Nicht so schlecht wie das ganz Schlechte? ?

Ich warte gerade auf meine Heimreise nach Wien und habe etwas Zeit tot zu schlagen.  Erster Gedanke: im Internet Nachrichten lesen,  was sonst,  ich Junkie. 🙂 Nochmal über die orf.help-Geschichte über Altkleidung gestolpert. Ich war sehr überrascht, dass der dem Namen nach afrikanische Ethnologe Olumide Abimbola meint, die massiven Altkleiderimporte aus Europa wären eh nicht so schlimm. Er argumentiert,  dass chinesische Importe viel billiger seien, und dass mir den Importen ein eigener Wirtschaftszweig entstanden sei,  den man jetzt auch nicht untergehen lassen darf.  Spannend, dachte ich mir beim ersten Lesen. Man soll halt nie von fixen Meinungen ausgehen, und muss immer flexibel für neue Perspektiven sein, dachte ich.  Ist also doch nicht so schlimm,  dachte ich.  Wieder was gelernt, dachte ich. 

Viele andere? Die diesen Artikel lasen, dachten sich das wohl auch. 

Und dann dachte ich noch einmal drüber nach.  Und fand die Argumentation plötzlich seltsam.  Nur weil etwas noch schlechter ist,  sind die europäischen Importe plötzlich eh nicht so mies?  Sehe ich anders -und ärgere mich über dieses Zwischenspiel von Abimbola und dem ORF. Warum?  Weil sich jetzt ganz viele Leute denken,  diese Situation mit den Altkleidern in Westafrika ist ja eh nicht so schlimm.  Das wird jetzt so abgespeichert im Hirn und die Sachen vom Frühjahrsausmisten landen und der Humanabox. Dabei ist das nicht gut, sondern nur ein bissl weniger schlecht als das ganz Schlechte. Grmpf.

Altkleider sollten hier in Europa so lange wie möglich verwendet werden, das ist meine Meinung. Und in Westafrika sollte zumindest die Chance bestehen,  durch einen Stopp der Überschwemmung durch Altkleider der lokalen Industrie wieder auf die Beine zu helfen. Da gibt es dann auch wieder Jobs…

Apropos Altkleider: Paris ist ein Second Hand Paradies! 

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2 Gedanken zu „Nicht so schlecht wie das ganz Schlechte? ?

  1. ich finde das auch seltsam, es wird immer jemanden/etwas geben, das noch schlechter ist. Dann könnte man ja auch einmal am Tag sein Kind schlagen – weil andere am Tag drei mal ihre Kinder schlagen. Eine sehr seltsame Logik, die mir aber auch des öfteren in Gesprächen (Diskussionen) begegnet…

  2. zauberweib sagt:

    Das ist so, wie wenn dich jemand trösten will, dass es anderen doch noch viel schlechter geht als dir (gerade), Was ich erstens fraglich finde, warum sich eine bei dem Gedanken daran, dass es anderen _noch_ schlechter geht, plötzlich selber _besser_ fühlen soll. Und zweitens – welchen Sinn macht es, sich an dem zu messen, was schlechter ist? Wärs nicht sinnvoller, das Gute und Richtige anzustreben? Und sich _daran_ zu orientieren?

    Ich hoffe, dass diesen Beitrag viele der „anderen gehts doch noch viel schlechter als dir!“-Tröster lesen!

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