderjährigen Shoppingopfer, oder finde ich das total beschissen, weil ich inzwischen so alt (wäh!) bin, dass ich mit den Trends der heutigen Jugend nicht mehr mithalten kann und  vor allem will? Ich finds nicht nur beschissen, sondern auch pervers und unglaublich dumm. Diese Kids instrumentalisieren sich, und einige davon machen das wahrscheinlich bewusst, um dann günstiger bei den vorgestellten Marken einkaufen zu können, oder – und jetzt laut kreischen – sogar gratis Sachen zugeschickt bekommen. Ich wage jetzt aber mal die Vermutung, dass ein Großteil der Mädchen es einfach macht, um sich selbst als erfolgreiche Shopperinnen darzustellen, auf die man neidig sein soll – und keine Ahnung hat, dass sie den Firmen tausende Euro an Marketing- und Werbebudget ersparen. Ich selbst mache auch oft auf diesem Blog Werbung, aber dann meistens für Firmen und DesignerInnen, die von den Budget, die die Haul Girls den großen Konzernen ersparen, nur träumen können. Es kommt echt selten vor, dass ich etwas so knallhart aburteile, aber das ist echt ein Trend in die komplett falsche Richtung, weil so gedankenlos und unreflektiert. Oder seh ich da was falsch? Vielleicht bin ich auch nur neidig? Wo nehmen die bitte die Kohle her?! Nein, ich finds einfach sehr sehr traurig, das Ganze.

Das Mädl ist bei weitem nicht das einzige…. gebt mal „Haul“ bei Youtube ein…

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11 Gedanken zu „Hauls, zum Heulen

  1. mukolama sagt:

    Ich vermute, du findest es beschissen, weil du einfach anders tickst. Das Alter spielt da sicher mit rein (Lebenserfahrung und so), ist aber sicherlich nicht die ausschlaggebende Variable 😉 (immerhin gibt es auch genug ‚ältere‘ Frauen, die auf der oberflächlichen Modewelle dahinschwimmen). Und: Ich bin jünger als du und finds auch beschissen (aber vl. bin ich auch schon zu alt, um es zu verstehen).
    Als Teenager wird man leichter dazu verleitet, irgendwelchen stupiden Trends zu folgen – das ist aber kein Freilos dafür, sein Hirn auszuschalten.

  2. moijey sagt:

    Wer hat wirklich die Zeit und Geduld sich das in voller Länge anzusehen??? Ich hab es echt versucht, mir erschließt sich nur nicht der Mehrwert, der für mich entstehen soll, wenn ich das sehe… Soll ich mich für sie freuen, dass sie ihren Kleiderschrank auffüllen konnte (woher hat die überhaupt so viel Geld? Da kommt ja schon einiges zusammen)? Denn Empfehlungen gibt sie ja nicht wirklich…

    Was ich dich frage: Wen genau klagst du da an? Die Mädels, weil sie es machen? Oder die Firmen, weil sie das unterstützen?

    • nunette sagt:

      die Gesellschaft, die das entstehen lässt. Dass es inzwischen zu einem sozialen Wert geworden ist, wieviel man sich wie günstig kaufen kann. Und dass es nur noch um die Menge geht. Ich fände es unpackbar sympathischer, würde sich das Mädchen über ein paar Highheels neun Minuten lang freuen. Aber es findet hier eine Freude über die Menge der Beute statt. Das halte ich für eine bedenkliche Entwicklung und das klage ich an.

      • moijey sagt:

        Hm, ich weiß nicht ob es wirklich darum geht zu zeigen, wie günstig alles war. Ich empfinde es eher als eine Präsentation ihrer „Beute“, ihres guten Sinns für Mode um sich dadurch attraktiv zu machen. Also am Ende doch nur eine Art der Selbstdarstellung…

  3. sternheim sagt:

    Broadcast Yourself – wie youtube schon im Untertitel hat. Ich glaube, die meisten wollen einfach nur selbst ein bisschen Star sein. Man kannte das ja schon von einigen Leuten, die nur durch Youtube bekannt wurden. Das Gefühl, dass sich mehrere hundert Leute für das eigene Leben interessieren, ist bestimmt gerade für Jüngere sehr verlockend, die nach Identität und Bestätigung suchen.
    Ganz nebenbei kann man eben auch zeigen, dass man sich was leisten kann. Es war ja damals in der Schule mit Markenklamotten nicht anders. Dass viele das auf diese Art und Weise zeigen, ist eben eine Erscheinung der letzten 10 Jahre. Ich glaube nicht, dass man das so grundsätzlich verteufeln sollte, vielleicht eher belächeln. Durch die neuen Möglichkeiten bekommen aber eben auch Leute eine Stimme, die solche Projekte starten wie du. Früher wäre das im Verborgenen geblieben oder zumindest nur einem kleinen Personenkreis bekannt.

    • nunette sagt:

      Ja, den Gedanken in diese Form hatte ich auch schon, deswegen war ich auch bis zum Schluss nicht sicher, ob ich nicht zu hart urteile. Vor allem mit dem Markenklamottenvergleich von früher hast du recht. Auch mit dem Blog hast du recht. Allerdings wär das Projekt so oder so von mir durchgezogen worden. Der Blog ist nicht „Hauptakteur“ und es war auch nie im Entferntesten das Ziel, dass er so bekannt wird – umso mehr freuts mich jetzt, das geb ich zu. Irgendwie broadcaste ich mich ja auch selbst. Stimmt. Maaah, du hast echt recht.

      • sternheim sagt:

        Es klingt ja auch in deinen ersten Postings an, dass du den Blog als eine Art Dokumentation oder Tagebuch zur eigentlichen Sache siehst. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze mit wachsendem Interesse aber auch eine Eigendynamik entwickelt und man dann, vielleicht auch unbewusst, schreibt, damit andere es lesen und reagieren.
        Ich stimme dir aber auch zu, dass diese Haul Videos einen gewissen Nervfaktor haben 😉 Und natürlich offenbaren sie auch, dass Konsum in unserer Gesellschaft anscheinend sehr wichtig ist, um sich zu definieren.

        Ich wollte dir noch sagen, dass ich dein Projekt super spannend finde. Habe deine Seite erst vor ein paar Tagen gefunden und bin gerade mitten im Mai beim Lesen 😉

  4. M_S sagt:

    ich denke auch, dass es – aus position der akteure – eher selbstdarstellung ist. wenn man nicht gut genug singen kann, zeigt man wenigstens, was man kaufen kann.

    da diese eigeninitiierten videos aber für die modeindustrie zuwenig kontrollierbar und nutzbar sind, versuchen sie – wie bei den modebloggern – durch geschenkte produkte, die dann beworben werden „müssen“, mehr einfluss drauf zu kriegen.

    • M_S sagt:

      nachtrag:
      ich glaube, dass diese haul clips wenig nutzen für die jeweiligen marken haben, da sie erst zu einem zeitpunkt ansetzen, wenn die ware bereits in den läden ist, und wie wir ja wissen, wechseln die kollektionen da sehr schnell. da noch werbung zu machen, ist relativ sinnlos.
      die modeblogger, die schon ab den haute couture-schauen trends besprechen (bewerben), kann man viel früher einspannen, das bringt mehr.

      • sternheim sagt:

        Allerdings machen die Haul-VloggerInnen ja Werbung für die Marke an sich. Gerade bei günstigen Ketten wie Primark oder New Yorker, die oft keine Kataloge oder nur eine Auswahl ihrer Kollektionen online haben, ist das doch sicher super Werbung. Ich kann mir gut vorstellen, dass Primark deshalb auch soviel Zulauf hat und Klamotten von dort teilweise auf ebay weit über dem Kaufpreis weggehen, selbst wenn sie nicht neu sind.

  5. […] und außerdem hatte ich keine klassische “Schautmalwasichheuteallesgekaufthabe”-Shoppinghaul-Bloggerin am Podium. Eigentlich dachte ich im Nachhinein, dass ich viel zu nett war (leider ist mir […]

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