Archiv für den Monat Mai 2014

Eine apokalyptische Buchrezension

Hach, wenn man in einem Bus sitzt, der vier Stunden durch die Dunkelheit fährt, sind vier Stunden plötzlich verdammt lang. Da kommt man trotz aller Urlaubseindrücke dann doch ins Grübeln….wie man den Blog eigentlich weiterführen möchte, wenn man wieder in Wien ist. Nach zweieinhalb Jahren muss doch mal die Luft aus dem Thema draußen sein, oder?

Naja, lang nachdenken musste ich nicht, um mir das zu beantworten: Nein, ist sie nicht. Ich gehe schon wieder über vor Ideen, was ich noch alles schreiben, machen, lesen, produzieren, tun will in Sachen fairer Mode und dergleichen.

Im Zuge dieser Nachdenkerei dann festgestellt: Hoppala, ich hab ja auch auf was vergessen! Nämlich auf eine Buchrezension. Die mir sehr sympathisch erscheinende Greta Taubert kontaktierte mich letztes Jahr, als sie auf mein Projekt gestoßen war. Sie schrieb gerade an einem Selbstversuchsbuch (die scheinen irgendwie gerade in Mode zu sein, kommt mir vor 😉 ) und interviewte mich. Das fertige Buch erschien vor einigen Monaten und kassierte gleich mal Rezensionen in Spiegel und Co: „Apokalypse, jetzt!“. Greta geht von dem Gedanken aus: Was ist, wenn was ist. Wenn alles crasht. Wenn die Versorgung zusammenbricht. Wenn kein Geld mehr da ist.

Und sich einfach mal theoretisch mit dem Gedanken herumspielen, wie das denn dann wohl so wäre, das ist ihr zuviel Konjunktiv. Nein, sie probierts gleich mal aus. Nix kaufen. Ernährung nur mit Vorräten, wie sie die deutsche Regierung empfiehlt. (In dem Kapitel steht übrigens mein Lieblingssatz: „Einzig der Zwieback mit seinem bisschen Zucker krümelt mir ein wenig Endorphin ins limbische System.“) Urlaub ohne Geld. Pilzezüchten in Keller und Dusche (boykottiert von ihrem Holden, muss sagen: verständlicherweise). Selbstnähen. Kräuter in der Stadt sammeln. Kein Fleisch mehr essen. Jagen lernen. Tauschen. Komplettausstieg und ab in eine Selbstversorgerhütte, in der wenig zur Selbstversorgung zur Verfügung steht.

Ich muss zugeben, ich hab das Buch förmlich gefressen. Nicht nur, weil ich neugierig endlich zu der Stelle kommen wollte, in der auch ich vorkomme (yippie! Ich tue es! Nur das mitm begehbaren Kleiderschrank, das stimmt nicht. Das HÄTT ich gern gehabt, HAB ich aber nicht. Wobei, gemessen an meinen diversen MountMcWäschebergen war früher wohl meine halbe Wohnung ein begehbarer Kleiderschrank, so irgendwie theoretisch gesehen), sondern weil Greta es drauf hat, mir gleichzeitig den Hals zuzuschnüren vor lauter Zukunftssagenwirmaldunkelgraumalerei und mich zum Lachen zu bringen. Und warum das Buch trotzdem ein schönes ist? Weils in meinen Augen ein wunderschönes Happy End gibt. Samt Hollywoodschaukel!

Kurz: zwei Daumen hoch, große Empfehlung!

Taubert-Apokalypse-jetzt-org

Foto (c) http://www.luebbe.de/Eichborn/1/10

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Nachdenklich, musikalisch und offtopic.

Länger nix berichtet (für mich sind vier Tage ohne Blog lang, spannende Selbstbeobachtung), weil: Nix zu berichten. Wir sind inzwischen im Norden der USA, in Seattle, angelangt. Der Holde ist musiktechnisch glücklich – die Stadt von Eddie Vedder, Chris Cornell und ganz wichtig: Nirvana (und in my humble opinion – und die Foo Fighters. Die übrigens KEIN Fahrstuhlmusiknirvanaabklatsch sind. Das war mal ein Kommentar im Standard-Forum, über das den ich mich seltsamerweise hochemtional immer noch ärgere. Pfft. Soll mal das 2011er-Album hören, vor allem „I should have known“, mit Krist Novoselic am Bass. Sorry, abgeschweift.).  Kleidungstextilundsoweitertechnisch gibts keine nennenswerten neuen Beobachtungen. In San Diego, wo wir bis heut früh waren,  gabs genauso wie in jeder größeren Stadt unglaublich viel an Second Hand und Läden, die Bestandsware abverkaufen (Ross – Dress for less. Dort hängt alles herum, was in den Ursprungsläden nicht gegangen ist). Hauptsache günstig. Und das ist auch wirklich wichtig hier. Neuware bei Target oder Walmarkt ist doch noch ein paar Prozenterl teurer als in den Goodwill-Stores und sonstigen Second Hand Läden (ja, ich hab sie entdeckt, die Shops, in denen es Kleider um ein bis fünf Dollar gibt). Warum das wichtig ist? Besonders in den Städten fällts auf, und ich hab schon mal drüber geschrieben, aber es beschäftigt mich halt sehr: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten herrscht Armut. Jetzt nicht komplett und für alle (im Gegenteil, die Richie Richs in ihren fetten neuen Mustangs gibts auch mehr als bei uns die BMW-Fahrer, die die Pferde unter ihrem Hintern nicht beherrschen), aber die Armut und die Menge an obdachlosen, bedürftigen Menschen, die einem hier begegnet, ist in jeder Stadt aufs Neue schockierend und wahnsinnig traurig.

Österreich ist so eine unglaubliche Insel der Seligen, ich hoffe wirklich inständigst, dass dieser Teil der Amerikanisierung es nicht über den Atlantik schafft. Natürlich pissts mich unglaublich an, dass ich, obwohl ich über meinen Job bei Greenpeace voll versichert bin, wahrscheinlich aufgrund der Bucheinnahmen haarscharf über der Zuverdienstgrenze von 4500 Euro sein werde und brav zweitausend (!) Euro – also fast die Hälfte! – für die SVA ablegen werden darf. Ich hab das Buch quasi für eine Krankenversicherung geschrieben, die ich nichtmal brauche. Aber wenn ich mir anschaue, wie es hier so ganz ohne Versicherung zugeht, bin ich zwischenzeitlich wenigstens nur noch halbsauer (und ja, auch und vor allem im Vergleich mit denen, über und für die ich schreibe, ist das ein Luxusproblem höchster Stufe, ist mir sonnenklar. Ich hab das Buch übrigens definitiv nicht aufgrund des Geldes geschrieben…. aber halt auch nicht aufgrund der SVA!).

Nur nur was ich nicht verstehe: Hier in den USA sind 46 Millionen US-Bürger nicht krankenversichert. Dann setzt Obama sein Obamacare endlich durch, was ich für einen tollen Schritt in Sachen sozialer Gerechtigkeit halte – und dann melden sich „nur“ acht Millionen an? Und das ganze Ding ist verrufen wie nur? Ich kapiers einfach nicht…

Sorry, der Beitrag ist etwas offtopic geraten….ich bin halt grad sehr nachdenklich.

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Langeweile auf 180.000 Quadratmetern

Einige werden jetzt sagen: No, des hätt i dir oba scho friara sogn kenna. Trotzdem, ich habs getan. Ich war in einer der 30 größten Fashion-Malls der USA, die größte im Südwesten der Staaten. 180.000 Quadratmeter. Fashion Square Scottsdale. Wir sind hin und einfach mal losspaziert, angefangen im Nordstrom, in dem man direkt von der Garage aus reinfällt. Und wir sind gegangen….und gegangen… und gegangen…. und haben wahrscheinlich grad mal ein Drittel der gesamten Mall gesehen. Und: Es war unglaublich langweilig. Nicht nur uns, sondern augenscheinlich auch den VerkäuferInnen – es war wenig bis nix los, nur unten in der Fressmeile waren Menschen zu sehen – und, wie in jedem Einkaufszentrum auf der ganzen Welt: Den Männern. Die sich in den Sitzgruppen vor den Geschäften kollektiv langweilten.

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Es gibt dort unendlich viele Shops, wirklich unglaublich, und gut 90 Prozent davon Mode. Alles wirkt unecht, die Pflanzen sinds sogar, und auch unglaublich: In jedem einzelnen Shop hängt das Gleiche, ehrlich! Das ist nicht nur eine Feststellung vom Liebsten, dessen Modeempfinden nicht ganz so entwickelt ist wie das diverser Modemädels, nein, es ist wirklich so! in jedem Bademodengeschäft: Die Bikinis mit Vorhang (was ist denn das für ein Trend bitte, sich vor den Vorbau noch einen Fetzen drüberhängen – als Serviettenersatz beim Pommesessen im Freibad?!), überall die gleichen Farben, die gleichen Schnitte, in Preislagen von Forever 21 bis Barneys New York (gut, und viele Vokuhila-Kleider, ich gebs ja zu…aber keines wirklich verführerisch). Fetzen, wohin das Auge reicht, und obwohl ich mich ansonsten wirklich gerne von Auslagen inspirieren lasse – selten so was riesiges Uninspiriertes gesehen wie dort. Nach etwa einer halben Stunde sind wir wieder raus, am Pool ist es halt doch netter.

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Und nachdem W-Lan in dem Land quasi überall vorhanden ist, hab ich am Pool (in dem sturzbilligen, blitzsauberen Motel in Scottsdale, sehr lässig) dann gleich mal Inspirationsausgleich betreiben müssen. Thrift Style Thursday – mein neuer Lieblingsbloggertrend zum lange herumklicken und Bilder anschauen…nachdem ich hier nicht viel an fairer Mode finde (und auch nicht wirklich suche, zugegeben, hier haben Nationalparks, das Meer, das Pool oder spannende Städte Vorrang), und die Second Hand Läden hier einfach nur genial sind, bin ich voll auf der Thrift-Welle… nur meine Nähmaschine vermiss ich. Snüff.

 

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