Quelle horreur!!!

Heute mal wieder ernsthaft – ich wühl mich grad immer noch durch die Abgründe der Textilindustrie (wobei, genaugenommen plansche ich wohl nur am Beckenrand, da passieren wahrscheinlich noch viel schlimmere Dinge).

Seht interessant finde ich den Ansatz der Clean Clothes Campaign mit ihrer Forderung nach existenzsichernden Löhnen (Living Wages). Auf ihrer Website haben sie die Top 10 – Ausreden der Unternehmen aufgelistet, warum diese keine Living Wages zahlen wollen, und erklärt, warum die Bullshit sind. Und es sind echt einige dabei, wo man sich rein aus Hausverstandsgründen (wann wird es endlich wieder aufhören, dass ich bei dem Wort an einen dünnen Mittvierziger im beigen Cordsakko denke…) an den Kopf greift. Ich habe sie in eigenen Worten eingedeutscht, die direkte Rede steht nicht für ein spezielles Unternehmen, das hat so keiner gesagt (wobei, wahrscheinlich haben das sogar ziemlich viele so gesagt):

  • „Bitte wir wissen nicht, wie man Living Wages berechnen soll.“ Die können nicht nicht, die wollen nur nicht! Aus ArbeiterInnensicht wohl eines der absurdesten Argumente.
  • „Unsere KundInnen wollen nicht mehr für ein Kleidungsstück zahlen.“ Es landet sowieso nur ein Prozent des Verkaufspreises bei den NäherInnen selbst. Würde man denen also den Lohn verdoppeln, würde das durchschnittliche Shirt irgendwo zwischen 25 und 50 Cent mehr kosten. Ja, nein, soviel wollen die KundInnen nicht mehr bezahlen, ganz sicher nicht. Oida!
  • „Die Regierungen sollen was tun, nicht wir. Wir überbringen nur mit Pomp und Trara den jeweiligen Regierungschefs unsere Bitten.“ Damit sie nichts selbst machen müssen, Einserschmäh. Die Regierungen haben zufälligerweise auch das Ziel, ihr Land als Wirtschaftsstandort zu festigen, und das widerspricht halt leider – so absurd sich das in meinen naiven Ohren anhört – den Living Wages. Perfekt gedeichselt: Die Firmen forderns von den Regierungen ein, wissen aber gleichzeitig, dass da nix passieren wird, können also Imagepflege betreiben ohne Kostenaufwand.
  • „Billiglohnländer  verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit, wenn die Löhne steigen.“ Nicht, meine lieben Unternehmen, wenn ihr nach Steigerung der Löhne dort weiterproduziert und nicht wie die Lemminge ins nächste Billiglohnland abwandert (in Thailand sind dem größten Textilproduzenten sogar 7,50 Euro grad zuviel. Mies. Einfach nur mies.)
  • „Ohne uns hätten die ja gar keinen Job.“ Uuuurlogisch: He, sie haben eh einen Job, was regen sie sich auf? Was nützt den Menschen in Billiglohnländern ein Job, der sie auslaugt bis zum Umkippen, und von dem sie dann erst recht nicht leben können? Sollen sie doch Kuchen essen?
  • „Die Lebenskosten dort sind ja viel niedriger, da müssen wir weniger zahlen.“ Naivität, perfekt angewandt. Große Unternehmen verabsäumen es, sich die wirtschaftliche Situation des Landes, in dem sie produzieren wollen, anzuschauen – um nach ihren eigenen Regeln wirtschaften zu können. Die Lebenskosten liegen ÜBER den Löhnen, sonst gäb es ja dieses ganze Griss um die Living Wages net. So schwer kann das doch nicht sein?!
  • „Unser Verhaltenskodex besagt eh, dass wir einen fairen Lohn zahlen müssen.“ Mein Maturazeugnis besagt auch, dass ich einen Einser in Mathe hatte damals. Trotzdem verbinde ich Wurzelziehen bis heute mit etwas Schmerzhaftem. (und ich hör ihn regelrecht, den Papa, er würde jetzt sagen: „Dein Führerschein besagt auch, dasst Autofahren kannst.“)
  • „Bitte die Shareholder sind dagegen.“ Jaja, die bösen Shareholder. Oarm sans, die CEOs, nix entscheiden könnens.

und mein Lieblingsargument:

  • „Wenn wir jetzt höhere Löhne zahlen, dann kommen die ganzen LehrerInnen und Krankenschwestern zu uns arbeiten und das Gesundheits- und Bildungssystem bricht zusammen.“ Quelle horreur!!!
Getaggt mit ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: