Krachende Träume

In Bangladesch krachts. Und ich weiß nicht, ob ichs gut oder schlecht finden soll. Ich finde es super, dass die ArbeiterInnen sich auflehnen, dass sie protestieren und dass sie ihre Situation in die Öffentlichkeit tragen. Sie haben wirklich absolut jedes Recht dazu. Dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen muss, finde ich schade. Ich kann verstehen, dass da ganz viel Wut in ihnen brodelt, und dass sie eventuell gar kein anderes Ventil mehr haben – aber richtig ist es nicht.Nur: Sie haben wirklich kaum Möglichkeiten mehr, der Streik scheint nicht zu wirken.

Richtig wäre, wenn sich beispielsweise die fünf größten Kleidungsproduzenten (Inditex, der Textilschwede und der ganze Rest) zusammentun würden und einen GEMEINSAMEN Code of Conduct einführen würden. Hui, das würde ganz schön viel Mehrkosten in der Produktion für sie verursachen. Aber erstens: Durch Preissteigerungen ihrer Produkte könnten sie die „Verluste“ gering halten, und wenns bei allen bissl teurer wird, verschiebt sich der Konkurrenzkampf um eine Teuerungsebene, bleibt aber auf dem gleichen Level in Sachen gegeneinander.

Und der Vorteil: Die Ausrede, man könnte den Fabriken in Bangladesch und den sonstigen Billiglohnländern keine Mindestlöhne, Mindestarbeitsalter und sonstige Gschichten aufzwingen, weil ja eine Fabrik für mehrere Firmen arbeitet und das würd sich logistisch nicht ausgehen, dass ArbeiterInnen für Textilschwedenklamotten höher bezahlt werden als für KiK-Klamotten und das wäre doch unfair (ernsthaft, ich habe DIESES Wort im Interview mit einem CSR-Beauftragten bei Inditex gelesen – nur leider finde ich es nicht mehr. Hatte es am Laptop runtergespeichert. Grumpf.). Das würde bedeuten, dass die Fabriken sich wirklich kollektiv alle an höhere Mindeststandards halten müssten.

 

Man wird doch wohl noch träumen dürfen…

 

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11 Gedanken zu „Krachende Träume

  1. Avatar von M_S M_S sagt:

    leider sind die konsumenten gewohnt, dass alles billiger wird. wenn man den kompletten textilsektor preislich anheben würde, man den konsumenten also einen luxus „wegnimmt“, an den sie sich vorher gewöhnt haben, hätte das einen extrem negativen effekt auf die wahrnehmung der leute von der wirtschaft, und das wiederum mit politischen folgen. das macht keine regierung.

    • Avatar von nunette nunette sagt:

      Point taken, zwei Gegenargumente:
      1) Auch andere Sachen werden derzeit teurer, über teurere Flüge (die 29euro-Spompanadln gibts nicht mehr!) regt sich auch keiner auf, im Gegensatz, wie es mein Holder so nett formuliert hat: „Ich find das gar nicht so schlecht für unsere Umwelt, dass nicht jeder Trottel übers Wochenende nach Mallorca kann“. Spricht halt nur bissl gegen unsere Wochenenden in Berlin und Rom 🙂 🙂 Aber zurück zum Punkt: Ich glaube, bei Kleidung ist ein Tiefststand erreicht. Es wird zwangsläufig wieder teurer werden, Politik hin oder her.
      2) Es heißt ja nicht, dass jedes FünfeuroShirt gleich 15 kosten muss. Es gibt von einer NGO aus Bangladesch die Studie, dass eine Erhöhung des Mindestlohns auf knapp das doppelte sich auf einem einzelnen Shirt von H&M mit 50 Cent auswirken würde, auf einer Hose mit einem Euro. Das ist verschmerzbar.

      • Avatar von superlupo superlupo sagt:

        Ich finde es im Gegenteil absurd, wie billig Kleidung ist. Ich mein, fünf Euro für ein T-Shirt, das ist ja weniger, als ein Mittagsmenü oder zwei Bier kosten. Und man braucht sich doch nicht wirklich jeden Tag ein T-Shirt kaufen. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn ein T-Shirt 15 Euro kosten würde. Ich kenne keinen anderen Bereich, wo Ware so unter ihrem „Wert“ verkauft wird wie bei Kleidung.

      • Avatar von nunette nunette sagt:

        wieso im Gegenteil?

      • Avatar von superlupo superlupo sagt:

        Im Gegenteil zur Ansicht des/der Vorposters/in M_S, der/die meint, dass die Leute erwarten, dass alles billiger werden würde/solle.

  2. Avatar von Sammy Sammy sagt:

    Denke ich auch. Halbwegs faire Löhne bei den Produzenten schlagen sich bei uns nur im Cent- bzw. maximal im Eurobereich nieder.
    Aber der Wille ist – LEIDER – bei den Textilerzeugern nicht da 😦
    Wobei: es geht ja nicht nur um den Textilbereich. Auch Elektronik (man denke an die Foxconn – Apple Geschichte), Sport (Fußballproduktion etc) usw.
    Eigentlich darf man gar nicht anfangen zu genau zu hinterfragen, sonst bleibt nicht mehr viel in der Wohnung bzw. im Büro über wo nicht der „unfaire“ Beigeschmack daran haftet.

    TRAURIG finde ich das!!!!!!!

    • Avatar von nunette nunette sagt:

      ja, mir gehts genauso. aber ich schaffs einfach nicht, mich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren – da würd ich ja komplett unter die räder kommen vor schlechtem gewissen und verzweiflung über die unfairness dieser welt.

  3. Avatar von Sammy Sammy sagt:

    Gerade gelesen:
    http://orf.at/#/stories/2125409/

    Bei den Beträgen wären ja wohl faire Löhne drinnen!!!!!!!!

  4. Avatar von Andrea nukimama sagt:

    Das Problem ist einfach, dass dieser Teufelskreis nie enden wird, wenn wir uns nicht alle bei der Nase nehmen. Bei den Lebensmitteln greift es ja gaaaanz langsam.
    Billigware durch unwürdige Bedingungen muss einfach durch Druck seitens der Konsumenten so ungustiös werden, dass die Produzenten und vor allem die Besitzer-Konsortien, Aufsichtsräte, Shareholder, die so massiv Druck auf die Margen machen, dass Einkäufer wirklich jedem Cent hinterherrennen, umdenken MÜSSEN. Stichwort Schlecker-Effekt, die waren so oft negativ wegen Umgangs mit den Mitarbeitern in den Schlagzeilen, dass ihnen der folgende Umsatzeinbruch das Gnack gebrochen hat. Derartig schlechte Presse ist extrem teuer, teurer als der eine oder andere Dollar, der in Bangladesh für bessere Bedingungen sorgen würde. Und ich kann Dir versichern, dass schon jede Firma hofft, nicht in so einem Bericht aufzutauchen. Wenn die ganze Welt auf das Thema Sandstrahlen schielt, kriegen die Einkäufer und Produktentwickler die Order, sich des Themas einmal etwas intensiver anzunehmen. (you know what I mean :-)) Hinter den Kulissen geschieht also dann schon was, aber noch nicht genug.

    Leider ist es aber auch so, dass die breite konsumierende Masse, wenn’s drauf ankommt (sprich: sie mit neuen Fetzen an der Kasse stehen) ungefähr genau so viel Interesse an diesen Themen hat wie am sprichwörtlichen Sackl Reis in Westvietnam. Und so lange dieser Druck nicht noch viel massiver kommt, wird’s keinem Aufsichtrat, der nach 0,05% mehr Marge giert, dämmern, dass er besser nur 0,03% mehr kassiert und den Rest etwas schneller, als in der Broschüre steht, den Lieferanten überlässt. AAABER: unter den Firmenbossen in Fernost muss dann aber auch einer sitzen, der das weitergibt an die Näherinnen, diese nicht wie Leibeigene behandelt und das Geld nicht selber einstreift. dieser Aspekt ist nämlich auch nicht zu vernachlässigen, dort ist das Bewusstsein nämlich noch schlechter ausgeprägt als bei den Konzernbossen in Europa und viele gut gemeinte Initiativen und Kampagnen scheitern an der Umsetzung auf den letzen Metern. Beispielsweise hat jeder große Konzern ein ausdrückliches Verbot von Kinderarbeit in seinen Lieferbedingungen – und trotzdem geschieht es, weil es in diesen Ländern (gute Frage: warum wohl) nicht so verwerflich gesehen wird wie bei uns und sich ein Subunternehmer, der billige Arbeitskräfte anstellt, nicht um die Statuten irgendeines fernen Supply chain-Managers schert. Übrigens sind 0,02% von 500 Millionen auch nette 10 Millionen.

    A propos – auch wenn ich mit den radikalen Methoden eines VGT nicht einverstanden bin: beim Thema Pelz hat’s genutzt. Der breiten Masse haben die süßen Viecherln leidgetan. Nicht zuletzt durch diesen radikalen Druck, manchmal schon Terror, bieten viele Firmen keine Pelze mehr an auf Kapuzenverbrämungen usw.

    Beim Schnitzl ist es noch zu wenig, ich überhole fast täglich slowakische Tiertransporter auf dem Weg nach Süden. Und die asiatischen Kinder sind noch zu selten im Fernsehen (das sage ich jetzt bewusst so sarkastisch…) und vor allem so eine anonyme Masse.

    Wie auch immer: ich danke Dir für Deine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich denke viel mehr drüber nach und bin dadurch sehr viel kritischer geworden, auch wenn das bedeutet, dass ich in die Hand beiße, die mich füttert (you know what I mean)

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