Wenn der Name für Qualität steht, das Produkt aber Schrott ist…

Wie kriegt man kleine Nunus  ganz leicht auf die Palme rauf? Indem man ein großer, sehr billiger verkaufender und produzierender Textilkonzern ist und den Markennamen einer alten, ursprünglich österreichischen Firma missbraucht. Ich hau hier jetzt ziemlich aus, darum werde ich den Konzernnamen nicht nennen, ich geb euch nur Stichworte: Drei Buchstaben, Verona Pooth, Rana Plaza.

Ergee war mal einer der führenden Strumpfwarenerzeuger Europas, tolle Qualität, meine Mama hat mich oft in Strumpfhosen oder Unterleiberln von denen gesteckt, und aus dem niederösterreichischen Schrems. In den vergangenen 20 Jahren ging es bergab mit dem Unternehmen, dank fortschreitender Globalisierung war man bald nicht mehr konkurrenzfähig. Es gab noch einige Rettungsversuche, Anfang 2008 wurde die Produktion nach Tschechien verlegt. Half nix, elf Monate später musste Konkurs angemeldet werden (das ist nicht das erste Mal, dass mir auffällt, dass Fabriken und Unternehmen oft nur kurz vor Weihnachten zugesperrt werden. Bei einem Triumph-Standort wars auch so. Frohes Fest, sag ich da nur).

Ergee hatte jedoch bis zum Schluss einen echt guten Ruf, die standen für Qualität.

Worauf die drei Buchstaben sich kurz darauf den Markennamen und das Fertigwarenlager krallten. Der Produktionsstandort in Schrems interessierte sie genau gar nicht. Bedeutete: Sie verhökerten in ihren Filialen alles, was noch von Ergee übrig war. Das ist sicher schon lang weg. Und jetzt? Werben sie mit Ergee-Qualität in ihren Filialen. Dabei wird inzwischen kein einziges Produkt mehr in einer Fabrik von Ergee oder, wenn wir schon dabei sind, in Europa produziert. Soll heißen, ich tippe mal auf Made in Bangladesch. Strickleggings im Webshop um zwei Euro neunzehn. Ja genau.

Ich find das einfach so dreist! Den KonsumentInnen wird die Qualität einer guten, alten, europäischen Marke vorgegaukelt, und in der Hand haben sie dann Made-in-Billiglohnland-unter-miesen-Umständen-und-mit-mieser-Qualität. Ich kenne die Preise nicht, aber ich vermute, dass die Ergeeproduke etwas höher bepreist sind als die vergleichbaren No-Name-Produkte in ihren Märkten. Aber sie dürfen hochoffiziell ihre KundInnen vera….en, sie haben ja die Markenrechte von Ergee gekauft. Sie entblöden sich sogar nicht, auf ihrer Website zu schreiben: „Ergee – Qualität seit 1921“. Nochmal: Mit der ursprünglichen Firma Ergee haben die Produkte, die die jetzt verhökern, nur noch den Namen gemeinsam, sonst genau gar nichts!

Das folgende Bild hat eine Kollegin für mich gerade bei Greenpeace gefunden, und ich finde, es passt so gut. Ergee warb mit dem süßen, freilaufenden Babypipihendl. Jetzt passt das leicht zerrupfte im Hintergrund wohl besser.

(c) Greenpeace

(c) Greenpeace

PS: Sorry für den reißerischen Titel, es muss natürlich nicht alles Schrott sein, aber …. naja. Mir reicht ja schon der Geruch in den Filialen, um an dieses Wort zu denken 😦

6 Gedanken zu „Wenn der Name für Qualität steht, das Produkt aber Schrott ist…

  1. […] von Werbung und bar bezahlte gesponserte Beiträge finden hier nicht statt – damit ich auch weiterhin die Fresse aufreißen kann. Madeleine zahlt über ihren Blog Versicherung, Miete, Essen. Ich […]

  2. mukolama sagt:

    Oh, danke, dass du das hier schreibst! Ich war vor ein paar Monaten in besagtem Laden – ebenfalls animiert durch deinen Blog, weil ich Zeit über hatte und mal bewusst diesen Geruch wahrnehmen wollte, von dem du immer schreibst… In der Babyabteilung bin ich dann auf Ergee-Produkte gestoßen und war dadurch fast in Versuchung, was zu kaufen (den Konkurs hab ich nicht mitgekriegt, ich dachte an eine Kooperation; auch wenn ich mich darüber gewundert hab). Ich habs dann letzten Endes nicht gemacht, weil ich beim Dreibuchstabenunternehmen ja nix kaufen will, aber das würd ich doch schon fast in den Bereich der Täuschung einordnen.

  3. Romy sagt:

    Das ist leider Wirtschaft und funktioniert in jeder Sparte – AEG ist auch schon lange nicht mehr „Made in Germany“-AEG sondern Chinabilligschrott mit Sollbruchstelle…

    • diealex sagt:

      Und Grundig kommt jetzt aus der Türkei. Volvo PKWs aus China… Alles nur noch Trademark. Das ist dann wohl Globalisierung.

  4. Silvana sagt:

    Ja auch ich hab mich schon vor einigen jahren mal gewundert, daß in dem besagten laden ergee-produkte zu kaufen waren und dachte mir auch noch, aha, so schlimm können die dann doch nicht sein, wenn die solche marken führen. so kann man sich täuschen. ich meide es ja dorthin zu gehen, jetzt erst recht. aber ich denke auch, daß es diese art von täuschung der kunden sehr oft gibt. das ist sicher gang und gäbe, auch im lebensmittelhandel. wenn z.b. fleisch- oder wursthersteller von großen firmen aufgekauft werden, vorher groß mit bio usw. werben und nachher läuft das ganze unter demselben namen weiter, der kunde, noch beeinträchtigt von damaliger jahrelanger werbung, kauft weiterhin das produkt, was längst nicht mehr bio ist…..namen nenne ich jetzt keine. aber gibts leider auch….das ist ja auch eine andere geschichte….

  5. […] wenig mit Textil zu tun, aber viel mit einer Tatsache, mit der ich mich immer mehr beschäftige und die mich immer mehr aufregt: Wir KonsumentInnen werden streckenweise sowas von verarscht, dass es zum aus der Haut fahren ist. […]

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