Ichkaufnix am Ressourcenschonungsblog

Ich freu mich! Die liebe Steffi hat mich für ein Projekt von GLOBAL 2000 – www.reduse.org – interviewt, und in ihrem grenzenlosen Charme mich als „modeaffine Pressesprecherin“ bezeichnet. Ich fühl mich mal wieder gebauchpinselt und freu mich sehr, dass mein privates Ding wirklich so gut reinpasst bei REdUSE. Außerdem hat sie ein Foto von mir verwendet – Copyright Liebster -, das ich selbst auch ganz selbstbauchpinslerisch echt gelungen finde…

(c) Der Liebste

(c) Der Liebste

 

Nunu Kaller, Bloggerin auf „ich kauf nix – ein Jahr ohne Kleiderkauf“, im spannenden Selbstversuch: Ein Jahr möchte die modeaffine Pressesprecherin von GLOBAL 2000 keine Kleidung kaufen. Ob diese Entscheidung aus ökologischen Gründen, oder um die Geldbörse zu entlasten gefällt wurde, und wie sich ihre Shopping-Diät bedingten Entzugserscheinungen auswirken zeigt folgendes Interview:

Was war die Initialzündung ein Jahr auf Kleiderkauf zu verzichten?

Anfangs war der Grund psychischer Natur: Erstens wusste ich, dass ich mehr shoppe als andere und da Einsparungspotential besteht – natürlich auch ökonomischer Natur. Allerdings bin ich auch nicht unbedingt für meine Konsequenz bekannt – mich selbst zu testen, und zwar an meiner schwächsten Stelle, war irgendwie verführerisch. Die ökologische Komponente gesellte sich erst kurz danach dazu. Nachdem ich seit drei Jahren im NGO-Bereich arbeite, konnte ich es vor mir selbst auch nicht mehr verantworten, dass ich gedankenlos zum Textilschweden gehe und fünf Euro für ein Shirt ausgebe…

Dazu war mir schon länger klar, dass ich wirklich leidenschaftlich shoppte und schon lang nicht mehr einkaufte, weil ich etwas brauchte – sondern nur, um mich zu trösten, mich abzulenken, und um einfach meinem Hobby „Mode“ zu frönen. Mein schlechtes Gewissen beim Nachhausekommen war in den letzten Monaten des Jahres 2011 immer größer geworden, wenn ich zuvor mal wieder ein paar Euro beim Textilschweden gelassen hatte. Die eigentliche Initialzündung war dann ein ganz kurzer Artikel einer Moderedakteurin, die sich dasselbe vorgenommen hatte. Ich las darüber und dachte mir sofort: „Cooool, das hört sich super an!“. Ich beschloss jedoch, dieses Jahr auch dazu zu nutzen, mich über die Herkunft meiner Kleidung zu informieren.

Wie war dein Shoppingmuster vor dem Abstinenzjahr?

Ich hatte privat ein recht hartes Jahr 2011, mit Todesfall und schwerem Krankheitsfall in der Familie, einem Job, der mir – in Bezug auf meine damalige psychische Situation – zu viel abverlangte, und so manchen größeren und kleineren weiteren Hindernissen, die es zu bewältigen galt. Nachdem ich nicht allzu schlecht verdiente, ging ich mich regelmäßig nach der Arbeit ablenken oder belohnen oder trösten, je nach Tagesverfassung. Doch auch vor diesem Jahr war ich bereits leidenschaftliche Shopperin – Mode und Kleidung macht mir einfach Spaß und ist mir wichtig. Darüber nachgedacht, dass ein Shirt um fünf Euro weder aus ökologischer noch aus sozialer Sicht auch nur ansatzweise rentabel sein kann, habe ich nicht. Ein Shirt um fünf Euro war ein toller Angebotsfund, mehr nicht.

Der Verzicht auf deine Shopping-Leidenschaft hat vermutlich Entzugserscheinungen ausgelöst. Wie hat sich dieser ausgewirkt?

An sich sehr sehr gut. Nicht nur, dass ich mit der ganzen Thematik meinen persönlichen roten Faden gefunden habe, merke ich, dass es mir sehr gut tut, mich nicht mehr auf die verschiedensten Schaufensterauslagen und Onlineshops zu konzentrieren. Auch die Tatsache, dass auf meinem Konto Entspannung eingetreten ist, tut mir sehr gut. Das heißt jedoch nicht, dass ich nicht doch manchmal wirklich wahnsinnig gerne das „Neu-“ Erlebnis hätte, ein neuer Mantel, neue Schuhe oder so. Da hab ich so meine Phasen, wo es mir abgeht. Besonders in Rom und Berlin, wo ich auf Kurzurlaub war, war es besonders schlimm, da für mich früher zum Städtetourismus einfach dazugehört hat, was Neues zum Anziehen – quasi als Souvenir – von dort mitzubringen.

Wie hat dein Umfeld bzw. die Öffentlichkeit, nachdem dein Selbstversuch medial aufgegriffen wurde, reagiert?

Mein Freund war Feuer und Flamme, ich vermute, dem ist mein Shoppingwahn schon ziemlich am Senkel gegangen. Außerdem ist er um einiges sparsamer als ich, er freute sich, dass ich mich auch aufs Sparen besinnen wollte. Ansonsten waren im Freundeskreis die Reaktionen fast alle durchwegs positiv – aber sehr unterschiedlich. Einige meinten, sie würden das nie schaffen (hauptsächlich Frauen), und einige meinten, ihnen würde das sogar manchmal passieren, dass sie ein Jahr keine neue Kleidung kaufen (richtig, hauptsächlich Männer). Interessant fanden mein Projekt alle. Nur zwei Personen – der beste Freund meines Freundes und ein Arbeitskollege – glaubten nicht an mich. Der Arbeitskollege wettete sogar mit mir – und wird mir im Jänner dann wohl den vereinbarten Geldbetrag schulden 🙂

Du bist immer sehr modisch gekleidet. Verzicht macht offensichtlich erfinderisch. Kannst du mir ein Beispiel geben, wie du den Shopping-Boykott kompensierst?

Erstmal vielen Dank für das Kompliment, das freut mich sehr. Wirklich kompensieren tue ich nicht, ich schöpfe vielmehr aus den Tiefen und Untiefen meines Kleiderschranks – und stelle immer wieder fest, dass ich wirklich viel anzuziehen habe… Was mir doch hin und wieder „neue“ Sachen beschert sind beispielsweise Tauschparties (ich habe bisher an einer teilgenommen, und unter anderem ein wunderschönes schwarzes Seidenkleid abgestaubt) oder die Eigenproduktion. Was das Nähen betrifft, habe ich jedoch festgestellt, dass mir da doch so einiges an Talent (und Geduld) fehlt – das muss ich nun durch üben üben üben ausgleichen…

In einem deiner Blogbeiträge steht, dass du einer Stehlampe nicht widerstehen konntest und sie kurzerhand bestellt hast. Hat sich vielleicht der Verzicht auf Kleidung negativ auf dein Konsumverhalten bei Einrichtungsgegenständen ausgelagert? Holst du dir dort die Konsum-Befriedigung?

Also grundsätzlich sicherlich nicht – ich bin zwar auch ein großer Fan von Innenarchitektur, Möbeldesign und Dekoration, allerdings war ich da immer schon fast ausnahmslos auf Flohmärkten oder Second-Hand-Börsen unterwegs. Lediglich bei den Lampen habe ich immer schon gern in schöne neue (Designer-)Stücke investiert. Da hat sich mein Konsumverhalten sicher nicht geändert – und wenn, dann ist da auch eine Reduktion eingetreten (aus dem einfachen Grund: Wohnung für meine Begriffe voll eingerichtet).
Allerdings habe ich in den ersten Monaten in Sachen Bücherkauf ein gewaltiges Ersatzverhalten an den Tag gelegt. Die bisherige Bilanz sind über 20 neue Bücher. Ich bin eine Leseratte, habe es mir aber sehr oft untersagt, Bücher zu kaufen – schlicht, weil ich kein Geld für Kleidung und Bücher hatte und mir die Kleidung dann doch wichtiger war (oder die größere Sucht 🙂 ). Seit ich kapiert habe, dass ich da nur ersatzhandle, hat es sich mit dem Bücherkauf auch wieder aufgehört. Fast zumindest. 🙂

Dein Experiment läuft nur noch vier Monate. Was machst du nach Ende deines Selbstversuchs 2013?

Also zunächst werde ich mich mit einem Trip nach Amsterdam gemeinsam mit einer guten Freundin selbst belohnen. Dort werde ich wohl auch in meiner Lieblingsboutique einfallen, eine Designerin, die viel Wert auf Nachhaltigkeit legt, Bio-Stoffe verwendet und Teile des Gewinns Frauenprojekten in Indien zukommen lässt – und somit die soziale Sicherheit der NäherInnen ihrer Produkte garantiert. Außerdem hat diese Designerin einfach saucoole Kleidung, so nebenbei…. Was ich sicher nicht mehr machen werde, ist, das Einkaufsverhalten von 2011 und vorher an den Tag zu legen. Ich möchte „zurück zum guten Stück“, weniger, aber qualitativ hochwertigeres kaufen, stark auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit der Produkte Bezug nehmen, eventuell mir doch das eine oder andere Stück selbst nähen – und auf keine Fünf-Euro-Sonderangebote beim Textilschweden mehr reinfallen. Und ich möchte weiter bloggen, weil das einfach unglaublichen Spaß macht.

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