Warum es nicht reicht, Primark scheiße zu finden

Dafür, dass mein Leben grad sehr stressig ist, find ichs lustig: Ich liefere meinen dritten Beitrag heute ab. Aber der liegt mir echt am Herzen und muss jetzt raus, während ich meine Suppe löffle und noch ein paar Arbeitsmails beantworte…

Liebe Leute, ihr werdet langsam wirklich vorhersehbar. Ich poste tolle Erfolge von Greenpeace, und joah, so sechs, sieben Leute finden das gut. Dabei ist das ein toller Wandel! PFCs sind richtig scheiße, vor allem die langkettigen. Oder mein Aufruf, Flüchtlinge bitte nicht frieren zu lassen – kommt doch gut an, aber bei weitem nicht an die Reichweite, die ich für einen solchen Beitrag gern hätte.

Aber ich bin nicht beleidigt. Ich finds nur lustig: Wenn ich irgendwo das kleine Wörtchen „Primark“ einfließen lass… wui, dann gehts ab! Ich hatte noch NIEMALS so viele Klicks am Blog wie an dem Tag, an dem ich diese Geschichte postete.  Oder gestern, so völlig nebenbei postete ich auf Facebook ein Bild, das es mir in die Timeline gespült hatte. Badaaaaammm –  binnen weniger als 24 Stunden über 220 Likes. Oder mein Lokalaugenschein letztens, der kam auch sehr gut an.

Ich finds ja gut, wenn kritische Geschichten über einen Fast Fashion Retailer gleich mal für so großen Aufruhr sorgen. Und dass die Erfolgsschine für Primark nicht weiterzugehen scheint – oder zumindest letztens bei der Eröffnung in Dresden einen gehörigen Dämpfer bekommen hat. Eigentlich total lustig, stell dir vor, Primark eröffnet. Sorgt für Absperrungen, Sicherheitszäune, Securitypersonal (ich wollt jetzt nicht zweimal Sicherheits- schreiben) mit Knöpfen in den Ohren voll auf wichtig …. und dann geht keiner hin! So passiert in Dresden. Ja, da lachen sich die Fast-Fashion-Gegner ins Fäustchen. Is ja auch lustig, keine Frage!

Ich bin ja manchmal echt in Versuchung…. wenn am Blog die Leserzahl so bissl dahindümpelt, hm, soll ich mal was über Primark schreiben? Irgendwas geht ja immer, und manchmal ist man dann doch in Versuchung, sich selbst anhand von Leserzahlen wieder mal bissl was zu beweisen. Bisher hab ich dieser Versuchung immer widerstanden, aus dem einfachen Grund, dass ich eh am liebsten schreib, was mir grad in den Sinn kommt 🙂 Nur eins würd ich jetzt mal wirklich gern anmerken:

Liebe Leute: Primark ist nicht der alleinige Böse, die Ausgeburt der Hölle und der Inbegriff alles Schlechten. Da gibts erstens noch viele andere Schlechte, zweitens – leider bin ich davon überzeugt – noch viel Bösere, und drittens gibts auch sowas wie Eigenverantwortung. Das, was da in Dresden passiert ist, das muss sich durchsetzen! Dann wär zumindest mal einem der vielen Fast-Fashion-Retailer kalt.

Aber es gibt noch sooooooooooooooooooooooooo viele andere, die sind um keinen Deut besser! Marken, die – tschulligung – als nicht ganz so modisch gelten, sind riiiiiesengroß, größer als Primark hier bei uns, zum Beispiel KiK oder NKD. Natürlich steht Primark für eine besonders aggressive Preispolitik, und hat dann doch wieder recht moderne Schnitte im Angebot. Aber echt, es ist nicht Primark alleine. Es nutzt nix, Primark zu verteufeln und nicht an all die anderen zu denken. Auch diese kleineren Läden in migrantisch besetzten Vierteln, wo sogenannte Pashima-Schals wahrscheinlich explodieren, wenn man mitm Feuerzeug in die Nähe kommt (ich hab so einen Laden um die Ecke, mit „wohlriechenden“ Winterstiefeln um 15 Euro…). Und auch wenn ich manchmal gesagt hab, hey, der Textilschwede, der tut schon viel, die haben schon ganz gute Projekte: Vergiss es! War mein Fehler! Der ist genauso …. kritisierenswert …..  wie die anderen, weil er einfach per se, vom Konzept her, gar nicht wirklich gut sein kann….

Was ich damit sagen will: Ich finds extrem super, wie emotional auf Primark reagiert wird. Und dass kritische Menschen es anscheinend wirklich geschafft haben, zumindest in einige fremde Köpfe Primark als Symbol des bösen, kapitalistischen Konsumismus einzuimpfen. Aber bittebittebittebittebitte vergessts nie: Es ist nicht nur Primark. Es reicht nicht, wenn wir jetzt alle kollektiv auf Primark verzichten, wenn dafür stattdessen alle wieder zum Textilschweden rennen…

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Das ist das einzige, was Primark für mich doch ein bisschen schlimmer macht als die anderen: Dass die Leute dazu erzogen werden, dass man bei Primark Massen in den Einkaufswagen legen kann. Schnell, nebenbei, und zuhause wirds schon passen. Wäh.

 

Getaggt mit , , , , ,

3 Gedanken zu „Warum es nicht reicht, Primark scheiße zu finden

  1. zauberweib sagt:

    Gut gebrüllt 🙂 Das Wort „Primark“ hab ich übrigens bei dir hier überhaupt das erste Mal gelesen, einen solchen Laden in echt hab ich noch nie gesehen. Ich geb ja zu, mit Anfang zwanzig war ich auch nicht besser, Hauptsache kaufenkaufenkaufen. Aber irgendwann hab ichs dann doch kapiert. 😉 Es besteht also Hoffnung für die Menschheit!

  2. Steffi sagt:

    Es ist immer gut einen Schuldigen zu haben, man fühlt sich gleich besser wenn man jemanden gefunden hat, der verantwortlich sein kann. Daher der Run auf das Primark Dissen. Aber das wir alle selbst mit verantwortlich sind, das hört keiner gerne, ist ja auch eher anstrengend sich bei jedem Shoppingtrip sich seiner Verantwortung bewusst zu werden. Manchmal verzweifle ich auch an der Falle, in der wir sitzen. Die globalen Zusammenhänge sind schwer genug zu kapieren.

    Wir können selbst mitbestimmen, welche Firmen Erfolg haben, welches Essen wir essen, welche Produkte wir kaufen, ob wir überhaupt etwas brauchen oder ob eher JEMAND etwas von uns braucht z.B. Zeit, Aufmerksamkeit, Hilfe oder Anerkennung

    Danke für Deinen tollen Blog & Dein fröhliches Engagement !

  3. Sarah sagt:

    „Primark ist nicht der alleinige Böse“ 😀 seh ich auch so. Die kaufen eben zu sehr guten Preisen ein und die Masse machts. Bestes Beispiel: Mein Freund brauchte dringend schlichte schwarze Schuhe für ein Festival. Bei Primark direkt fündig geworden. Das selbe Model gabs bei H&M für den dreifachen Preis.

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