Billig statt Lumpen, was für eine Lösung

Heut mal ein „gemütliches“ Samstags-Fernseh-Programm für euch. Von einer lieben Leserin geschickt bekommen, die davon sehr schockiert war, hab ichs mir selbst vor ein paar Tagen angeschaut, und pfuuuh. Lehrerin aus der Bronx, die nur in Second Hand herumläuft, wird gestyled. Die Sendung fasst so ziemlich ALLES zusammen, was mich in der ganzen Diskussion rund um Fair vs. Fast Fashion nervt. Auch wenn da sicher fast alles überinszeniert ist, allein schon die Messages in der Sendung, puh, war mir plötzlich kalt.

sixxx

1) Die Lehrerin rennt wie ein lebendes Vorurteil gegen Second-Hand-Mode herum, Vogelscheuchen-Style könnt man es uncharmant nennen. So wie sie es macht, macht man es nicht. So wie Hindi es macht, so macht man es.

2) Ihre Sachen werden demonstrativ weggegeben. Von einem verkleideten Vogel. Und dem Hinweis, dass das, was noch verwendbar war (mit einem Blick, der zeigt: Also viel war da nimmer brauchbar, meine Liebe, wir haben das alles weggschmissen), gespendet wurde. Sachen, die sie selbst vielleicht gern noch gehabt hätte. Das hätte ihre Entscheidung sein sollen.

3) Sie glaubt, neue Kleidung ist teuer. Eine Modenschau, bei denen kein Teil teurer ist als vierzig Dollar, beweist ihr das Gegenteil. Und das ist etwas Gutes, weil…?

Nochmal, ich weiß, das Ganze ist extrem inszeniert, hässliches Entlein vorne rein, schöner Schwan hinten raus. Aber das ist eine Sendung, die in vielen Ländern gesehen wird, und die Message dieser Sendung: Hey! Kleidung ist billig! Du kannst dich jederzeit stylish anziehen! Und das wird an einer gezeigt, der Recycling und Second Hand wichtig ist.

Gut, meine Lieblingssendung wird das wohl nicht werden 🙂

Mir gehts da jetzt gar nicht um demonstratives Aufregen und ein Oh-wie-Schlimm-Hände-an-den-Wangen. Es zeigt aber einfach: Da draußen gibts Leute, die nicht nur ganz anders, sondern wirklich komplett, völlig und hundertprozentig anders denken als ich. Ist auch keine Überraschung. Aber gesund, mich selbst hin und wieder drauf hinzuweisen!

8 Gedanken zu „Billig statt Lumpen, was für eine Lösung

  1. Jetzt mal nicht gleich so kritisch, ist sicherlich auch nur Zufall, dass die Dame so frappierende Ähnlichkeit mit Anne Hathaway hat, die ja schon mehr als einmal das hässliche Entlein gemimt hat. Herrjeminie, so viel Volksverblödung… 😉

  2. Cnautsch sagt:

    Am Montag hat die Tauschzentrale auf der Mariahilferstr. Konkurs angemeldet 😣 Gibts seit den 70er Jahren! Aber damals gabs ja noch keine Billigmodeketten….. Ich hab dort immer meine Sachen hingegen, da trennt man sich leichter wenn man denkt irgendjemand hat damit danach noch Freude damit. Und selbst kauf ich gern Second Hand. Besser einen Mantel um 100 € der früher mal 300 gekostet hat und gute Qualität hat. Als 2 um 50 bei Prim. … Hab mir vorgenommen dort nie reinzugehen!

  3. War gestern auf nem Modeflohmarkt. Fast nur Billigklamottenscheiß 😦 War auch mal anders.

  4. hindi kiflai sagt:

    Ich kenne die Sendung (noch) nicht, aber sie hört sich auch nicht sonderlich sehenswert an. Ich gebe mir auf jeden Fall Mühe, dass das Styling in Secondhand-Kleidung cool aussieht. Danke fürs Verlinken 😉

  5. anonymus sagt:

    Auf Deinen Artikel hin musste ich mir das gestern auch noch ansehen. Was mich eigentlich am meisten an solchen Sendungen ärgert und hier auch wieder sehr rausgekommen ist – und das fehlt mir bei Deiner Kritik übrigens auch – es geht NUR darum, daß es STYLISH sein muß. Selbst Du kritisierst das reflexartig – „so macht man es halt falsch beim Second Hand Mode tragen, das muß SO aussehen“. Ok, einiges von ihren Sachen war echt nimmer brauchbar; wenn der Kram mal Mottenlöcher hat ist’s iwie klar, daß das nix mehr ist. Aber zb. Jeans mit Löchern werden einem ja sogar aktuell um teuer Geld verkauft.

    Und es wird überhaupt nicht darauf eingegangen zu welchen Gelegenheiten und an welchen Orten sie die vorgeschlagene neue Kleidung denn tragen soll. Mensch nochmal, die Frau ist lt. Sendung angeblich Lehrerin in der Bronx! Hallo, Praxisaspekt!? Da darf die nicht wie ein aufgedonnertes, reiches Püppchen aussehen, sonst wird die an jeder 2. Ecke überfallen oder ihre Schüler_innen tanzen ihr auf der Nase rum. Was anderes wäre es gewesen wenn in so einer Kollektion jeweils 4 verschiedene Outfits für 4 verschiedene Anlässe gewesen wären – ein toughes für die Arbeit, ein praktisches für legere/sportliche Freizeit, ein glamuröses, ein hübsches aber nicht zu unpraktisch/glamuröses. Zumindest ein Outfit a la „Dangerous Minds“, wo auch die Lehrerin im niedlichen Sommerkleidchen erst nicht respektiert wird und dann mit Jeans und Lederjacke ankommt hätte ich mir erwartet. Ja, ist ein Klischee, aber das hat schon seinen wahren Kern. Ich bin Technikerin, ich kenn den Effekt sehr gut. Wenn Du wie ein Püppchen in einer technischen Abteilung aufschlägst, dann mußt Du mind. 3x so hart arbeiten bis Dich wer respektiert. Aber der Aspekt kam garnicht vor. Das war alles nur „sie soll schön aussehen“. Um was? Sich möglichst bald einen Typen aufzureißen, damit sie nicht mehr arbeiten „muß“ oder wie?

    Und mal ehrlich, wo soll die bitte mit zb dem roten Kleid (das so kurz war, daß man wohl bei jedem längeren Schritt oder falls sie beim Sitzen mal nicht krampfhaft die Beine zusammenpresst die Unterhose gesehen hätte) oder dem Paiettending vom Schluß lang laufen? Das ist eine Lehrerin in einem Ghetto-Bezirk, die wenig verdient, die hängt doch nicht jeden Tag auf Cocktail-Parties oder Galerieeröffnungen ab wo man sowas tragen könnte!

    Das einzigste wo ich irgendwo zustimmen konnte war die Aussage von ihrem Bruder, daß sie mit besserer Kleidung von ihren Kollegen und Vorgesetzten mehr für voll genommen würde und daß sie ihren Schülern auch ein besseres Vorbild wäre. Das ist ein nachvollziehbares Argument. Wenn man arme Schüler dazu bringen will sich anzustrengen sollte man nicht so aussehen als ob Lernen eh nix bringt weil man selbst mit dem Wissen einer Lehrerin sich nur mottenzerfressene Kleidung leisten kann. Das wirkt dann vllt schon demotivierend als ob’s eh alles keinen Sinn hat sich in der Schule anzustrengen. Das eine Outfit von ihrem Bruder (das mit der Schlaghose die ihr dann nicht gefiel) war eig. fast das einzigste wo ich mir gedacht hab, ja, damit könnte sie sicher auch in der Schule auftauchen. Obwohl das ohne Rüschen an der Bluse nochmal besser gewesen wäre. Dieser ganze Rüschenkram läßt Frau immer so ein wenig wie ein harmloses Doofie wirken, das man eh nicht ernst nehmen muß.

  6. Kelikine sagt:

    Gestern fand ich endlich die Zeit, mir diese Sendung einmal anzusehen und ich muss sagen, ja gut, ihre Outfits sehen echt nicht toll aus, aber ihre Argumente und die Einstellung zur Verschwendung sind nachvollziehbar und lobenswert. Fakt ist, am Ende sieht sie echt gut aus … aber was ist bitte von ihren Wertvorstellungen übrig geblieben?

    Ich hab mir noch 2 weitere Sendungen angeguckt um festzustellen, dass hier immer gleich vorgegangen wird und am Ende sehen alle aus wie Pseudo-Modepüppchen (nicht jede hat die Figur zum Coverstar!). Auf die Persönlichkeit und Individualität wird absolut nicht eingegangen, es werden am Ende alle in die gleiche Art von Kleid gesteckt und pasta. Persönlichkeit = 0, Konformität + Mainstream = A+

    Es hätte der Lehrerin vermutlich mehr geholfen, wenn ihr jemand im Secondhandshop gezeigt hätte wie man richtig einkauft, kombiniert und auf Qualität achtet. Ein Haarschnitt und Conditioner und dezentes Tages-MakeUp + neue Brille + gut sitzende Secondhand-Kleidung et voila …

    … aber das würde die gewünschten Einschaltquoten wohl nicht bringen … SCHADE!

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