Das Dirndl-Kindheitstrauma

Der Urlaub in der Steiermark in der Ferienwohnung, die meine Großeltern länger besitzen als es mich gibt, hat mich wieder daran erinnert: Ich habe es gehasst. Es war oben aus festem, kratzigem grünen Stoff, unten Rosa mit blass-speib-lila Schürze. Es war unbequem. Und dazu noch diese elendiglichen gehäkelten Stutzen und diese Blusen, die gezwickt haben am Arm. Bähbähbäh. Ich hasse Dirndl. Ich hasse auch das ganze trachtige Traditionsdrumherum von Dirndln. Halt, anders. Ich mag einige der hier vorherrschenden Traditionen a la Kirtag oder Gstanzl oder Almraungerln gern, finde sie witzig, aber hallo, wozu braucht man da solche in meinen Augen unglaublich hässlichen Frauenoberbekleidungen dazu? (Das Dirndl von der Ex-Mitbewohnerin ist ausgenommen, das hat steil ausgeschaut mitm roten Gürtel statt Schürze..)

Ja, das war mal funktionale Kleidung, und ja, durch die Farben hat man sich sowohl in Sachen örtlicher Herkunft als auch in Sachen Familienstand geoutet. Aber heute? Städterinnen schnallen sich die Titten hoch, legen ein paar Perlen drauf, und schon hat man ländlichen Touch? Ja, ich könnt mich da noch länger hineinschwurbeln, meine Abneigung ist – wohl auch aufgrund des alljährlichen kindlichen Anziehzwangs , siehe Foto – nicht enden wollend. AAAAAAber: Echte Dirndl sind aus traditionell bedrucktem Stoff regional oder zumindest in einer der großen Dirndlmanufakturen in Österreich oder Deutschland genäht. Natürlich gibt es da auch schon die Massenproduktionskonkurrenz aus Fernost, erst kürzlich gesehen an den Kellnerinnen bei einer bekannten österreichischen Raststationskette (die mit den Häferln). Aber ein gutes Dirndl ist angepasst, im Optimalfall auf den Leib geschneidert. Das heißt, Dirndlträgerinnen müssen zumindest kein schlechtes Gewissen haben. Immerhin. Liebe Dirndlfans: Ihr seits quasi ausm Schneider (ein Wortspiel als Treppenwitz, auch nicht schlecht…)

(c) nunette colour

(c) nunette colour

Und weil wir grad bei Kindheitstraumata sind: Immer kurze Haare. Immer für einen Bub gehalten worden. Wenn neue Leute gefragt haben: „Mei, wie alt ist er denn, der Kleine?“ (vorausgesetzt, ich war NICHT im Dirndl), knurrte meine Mutter immer nur harsch: „SIE ist vier. Und hat Ohrringe, sehens das nicht?“…..anstatt mir einfach zu erlauben, mir die Haare wachsen zu lassen. Fürchterlich war das. Gemein. So. Fertig mit öffentlicher Aufarbeitung meiner Kindheit. NIEMALS werde ich ein Dirndl besitzen. NIE.

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4 Gedanken zu „Das Dirndl-Kindheitstrauma

  1. kädareina sagt:

    danke, schatzl 😉
    ich wollt grad tief luftholen und gegenposten, als das kompliment dich die kurve hat kratzen lassen 😉 – vielleicht, weil ich nie in meiner kindheit dazu gezwungen wurde (bzw. ich mich nie zwingen hab lassen – der kampf meiner mama, mich einfach in ein kleid zu stecken und wie sie es für die dauer, in der ich an dem bestechungszuckerl glutscht hab, geschafft hat, ist mittlerweile in meiner familie sprichwörtlich …dickschädlalarm…;-)), reizts mich jetzt einfach…

    • nunette sagt:

      mein problem ist, dass ich meinen dickschädl von meiner mama geerbt habe. kampf der gigantinnen, nur damals war ich halt eindeutig unterlegen 🙂

  2. […] derartig viele verschiedene Sachen von Achtzigerjahre-Jacken über Weihnachtsmannkostüme, Dirndl (uäh), Motorradausrüstungen bis hin zu silberfarbenen […]

  3. kiwi sagt:

    Ich hatte auch ein Dirndl in dem Alter, und ich wusst nichtmal wieso, denn ich komme aus Thüringen.

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