Eine liebe Freundin von mir beschäftigt sich beruflich seit Jahren mit Mode und Kleidung. Sie arbeitet nicht nur im Kostümhaus, sondern hat privat auch ihr eigenes Vintage-Label hochgezogen:
Ich wollte mich schon seit einiger Zeit dem Thema Vintage hier am Blog widmen. Ganz ehrlich? Ich kanns nicht mehr hören. „Vintätsch ist der heißeste Trend des Frühlings/Sommers/Herbsts/Winters“. Eh klar. Nur was dann alles als Vintage angeboten wird, das grausts mir manchmal regelrecht. Ein neonfarbener Schianzug aus den Achtzigern ist NICHT Vintage. Vintage bezeichnet hochwertiges Design in Sachen Mode und Ausstattung aus den 1930ern bis 1970ern. Und so gesehen, runtergekürzt auf den ursprünglichen Begriff, finde ich Vintage wieder ganz wunderbar: Alte Stücke werden aufbehalten, und in ihrer Qualität wertgeschätzt.
Ich hab Ulla mal ein bisschen befragt. Zuallererst: Woher kommt ihre Liebe zu jener alten Kleidung?
Also: Um ganz weit zurück zu gehen, ich hab schon als Kind so „alte Sachen“ gemocht. Warum, weiß ich eigentlich nicht. Die sachen waren mir irgendwie sympathisch, vertraut. Als ich dann die Modeschule Hetzendorf besucht habe, hat sich 5 Jahre lang alles nur noch um Mode gedreht. Neue Entwürfe zwar, aber das Wissen um gute Materialien und Schnitte ist natürlich größer geworden. Bei den meisten nachfolgenden Jobs ging es ja fast auch immer um Mode und irgendwann hat sich das Interesse für Mode und altes „Gediegenes“ (ein furchtbares Wort!) zusammengefügt. Ein großer Auslöser war natürlich meine Arbeit im Kostümhaus Wien. Ich habe sehr viel über die Mode des 20ten Jahrhunderts gelernt. Ganz schlimm ist es immer, wenn eines dieser wunderbaren Teile durch eine Produktion irreparabel beschädigt wird. Da blutet mir immer noch das Herz!
Irgenwann habe ich festgestellt, dass solche Stücke immer noch zu finden sind, dass es eine Menge Leute gibt, die sich dafür interessieren – und dass man damit auch Geld verdienen kann. Es macht mir unendlich viel Spass diese Dinge zu suchen, zu „jagen“ und meine Beute nachhause zu tragen. Aber genauso schön finde ich es, wenn sich Menschen finden, die diese Kleider auch so toll finden, sie kaufen und damit viel Freude haben. Klingt aufgesetzt, ist aber so…obwohl es mir ehrlich gesagt bei besonderen Stücken auch mal schwerfällt, sie zu verkaufen …
Ulla hat auch sehr interessante Ansätze in Sachen Fast Fashion – und ich muss ihr teilweise rechtgeben. All das, worüber ich hier schreibe, ist ein Luxusproblem (das habe ich bereits im April „eingesehen“), und viele Leute können sich schlicht nichts anderes als die drei Buchstaben mit der fürchterlichen Verona-Pooth-Werbung leisten. Genauso kann es ja nicht darum gehen, den Frauen in Fernost den Job wegzunehmen – es muss darum gehen, ihn sicherer und besser bezahlt zu machen. Ulla meint:
Was ich persönlich problematisch finde ist, dass billige Mode eben auch für alle leistbar ist, das aber eben auch sein sollte. Bei vielen Famillien gab es früher eben die eine Hose, die alle drei Brüder in einem bestimmten Alter getragen haben. Beim Letzten war sie eben schon sehr durch. Fakt ist, ich finde Nachhaltigkeit in der Mode wichtig. Im Moment ist es aber ein sehr poshes Problem. Die Alleinerzieherin, die vor der Karenz schon einen schlecht bezahlten Job hatte, die geht zum Kik. Und ehrlich gesagt, ich werds ihr nicht verübeln. Dass darüber geredet und berichtet wird, finde ich gut und wichtig. Ich denke halt, das Grundproblem liegt daran, dass es auf diesem Planeten einfach schon sehr viele Menschen gibt. Alle einzukleiden, stellt die Umwelt vor ein Problem. Dass Textilfabriken ein absoluter Irrsinn sind, ist klar. Dass aber ausschließlich Schweden und Spanierbashing stattfindet, ist nicht ganz fair. Wo produzieren denn die ganzen Designer ihre Ware? Das ist manchmal auch recht schwierig ausfindig zu machen. Sprich: gleiche billige Produktion, aber höhere Preise.
Ja, sie hat recht (und ich mach das jetzt hier zu einer Art öffentlichem Dialog). Nur in einem Punkt mag ich was klarstellen: Die Spanier und die Schweden, das sind die Massenproduzenten. Wenn die ihre Produktionsweisen ändern würden, würde mit einem Schlag wahnsinnig viel weitergehen. Die High Fashion Designer, deren Stückzahlen zumeist doch kleiner sind (jetzt mal abgesehen von den ganzen Raubkopien von Gucci, Prada usw…), sehe da nicht an vorderster Front. Aber auch an der Front, zugegeben. Und was das Billigshopping angeht: Diese Teile werden ja nicht weitergegeben an die kleinen Geschwister, schlicht, weil sie vorher hin sind und wir anscheinend die Fertigkeit des Nähens alle verlernt haben. Aber das bedeutet doch auch, dass es in Österreich so viel Kleidung wie noch nie zuvor geben muss – vom Shopregal bis zum Müllberg…..
Wie erwähnt finde ich das Thema Nachhaltigkeit in der Mode spannend und wichtig. Ich finde es sehr genial, dass du dich damit so intensiv beschäftigst! Dass hier die Vintagemode etwas dazu beiträgt, finde ich großartig. Aber um ehrlich zu sein, war das nicht der Grund, warum ich mich damit beschäftige. Wie gesagt: Mir macht die Sache einfach wahnsinnig viel Spass und ich habe das Gefühl, dass ich etwas für mich sehr Richtiges gefunden habe! Nichtsdestotrotz macht es mich stolz, dass Vintage eben auch nachhaltig ist!
Liebe Ulla, vielen Dank für die guten Gedankenanstöße! Und liebe Leute: Die Ulla und ihr Label kann man kennenlernen! Optimalerweise ab 7. Dezember – da öffnet nämlich der Salon Rosenroth seine Pforten. Am 7. um 18h ist Eröffnung, und von 8.-22.12 ist der Pop-Up-Store Montag bis Freitag von elf bis sieben und Samstag bis sechs geöffnet. Wo genau? In der Salesianergasse 9 (das wunderschöne Biedermeierhaus!!) in 1030 Wien.

Vintage und Rosenroth und Ulla