Überwältigtes Themendurcheinander

Knapp zwanzig Stunden später und ich bin immer noch eine der Bildgeschichten auf ORF.at – es ist wirklich unglaublich, dieses Wochenende. Meine „Erwartungen“ wurden x-fach übertroffen – seit gestern haben bis genau jetzt über 7000 Leute auf meinen Blog geklickt. Vielen vielen Dank für das viele Feedback und die so motivierenden Kommentare. Es waren sehr viele neue Gedankengänge dabei, die auch mir ordentlich zu denken geben.

Viele Leser meinen, dass es gut tue, nicht mehr getragene Kleidung wegzuschmeißen. Ich fürchte, ich sehe das anders. Abgesehen von der Tatsache, dass gerade die Vielfalt meines Kleiderschrankinhaltes mir den Shoppingboykott gerade ungemein erleichtert, muss ich immer wieder daran denken, dass auch in von mir nicht getragene Kleidung Ressourcen hineingeflossen sind. Da steckt Baumwolle drin, die geerntet werden musste, und menschliche Arbeitszeit (mit hoher Wahrscheinlichkeit unter unwürdigen Bedingungen). Da widerstrebt es mir, das Zeug wegzuschmeissen (zugegeben, Herschenken ist eine Option).

Stattdessen möchte ich in diesem Jahr das Beste draus machen, viele Dinge wieder tragen, und Sachen, die gar nicht mehr gehen, umarbeiten. Und danach: Zurück zum guten Stück. Das auch länger als eine Saison „in“ ist.

Das Absurde: Seit gestern kennen viel mehr Leute den Blog, und seit gestern ist es mir wirklich absolut komplett egal, was ich anhabe und wie ich aussehe. Habe mich gestern Abend zum ersten Mal seit drei Tagen außer Haus gewagt (mein Magen erklärt mir jetzt gerade immer noch, dass er es für keine gute Idee gehalten hat) – und musste vorm Weggehen lachen: Ich wusste nicht, was ich anziehen sollte.

Morgen wäre eigentlich wieder so ein klassischer Tag für Trostshopping – nur nicht zuhause sein, wo alles an die kleine Patientenkatze erinnert. Aber: spielts nicht. Um dennoch irgendwie an das „Neu“ und „Trost“-Gefühl zu kommen, werd ich mich die Woche zum Friseur begeben – das ist sowieso mehr Zustand als Frisur auf meinem Kopf. Mal schaun, obs eine gute Ersatzdroge ist…

PS: Meine Bewunderung für die Clean-Clothes-Kampagne steigt immer weiter. Sie lassen nicht locker – bin gespannt, ob das Umdenken bei den Designern umsetzt, wie in Sachen Jeans und Sandblasting von ihnen verlangt…

Getaggt mit , , ,

21 Gedanken zu „Überwältigtes Themendurcheinander

  1. marianne sagt:

    Ich finde deinen blog super and bin auch erst via Orf auf dich aufmerksam geworden! Du machst das super und ich wünsch dir alles Gute!
    lg aus OÖ.
    M:)

  2. Wow, 7000 Klicks, das ist doch was. Macht das mit der Katze leider auch nicht besser..:-(. Habe deinen Blog gerade entdeckt und mit Interesse ein bisschen durchgeklickt. Ich befürchte, so einen totalen Shopping-Entzug bräuchte ich auch mal oder ich brauche neue Schränke….gibt’s eigentlich irgendwo so etwa wie die AS – Anonymen Shopoholics? Könnte Unterstützung gebrauchen!!

    • nunette sagt:

      WIr können gerne eine Art Motivationsmailinglist starten, wenn du willst! Ich habe auch meine wiederkehrenden Durchhänger…

      • Das glaub ich gern, vor allem wenn die neue Sommerkollektion in den Schaufenstern lacht….aber es stimmt schon, meistens hat man eh schon was Ähnliches im Schrank….eine mailinglist wäre super, ich glaube es gibt sehr viele Leute, die auf Entzug gehen würden…

  3. Michael sagt:

    Hallo Nunette

    Hab dich auch über Orf kennengelernt, bin dann über CCC auf das Thema Sandblasting gestoßen…und hab gerade wieder einen heftigen Anfall von Welthass.

    Da STERBEN Menschen in China und Bangladesh nur damit wir „reichen Westler“ uns Jeans im Vintage-Look kaufen können? Ehrlich jetzt????

    Kann man denn nichts mehr kaufen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? In Apple Fabriken bringen sich Leute um, Sportschuhe werden beinahe ausschließlich in menschenunwürdigen Zuständen fabriziert, von meatgrindern wie H&M etc etc ganz zu schweigen.
    Man kann gar nicht genug essen wie man…

    Mein Vorschlag: Auf jeder Zigarettenschachtel stehen Warnhinweiße, auf jedem Nahrungsmittel steht wieviel Fett, Zucker, etc etc enthalten ist, sprich wie gesund oder ungesund jenes Nahrungsmittel ist. Das betrifft aber nur den jeweiligen Kosumenten dieser Zigaretten oder Nahrungsmittel selber.

    Was ich mir wünschen würde wären Informationen auf JEDEM Produkt wieviel CO2 bei der Produktion dieses Produkts verbaucht wurde, wieviel Energie, wieviele Rohstoffe, wieviel Menschen wieviele Arbeitsstunden zu welchen Arbeitsbedingungen in welchen Ländern daran gearbeitet haben.

    Eine solche Transparenz würde dem Konsumenten viel eher ermöglichen sich ein Bild zu machen von den Bedingungen in denen das Produkt entstanden ist (egal ob Kleid, Laptop oder Auto), und ich bin zuversichtlich dass dann etliche Leute NICHT zu umwelt- und menschenschädigenden Produkten greifen würden.
    (naja, hoffe ich zumindest)

    Liebe Nunette, verzeih mir bitte falls das überhaupt nicht in deinen Blog reinpasst, ich musst das aber nur kurz loswerden.

    Mach auf jeden Fall weiter so, ich werde ab jetzt öfter bei dir vorbeischauen!
    Alles Gute
    Michael

    • nunette sagt:

      freue mich schon auf deine besuche und: mir gehts ähnlich – https://ichkaufnix.wordpress.com/2012/03/25/uberforderung/

    • Michael sagt:

      Und PS nochwas: es müsste alles teurer werden!

      leider

      Aber es kann nicht sein dass 1 Liter Diesel, der aus der Behringsee oder aus der Wüste Saudi-Arabiens stammt beinahe genauso viel kostet wie ein Liter österreichische Milch.
      Oder, um „on topic“ zu bleiben, es kann nicht sein dass man 3 Paar Baumwoll Socken und 1 weißes T-Shirt im Hennes um 7Euro kaufen kann, da geht sich dann für die benachteiligten Arbeiter einfach nichts mehr aus (wenn man den Herstellungspreis, den Preis für Distribution, Versand, und Handel abzieht)…

      • nunette sagt:

        Auf ARD gabs mal eine Doku, in der gesagt wurde, wenn man den Lohn der Näherinnen in Bangladesh von 35 auf 64 Euro (=ein Level, mit dem sie ein Monat lang auch durchkommen) steigert, wirkt sich das am einzelnen T-Shirt bei H&M mit genau 50 Cent aus. Ich glaube aber nicht, dass hochpreisigere Produkte, die nicht klar bio und fairtraide zertifiziert sind, auch nur um einen Deut besser sind… schwierig, sowas.

  4. Michael sagt:

    Das stimmt, und leider wird bei Bio und Fairtrade auch viel Schindluder betrieben (trotzdem kein Grund es NICHT zu kaufen)

    Ich finds soooo schade dass es (warum eigentlich? Globalisierung? Preisdumping der Multis?) keine einheimischen, oder wenigstens zentraleuropäischen Erzeuger gibt,
    die mit

    a.)heimischen Rohstoffen
    b.)fairer Bezahlung für die Arbeiter und
    c.)Rücksicht auf Natur und Umwelt

    qualitativ-hochwertige Kleidung oder Schuhe herstellen 😦

    Für sowas wäre ich durchaus bereit ein VIELFACHES von dem zu bezahlen was ich in den ganzen Billig-Shops für Kleidung bezahle (zumal ich ja sowieso nur 2, 3 mal im Jahr Kleidung einkaufen gehe 😉

  5. Michael sagt:

    Na bitte, da hab ich mal Glück und treff auf eine Expertin die solche Shops kennt 🙂

    Werd gleich mal auschecken ob die auch Männersachen haben 😉
    Lg

  6. anne sagt:

    da das ganz gut hierher passt:
    kennst du die aktionen von meike winnemuth von der süddeutschen, „das kleine blaue“:
    http://www.daskleineblaue.de/?page_id=5
    bzw
    sheena matheikens „uniform-dress“?
    http://www.theuniformproject.com/

  7. anne sagt:

    ups, so weit bin ich noch nicht vorgedrungen;-)

  8. nukimama sagt:

    Liebe Nunette,
    Ich bin auch über ORF auf Deinen Blog gestoßen. Was mir an Deinem Blog besonders gefällt, ist, daß Du Dir auch über die Nachhaltigkeit Gedanken machst, und andere wie mich zum Nachdenken anregst, in was für einem Wahnsinn wir uns da täglich drehen. Für mich geht das auch weiter, als „nur“‚ keine Fetzen mehr zu kaufen. Ich habe mir das zu Neujahr zum Vorsatz gemacht: mit meinen Ressourcen besser umzugehen.

    Gestern habe ich beschlossen, das Thema auszuweiten auf mein gesamtes Konsumverhalten. Ob ich so radikal ein Jahr lang gar nichts mehr kaufe, traue ich mir noch nicht ganz zu. Aber wenn ich das eine oder andere Teil dann wohlüberlegt und mit gutem Grund kaufe, bin ich ja schon einen Riesenschritt weiter.

    Als meinen persönlichen Anker und Rettungsleine zu mich motivierenden Vertrauten, um dieses Vorhaben durchzuziehen, gibt es jetzt meineshoppingauszeit.wordpress.com. Falls wer mitlesen mag, gerne!
    Jemand hat sich-gegenseitig-motivieren-mails vorgeschlagen, die Idee finde ich gut. Aus so einem kleinen „bewusst (nicht mehr) kaufen“-Flämmchen könnte was Großes werden…

    Alles Liebe

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