American Apparel boykottieren!

American Apparel hats wieder mal geschafft, einen Skandal zu produzieren. Same procedure as everytime: Frau = Sexobjekt. Hatten wir schon mal, mehrmals.  Doch jetzt, neu: Frau ist aus Bangladesch! Pfwuh, sind wir gleich doppel geschockt! Ich persönlich finds – wie so viel von American Apparel – einfach saublöd. Im Bildtext steht, sie trägt eine Jeans, die von US-Amerikanern ebendort fair gefertigt wurde. Warum sie obenrum nix anhat, wird nicht erklärt. Wahrscheinlich hat die Produktionskapazität der US-Firma nicht für ein Leiberl ausgereicht.

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Das ist sexistisches Schockieren um des Schockierens willen, eigentlich find ichs nicht nur saublöd, sondern auch langweilig. Ja, wui, nackte Haut. Simma eh schon gewohnt von American Apparel. Und ich finds auch ziemlich beleidigend für diejenigen, die sich auf der ganzen Welt für bessere Arbeitsbedingungen in Bangladesch einsetzen. Das tut American Apparel nämlich nicht – die konzentrieren sich nämlich darauf, in den USA zu produzieren, um genau an dem Thema nicht anzukommen.  Bei den dortigen Werbern muss der Weg zur Kampagne zirka so abgelaufen sein (ich stells mir grad vor, lauter hippe Bart- und Hornbrillenträger in Skinny Jeans, zerfetzt gekauften (!) Vans und Flanellkarohemden sitzen zusammen, einige lutschen an ihren Zigaretten, andere zapfen sich gerade einen Nespresso):

„Bangladesch ist echt ein Thema. Und wir haben da ja auch was damit zu tun, lass uns da mal was machen!“

„Stimmt, wir produzieren dort nicht! Für uns leidet keine Näherin!“

„Aber die Frauen dort, die sind nicht wirklich heiß… Was die alles an haben!“

Gelächter …

„Wartmal, ich hab letztens auf einer Party eine sexy Maus kennengelernt, wenn ich mich richtig erinnere, war die sogar aus Bangladesch!“
„Foto?“
„Ich such grad…“

Ein Facebookprofil wird herumgezeigt.

„Die ist super, die nehmen wir.“
„Aber wie schlagen wir die Brücke von ihr zu den Produktionsweisen?“
„Na sie ist aus Bangladesch!“
„Reicht das?“
„Na gut, dann erklären wir eben, dass eine wie sie sowas nicht nähen musste.“
„Cool!“
„Wie fotografieren wir sie?“
„Die scheint gute Titten zu haben….“

Wissendes Grinsen in der Runde.

„Yeah. Geil.“

Der Gedanke, dass „eine wie sie“ alleine durch den Umzug in die Staaten und die dahinterliegende Kohle sowie Liberalität  ihrer Familie sowieso mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Geburt an niemals in der Gefahr stand, sich als unterbezahlte Näherin ausbeuten zu lassen, von deren Lohn eine gesamte Familie abhängig ist, der kam den Werbern anscheinend nicht. Und warum werden sie trotzdem wieder erfolgreich sein? Weil der Gedanke vielen unwissenden Menschen auch nicht kommt. Die denken nämlich inzwischen: Hui, Bangladesch, böse! Und: Hach, zum Glück, da hat es eine herausgeschafft aus dieser Hölle (und die Männer hängen dann sehr wahrscheinlich noch ein „eine mit guten Titten“ gedanklich hinten dran). Nur: So einfach schwarz-weiß ist es eben nicht. Auch in Bangladesch lässt sich fair produzieren. So einfach lässt sich nur eines feststellen: Saublöde Werbung und ein billiger Versuch, auf der medialen internationalen Bangladesch-Agenda mitzusurfen.

Habe lange überlegt, ob ich das Foto selbst auch posten sollte – aber was bringt ein derartiger Monolog gegen ein Bild, wenn man das Bild nicht sieht? Insofern erfülle ich den AmApps wahrscheinlich sogar einen Wunsch – das Bild wird tausendfach publiziert und bringt daher super Werbewert. Daher hänge ich an die Publikation dieses Beitrags einen dringenden Wunsch: Auch wenn American Apparel fair produziert – es ist Zeit für einen Boykott. Ich finds in diesem Zusammenhang sogar besser, normal konventionelles „Made in Bangladesh“ zu kaufen und so den Näherinnen dort den Wunsch nach Aufträgen, wenn auch unter beschissenen Zuständen, zu erfüllen, als American Apparel mit dieser beschissenen Masche immer noch als „gute Marke“ durchkommen zu lassen. Ich mochte sie vorher aufgrund des plumpen Sexismus in deren Werbungen nicht, jetzt ists zuviel. Diese Marke verdient langsam wirklich Umsatzeinbußen nach dem Vorbild von Abercrombie & Fitch

Getaggt mit , ,

5 Gedanken zu „American Apparel boykottieren!

  1. Sophia Mach sagt:

    Hi,

    Dein Dialog ist super!!! Hab mich weggelacht. :‘-D Klasse Analyse. 🙂

    Schönen Abend Dir
    Sophia

  2. ibrauchnix sagt:

    Der Text unter’m Bild hat’s aber auch in sich – da hab‘ ich dann gleich nochmal geschenkelklopft!

  3. […] freue ich mich, dass ich sooooooo viel über faire Mode berichten kann, mich öffentlich über blöde Ideen von mir unsympathischen Firmen aufregen kann, und dass ich vielleicht so, auf diese Weise, dazu beitragen kann, dass die eine oder […]

  4. […] Und dann noch die Geschichte, die mich endgültig stinkend und blubbernd und rauchend sauer gemacht hat. […]

  5. Herr Ning sagt:

    Zitat: „Auch in Bangladesch lässt sich fair produzieren.“
    Sicher? Wie kommst Du zu dieser Annahme?

    Ich kenne das Unternehmen AA natürlich auch nicht intern, aber sollten sie tatsächlich in den USA produzieren, ist das meiner Einschätzung nach mit Sicherheit fairer.
    Und das führt solche Unternehmen dann u.U. in die Pleite, während andere den Profit ins Unermessliche steigern

    Und noch etwas bzgl. Sexismus. Ich stimme Dir da zu, aber für solche Kampagnen braucht es ja auch schließlich die (in diesem Fall dann weiblichen) Models, oder?
    Die werden ja nun hoffentlich nicht gezwungen, das zu tun – anders als Menschen in Ländern, wo Korruption und politische Gewalt herrschen.
    (Lese hierzu gerne den Abschnitt „Machtwechsel und Demokratisierung“ im Wikipedia-Artikel über Bangladesh)

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