Second Hand um Neupreis?

Ich bin heute Nachmittag aus Hirnauslüftungsgründen eine Runde spazieren gegangen. Bei mir im Hieb. Es war mal wieder eine Wundertüte an Sozialvoyeurismus. Als erstes Mal die gelangweilte Mutter in der Straßenbahn, die mit dem Handy spielte, und auf die Aussage ihres etwa 6-7-jährigen Kindes „Mama, ich kann nicht so gut zählen, wie gehts weiter nach zehn?“ mit den Schultern zuckte und nichts sagte. Dann die unglaubliche Menge an Würschtlständen, die mir so nie aufgefallen ist – auf der Hütteldorfer gibts ja echt an jeder Kreuzung einen! Und dann eine erschreckende Beobachtung vor der Humana-Auslage.

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25 Euro für ein kurzes Kleid von La Redoute

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Und hier nochmal – ein Pulloverkleid, abgewetzt an Ärmeln und Achseln, um 25 Euro

Ich weiß, das widerspricht jetzt meiner üblichen Leier von „Kleidung ist unterbezahlt wie nix anderes“, aber ganz abgesehen von der Tatsache, dass Humana sowieso einen üblen Beigeschmack hat, bekommt man doch solche Teile um diesen Preis in neu. Nochmal: Das heißt nicht, dass ich das gut finde, aber ich glaube nicht, dass die KonsumentInnen bei diesen Preisen zu Second-Hand greifen, wenn sie um den gleichen Preis neue Produkte ebenfalls erwerben können. Leider.

Mich ärgerts auch. Meine absoluten Lieblingsbloggerinnen sind jene, die aus Second-Hand-Ware neue, tragbare Stücke nähen. Ob Refashionista, New Dress A Day oder auch Charity Shop Chic – selten kosten dort die Teile mehr als fünf Dollar oder Pfund. Wobei: Ich glaube, ich fang jetzt an, mich auf Tauschparties auszurüsten mit Umnähbaren, meine Nähmaschine will mal wieder benutzt werden, die schaut schon ganz traurig immer in der Ecke…

Aber apropos Sozialvoyeurismus: Zwei ältere Damen werden sich wohl ziemlich gewundert haben. Sie gingen hinter mir, und eine sagte zur anderen, dass es „echt nur noch alles verpackt ist, und die Leute machen nix mehr selbst, es gibt kein Handwerk mehr!“. Worauf ich mich umdrehte und sie ziemlich anstrahlte… ich glaub, ich war ihnen dann etwas unheimlich. 🙂

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4 Gedanken zu „Second Hand um Neupreis?

  1. Maria sagt:

    Die komischen Preise bei Humana sind mir auch schon aufgefallen. Ich geh da inzwischen nicht mehr hin, weil das nervt. Ich kann nachvollziehen was du meinst, dass Kleidung eben einen gewissen Wert hat bzw. haben sollte, aber Humana kriegt die Klamotten ja gratis aus den Containern. Da ist das schon ein bissl unverschämt, die quasi zum Neupreis zu verkaufen. Mein aktueller Favorit ist jedenfalls der Vinzi-Shop in der Ottakringer Straße, zumindest Basics finde ich da jedesmal. 🙂

  2. spreemieze sagt:

    Ist in Berliner Hipster Kreisen usus. Die schlimmsten und häßlichsten Sachen, dienicht nach Vintage, sondern Altkleider aussehen kosten unglaublich viel. Und dass nicht nur bei Humana, sondern eben vorallem beim Berliner „In“ Second Hand/Vintage/Altkleider-Markt Made in Berlin…furchtbar…und dann der Geruch dort.
    Ich bin sicher, es gibt einen Raumduft für diese Läden.

  3. […] bei der Caritas in Österreich umgegangen wird. Ich finde es im Vergleich zu dem, was man so über Humana und die sonstige Containerverwertung liest, sehr lobenswert, meine nicht mehr tauschbare Altkleidung […]

  4. […] naiv? Ich denke und hoffe, dass noch brauchbare Kleidung zumindest in die bekannten Tonnen, sei es Humana (von denen ich wenig halte) oder die Caritas (von der ich etwas mehr halte), geworfen wird und nur wirklich Hiniges im Müll […]

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