Schlagwort-Archive: Bangladesch

Manchmal wär ich gern so richtig blöd

Meine Lust am Shopping ist seit gestern nicht vergangen. Sie wurde zwar zwischenzeitlich kurz befriedigt, aber das war mehr so eine Methadon-Gschicht, nicht the good stuff. Auch wenns grad gefühlte 40 Grad hat (und ich mich am Heimweg – bergauf – derzeit täglich selbst verfluche, wieso ich schon wieder das Fahrrad genommen hab in der Früh) und man es nur in unmittelbarer Nähe von be-bade-barem Wasser oder einem Ventilator aushält, will ich shoppen gehen. Neues Gewand. So tolle Sandalen sehe ich an den Füßen anderer Frauen, so schöne Kleider an ihren Körpern.

Und dann denke ich mir im nächsten Moment: Ich würd sooo gern einfach zum Textilschweden, oder zum bunten Spanier, oder in irgendein sonstiges günstiges Fetzengeschäft rein und einfach ohne Nachdenken shoppen. Kaufrausch. Schauen, was mir gefällt, auf schöne Farben zugehen, anprobieren, nehmen. Drei, vier, fünf Sachen auf einmal. Und dann daneben im Schuhgeschäft Plastikflipflops und gleich mal fürn Winter Lammfell-Boots.

Jedoch, selbst wenn ich grad shoppen dürfte, ich glaube, das ginge gar nicht mehr. So blöd das klingt: Ich weiß zuviel. Ich beschäftige mich jetzt seit fast einem halben Jahr auf täglicher Basis mit den Zuständen in den verschiedenen Fabriken im fernen Osten, in Nordafrika oder sonstwo auf der Welt, wo auf Menschenrechte gepfiffen wird. Das, was mir hier in Wien angeboten wird, kann ich also nicht mehr genießen.

Und ganz ehrlich: Das geht mir gehörig am Popsch. Ich weiß, es gibt keine Alternative zum Fair Shopping, wenn man wirklich was ändern will und sich an der Ausbeuterei anderer Leute nicht beteiligen will – aber in mir kämpfen grad so richtig schön Engerl und Teuferl. Der Engel, der sagt: „Wenn du fair shoppst, dann hast du ein gutes Gewissen, dann wird niemand deinetwegen mies bezahlt, dann gehts der Umwelt besser.“ Und der Teufel, der sagt: „Pfeif doch drauf, schau wie schön doch dieses Colourblocking-Kleid in der Auslage bei Promod ist! Es würde dir so gut stehen, und günstig ist es auch noch! Alles, was die das Fair Shopping bringt, ist ein leeres Konto und viel Zeitverlust, weilst so lang suchen musst.“

Was für ein Glück, dass grad beide nix zu melden haben.

Und ich betreibe jetzt Selbstschutzmaßnahme und fahre an den See. Weit weg von jeglichem Geschäft.

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Clean Clothes reagieren auf Bangladesch

In Bangladesch krachts ja bisweilen immer noch. Die FabriksarbeiterInnen kämpfen für bessere Entlohnung. Das tun sie völlig zu Recht. Doch leider sind sie unglaublichen Repressalien ausgesetzt. Die Clean Clothes Kampagne hat nun ein offizielles Statement dazu herausgegeben, Leute, bitte lests das. Erstens ist da zusammengefasst, warum es kracht und was die Fabriksbesitzer für Irrsinnigkeiten als Konter ausgeführt haben, zweitens stehen da die Forderungen, die man ganzganzganz weit verbreiten sollte – wer weiß, vielleicht landen sie ja dann wirklich bei jemandem, der/die offene Ohren dafür hat und zufälligerweise auch ein kleines bissl Macht in die Richtung.

Weil ich aber weiß, dass nur ein kleiner Teil der LeserInnen auch wirklich weiterklickt (no offense, wer wenig Zeit hat, soll halt bitte nur diesen Blog hier lesen, hihihi), hier die Forderungen der Clean Clothes Kampagne nochmal zusammengefasst:

Die Clean Clothes Kampagne ruft alle in Bangladesch einkaufenden Unternehmen dazu auf

  •  allen ArbeiterInnen, die in Zulieferbetrieben Produkte des Unternehmens herstellen, existenzsichernde Löhne zu zahlen und diese richtig einzustufen
  • die Behörden dazu aufzufordern, nationale Löhne auf das Niveau eines existenzsichernden Lohnes anzuheben
  •  die Behörden dazu aufzufordern, ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen nicht weiter zu schikanieren, bedrohen oder gar zu verhaften
  • Die Löhne der ArbeiterInnen auch für die Dauer einer Fabrikschließung zu sichern
  • alle Scheinanzeigen (sowohl gegen Einzelpersonen als auch Massenanzeigen) gegen ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen zurückzuziehen
  •  sicherzustellen, dass verhaftete ArbeiterInnen freigelassen werden und ArbeitsrechtaktivistInnen gestattet wird, frei zu handeln

Bitteschön. Ich rufe mit.

 

 

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OIDA!!!!!!!!!!!!

In Bezug auf mein Posting von gestern über Krach in Bangladesch und meinen Traum: Userin Sammy hat mich auf folgende ORF-Meldung hingewiesen:

Zara-Mutter Inditex steigert Gewinn um 30 Prozent

Der weltgrößte Modeeinzelhändler Inditex hat aufgrund der starken Expansion in Schwellenländern den Gewinn zum Jahresauftakt um 30 Prozent gesteigert.

Der Mutterkonzern von Marken wie Zara und Massimo Dutti übertraf mit 432 Millionen Euro deutlich die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 383 Mio. gerechnet hatten.

Der Umsatz kletterte im von Februar bis April laufenden ersten Quartal um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro, wie die spanische Firma heute weiter mitteilte. Auch hier lag Inditex weit über den Prognosen.

Der positive Trend habe sich fortgesetzt. Auch der Umsatz von Februar bis zum 10. Juni, also inklusive der ersten sechs Wochen des zweiten Quartals, habe bei konstantem Wechselkurs um 14 Prozent zugelegt. Die Spanier kündigten zudem an, die Marke Zara von September an in China auch über das Internet anbieten zu wollen.

Gut, Inditex produziert weniger im fernen Osten sondern eher in Nordafrika usw., aber abgesehen von der Tatsache, dass da wohl auch nicht unbedingt rasend hohe Gehälter bezahlt werden : Hey. Sorry. An einem Tag von Ausschreitungen wegen NäherInnen, die weit unter der Schmerzgrenze bezahlt werden, schreiben, am nächsten Tag die Gewinnmeldung von Inditex? Schon klar, ein Bericht muss unparteiisch und neutral sein, journalistische Tatsache und gut so. Ich würd mir aber jetzt grad sehr sehr sehr eine/n Redakteur/in bei Presse, Standard oder sonstigen wünschen, die diesen Zusammenhang mal breitenwirksam kommentieren.

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Krachende Träume

In Bangladesch krachts. Und ich weiß nicht, ob ichs gut oder schlecht finden soll. Ich finde es super, dass die ArbeiterInnen sich auflehnen, dass sie protestieren und dass sie ihre Situation in die Öffentlichkeit tragen. Sie haben wirklich absolut jedes Recht dazu. Dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen muss, finde ich schade. Ich kann verstehen, dass da ganz viel Wut in ihnen brodelt, und dass sie eventuell gar kein anderes Ventil mehr haben – aber richtig ist es nicht.Nur: Sie haben wirklich kaum Möglichkeiten mehr, der Streik scheint nicht zu wirken.

Richtig wäre, wenn sich beispielsweise die fünf größten Kleidungsproduzenten (Inditex, der Textilschwede und der ganze Rest) zusammentun würden und einen GEMEINSAMEN Code of Conduct einführen würden. Hui, das würde ganz schön viel Mehrkosten in der Produktion für sie verursachen. Aber erstens: Durch Preissteigerungen ihrer Produkte könnten sie die „Verluste“ gering halten, und wenns bei allen bissl teurer wird, verschiebt sich der Konkurrenzkampf um eine Teuerungsebene, bleibt aber auf dem gleichen Level in Sachen gegeneinander.

Und der Vorteil: Die Ausrede, man könnte den Fabriken in Bangladesch und den sonstigen Billiglohnländern keine Mindestlöhne, Mindestarbeitsalter und sonstige Gschichten aufzwingen, weil ja eine Fabrik für mehrere Firmen arbeitet und das würd sich logistisch nicht ausgehen, dass ArbeiterInnen für Textilschwedenklamotten höher bezahlt werden als für KiK-Klamotten und das wäre doch unfair (ernsthaft, ich habe DIESES Wort im Interview mit einem CSR-Beauftragten bei Inditex gelesen – nur leider finde ich es nicht mehr. Hatte es am Laptop runtergespeichert. Grumpf.). Das würde bedeuten, dass die Fabriken sich wirklich kollektiv alle an höhere Mindeststandards halten müssten.

 

Man wird doch wohl noch träumen dürfen…

 

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„Shirts ab 3,50€“ ?!?!?!?!?!!?

Gestern in Stockerau am C&A vorbeigefahren – in der Auslage ein großes Hinweisschild „Shirts und Tops ab 3,50 €“. 

Bitte wie geht sich das für ein Unternehmen aus? Schon klar, man lockt Leute mit superbilligen Angeboten, rechnet bei denen auch mit null Gewinn, und baut drauf, dass die Leute dann nicht nur das Shirt, sondern gleich auch zwei, drei andere Kleidungsstücke im Laden kaufen. Und genaugenommen wird durch solche Angebote auch klar, dass 3,50 für ein Shirt im Grunde wirklich machbar sind, von der Produktion über die Lieferung bis hin zu den Nebenkosten wie Gehalt für die VerkäuferInnen und Strom in den Filialen, zum Bleispliel (Wortschöpfung eines Freundinnenkindes, das es in meinen Wortschatz geschafft hat, genauso wie Luftablon statt Luftballon)…

Da stehen jetzt zwei Gedankengänge in meinem Hirn herum und warten, begangen zu werden. Erstens: Oidaa, wenn sich 3,50 für ein konventionelles Shirt ausgehen, dann ist alles, was drüber ist, Gewinn für die Firmen – damit zahl ich denen die Werbung und das Marketing. Eh klar, das ist jetzt nicht der Stein der Weisen – aber definitiv so ein Punkt, den man sich nicht überlegt, wenn man beispielsweise bei einer kürzlich von mir behandelten Modemarke (Stichwort venezianisch..) ein Shirt um 149 Euro kauft (wobei ich diesen Preis wirklich extrem finde – ich glaube schon, dass die Qualität besser ist als beim 3,50-Shirt, aber bis zu welchem Ausmaß validiert das den dreistelligen Preis?).

Der andere Gedankengang, auf dem ich mich gerade permanent hin- und herbewege wie ein Hund, der sein Rudel zusammenhalten muss: Wie kann es sein, dass 3,50 genug dafür sind, den Stoff für ein Shirt zu produzieren, die NäherInnen zu bezahlen, es mit all seinen Geschwistern aufs Schiff zu packen, in eine Filiale zu liefern, die Miete, Strom, VerkäuferInnengehälter und einiges mehr kostet? Allein schon der Gedanke, dass sich das ausgehen kann, erscheint mir fast schon unmoralisch. Am Ende dieses Gedankenganges hindern mich dann folgende Satzschranken am Weitergehen: „Bitte wieso halten Menschen hier es für ein gutes Geschäft? Wieso freuen sie sich über ein Shirt um 3,50? Wieso checken die nicht, dass sich das nie und nimmer ausgehen kann ohne massiven Sozial- und Umweltschaden?“ Ab 10-15 Euro pro Shirt fängt der Gedankengang in Richtung besserer Qualität o.ä. an, natürlich auch Schwachsinn und nur Marketing, solange es sich nicht um Bio und Fairtrade handelt. Aber 3,50?! Da MUSS man doch drüber nachdenken! Tja, so weit ist es mit mir gekommen: Einmal begonnen, drüber nachzudenken, versteht man bald die Leute nicht mehr, die nicht drüber nachdenken. Oioioioioioi….ich werde wunderlich…

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Streik am Sofa

Die Online-Zeitung ecouterre.com berichtet:

More than 5,000 Cambodian garment workers failed to reach an agreement with their employers on Tuesday after 11 days of striking. Negotiations between the Coalition of Cambodia Apparel Workers Democratic Union and Singapore-owned SL Garment Processing broke down after workers rejected offers they regarded as less than satisfactory. Employees at the facility receive a base pay of $61 a month, which requires them to toil eight hours a day, six days a week. Workers are demanding a $5 pay rise, plus another $25 per month to cover transportation and housing costs. “We will not stop our strike until our problems are solved,” said Teng Ry, one of thousands picketing on the outskirts of Phnom Penh, told the Associated Press. Employees, he said, are regularly denied sick leave and ordered to work up to 16-hour shifts, including on days off. Although long shifts are compensated with overtime pay, SL Garment Processing was breaking Cambodian labor laws by forcing employees to work against their will, he added. The factory is still operating, albeit with a skeleton staff. According to its website, the garment factory supplies clothing to more than two dozen international brands, including J.Crew, Old Navy, Gap, Banana Republic, H&M, and Levi’s.

Biobaumwolle hin, supernachhaltige Jeans her, DAS unterstützen wir trotzdem durch unsere regelmäßigen Einkäufe, weil wir glauben, nix anzuziehen zu haben – sagte sie und saß in ihrer 30-Euro Jeans und ihrer (immerhin) Biobaumwoll-Textilschweden-Strickweste am Sofa, dessen Überzug wohl auch von NäherInnen aus diesen Ländern stammt…. – das Sofa kostete übrigens als billigstes mit Bettfunktion vom Möbelschweden fast zehn volle Monatslöhne der kambodschanischen Arbeiter (wobei, ich habs Second Hand um die Hälfte gekauft, aber darum gehts grad nicht).

Mir ist schon klar, ich vergleiche Äpfel mit Birnen und man muss ja auch die  lokale Wirtschaft berücksichtigen und nur weil ichs entsetzlich find, heißts ja nicht, dass ihr hier zum Asket werden muss und 61 Euro sind dort viel Geld und blaaaaahhh. Trotzdem. 61 Euro im Monat im Vergleich mit einem wirklich günstigen Sofa zum hin und wieder drauf herumlungern, das fetzt halt doch irgendwie kurzfristig in die Magengegend.

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