Manchmal wär ich gern so richtig blöd

Meine Lust am Shopping ist seit gestern nicht vergangen. Sie wurde zwar zwischenzeitlich kurz befriedigt, aber das war mehr so eine Methadon-Gschicht, nicht the good stuff. Auch wenns grad gefühlte 40 Grad hat (und ich mich am Heimweg – bergauf – derzeit täglich selbst verfluche, wieso ich schon wieder das Fahrrad genommen hab in der Früh) und man es nur in unmittelbarer Nähe von be-bade-barem Wasser oder einem Ventilator aushält, will ich shoppen gehen. Neues Gewand. So tolle Sandalen sehe ich an den Füßen anderer Frauen, so schöne Kleider an ihren Körpern.

Und dann denke ich mir im nächsten Moment: Ich würd sooo gern einfach zum Textilschweden, oder zum bunten Spanier, oder in irgendein sonstiges günstiges Fetzengeschäft rein und einfach ohne Nachdenken shoppen. Kaufrausch. Schauen, was mir gefällt, auf schöne Farben zugehen, anprobieren, nehmen. Drei, vier, fünf Sachen auf einmal. Und dann daneben im Schuhgeschäft Plastikflipflops und gleich mal fürn Winter Lammfell-Boots.

Jedoch, selbst wenn ich grad shoppen dürfte, ich glaube, das ginge gar nicht mehr. So blöd das klingt: Ich weiß zuviel. Ich beschäftige mich jetzt seit fast einem halben Jahr auf täglicher Basis mit den Zuständen in den verschiedenen Fabriken im fernen Osten, in Nordafrika oder sonstwo auf der Welt, wo auf Menschenrechte gepfiffen wird. Das, was mir hier in Wien angeboten wird, kann ich also nicht mehr genießen.

Und ganz ehrlich: Das geht mir gehörig am Popsch. Ich weiß, es gibt keine Alternative zum Fair Shopping, wenn man wirklich was ändern will und sich an der Ausbeuterei anderer Leute nicht beteiligen will – aber in mir kämpfen grad so richtig schön Engerl und Teuferl. Der Engel, der sagt: „Wenn du fair shoppst, dann hast du ein gutes Gewissen, dann wird niemand deinetwegen mies bezahlt, dann gehts der Umwelt besser.“ Und der Teufel, der sagt: „Pfeif doch drauf, schau wie schön doch dieses Colourblocking-Kleid in der Auslage bei Promod ist! Es würde dir so gut stehen, und günstig ist es auch noch! Alles, was die das Fair Shopping bringt, ist ein leeres Konto und viel Zeitverlust, weilst so lang suchen musst.“

Was für ein Glück, dass grad beide nix zu melden haben.

Und ich betreibe jetzt Selbstschutzmaßnahme und fahre an den See. Weit weg von jeglichem Geschäft.

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3 Gedanken zu „Manchmal wär ich gern so richtig blöd

  1. Katrin sagt:

    Tiiiiief durchatmen! Mir ging es letzte Wochen GANZ genauso, aber jetzt ist’s wieder vorbei. Und ich glaube, die Phasen werden wir immer haben. Auch wenn es mich auch total ärgert, dass ich davor nicht gefeit bin und nächstes Jahr bestimmt nicht nur Fair, sondern auch beim bunten Spanier kaufen werde. Aber viel viel weniger und ausgewählter. Das ist ja immerhin schon mal Eingang klitzekleines bisschen was. Hab trotzdem (jetzt schon) ein schlechtes Gewissen…

  2. […] so einfach meine nächste Shoppinglust zu nehmen, blöde Welt. Am besten gar nicht mehr nachdenken. Und jaaaaaa, liebe Leute, ich weiß….selbst nähen. Werd ich auch machen. Aber so ein […]

  3. […] Ich war vorhin im Kino – Ice Age 4. Und da war eine Schlüsselszene. Von diesen beiden kleinen Stinkern kann man echt noch was lernen. Ich zumindest. […]

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