Pause bis Amsterdam

Ich hab mich selbst überfordert. Neun Tage nach Ende meines Shoppingboykotts hab ich absichtlicherweise ein neues Paar Stiefel, unabsichtlicherweise zwei neue Strumpfhosen, hab die Sachen von Anita abgeholt (muss den Pulli für sie aber doch nochmal nachbessern, eigener Beitrag folgt) und ein paar Gummistiefel. Letztere hätte ich im vergangenen Jahr ein paarmal gebraucht und hab mich sehr geärgert, keine zu haben. Die zählen wirklich zur Kategorie „brauch ich“ und weniger zur Kategorie „will ich“. Ich geb zu, dass ich die Stiefel auch im Frühling hätte kaufen können, da war meine Ungeduld wohl schuld. Von Anitas Sachen (die noch dazu ökologisch und sozial vertretbar sind)  und den Stiefeln wusste ich sogar schon, und sogar das fühlt sich jetzt nach „zuviel“ an.

Warum ich das schreibe? Weil ich ehrlich sein will mit den LeserInnen. Wie verlogen wäre das denn bitte, ein Jahr lang stolz zu schreiben, dass man nix kauft, und dann die Käufe (und Täusche und Geschenke!) vorzuenthalten? Nöh. Wenn schon schiefe Optik, dann auch dazu stehen.  Vielleicht find auch nur ich die Optik so schief…

Wo ich früher kaum mit der Wimper gezuckt hätte, wird mir heut schlecht dabei, so viel auf einmal. Am Mittwoch war ich aus medialen Gründen zum ersten Mal in den Geschäftslokalen von Anukoo und Anzüglich, und es hat mich genau gar nicht gereizt. Das rote Kleid bei anzüglich, das war WIRKLICH schön, aber der Gedanke, mir das jetzt zu kaufen, der war sehr sehr sehr weit weg. Ich brauchs nicht.

Ich bin komplett überfordert, fühle mich wirklich mies und wünsche mit mein Boykott-Korsett wieder her.  Pause bis Amsterdam.

Getaggt mit , , , , ,

6 Gedanken zu „Pause bis Amsterdam

  1. die.villa.resi sagt:

    Vielleicht ist das die Herausforderung für 2013, nach zuvor zuviel, 2012 gar nichts, jetzt den gesunden Mittelweg zu finden?

  2. Nicole sagt:

    WELCOME!
    wie schon öfters gesagt kenn ich das seit nun mehr !8! Jahren! seitdem ich 2005 ein ehrenamtliches Praktikum bei der Clean Clothes Kampagne gemacht habe, können meine geöffnenten Augen nicht mehr geschlossen werden…

    ich denke es kommt immer drauf an weshalb mensch sich konsum-mäßigen will

    ABER … ich KANN EINFACH NICHT MEHR GENÜSSLICH SHOPPEN

    wie auch mit diesem Hintergrundwissen jetzt wie es wirklich hinter den Fassaden aussieht in der Welt des Glitzer-Glamour und Trendsetter-Styles!

    Gestern erst bin ich durch ein großes Indoor-Einkaufszentrum gegangen…nach 20 Uhr und alle waren gestresst und huschten von einem SALE /-50% / ALLES MUSS RAUS/ SCHNÄPPCHEN Laden zum anderen!

    Schuhe um 4 €, Stiefel um 10€
    …zuerst gekonnt ignoriert … dann kurz hingegangen (schauen ist ja erlaubt)…ahhh die sind wirklich nett…vielleicht könnte ich ja eine Ausnahme machen?!

    NEIN NEIN NEEEEEEEEEEEIIIIINNNN konsequent heißt konsequent
    >>> ich möchte NIX kaufen wo ich mir nicht sicher sein kann dass keine Kinderarbeit, ausbeuterische Frauenarbeit oder krasse Umweltzerstörung drin steckt

    Hm obwohl ich mir dann schon gedacht hab…na und die anderen hier im Laden, die sch*** voll drauf und rennen hip und schick ständig mit neuen Sachen rum?!

    @Nunu…ich habs dir eh schon gesagt: WELCOME!!!

    es ist nicht immer leicht…
    …aber umso schöner wenn mensch sich und seinen Prinzipien sowie Überzeugungen zumindest „großteils“ treu bleibt (zu streng sollte niemand mit sich sein!!!)

    ABER mit dem anderen Hintergrundwissen gehts halt nicht mehr wirklich anders als zu VERSUCHEN, ALTERNATIVEN in Richtung fair fashion zu finden, zu leben und zu unterstützen

    lg, nk

    PS: zuletzt natürlich noch eine kleine Schleichwerbung für das ehrenamtliche Projekt
    „Die Sicherheitsnadel – your sustainable fashion guide“!

    Als kleine Unterstützung, dass die alternativen hotspots von Wien gleich alle vereint in einem fair fashion Stadtplan sind. Zu finden online unter http://www.die-sicherheitsnadel.at oder auch ganz aktiv auf FB!

  3. Ich kann das gerade komplett nachvollziehen. Ich mache zwar keinen Kauf-Boykott, weil ich sowieso nicht viel kaufe, einfach kein Geld dafuer (mit 3 Kindern), aber es juckt mich ab und zu gucken.Gestern, mit all den Schildern „Sale, Schnaeppchen, Alles muss raus“ wurde mir richtig uebel. Eigentlich muss ich doch mal gucken – ich brauch aber nix – gucken kann man doch mal – Zeitverschwendung. Wie schoen waere es so ein Kaufverbot fuer ein Jahr und ich muss mir darueber keine Gedanken mehr machen.

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