Stark angefangen, stark nachgelassen

Die DPA hat eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben – es ging ums Kaufverhalten. Bei der TT kann man den gesamten Artikel nachlesen. Der Artikel fängt fantastisch an:

Bei einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der dpa sagten fast neun von zehn befragten Verbrauchern, für sie seien faire Produktionsbedingungen in der Textilbranche „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Fast jeder Dritte Befragte sagte, er würde auf keinen Fall ein T-Shirt, eine Jacke oder ein Kleid kaufen, von dem bekannt sei, dass es unter unmenschlichen Produktionsbedingungen herstellt worden sei. Weitere 49 Prozent gaben an, ein solches Produkt „eher nicht“ kaufen zu wollen.

Doch dann gehts bergab:

Bei einer vor einigen Monaten veröffentlichen Umfrage des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels gaben jedenfalls nur sieben Prozent der Händler an, dass sich die Kundenanfragen nach den Produktionsbedingungen deutlich verstärkt hätten. Viele Konsumenten halten offenbar den Preis des Produkts noch für das zuverlässigste Signal in Sachen Herstellungsbedingungen. Gut die Hälfte der aktuell befragten Verbraucher meint, ein T-Shirt solle mindestens zehn Euro kosten. Weitere 29 Prozent meinten, mindestens 5 Euro seien angemessen.

Und wirklich traurig wirds am Schluss:

Einfacher haben es natürlich jene Konsumenten, denen die Herstellungsbedingungen egal sind. Besonders unter jungen Leuten sind das gar nicht so wenige. Immerhin jeder vierte Befragte im Alter zwischen 18 und 24 Jahren gab an, die Frage der Produktionsbedingungen sei beim Shoppingbummel für ihn ohne große Bedeutung.

Gibt nicht viel Hoffnung für die Zukunft – und fühlt sich in etwa so an wie das Wetter da draußen. Wäh. Ich wünsch mir mal gscheiten, aber realistischen Ethik-Unterricht an den Schulen anstelle des „Herr Fesser, kömma bitte an Film schauen“-Religionsunterricht wie ich ihn damals erleben „durfte“.

 

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2 Gedanken zu „Stark angefangen, stark nachgelassen

  1. allymentar sagt:

    bei dem ersten zitierten absatz kams mir schon hoch. 9 von 10 ist das wichtig? 8 von 10 würdens garnicht oder eher nicht kaufen? wen haben die da gefragt? ich meine, schaut euch mal in den filialen von den textilriesen um, wie viele leute da rumrennen. von den absatzzahlen her ist das absoluter bulls**t, gots etc. sind noch sehr winzig vertreten auf dem markt.
    die diskrepanz zwischen diesen aussagen und dem echten einkaufsverhalten kann ich mir nur so erklären: wenn jemand konkret danach gefragt wird, ist das thema grüne&faire mode „erstmal wichtig“, weil man sich ja sonst schlecht fühlen müsste wenn einem das offensichtlich egal wäre. sobald es um die umsetzung geht, wird man faul und bequem und verlässt sich auf die schwammigen aussagen des herstellers, man redet sich ein, das hat schon so seine richtigkeit, um eben weiterhin gemütlich t-shirts für 5€ kaufen zu können, ohne ein schlechtes gewissen zu haben. man verschließt mehr oder weniger bewusst die augen vor ausführlicherer information.
    jetzt weg vom erhobenen zeigefinger: das war bei mir auch mal so! aber jetzt bin ich froh, dass mir die augen geöffnet wurden (und dein blog hat dazu beigetragen)

  2. jessica sagt:

    Ich bin immer echt entsetzt, was bei Instagram abgeht. Die Blogger posten da ein mehr mal weniger gelungenes Outfitbild, hashtag #newjumperfromzara und die Fans schreiben nur noch ‚Artikelnummer???‘ Rennen die wirklich alle los und kaufen das einfach? Dann wird Fast Fashion noch lange Thema sein. Und was sagt das über die Mädels bitte selber aus? Ich finds jedenfalls heftig.

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