Ich gestehe: Ein Rückfall

Ich muss etwas gestehen, was mir eigentlich erst durch den gestrigen Blogbeitrag so richtig aufgefallen ist.

Ich bin in den vergangenen Wochen zum ersten Mal seit Anfang 2012 rückfällig geworden. Schon klar, ich darf zwar seit Jänner wieder shoppen gehen, und ich bin immer noch sehr streng und kaufe wenn möglich Bio, Fair und/oder Second Hand. Mein Kleiderkasteninhalt hat sich verringert und wird es auch weiterhin tun, weil ich all die Teile, die ich wirklich gar nicht mehr trage, weggebe.

Aber es war ein bißchen viel in letzter Zeit – und auch wenn ich für mich immer wieder Erklärungen gefunden habe, muss ich es zugeben: Es ist ein Rückfall in alte Muster gewesen. Ich habe mir eine neue Hose gekauft (lange gesucht, lange davon geträumt, endlich gefunden, leider konventionell, trotzdem super und wahrscheinlich Standarduniform kommenden Winter), ich habe mir nach sehr langem Umkreisen einer Tasche in einem privaten Mädelsflohmarkt online ebenjene kürzlich doch geleistet (Second-Hand, was sie für mich legitimiert, neu würde ich mir aus Preis- und Herkunftsgründen niemals eine Liebeskindtasche kaufen), und es könnte sein, dass Jonnys mit mir ganz schön Geschäft gemacht hat, genauso wie Maas Natur, wo ich mir zwei Basic Shirts gekauft habe.

Die Tasche hab ich definitiv nicht gebraucht, und auch über die Notwendigkeit der schwarzen Boots kann man angesichts meiner Stiefelsammlung streiten. Und noch dazu habe ich sie gekauft, weil ich mich belohnen wollte. Für meine erfolgreiche Abschlussarbeit auf der FH, für die viele Arbeit, die ich in das Buch gesteckt habe und einfach dafür, dass ich den ganzen Terminstress der vergangenen Monate überstanden habe.

Die Sachen machen mich unglaublich glücklich, ich freue mich, sie zu besitzen, keine Frage! Nur ärgerts mich, weil ich schon wieder innerlich die Argumentation Belohnungs- und Trost-Shopping ausgepackt habe. Es ist wirklich eine Sucht… aber zum Glück sind die Sachen, die mir gefallen, teurer als eine Packung Zigaretten! Aber ich muss es gestehen, zum hunderprozentigen Paulus bin ich nicht geworden, so ein kleiner Saulus flüstert mir immer noch regelmäßig ins Ohr. Aber wenigstens sind meine Kaufhandlungen SEHR viel bewusster, und – was mir sehr wichtig ist – Fast Fashion-Anbieter haben mich wirklich seit eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen. Diesen ganzen nebenbei schnell mal mitgenommenen Kleinscheiß, der mir früher Schmucklade und Kleiderschrank verpestet hat, gibt es nicht mehr für mich. Das Lustige: Ich kaufe wirklich VIEL weniger als noch vor eineinhalb Jahren (abgesehen von Schuhen. Diese blöde, verdammte, weibliche Tendenz zu Schuhen, unglaublich!). Und das, was ich kaufe, ist viel ausgesuchter. Aber es ist zuviel, ich bin wirklich heftig rückfällig geworden! Das macht mir grad gewaltig schlechte Laune, weil ich mich gerade im Widerspruch zwischen „ich darf wieder shoppen“ und „Ich hab bei jedem Kauf ein schlechtes Gewissen“ befinde.  Wenn ich so zurückrechne, waren es in den letzten sechs Monaten sechs „gönn ich mir/wünsch ich mir“-Käufe (wobei sich drei davon im shoppingfreien Jahr angestaut haben), und sechs „brauch ich“-Käufe. Erstens Mal: Hui, viel (aber wie gesagt, da ist meine Shoppingbelohnung in dem Jahr dreifach einberechnet)! Zweitens: Scheisse, die Sachen in letzer Zeit sind ein klassischer Rückfall! Ich bitte hiermit um Verzeihung und gelobe Besserung 😦

Ich habe ganz große Angst, dass jetzt viele sich denken „Na super, da tuts einen auf supermoralisch und ist es selbst gar nicht.“ Ich bemühe mich hier am Blog sehr um Glaubwürdigkeit und ich bemühe mich massiv um ein korrektes Einkaufsverhalten. Nur dass ich in den letzten Wochen viel konsumiert habe. Und das wieder ändern möchte, weil: Auch wenn die Sachen glücklich machen, vor allem, die, die man braucht – Nichtkaufen macht mindestens genauso glücklich 🙂

schuhä

Die Kronenzeitung ist als Pressesprecherin in Österreich mein unausweichliches Schicksal und stapelt sich gerade neben meinem Schreibtisch…

Getaggt mit , , ,

10 Gedanken zu „Ich gestehe: Ein Rückfall

  1. andrea sagt:

    am besten du konvertierst zum schamanischen weltbild, da darfst fehler samt wiederholungen machen 😉 ganz ohne schlechtes gewissen – denn es gilt hier: mit bester absicht und dran bleiben. hugh.

  2. mukolama sagt:

    Liebe Nunu, es ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob man sich ein oder mehrmals die Woche „belohnt“, weil man eine Aufgabe fertig erledigt hat, weil man einmal früher aufgestanden ist als sonst, weil man wie geplant die Wohnung geputzt hat, etc. (eventuelle Übertreibungen sind beabsichtigt) oder ob man sich das erste mal seit Monaten belohnt, weil man mehrere große Projekte (mehr als) erfolgreich abgeschlossen hat. Es ist ein Unterschied, ob man beim Vorbeigehen mal schnell drei T-Shirts um je 3,50€ mitnimmt, weil „man die sicher irgendwann mal brauchen könnte“ (und die anschließend im Kasten verschimmeln) oder ob man ein paar ausgewählte Stücke kauft, die man vielleicht zwar nicht gebraucht hat, die man aber gerne und häufig trägt.
    Und es ist ein Unterschied, ob man beim shoppen mit zehn vollen Taschen oder mit wenigen ausgewählten Stücken nach Hause kommt.
    Du hast dein Einkaufsverhalten und deine Einstellung in den letzten anderthalb Jahren so stark verändert, dass sich viele an dir ein Vorbild nehmen sollten. Das heißt aber nicht, dass du dich nicht auch hin und wieder mal belohnen darfst. Warum solltest du dich mit einem – sagen wir mal – riesengroßen Eisbecher belohnen, wenn du kurz- und langfristig gesehen viel mehr Freude mit den paar Einkäufen hast. Und da du die – wenn auch möglicherweise nicht lange gewünscht und geplant – ja auch nicht komplett wahllos gekauft hast, wirst du in ein paar Jahren die Tasche anschauen und dir denken: „2013 war ein gutes Jahr – da hab ich echt viel erreicht.“

    • nunette sagt:

      hahaa, ja, danke, da geb ichdir gerne bei allem recht – nur dass es drei taschen sind seit ende meiner shoppingdiät. eine seeeeeeeeeeeehr lange gewünscht, eine gebraucht und eine – die neue jetzt – komplett unnötig 🙂 ich hab aber auch ejde menge taschen ausgemistet…. 🙂

  3. Andreas sagt:

    Liebe Nunu,
    auch ich muss sagen: Toll was du bisher geleistet hast. Einen Rückfall kann es immer wieder mal geben, wichtig ist, dass man wieder aufsteht.
    Ich hoffe, dass Dein Blog trotzdem viele Frauen zum Nachdenken anregt – in den Industriestaaten, die ja den Löwenanteil des Verbrauches haben, werden 80-90% der Konsumentscheidungen von Frauen getroffen.
    LG
    Andreas

  4. Cnn sagt:

    Woher sind denn die Stiefel? Sie sind leider sooo schönnn..

  5. […] genau in Betrachtung nehmen werde. Ich hab zwar nicht wirklich groß vor zu shoppen nach meinem Rückfall kürzlich, aber ich freu mich wie ein kleines Kind im Zuckerlgeschäft auf die viele, viele […]

  6. […] dass ich vielleicht auch ein bissl vor lauter sich-permanent-mit-dem-Thema-Konsum-und-Mode-befassen wieder reingestolpert bin ins Konsumradl, das mir wirklich sehr zu denken […]

  7. […] weh. In der Tabakfabrik macht man echt Kilometer, und Frau Eitel-Nunu muss natürlich die brandneuen Schuhe anziehen. Und was für eine Blödheit begeht Frau Eitelnunu, weil sie schnellschnell Donnerstagfrüh […]

  8. […] hab grad so ein richtiges Bobo-schlecht-Gewissen: Einerseits weiß ich, dass meine Sandalen, meine Boots und meine Taschen beide aus Ökoleder, chromfrei gegerbt und in Europa hergestellt sind. […]

  9. […] Schuhe, ja, die sind eigentlich eine Enttäuschung. Ich war so glücklich, endlich coole Boots in Ökoqualität, fair hergestellt in Spanien. Aber die Qualität der Dinger […]

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