Archiv des Autors: nunette

Das Dilemma

Ich brauch zwei Paar Hände, ganz klar. Die Entscheidung, ob stricken oder bloggen, die taugt mir grad gar nicht. Heute wars stricken. Noch ein Knäuel bis zum ersten fertiggestrickten Weihnachtsgeschenk. Ja, ich bin jetzt so eine. Ich verschenke Selbstgestricktes.

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Bessere Baumwolle, my ass…

Dauernd denk ich, boah, die Ökomodeszene, die ist ja riesig! So viele kleine Designer, die auf Bio setzen, so unglaublich viele Marken! Nur halt keine Riesenmarke a la Textilschwede dabei. Doch immerhin auch der hat in den letzten Jahren auf den Ausbau seiner Organic Fashion Linie gesetzt.

Bis jetzt. Gestern les ich: Der weltweite Biobaumwollanbau nimmt derzeit ab und nicht zu.

Seltsam, denkt man sich, wo doch der Öko-Trend auch die Mode erreicht hat, sogar bis rauf zur High Fashion a la Stella McCartney. Doch leider – die wahre Macht am Markt haben die Textilriesen aus Schweden, Spanien, Deutschland und den USA. Und die setzen derzeit auf in meinen Augen ziemlich verlogene Konzepte wie etwa die Better Cotton Initiative. Hört man und denkt man sich: Cool, bessere Baumwolle, nachhaltig, leiwi.

Falsch. Die Baumwolle der Better Cotton Initiative ist nicht bio, und obendrein sind die sogar noch stolz drauf, dass sie kein Problem mit gentechnisch veränderten Pflanzen haben. Die Bauern, remember? Den KonsumentInnen wird eingeredet, dass das bessere Baumwolle sei, und in Wahrheit ist es einfach nur ein Marketinginstrument, das konventionelle Baumwolle besser (better!) wirken lässt.

Also ich find sowas fast schon niederträchtig.

 

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Ockerfarbene Sünde

Ich sag oft, dass die Inspiration zu dem Jahr von einem Zeitungsartikel herstammt. Jedoch eines muss ich auch mal sagen: Gewusst, dass ich ein bissl falsch ticke in Bezug auf Shopping, hatte ich schon länger. Mein Tiefpunkt in Sachen Shopping ereignete sich vor ziemlich genau einem Jahr. Ich war auf eine sehr noble Hochzeit eingeladen und bildete mir ein, kein Kleid zu besitzen, das dem Anlass entprechen würde. Also zog ich los, und landete in einem Geschäft, in dem ich immer wieder mal zugeschlagen hatte….

…und ich kam nachhause mit einem Cordrock und einem Baumwollshirt. Das war mir sogar damals peinlich.

Das Hochzeitsoutfit war dann doch wieder das eine, teure, wunderbare Kleid, das ich mir 2005 in Australien geleistet hatte und das seither ganz wunderbare Dienste tut.

Den Rock hatte ich bisher genau dreimal an – der Grund: Ich hatte exakt diesen Rock in einem wunderschönen Dunkelrot an einer Bekannten gesehen, und musste ihn unbedingt haben. Es gab ihn jedoch nur noch in ocker. Ich kaufte ihn trotzdem.

Der obige Beitrag hat aus heutiger Sicht drei Fehler, die ich in Zukunft hoffentlich nicht mehr machen werde. Erstens: Ich HABE genug anzuziehen, zweitens: Ich sollte keine Ersatzhandlungen beim Shopping tätigen, und drittens: Rot. Nicht ocker. Rot.

(c) nunette colour

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Wolllust

Achtung, ich scheine ansteckend zu sein.

Seit ich viel übers Stricken schreibe, höre ich im Bekanntenkreis auch immer mehr von diversen Strick- und Häkelversuchen, derer ich wohl einige „verschuldet“ habe. Zunächst wäre da mal die Lady Grey, die scheinbar am laufenden Band Schals und Stulpen produziert, unter anderem auch ein Paar für meine Lieblingsmoni (hier zu sehen mit meinem Lieblingspanda). Den Stulpen ist übrigens eine hochinteressante Farbdiskussion vorausgegangen, die die Worte Rostlila, Verkehrspurpur und Rot geratenes Aubergine beinhaltete.

(c) facebook.com

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Dann wäre da die Sonja, ebenfalls aus dem Freundeskreis der grauen Kirsche und im Bann der hohen Kunst der Strickerei, sie hat auf meine Anleitung per Facebookchat hin einen Loop gestrickt. Ich finde das Foto absolut entzückend, schaut mal, wie stolz sie ist! Sonja ist übrigens auch Urheberin der Aussage, dass Stricknadeln der Stärke 20 „futuristische Sex-Toy-Optik“ hätten.

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Mella, meine liebe Freundin aus Berlin (eigentlich Hamburg, eigentlich Hannover, eigentlich ganzwoanders) hat das DIY-Virus in Form von Häkelei erfasst. Auch sie meint, ich sei da mitschuld dran.

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Und extrem lieb finde ich auch das Geständnis einiger Greenpeace-Mitarbeiterinnen, die mir schrieben, sie wären voll vom Strickvirus angesteckt (sie haben sich aber bedankt bei mir, dürft also nicht so schlimm sein :)) und würden in der Früh meist Strickfortschritte vergleichen. Meine Pressesprecherinnenkollegin hat mir letztens dann gleich mal als Beweis ein Foto von ihren selbstgestrickten Fäustlingen geschickt, das sich leider nicht um die Burg vom Handy runterladen lassen will..

Ach, ich freu mich, dass ich mit meiner Strick- und Wolllust nicht alleine dastehe! Ich bin wirklich für die biedermeiersche Wiedereinführung von Strickkränzchen …

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Wie das Projekt mein Leben beeinflusst, Part 27

Ich habe das unglaubliche Glück, über ein Zimmer in der Wohnung ganz alleine verfügen zu dürfen, und das ist noch dazu wirklich groß. Ich sitze grad am Sofa in diesem Zimmer und habe kurz mal den Blick durch den Raum schweifen lassen. Also. Am Sofa der Laptop, auf dem ich blogge. Neben mir am Couchtisch jede Menge Näh- und Strickmagazine, außerdem ein paar Bücher, die ich hier am Blog schon rezensiert habe. Zwischen Tisch und Sofa der Kübel mit Wolle und die Stricknadeln. Schaue ich geradeaus, sehe ich das Buchregal, so ein gekasteltes vom Ikea. Ein Kastl davon ist bis oben voll mit Büchern, die zu meinem Thema passen, von Nähratgebern über andere Jahresexperimente bis hin zu Bildbänden über Ecofashion. Daneben häufen sich die drei Taschen mit Ausgemistetem, am Tisch liegt fertiges, noch nicht vernähtes Strickwerk und die Nähmaschine, dahinter steht die Lampe, die ich so heiß liebe, neben der Lampe sind die Stoffe eingeschlichtet, am Schaukelstuhl (ja, ich besitze sowas) liegen Stoffreste, und am Klavier noch drei Knäuel Zpagetti.

Letztes Jahr wären am Couchtisch Klatschmagazine gelegen, im Bücherregal Stieg Larssons und Co., am Tisch Handtaschen und Zettelstapel irgendwelchen Inhalts, am Schaukelstuhl die Katze und am Klavier jede Menge Staub….

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Ein ganz normaler Sonntagvormittag

Es ist traurig, wenn man am Sonntagvormittag aufwacht und beim ersten Nachschauen auf ORF.at, ob die Welt eh noch steht, dieses Bild sehen zu müssen:

In Bangladesch ist wieder eine Fabrik abgebrannt. Und wieder waren unzählige NäherInnen eingeschlossen. Lasst mich raten: Natüüüürlich war die Fabrik ISO 8000 zertifiziert, natüüüüürlich haben die Audits keine großen Kritikpunkte ergeben! Mindestens 115 Tote und über 200 Verletzte. Und diesmal darf C&A reagieren, an die wurde nämlich geliefert.

Es macht mich inzwischen einfach nur noch stinkesauer, dass alle naselang sowas passieren kann (erst vor wenigen Wochen hatten wir das Spiel ja in Pakistan), und dass sich hier die meisten Menschen nicht betroffen fühlen. Leute, wir zu einem großen Teil schuld daran, dass die Verhältnisse in den Fabriken so scheisse sind, weil wir die Fünfeuro-Shirts als selbstverständlich erachten, und weil wir einfach überhaupt nicht mehr drüber nachdenken, wo das Teil, das wir in Händen halten, eigentlich gemacht wurde, durch welche Hände es gegangen ist.

Das Ziel kann nicht darin bestehen, nie wieder etwas zu kaufen, was in Bangladesch produziert wurde – darum kämpfen sogar die dortigen Gewerkschaften, damit schlicht und einfach Jobs erhalten bleiben. Aber das Ziel muss darin bestehen, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, einen gerechten Lohn für diejenigen einfordern, die für uns produzieren, keine Zwangsüberstunden, die entstehen, weil westliche Auftraggeber alle fünf Minuten eine neue Kollektion in den Laden hängen wollen, und eine Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz.

So, und ich geh jetzt mal frühstücken. Wobei, mir ist grad ziemlich schlecht.

PS: Aber großes Lob an die Redaktion von ORF.at, wenigstens bringen sie die Geschichte groß und nicht nur unter „ferner liefen“ in der Chronologie….

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Sprachlosigkeit

Gestern Stress pur. Arbeit, Ausbildung, Arbeit während der Ausbildung, Arbeit nach der Ausbildung, den Wau, der grad wieder bei mir auf Reha ist, pflegen, und was essen sollt ich auch noch. Und mitten in diesem ganzen Freitagsstress auf ORF.at über diese Meldung gestolpert:

Polizei befreite Hunderte Kindersklaven in Burkina Faso

Polizisten haben im westafrikanischen Burkina Faso mehr als 400 Kindersklaven aus Bergwerken und von Baumwollplantagen befreit. Wie die internationale Polizeibehörde Interpol mitteilte, wurden die Kinder bereits Ende Oktober gerettet. Interpol hatte die Befreiungsaktion geleitet.

„Wir haben sie in Bergwerken gefunden und aus sehr tiefen Löchern geholt“, bestätigte heute Patience Quaye, eine hochrangige Polizeibeamtin im Nachbarstaat Ghana. 73 Verdächtige wurden festgenommen. Ihnen wird unter anderem Menschenhandel zur Last gelegt. Die Kinder arbeiteten in den Bergwerken unter „extremen Bedingungen“, so Interpol.

Sie wurden demnach gezwungen, in engen, bis zu 70 Meter tiefen Schächten Gold abzubauen. Lohn erhielten sie nicht. Die Behörden in Burkina Faso versuchen nun, ihre Familien zu finden, sagte Quaye. Einige der Kinder stammten aus dem Niger, fügte sie hinzu. Bei den meisten der Opfer handele es sich um Jungen – die jüngsten von ihnen sind nach Angaben von Interpol sechs Jahre alt. Mädchen wurden zudem auch Opfer sexuellen Missbrauchs.

Sprachlosigkeit. In einem Nebensatz kommen die Baumwollfelder vor.

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Ein böser Wunsch ans Christkind

Ich schwöre, es hat harmlos angefangen, meine Surferei im Netz. Ich hab nach Schuhen geschaut, einfach aus Sehnsucht, weil ich neue Schuhe am meisten vermisse. Und ich hab mich auch ganz ehrlich zuerst nur bei fairen und ökologisch korrekten Schuhen umgeschaut, aber ich werd weder mit der Optik von GEA noch von Veganova noch von Terra Plana so richtig warm. Also einfach so drauflosgegooglet. Und dann war es da, das Paar, das ich vor dem 16.1.2012 ohne auch nur mit der Wimper zu zucken bestellt hätte. Und bei denen ich hoffe, dass es sie nach dem 16.1.2013 noch gibt, weil pfwoah sind die toll. Sie sind zwar nicht grau, sondern beige, aber stylingtechnisch ist das für meine Winteroutfits gar nicht so der Riesenunterschied.

Sie sind bösen Ursprungs, von denen mit der wahrscheinlich nervigsten Schreiwerbung, die es grad gibt. Ich hab auch ehrlich ein schlechtes Gewissen, aber bei Schuhen steh ich wirklich vor der Problematik, dass mir die meisten Biomarken einfach überhaupt nicht gefallen. Bei der Mode ist das was ganz was anders, da freu ich mich schon sehr auf so manche Marken der Fair Fashion. Aber diese Schuhe, hach…  Was soll ich tun?

http://www.zalando.at/spm-oklahoma-stiefel-cuoio-sp611c03l-708.html?size=42

Liebes liebes liebes Christkind, ich hab 41-42, gell?

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Lob von Expertenseite

Pfwoah, ich bin grad stolz. Nicole von der Sicherheitsnadel hat mir auf Facebook einfach nur ein Riesenkompliment ausgesprochen:

ein wahnsinn…bei fairfashion recherche stoße ich immer wieder auf dasselbe gesicht … dein experiment Ich kauf nix – ein Jahr ohne Kleiderkauf bewegt zum bewussten selbst-an-der-nase-nehmen 🙂

Mich freut das deshalb so sehr, weil die Sicherheitsnadel einfach ein megacooles Projekt ist für mich Wienerin: Ein Einkaufsguide für nachhaltiges Shoppen in Wien. Quasi „da kauf ich“ auf regional.  So fein. Bald. Baldbaldbald. Und: sehr cooles Video, toll gemacht!

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Karma Chakhs

Ach, schon wieder so ein Crowdfunding-Ding, das ich so toll finde (Crowdfunding ist überhaupt ein sehr superes Konzept): Der Architekt Van Bo Le-Mentzel ist in Sachen Nachhaltigkeit plus Design ein Wunderwuzzi. Ich bin schon vor über einem Jahr über sein Projekt „Hartz 4 Möbel“ gestolpert. Er zeigt, wie man um ganz wenig Kohle ganz viel Design in seine Einrichtung bringen kann. Guter Mann. Mit gutem Schuhgeschmack, rein optisch: Er steht nämlich auf Chucks von Converse. Ich auch. Je zerfallener, desto besser – nur befindet sich mein Lieblingspaar leider bereits jenseits der feinen Grenze, hinter der sie nur noch grauslich ausschauen.

Van Bo hat also beschlossen, sich seine Chucks nachnähen zu lassen – fair, ohne Kinderarbeit, ohne Plastik und einfach pipifein. Doch es scheitert an der Mindestbestellmenge. Und deshalb crowdfundet er jetzt. Zum Glück geht die Aktion bis Ende Jänner, ich denke grad trotz Van Bos inflationärer Nutzung des Wortes Karma ernsthaft über so ein paar faire Chakhs nach. Die grünen find ich ja noch hübscher…

Und auf den Rechtsstreit mit Nike bin ich auch gespannt. Bring it on.

PS: Hoppla. Gibts schon. Trotzdem: Schöne Idee.

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