Die Selbstmord-Baumwolle

Gestern mal über den ersten Schritt am Weg zum Baumwollshirt nachgelesen: Dem Anbau.

Ich versuch, das hier mal möglichst vereinfacht zusammenzufassen:

Früher: Anbau schwierig, arbeitsintensiv, und der böse Kapselwurm hat sich sehr sehr gern durch die Baumwolle durchgefressen, bevor sie geerntet werden konnte. Die Ergebnisse waren in etwa gleich hoch wie heute, aber damals wie heute reichte das nicht. Die Nachfrage war groß, der Wunsch der Baumwollbauern in Indien nach einer Erhöhung ihres Lebensstandards ebenfalls.

Dann kam Monsanto, der weltweit größte Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Konzern – remember „Agent Orange“? Ja, auch von denen, genauso wie „Roundup“. Viel Spaß beim googlen… Jedenfalls fand Monsanto durch Genmanipulation der Baumwolle ein Saatgut, das resistent gegen den Kapselwurm war.

Pfuh, leiwand? Nix da. Monsanto machte fett Werbung für das viermal so teure Saatgut, das man obendrein nur einmal aussäen konnte und somit jedes Jahr neukaufen musste. So richtig mit wunderschönen Bollywood-Schauspielern und komplett absurden Gewinnversprechungen. Und Indiens Bauern, noch nie so wirklich die Reichsten unter der Sonne, fielen der Reihe nach drauf rein. Viele verschuldeten sich, um größere Felder anzukaufen, um mehr von dem Monsanto-Saatgut anzubauen. Diese Großkopferten hatten schließlich in der Werbung versprochen, dass man locker doppelt so viel ernten könnte – weil einfach der Kapselwurm keinen Riss mehr haben würde.

Doch der gute Kapselwurm ist kein Depperter nicht: Der wurde sehr bald resistent gegen diese gentechnisch veränderte Art der Baumwolle.

Soll heißen: Schulden, Monsanto das teure Saatgut abgekauft, und die Ernte wieder im Popsch, weil der Wurm schneller war. Die Reaktion von Monsanto: Neues Saatgut entwickeln mittels Gentechnik und in der Zwischenzeit sollen die Bauern doch literweise hochgiftige Pestizide ausbringen, um den Kapselwurm in Schach zu halten. Diese Pestizide sollten die Bauern doch bitte auch bei Monsanto kaufen. Nochmal: Wir reden nicht von Bauern, die immerhin so viel Kohle haben, dass sie im Internet schnell mal Vergleichsrecherchen anstellen können.

So. Jetzt haben wir einen Bauern mit einem Feld, für das er sich verschuldet hat. Für das Saatgut hat er sich nochmal Geld ausborgen müssen, und auch die Pestizide kosten nicht gerade wenig. Und das, ohne dass mehr geerntet worden wäre. Dass so nebenbei die US-Regierung durch komplett pervers hohe Subventionen der US-Baumwollbauern den Weltmarktpreis seit Jahrzehnten niedrig hält, kommt noch dazu, ist aber eine andere Geschichte.

Gut, langer Rede kurzer Sinn: Kein Ausweg mehr. Was machen die Bauern? Sie trinken die Pestizide selbst und tschüss. Als Toter hat man keine Schulden mehr.

Und jetzt kommts: Ich hab da jetzt nicht von irgendwelchen Einzelfällen geschrieben, sondern von sage und schreibe bisher 200.000 toten Bauern in Indien. ZWEIHUNDERTTAUSEND! Und das ist nur die offizielle Zahl, die Dunkelziffer mag man sich da gar nicht mehr vorstellen.

Getaggt mit , ,

6 Gedanken zu „Die Selbstmord-Baumwolle

  1. Das hat zwar jetzt nix mit Kleidung zu tun, aber auch wegen der Dinge wie im o.g. Artikel liebe ich samenfeste alte Tomatensorten: Weil sie ein Schlag ins Gesicht der Monsantos dieser Welt sind. Weshalb die das alles ja auch gern verbieten würden.

  2. nessy sagt:

    kommt mir verdammt bekannt vor, ist es bei den Maissorten in den USA nicht dieselbe Firma, dieselbe Idee?

  3. pinkflamingo sagt:

    im film ‚leben außer kontrolle‘ gehts zwar hauptsächlich um patentrechte im bereich von nahrungsmitteln (pflanzen wie auch tiere), aber auch einige minuten lang um die baumwolle von monsanto. und ja, die haben auch in den anderen bereichen ordentlich dreck am stecken.
    btw, ganz toller blog, hab vor zwei tagen angefangen zu lesen und bin schon hier. statt bücherkauf 😀

  4. […] 000 Bauern sterben jedes Jahr beim Einsatz von Pestiziden im Baumwollanbau (mehr, da bin ich mir […]

  5. […] hab ja vor einiger Zeit schon über die Selbstmorde indischer Baumwollbauern geschrieben. Filmemacherin Leah Borromeo ist dem nachgegangen. Sie verfolgt […]

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