Ausverkauf! Sale! Achtung! Konsumentenver***che!

Auch spannend. Ist mir noch nie passiert: Artikel fertig geschrieben, eingespeichert – und das falsche Datum reingetan. Und mich heut früh gewundert, wieso nix online gegangen ist. Und das so kurz nach dem Urlaub, oioioioi 🙂 Dann halt jetzt – hier und auf fischundfleisch.at:

Kaum ist der ganze Weihnachtskonsumwahnsinn vorbei, geht die nächste Einkaufssaison los: Der Ausverkauf. Oder neudeutsch Sale – vier Buchstaben, die uns momentan wirklich aus JEDER Auslage entgegen schreien. 99 Prozent dieser lauten Buchstaben sind entweder weiß auf rot oder rot auf weiß, damit sie ja gesehen werden. Damit die KonsumentInnen auch wirklich denken: „Boah! Billiger! Schnäppchen machen! Mal reinschaun, vielleicht find ich ja was, was viel billiger ist als ursprünglich, dann hätt ich ja total Geld gespart!“ (Dass sie in solchen Fällen genau null sparen, sondern im Gegenteil dazu sogar mehr Geld ausgeben als ursprünglich geplant, weil Ausverkaufs-Käufe selten lange geplante Anschaffungen sind, steht auf einem anderen Blatt…)

sale

Ich kann mir nicht helfen, mich nervt das jedes Jahr mehr. Hab ich mich vor einigen Jahren selbst noch auf diese Schnäppchen im Ausverkauf gefreut, graut mir inzwischen schon vor den Schildern in den Auslagen.

Ausverkauf ist schon lange nicht mehr eine Maßnahme für Händler, ihre Lager frei zu kriegen, um neue Ware anschaffen zu können, die sich aller Wahrscheinlichkeit besser verkauft als die Vorjahresmodelle. Das könnte ich ja noch verstehen, wenn Ware unter dem Einkaufspreis hergegeben wird: Lagerplatz ist teuer, und wenn gerade knallpink in ist, sich in der kommenden Saison aber erbsenspeibgrün als Modefarbe ankündigt, wird man schauen, die knallpinken Teile möglichst bald los zu werden, um mehr Lagerplatz für erbsenspeibgrün zu haben.

Bei großen Textilketten wird der Ausverkauf jedoch inzwischen wie eine eigene Saison geplant: Weil es den KonsumentInnen nicht taugt, nur noch Randgrößen wie XXS oder XL im Ausverkauf zu finden, werden ganze Kollektionen bereits bis zu ein Jahr vorher rein für den Ausverkauf bestellt. Das sind dann die Teile, die wundersamerweise mehrfach in allen Größen verfügbar sind, auf denen der „Ursprungspreis“ durchgestrichen ist und der „neue“ Kampfpreis fett aufgedruckt ist. Ich weiß nicht, wie es anderen dabei geht, ich komme mir dabei verarscht vor. Weil es das ganze System einfach auf so ungut konsumistische Weise pervertiert.

Ich finds auch jedes Jahr aufs neue wieder lustig: Ab November geht alles drum, ob das Weihnachtsgeschäft gut ist, und ob die Leute ja genug kaufen. Läuft das Weihnachtsgeschäft nicht gut, wird per Nachrichten gleich mal Angst vor der Rezession geschürt. Direkt danach folgt im Jänner der Ausverkauf (wobei, in den letzten Jahren sieht man immer öfter schon die Sale-Schilder vor Weihnachten in den Auslagen), die Leute sollen bitte wieder kaufenkaufenkaufen – und im Februar höre ich immer wieder von Händlern, dass der Monat so schlecht ist, dass das Geschäft so schlecht rennt. Ernsthaft? Kann man den KonsumentInnen auch mal bitte eine Pause gönnen? Diese großen Unternehmen agieren im wahrsten Sinne des Wortes auf Kosten der KonsumentInnen – die immer weniger nachdenken und sich immer mehr zum Geldausgeben „verleiten“ lassen. Ich wünsch mir, dass KonsumentInnen wieder eigenverantwortlicher agieren, sich überlegen, wann sie was brauchen (oder meinetwegen hin und wieder auch haben wollen) – und dass die Händler diese Eigenverantwortung auch akzeptieren und damit umgehen können (Wunschtraum, ich weiß…). So lange ich weiß, dass bei großen Unternehmen eigene Kollektionen für den Ausverkauf extra neu produziert werden, so lange werde ich innerlich bei jedem Sale!-Schild, das mich anschreit, ein „Nicht mit mir!!“ innerlich zurück schreien.

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9 Gedanken zu „Ausverkauf! Sale! Achtung! Konsumentenver***che!

  1. Hat dies auf ich mach es anders rebloggt und kommentierte:
    Das unterschrieb ich genau so, wie es da steht – deshalb auch kein eigener Artikel

  2. Bettina sagt:

    Wunderbar, wie Du es formulierst. DANKE. Genial.
    Ich schreie auch …. nicht mit mir!

  3. Silvana sagt:

    Hallo,
    ein sehr guter Beitrag, wieder einmal die volle Realität und ich kann es nur bestätigen. Normal ist der Verkaufsrausch echt nicht mehr. ABER es gibt tatsächlich noch Untersciede und Geschäfte, die wirklich die Preise heruntersetzen und das weiß ich deshalb weil ich oft drauf warte und dann wenn ich Pech hab gibt’s meine Größe leider nicht mehr. Also abgesehen davon um welche es sich nun handelt, sie sind nicht alle gleich…aber ich kann mir schon denken um welche es in dem Betrag geht. Ist nicht schwer zu erraten….

  4. Ja, Sale! gibt es ja jetzt eh schon das ganze Jahr über. Ist nur eine Marketingstrategie, nicht wirklich ein Ausverkauf. So entsteht halt aber beim Konsumenten und der Konsumentin das Gefühl man müsse das jetzt unbedingt haben. Ist mir auch schon passiert. Auch ich tappe manchmal in diese Falle. Deshalb ist’s für mich am besten gar keine Kleidung mehr einkaufen zu gehen. Ich näh mir einfach nur noch alles selber 🙂

    In Großbritannien ist es überhaupt wild. Da stehen die Leute am 26. Dezember schon um 3h morgens vor den Geschäften und trampeln sich dann um 6h morgens zu Tode, um an ihre Sale-Ware zu gelangen. Das versteh ich einfach nicht!

    • Silvana sagt:

      Also krass. Kein Sale der Welt würde es mir wert sein um 3 h nachts vor einem Geschäft zu warten. Aber warum so weit? Das gibt es auch hier in diversen riesigen Technikmärkten. Ohne jetzt Namen zu nennen, rennen Massen dort um 6 h die Bude ein um Fernseher & Co günstig zu ergattern. Verrückte Welt!

  5. Stadtpflanze sagt:

    Die Information über die extra bestellten Kleidungsstücke für den Ausverkauf war mir neu – vielen Dank!

    Meiner Meinung nach ist allerdings auch der tatsächliche Ausverkauf problematisch – als Symptom der Überproduktion. Wenn es maaal ein schlecht verkauftes Modell wäre oder maaal ein paar Shirts hier und da … Aber die Dimensionen sind (wie gesagt: selbst beim tatsächlichen Lager-Ausräumen) ganz anders.

  6. Ramona sagt:

    Da ich nun bestimmt schon seit einem Jahr nicht mehr in den klassischen Läden drin war, da ich dafür gar kein verlangen mehr verspür, sind mir auch die sale Schilder egal. Jedoch ist es eine erschreckende Entwicklung unserer Gesellschaft. Früher war ich jedoch genauso. Ich hatte ein Jahr lang in der Innenstadt einer größeren Stadt gearbeitet. Da waren die Verlockungen in der Mittagspause oder nach Feierabend sehr groß, einfach mal zu schauen, was es wieder neues reduziertes gibt und zum regulären Preis habe ich damals eigentlich nix gekauft, man braucht ja eigentlich nix, dann kann man auch darauf warten bis es günstiger angeboten wird.

    Gruß Ramona

    PS: Bezüglich Sport- und Outdoorkleidung bin ich noch nicht geheilt, kennt ihr da alternativen? Oder Marken die vertretbarer sind als der Rest?

  7. anonymus sagt:

    Um ehrlich zu sein bin ich froh um den Sale – selbst um den gefaketen. Sonst würde ich nämlich überhaupt keine zur Jahreszeit passende Kleidung mehr kaufen können. Ich bin nicht mode-affin und daher interessieren mich Sachen wie „die neue Kollektion ist da!!!einself!!“ genau garnicht. Und dadurch verpasse ich den „normalen“ Zeitpunkt an dem die Modeindustrie glaubt, daß man Kleidung zu kaufen hat immer – also zb. Winterkleidung Ende August oder Frühlingskleidung im Jänner.
    Und bin schon oft genug in einem scheißkalten Feber im Geschäft zwischen kurzärmligen Shirts und den ersten Trägertops gestanden und hab verzweifelt was warmes gesucht. In den letzten Jahren wo sie jetzt verstärkt nochmal die Kleidung der „vorherigen“ (facepalm) Saison um diese Zeit als Fake-Sale auflegen habe ich dadurch endlich wieder die Chance zur Saison passende Kleidung zu bekommen – also warmes dann wenn’s kalt ist und wenn’s heiß ist was dünnes luftiges. Natürlich wär’s noch besser wenn’s die Sachen gleich dann gäbe wenn’s eigentlich sinnvoll wäre aber momentan bin ich echt froh drum; vor 10 Jahren als das Sale-Unwesen noch nicht so verbreitet war hatte ich echt Probleme.
    Leider läuft es in der Lebensmittel-Produktion ja ebenso – letztes Jahr hatte ich schon Mitte Juni(!) Lebkuchen und Spekulatius im Billa gesichtet (wer will den im Hochsommer bitte essen? Ist ja eklig!?!) und als ich dann Ende November endlich Gusto drauf hatte hab ich fast keinen mehr bekommen O.o Da sich leider die Hersteller sicher nicht mehr umgewöhnen werden hoffe ich ehrlich gesagt darauf, daß sie in Zukunft auch extra für Fake-Sales eine zusätzliche Ladung Weihnachtskekse produzieren die man dann wie ein normaler Mensch zu einer sinnvollen Zeit (sagen wir mal so ab November) kaufen kann.

  8. […] Methoden der Bekleidungsindustrie kannst Du übrigens in diesem Artikel […]

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