Fachwissen: Bestanden, Outfit: Durchgefallen

Ich bin der Meinung, kleidertechnisch für alle Eventualitäten in meinem Alltag ausgerüstet zu sein. Allerdings schaffe ich  es hin und wieder, in meiner Kleiderauswahl etwas daneben zu liegen. Und so auch heute. Aber ich kann ehrlich nix dafür. Es war etwa drei Uhr und wir waren mitten in einem stundenlangen Meeting, als der hochgeschätzte Kollege R. mich fragte, ob ich ihn spontan um fünf zu einem Termin mit Mitarbeitern eines Ministerbüros begleiten würde. Weil die einen neuen Pressesprecher haben und ich soll doch kennenlernen und so. Na klar würde ich da mitkommen!…war meine erste Reaktion.

Dann schaute ich an mir herab. Nun ja, in meinem Outfit festigte ich das Öko-Birkenstock-Image von Umwelt-NGOs. Ich hatte ebensolche an (zu meiner Ehrenrettung: Es sind die Birkenstock-Zehenschlapfen, die coolen, nicht die mit den zwei Schnallen), dazu ausgeleierte Leggings und ein altes übergroßes Jeanshemd-Tunika-Ding, getoppt von meiner im Urlaub häufig und seither nicht gewaschenen schwarzen Weste. Warum dieses Outfit überhaupt zustande kam? Leute….erster Arbeitstag nach zwei Wochen Urlaub. 500 ungelesene Mails und dann noch zwei interne Marathonsitzungen. Da war mir wirklich von der Früh weg an nach gemütlich, bequem, pfeifdrauf.

Nun ja. Nicht nur, dass es etwas für sich hatte, dass ich in ebenjenem Outfit (für das ich mich mächtig genierte) neben dem neuen Pressesprecher saß, der sich aus seinem Anzugsakko schälte, bevor er sich setzte, auch seine Kollegin war aus dem Ei gepellt fesch. Sie kannte mein Projekt bereits, als ich ihr beim Gehen davon erzählte. Ich hoffe, sie denkt jetzt nicht: „Nix kaufen, und nix zum anziehen. Na prack.“ Aber immerhin konnte ich feststellen: Ich hab in drei Jahren NGO-Arbeit doch so einiges an Fachwissen angesammelt. Und mir angewöhnt, neue Leute grundsätzlich mit „Du“ anzureden. Die Birkenstocks wandern trotzdem ab sofort wieder ins Regal.

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4 Gedanken zu „Fachwissen: Bestanden, Outfit: Durchgefallen

  1. nukimama sagt:

    Ooooooh, das kenn ich 🙂 🙂 :-). Dachte, ich würde mein Büro nur verlassen, um mein Dekolager auszumisten und mal wieder Tabula rasa im Aktenschrank machen, und am Heimweg in die Gärtnerei fahren, mit Jeans, Shirt und alten Chucks – und muss auf einmal zu einem hochoffiziellen Termin… Am besten, man steht da einfach drüber 🙂

  2. ..oder Einser-Panier im Büro deponieren!
    Und den Jahreszeitenwechsel nicht verpassen 😉

    • nunette sagt:

      das problem: ich war zwischen terminzusage und termin nichtmal im büro, sondern auf außerhäusiger sitzung. oft kommts bled. aber wenn ichs mir überleg: im büro liegt genau eine jacke und ein paar alte chucks herum. sollt ich ändern. großes mitarbeitsplus für den ausdruck „einserpanier“. ich liebe solche wörter.

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