Danke, dass ihr so super seid

Bin gespannt, heute gehts zur Fast Fashion Ausstellung in Hamburg, ich werde berichten. Aber ich hab heut ein Anliegen: Ich muss mir mal wieder was von der Seele schreiben. Mir gehen im Moment tausende Gedanken jeden Tag durch den Kopf. Wie auf Facebook schon mal berichtet, hatte ich diesen unglaublichen Moment, als die chinesische Detox-Chefin, also bei Greenpeace wirklich hochrangig, mich mit großen Augen ansah und meinte: ¨Duuuu bist das? Ich hab von der Europäerin, die nix shoppt, gelesen! Das hat in der Bloggerwelt in China echt die Runde gemacht! Wie toll, dass du bei uns an Bord bist!¨. Ich schreib das jetzt hier nicht, um anzugeben, um nach Bestätigung zu heischen oder sonst mich irgendwie selbst darzustellen. Ich schreib das hin, weil ichs so vöööööööööööllig absurd find, was aus einer kleinen Trotz-Idee von mir geworden ist. Ich schreib von dem Moment, an dem ich mich in meine Lieblingsstiefel verknallt hab, und das landet in China?

Dieser Blog hat kein Konzept. Dieser Blog hat den Hintergrund, mir sprachlich als Ventil zu gelten, und die Mission zu zeigen, dass man kein verbohrter Jutesack-Gesundheitsschlapfen-ichrettedieWeltundesistsoanstrengend-Öko sein muss, um eine andere Konsumwelt mitzugestalten und das auch genießen zu können. Aber Konzept? Null. Ich schreib, was mir grad einfällt, wonach mir gerade ist. Über viele Dinge meines Lebens schreibe ich nicht, die gehen die weite Welt (China!?!!) nix an. Aber wirklich, ehrlich: Ich überleg mir am Abend, worüber ich schreiben könnte, und schreibs. Wenn ich Zeit und Ruhe hab, am Vorabend, manchmal schlonz ichs überhaupt nur schnell vorm Arbeitengehen in der Früh hin (so wie jetzt gerade, hüstelhüstel). Manchmal muss ich mich über die Ungerechtigkeiten des Lebens aufregen, manchmal zeigen, wie schön faire Mode sein kann, und manchmal mag ich zeigen, wie viel Spaß Stricken macht. Fertig.

Ich bekomme ungelogen inzwischen auf fast täglicher Basis Rückmeldungen, dass ich LeserInnen inspiriere. Dass sie jetzt auch shoppingdiäten, und dass sie mir danken, wie motivierend ich auf sie wirke. Ich freu mich über jede dieser Nachrichten, aber ich fange erst jetzt an zu kapieren: Nunu, du hast dir Verantwortung eingetreten. Allein durch dein Geschreibsel hast du dich zu einer Art Role Model entwickelt. Puh. Hart. Das ist jetzt nix, was ich jemals sein wollte, und ich gehöre nicht zu den Menschen, die unbedingt reich und berühmt werden wollen (wobei: ersteres wäre manchmal schon sehr praktisch).

Natürlich erfüllt mich das mit sehr viel Stolz und natürlich ist es eine tolle Bestätigung – für etwas, das ich so einfach nie geplant hatte. Aber es macht mich auch nachdenklich: Was macht das eigentlich mit mir? Ich bin ein lauter Mensch, goschert, kurz: Wenn ich wo ankomme, dann merkt man das. Ich hab eine ganze Weile gebraucht, das an mir selbst zu akzeptieren, und mich nicht kleiner zu machen. Ich ziehe auch ganz viel Energie aus dieser Bestätigung, die ich hier am Blog empfange (danke euch allen dafür!). Aber ich hab echt ein bissl Bammel, dass das zum Selbstläufer wird. Anscheinend ist meine Arbeit hier am Blog größer, als ich sie selbst sehe. Das jagt mir gehörigen Respekt ein.

Irgendwie dreh ich mich grad im Kreis, argumentativ, sorry. Ist irgendwie schwer auszudrücken, worum es mir geht.

Ich will bescheiden bleiben. Ich bin dankbar für all die Dinge, die diese eine blöde Idee am Flieger nach Teneriffa mir eingebracht hat. Ich sehe es als Geschenk, dass das, was mir so unglaublichen Spaß macht, solchen Impact da draußen hat. Es gab mal jemanden, der warf mir immer wieder vor, ich sei so süchtig nach Bestätigung. Gut, das war auch ein gehöriges Missverständnis zwischen uns beiden, und die Art, auf die er es meinte, stimmte in meinen Augen schlicht nicht. Aber es hat in mir eine Sorge ausgelöst: Glauben da draußen Leute, dass ich den Blog hier nur aus Bestätigungsgründen betreibe (dass ich nämlich bitte so super bin, hey, mich kennt man in China, was willst du Zwerg von mir – so in etwa?). Das ist es absolut nicht. Wie schon gesagt, natürlich ist diese Bestätigung schön und macht glücklich, aber das ist nicht alles. Ich will niemals als die gelten, die nur süchtig nach Aufmerksamkeit oder Bestätigung ist. Ich glaub, mir ist das wichtig, aufzuschreiben, damit dieses ¨hey, man kennt mich in China¨ auch wirklich nicht falsch verstanden wird – mich selbst haut das am allermeisten um.

Meinen Ansatz von wegen informieren, nicht missionieren, den hab ich schon vor einiger Zeit aufgegeben. Ich bin dankbar, dass ihr diesen Gedanken an eine faire Modewelt lest, für gut befindet, weitertragt, anscheinend bis nach China. Danke, dass ihr so super seid.

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6 Gedanken zu „Danke, dass ihr so super seid

  1. dieLela sagt:

    Tag, liebe Nunu!
    Eine kleine Weile verfolge ich nun schon deinen Blog -und heute schreib ich dir auch mal.
    Irgendwie bin ich glaube ich über manomama und Sina Trinkwalder auf dich gekommen. Denn ich bin seit ein paar Tagen jetzt ein mobiles Herz von manomama und kann so auch ein bisschen in Richtung fair, ökologisch und nachhaltig gehen. Ich komme aus der Bekleidungsindustrie und habe für mich beschlossen: dieLela passt dort nicht mehr hin und dieser Leistungs- und Konsumgedanke passt auch nicht mehr zu dieLela. Der Wandel zum bewussteren Hinschauen und Entscheiden -übrigens in allen Lebensbereichen- ist ein alltägliches und allumfassendes Ding und auf keinen Fall immer ganz klar oder leicht zu beantworten.
    Ich persönliche habe sehr gern Anteil an deiner Art damit umzugehen durch deinen Blog. Auch um meinen Weg zu finden. Ich verstehe, was du sagen willst, mit dem „Dass-es-mir nicht-über-den-Kopf-wächst“ Gedanken. Das ist ganz schön viel Verantwortung, könnte man sagen. Aber bitte denk auch daran, dass jeder letztlich nur für sich selbst Verantwortung übernehmen kann. So traurig und so schön es zugleich ist. Du kannst einerseits die Welt nicht retten. (Jeder muss seinen eigenen Weg gehen). Aber du kannst sie auch nicht untergehen lassen (wenn/falls du irgendeinen Senf schreibst, was manche ja durchaus tun). Ich meine: diese große Verantwortung musst du auch nicht tragen. Und das ist doch auch eine Erleichterung. Irgendwo dazwischen liegt die richtige Balance. Einerseits für dich als „Informant“. Und andererseits für uns als „Leser“. Denn es bringt uns ja auch nicht jeder Blog zum nachdenken. Deiner schon.
    Also: weitermachen. Das ist die Konsequenz.
    Finde ich.

    Dann noch eine praktische Sache: dieser Film interessiert mich auch. Leider gibt es hier aber kaum noch kleinere Programmkinos, wo ich sowas anfragen könnte. Bin auch nicht sicher, ob das Sinn macht so als Einzelperson, weil es sollten ja auch Leute hingehen. Es wäre leichter wenn es einen Verein oder sowas gäbe, damit man auch bisschen Werbung machen kann. Hast du Tipps wie ich sowas finde oder sollte ich einfach beim Fair-klamotten Laden und den veganen Foodrestaurants anfragen…? Bin da jetzt bisschen planlos….

    Zum Schluss noch eine Frage: ich habe nirgends ein Bild von dir gefunden, würde mir aber gern anschauen, wer dahinter steckt. Kannst du mir eins schicken, zeigen? Ich würde dir auch eins von mir zeigen, falls du andersherum auch so denkst.

    Dann also liebe Grüße, ich hoffe du verstehst, was ich sagen will…
    die Lela

    • nunette sagt:

      Ich mach auf alle Fälle weiter. Ich will nur sicher stellen, dass ich nicht missverstanden werde. Und @film: du kannst ihn dir auf der Homepage auch persönlich runter laden. Fotos sind jede Menge am blog, oder du googlest meinen Namen. Irre, wieviele Bilder es da schon gibt.

  2. Marthalou sagt:

    Du machst Dir viel zu viele Gedanken!
    Ist doch alles super!
    Du greifst ein Thema mit Deiner Dir eigenen Art auf und nimmst uns einfach mit auf die Reise! Toll!
    Wir, die wir auch eine Klamottendiät oder Ähnliches gemacht haben und uns durch Deinen Anstoß und Deine Beiträge mit dem Thema nachhaltige Kleidung beschäftigen, sind MIT Dir zusammen stolz, wenn Du jetzt auch schon in China gelesen wirst! Jawoll!
    Schmatzer aus Köln! 🙂

  3. Ramona sagt:

    Hi Nunu,
    ich wollte einfach mal los werden, wie toll ich deinen Blog finde. Die Mischung aus Information und gelebtem tun ist einfach spitze. Du zeigts immer wieder aufs neue, dass man etwas verändern kann. Und dass es jeder so umsetzen kann, wie er eben kann. Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger.

    Danke für deine Mühe und Arbeit. Es ist doch nur super, wie bekannt du bist. Und natürlich darfst du stolz auf dich sein.

    Viele Grüße aus dem Schwarzwald.

    PS: Du machst richtig Lust auf Wien, soviel fair fashion wie es dort gibt. Aber zum Glück ist Freiburg nicht so weit weg.

  4. yasmin sagt:

    Hallo liebe Nunu,
    also solche Gedanken schieb mal gleich weg. Wer so von Dir denkt, hat nicht verstanden um was es Dir geht. Du musst Dich für nichts rechtfertigen. Du redest, so wie Dir Dein Herz, Dein Mundwerk und Dein Verstand gewachsen ist. Und das ist gut so!!!
    Dafür mögen und schätzen wir Dich!
    Also sei stolz, dass Deine Stimme für das was Dir am Herzen liegt, mittlerweile so laut ist, dass sie bis nach China hallt.
    Liebe Grüsse aus Hessen
    Yasmin

  5. Liebe Nunu,
    was dein Blog besonders macht, ist die Kombi aus spontaner Emotion und fundiertem Fachwissen …deshalb lese ich so gern bei dir (und habe seit dieser Lektüre den Textiliren nicht mehr mit Umsätzen bedacht und wegen vorhandener vier Teile aus 2012 nur deshalb kein schlechtes Gewissen, weil ich diese Blusen im Sommer fast täglich trage und mir einbilde, sie damit zumindest durch Langlebigkeit ein klein wenig nachhaltiger zu machen. Und der Schwede bekommt von mir auch im Prinzip kein Geld mehr … im Prinzip deshalb, weil meine Nachwuchsmänner schnell wachsen und deren Jeans dort am besten passen). Wenn ich als Privatfrau modebloggen und kritisieren würde, dann wäre das vielleicht nice to read … aber deine fachliche Seite macht es spannend. Und empathisch. Wenn ich bei dir die Einzelheiten über Rana Plaza lese, dann bewirkt das mehr bei mir als ein Tagesschau-Bericht. Und auch die Hintergrundinfos zur fairen Mode erzeugen Empathie und den Wunsch, die Infos weiterzutragen. Jetzt bräuchte ich nur noch ein faires Label, das die absoluten Basis für Business anbieten kann. In hochwertigen Qualitäten, klassischen Schnitten in SCHWARZ und (leider) auch Größe 44/46 … dann würde ich wahrscheinlich mein Klamottenbudget einmal jährlich dort für drei Basisteile ausgeben und gut ist.

    Das Kompliment deiner chinesischen Kollegin finde ich schön … bei Detox seid ihr Kooperationspartnerinnen … im Blog bekommt sie sicherlich ein paar „Empathieanregungen“ von dir. Sind halt doch Unterschiede zwischen China und Österreich im Interkulturellen … und wer weiß, was du auf plaudernde Art dort verankerst?

    Jedenfalls weiterhin viel Erfolg von
    Frau RRP

    (auch nachhaltig unterwegs … aber eher in Richtung Klimagerechtigkeit)

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