Fast Fashion Ausstellung: Gut, aber mimimi

Heute war es so weit, ich war bei der Fast Fashion Ausstellung in Hamburg. Mein Fazit entspricht ziemlich dem, das ich von vielen Seiten schon gehört habe:Sie ist gut aufgebaut, was die verschiedenen Themen rund um Fast Fashion angeht. Sehr beeindruckende Bilder, Videos, Zahlen, Daten Fakten. Kennt man sich wirklich gut mit dem Thema aus, und das nehme ich mir für mich jetzt mal heraus, denkt man sich: Super, sie haben wirklich fast alle kritischen Themen erwischt, soziale Bedingungen, Menge, Konsumismus, Ökologie, Baumwolle, Polyester, Second Hand, Kleidermüllberge, Tierqual, alles drin. Wer sich ein bisschen auskennt, wird wohl noch ein paar Fakten dazu lernen, die ihr oder ihm bisher noch nicht so bewusst waren. Wer komplett neu in dem Thema ist, wird hoffnunglos überfordert sein und nach Durchsicht aller Ausstellungsstücke am liebsten nach Hause fahren und den gesamten Kleiderschrank ausräumen.

Eines eint alle drei Gruppen: Es werden keine guten Lösungsansätze angeboten. Es gibt einen versteckten Extraraum, in dem es um Slow Fashion geht, um die alternativen Produktionsweisen und alternative Konsumkonzepte. Aber während der Raum über Fast Fashion wirklich wunderbar medial aufgebaut und inszeniert ist, stehen im Slow Fashion Raum gerade mal zwei lange Kartontafeln, auf denen Dinge aufgepinnt sind. Allein der erste Eindruck verstärkt leider das, was ich so fürchterlich finde: Er treibt Slow Fashion wieder in das farblose, nach Hirsekorn schmeckende und aus den Ohren staubende Öko-Eck, Zwar werden ein paar tolle innovative Materialien vorgestellt, von verschiedenen Lederarten über tierfreundliches Angora (?) bis hin zu Bambus und Biobaumwolle. Aber die alternativen Kampagnen werden mit ein, zwei Postern abgespeist, und die mitten im Raum stehen drei Schaufensterpuppen in Slow Fashion – und zwar so avantgarde, dass die Durchschnittsschülerin, die schockiert ist von den Tatsachen rund um Fast Fashion, sowas von nicht angesprochen fühlt, dass sie erst recht ratlos aus der Ausstellung geht und in Zukunft zwar weiter zum Textilschweden, aber mit schlechtem Gewissen. Ich will dort Kleider von People Tree sehen! Röcke von der Göttin des Glücks! Jeans von Nudie oder den Gebrüdern Stitch! Die Sachen sollen angreifbar sein, und die Leute sollen doch bitte merken: Die alternative Modewelt bietet so viele Möglichkeiten, ihr könnt euch austoben, alles (außer dem Zwei-Euro-Shirt) ist machbar! Das finde ich sehr schade an dem Ganzen, denn der Teil der Ausstellung, in dem es um Fast Fashion geht, fetzt echt rein.

Trotz meiner Enttäuschung rund um den Alternativenpart gebe ich trotzdem eine Besuchsempfehlung ab. All das, was ich mir innerhalb meines shoppingfreien Jahres nach und nach an Informationen erarbeitete, gibt es hier gebündelt in einem Raum, sehr fein aufbereitet.

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Ein Gedanke zu „Fast Fashion Ausstellung: Gut, aber mimimi

  1. hmm … den halben Schrank wegwerfen? Brainstorming in Prokrastinationslaune:
    vielleicht sollte wirklich der Aspekt „nachhaltiger durch lange Nutzung“ noch stärker verankert werden. Wer jetzt fast Fashion im Schrank hat, sollte sie durch Nutzung, Weitergabe und Wertschätzung ein Stückchen nachhaltiger machen … nichts Neues mehr dort, aber Langlebigkeit für das alte.

    So nach dem Motto … Kaufen – an – aus – Wegwerfen? Mit mir nicht.
    Und ein Outfit fotografieren, das fair Fashion und ALTE fast Fashion kombiniert.
    Beispiel: Strickjacke (Schwede, Jahrgang 2001, Hose: Fairlabel XYZ 2010, Schal: selbstgestrickt, 2015 Bluse: bei Oma abgestaubt 1995 …. Schuhe: aus ökoleder und saubequem, in Hamburg gefunden 2014.
    Claim: Ich bin doch kein Anziehpüppchen … oder so ähnlich

    Liebe Grüsse
    RRP

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