Engagement für Kambodscha

Ein weiterer Vorteil des neuen Jobs: Man bekommt mit, wie sehr sich andere engagieren. Heute flatterte ein Brief in meine Inbox, der an H&M gerichtet ist, und der diversen Medien zur Information weitergeleitet wurde. Ich finde die Formulierungen des Herren sehr packend, daher konnte ich nicht anders, als es auch hier zu posten – es entspricht mehr der Thema am Blog hier als der Detox-Kampagne – aber ich find sowieso, dass ein Thema ohne das andere nicht funktioniert….

Sehr geehrte Frau Weber!

Es wundert mich zu hören, dass H&M intensiv versucht Kinderarbeit zu unterbinden und bessere Löhne zu bezahlen. Ich bin auch dem Link gefolgt. Nett.

Natürlich habe ich kein Wissen über die Möglichkeiten hinsichtlich Geschäftsgebarung in Ländern wie z.B. Kambodscha.

Daher folgende Fragen.

Warum ging Ihre Firma mit der Produktion in solche Länder wie z.B. Kambodscha, in denen Kinderarbeit und solch geringe Löhne geduldet werden?
Warum kann Ihre Firma nicht von sich aus schon jetzt den Lohn bezahlen, der zur Lebenshaltung ebendort angemessen ist und letztendlich dazu führt dass europäische Standards der Menschenwürde Platz greifen?
Sollte es Ihnen von der politischen Klasse dort verboten werden, warum lassen Sie sich so etwas bieten?
Meines Wissens sind ca. 850.000.- Beschäftigte in der Textilerzeugung tätig. Dieser Zweig stellt den Hauptarbeitgeber dieses Landes dar. Damit finanziert Ihr die Machthaber. Die streifen, wie Ihr,  den Gewinn ein. Die betteln um Euch und Ihr erhaltet dieses miese System.  Die Macht läge also  bei Euch und nicht bei der von Euch abhängigen politischen Kaste. Das sind lediglich gierige Bittsteller die Ihr um Euretwillen befriedigt.

Korrigiert mich wenn ich falsch liege.
Ihr seit in diese Länder gegangen um mit so geringen Produktionskosten wie möglich das Maximum an Profit für Euch herauszuschlagen! Produktionskosten nahe Null, Aufschlag in der Höhe von über tausend Prozent im Verkauf. Wäre dem nicht so, warum habt Ihr Europa verlassen? Zu teuer? Zu hohe Lohnnebenkosten, damit zu wenig Gewinn für Euch? Ihr verlasst Europa, dass es nach Jahrhunderte langem Ringen geschafft hat menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen und geht in Länder deren politische Kaste es Euch erlaubt die Angestellten und Arbeiter brutal zu übervorteilen? Die Euch erlaubt Produktionsstätten zu betreiben die lebensgefährlich sind, und fern jeder teuren Umweltauflagen? Und Ihr behauptet allen Ernstes das System dort ändern zu wollen? Wie billig! 2018 soll es schon besser werden? Vielleicht auch erst 2031? Je länger, je lieber, damit Eure Spannen lange enorm bleiben!

Wie auch immer. Ihr Schreiben hat mich in keinster Weise überzeugt. Ihr seit die Kolonialherren der Neuzeit. Die globalen Player.
Spielt weiter und erfreut Euch Eurer Margen bei Champagner! Und in der Zeit zwischen dem Öffnen der nächsten Flasche werft  Euren Beschäftigten dort ein paar Krummen zu und kolportiert es Öffentlichkeitswirksam. Das bringt Punkte und Zeit. Aber nicht zu viele Krummen, sonst könnten diese übermütig werden und das verlangen was Ihnen zusteht. Nämlich faire Löhne und Arbeitsbedingungen und kosten schlussendlich so viel wie die Europäer .  Dann müsst Ihr Heuschrecken weiter wandern. Afrika?

Mit Überzeugung werde ich Euch in meiner Ordination thematisieren. In Wort und Bild.

Dr. Herbert Riegler

Getaggt mit , , ,

Ein Gedanke zu „Engagement für Kambodscha

  1. Wow – Hut ab Herr Dr. Riegler!

    Da steckt viel Kraft und auch viel Wut in diesem Brief und das zu Recht!

    Ich hoffe sehr, dass der Brief dort ankommt, wo er gelesen und auch beachtet wird. Auf dass sich etwas verändere…

    lg
    Maria

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