Change your shoes!

Ich finds immer wieder beeindruckend, Zahlen um die Ohren gehauen zu bekommen. Solche, bei denens dann schlackert.

Beispiele gefällig?

  • Herr und Frau Österreicher geben im Jahr 195 Euro für Schuhe aus.
  • Das sind sechs Paar. Das sind bissl über dreißig Euro pro Paar. Im Durchschnitt.
  • Weltweit werden 22 Milliarden Paar Schuhe produziert.
  • 87% davon in Asien, zwei Drittel wiederum davon in China.
  • In Indien kauft jede/r BürgerIn pro Jahr etwa 1,5 Paar Schuhe (ergo zwei Paare alle drei Jahre ca., danke Maria für die Korrektur)
  • In den USA sind es sieben Paar pro Person und Jahr.
  • In Europa führt UK, dort sind es auch fast sieben Paar. Gut, Österreich ist da aber nicht wirklich weit hinten.
  • Schuhproduktion ist immer viel Handarbeit, völlig dulli, ob Leder, Kunstleder oder sonstwas.
  • In Österreich produzieren 1160 Angestellte in der Schuhindustrie zwei Millionen Paar Schuhe pro Jahr.
  • Aus Indien werden pro Jahr 2,7 Millionen Paar Schuhe nach Österreich importiert. Davon sind 2,6 Millionen Paar Lederschuhe.
  • Das heißt, man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: Jede/r von uns hat ein in Indien produziertes Paar Lederschuhe zuhause.
  • Eine einfache Roh-Haut, Nebenprodukt von Schlachtungen weltweit, kostet nicht viel, Daumen mal Pi einsfuffzig. Nach der Gerbung ist sie plötzlich 150 Euro wert. Aus einer Haut können etwa 6 Paar Schuhe gemacht werden.
  • Bei dieser Gerbung findet in 90% der Fälle, wenn nicht sogar mehr, Chrom seinen Einsatz. Chromsalze sind giftig, und wenns ganz blöd kommt, entsteht Chrom 6, und das ist weder für die Umwelt noch für die Menschen, die diese Schuhe dann an den Füßen haben, auch nur ansatzweise gesund.
  • Die ArbeiterInnen in Indien hantieren oft ohne entsprechende Schutzkleidung, kommen direkt mit den Chemikalien in Kontakt, werden krank.
  • Ärzte diagnostizieren diese Erkrankungen jedoch nicht als Berufskrankheit, weil sonst die produzierenden Konzerne reagieren müssten.
  • Schuhproduktion ist oft auch Heimarbeit. Wenn die Heimarbeiterin die Quote nicht schafft, müssen andere zuhause helfen. Schuhproduktion ist also ein Nest für Kinderarbeit, diese wachsen alternativenlos in die Schuhproduktion hinein.
  • Indische ArbeiterInnen haben zwar per Gesetz Urlaubsanspruch, dieser wird aber nicht umgesetzt. Wer mal einen Tag wegen einer Hochzeit oder einem Begräbnis frei kriegt, hat Glück.
  • In manchen Fabriken gibt es Lohnabzüge bei Fehlern. Wer zwei Fehler in einem Monat macht, dem werden 30 Euro vom Lohn abgezogen.
  • Dieser Lohn beträgt aber insgesamt grade mal 60-70 Euro.

Nein, Kunstleder ist keine Alternative. Kunstleder ist Plastik, energie- und chemikalienintensiv in der Produktion, ungsund für die Füße und überhaupt wäh. Ich halte jetzt aber auch keine Brandrede für (pflanzengegerbte!) Lederschuhe. Sondern – und das von mir bekennendem Stiefelfan! – für Reduktion. Genauso, wie es nicht immer ein neues Outfit sein muss, müssens regelmäßig neue Schuhe sein (und ja, ich weiß, eigene Nase, Schuhe hab ich zuviele. Auch wenn ich auf meine paar nachhaltig produzierten Paare sehr stolz bin). Und: qualitativ hochwertig kaufen, laaaaaaaaaaaaaaaaaaange tragen. Und nein, zwei Saisonen ist nicht lang.

Wollt ihr mehr wissen? Bitteschön, in 15 EU-Ländern startet die Kampagne „Change your Shoes„. Von denen hab ich auch die obigen Infos.

Auf dass endlich auch in dieser Szene mehr geschieht. Find ich super!

Hach, Schuhe.

Oh, neue Dankeschöns gibts auch.

softclox

Passen gerade gar nicht zu den Temperaturen da draußen, aber immer noch mein nachhaltiges Lieblingspaar: Das war das erste Paar überhaupt, das ich ZUERST toll fand und DANACH kapierte, dass sie öko und fair sind. Geil, oder? Softclox nennen sich die Dinger, und es gibt auch jede Menge Sandalen.

5 Gedanken zu „Change your shoes!

  1. Hallo Nunu!

    In Indien sind es wohl eher 3 Paar in 2 Jahren, wenn sie pro Jahr 1,5 Paar Schuhe kaufen.

    lg
    Maria

  2. Judith Leopold sagt:

    Interessant! Würde mich freuen, wenn du gleich bei der Thematik bleibst und zu Kinderschuhen schwenkst. Für die Kleinen so etwas wie Badeschlapfen zu finden, die nicht (komplett) aus Plastik sind und oder mit giftigen Substanzen versehen, ist fast unmöglich. Irgendetwas muss es doch geben, das unbedenklich ist..?

  3. wolfgang sagt:

    hallo nunette
    ja, da spricht doch alles für softclox! trägst du auch sandalen von softclox?
    wünsche dir ein schönes wochenende! 🙂
    lg wolfgang

  4. […] Wollt ich schon länger bringen – die Videos zur neuen Schuhkampagne der Clean Clothes Campaign. Sorry, heute recht textfrei, viel zu tun. Aber worum es geht, hab ich hier schon mal geschrieben. […]

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