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Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke!

Ich habs natürlich nicht lassen können und bin vorhin gerade rein in die gestern eröffnete Filiale von Ernstings Family bei mir ums Eck. Und ich hab wiedermal eine neue Entdeckung gemacht: Wenn man wirklich, WIRKLICH lange nicht in dementsprechende Geschäfte geht – zur Erinnerung: In den letzten eindreiviertel Jahren war ich genau zweimal beim Textilschweden drin, einmal heiße drei Minuten, dann flasht es einen auf überraschende Weise.

Ist euch schon mal aufgefallen, wie unglaublich es stinkt in diesen Filialen? Instant-Kopfschmerzen, diese Mischung aus seltsamen künstlichen Gerüchen, allem vorgelagert Polyestermief und Formalin. Unglaublich, wie ungewohnt das ist, wenn mans lange nicht erlebt hat. Die Verkäuferinnen tun mir leid.

Wusstet ihr, dass es Studien gibt, die den starken Pestizideinsatz bei Schnittblumen mit schweren Erkrankungen von Blumenverkäuferinnen in Zusammenhang bringen? Ich vermute und bin überzeugt, dass Verkäuferinnen, die tagein. tagaus in so einer Textilfiliale arbeiten, ebenfalls unbekannten gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind….

Tut mir leid, vielleicht übertreib ich jetzt, aber hat die Evolution uns unser Riechorgan nicht mal entwickelt, damit wir für unseren Körper Schlechtes als unangenehm riechend identifizieren? Schon klar, es gibt stinkende Sachen, die sind fantastisch, wieder Ziegenhartkäse, der mir grad den ganzen Kühlschrank vollstinkt, aber so rein grundsätzlich müsste man sich doch auf seine Nase verlassen können. Wieso finden wir dann Formalin- und sonstige Lösungsmittelgerüche nicht alarmierend?

Bin gespannt, ab wann es in der Filiale nur noch nach synthetischen Düften riecht. Die übrigens auch gesundheitsgefährdend, tw. mit krebserregenden Inhaltsstoffen, sind.

 

Mir stinkts.

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Ernsting hat mir geschrieben

Wow, nach meinen zahllosen Versuchen bei Desigual und Co. wurde ich heute wirklich positiv überrascht: Ich habe bei meiner Kurzrecherche zu Ernstings Family denen auch direkt mal geschrieben. Gestern Abend. Heute früh hatte ich bereits Antwort. Und zwar folgende (ich bin sehr gespannt auf deren Nachhaltigkeitsbericht, finde einige Ansätze gut, viele gehen mir jedoch nicht weit genug, aber das dürfte eh bekannt sein, wie ich beispielsweise zu SA 8000 stehe). In sozialer Hinsicht scheinen sie – übrigens auch wie der Textilschwede, irgendwohin müssen die ihr Millionenbudget im CSR-Breich ja hintun – auf einem Weg zu sein, der zumindest mal nicht komplett in die falsche Richtung geht (und sie sollten diesen Weg dringend intensiv weitergehen). Was die ökologische Komponente angeht, werd ich wohl nochmal nachfragen, aber – Fairness muss sein – danach habe ich in meiner Nachricht an sie auch nicht gefragt. Die fetten Markierungen sind von mir, das sind die Teile, die mir besonders aufgefallen sind – manche, weil ich finde, dass es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, andere, weil sie das scheinbar wirklich abhebt. Lest selbst:

Hallo liebe Nunu,

wir haben Deine facebook-Nachricht an Ernsting’s family erhalten.

Zunächst einmal vielen Dank für Dein Interesse, über das wir uns sehr freuen.

Noch in diesem Jahr werden wir eine ausführliche Nachhaltigkeitsbroschüre veröffentlichen, die u.a. unsere Produktionsbedingungen erklärt und reflektiert. Diese wird auf unserer Website zum Download zur Verfügung stehen.

Zunächst hoffen wir, Dir mit folgenden Informationen weiterzuhelfen:

Das Unternehmen Ernsting´s family bezieht, wie der Großteil der Textilbranche, seine Waren aus China, Indien, Vietnam, der Türkei, Bangladesch, aber auch aus Ost- und Südeuropa. Die Beschaffungsentscheidungen werden sorgfältig überdacht und nach folgenden Kriterien getroffen: lange Textiltradition (wie z.B. Indien), Qualitätsniveau, Zuverlässigkeit, ethische und ökologische Unbedenklichkeit, Arbeitskosten, Rohstoffpreise, Flexibilität, Know-how der Mitarbeiter, Innovationsfähigkeit, Spezialisierung des Marktes, Kosteneffizienz, CO2-Bilanz usw.

Weil die Überwachung weltweiter Produktionsstätten nicht einfach ist und gleichzeitig eine nur durch das Unternehmen betriebene Überprüfung häufig bei den Menschen nicht auf das nötige Vertrauen stößt, gehen wir noch einen Schritt weiter und haben ein engmaschiges Kontrollsystem entwickelt, das auf mehreren Säulen basiert. Zum einen werden Budgets bereitgestellt, damit unsere Einkäufer und Geschäftsleitung mehrmals im Jahr spontan und unangemeldet bei den Zulieferfirmen vor Ort sein können.

Gleichzeitig sind wir aber auch dem BSCI (business social compliance initiative) beigetreten, denn Ernsting´s family will sich der Verantwortung stellen und sieht lieber hin als weg, um mögliche Missstände abzubauen.

Mit der Teilnahme in der BSCI verpflichtet sich jedes Mitglied binnen 3 Jahren 2/3 seines Einkaufsvolumens oder seiner Lieferanten aus Risikoländern von unabhängigen und akkreditierten Prüfinstituten überprüfen zu lassen. Nach 5 Jahren müssen dann 2/3 des Weiterlesen

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Ernsting bei mir

Gerade am Heimweg habe ich festgestellt: In die dm-Filiale bei mir ums Eck, die leider ein paar Blocks weiter gezogen ist (und jetzt genau diese paar Blocks „vom Schuss“ liegt), kommt ein „Ernstings Family“ rein. Also ganz ehrlich, von denen habe ich wirklich noch nie etwas gehört vorher.

Frau Nununeugierig hat natürlich zuhause gleich nachschauen müssen, was sie da so erwartet. Der Blick auf die Homepage ergab: Breites Angebot, Billig, die Preise schauen nach Bangladesch aus. Sie zeigen eine Outfitkombination, bei denen ich allein für vergleichbare Schuhe kürzlich mehr bezahlt habe.

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Screenshot ernstings-family.at

Und schon gehts wieder los in mir, dieser unauflösbare Widerspruch. Einerseits: Nein, ich werfe Menschen, die sich Schuhe und Kleidung nur in billig(st)er Form leisten können, dieses nicht vor. Und insofern ist Ernstings Family gar nicht blöd mit seiner Filialauswahl, ich wohne jetzt nicht unbedingt in einer Top-Snob-Gegend. Aber das ganze zieht ja auch andere KundInnen an, die, die einfach hobbymäßig shoppen, zuhause einen Kleiderschrank haben, der überquillt, und sich definitiv keine neue Winterjacke kaufen, weil sie eine neue Winterjacke „brauchen“. Konsequent zu Ende gedacht, lege ich hier ein Zweiklassendenken an den Tag, vor dem mir selbst graust. Den einen werfe ich es nicht vor, den anderen schon. Nein, ich kann es niemandem vorschreiben, wie er/sie kaufen soll. Ich wünsch mir nur manchmal, dass es nicht so wahnsinnig viele verschiedene Ketten gibt, die im Grunde genau das Gleiche mit anderem Label drin anbieten – und die gegeneinander konkurrieren (was weiteres Preisdumping nach sich zieht).

Eine kurze Recherche ergab zumindest einen (sehr schwach flimmernden Hoffnungsschimmer):

Die Zeit schreibt über Recherchen der Stiftung Warentest:

Die Konzerne Ernsting’s Family und Peek&Cloppenburg lassen in Bangladesch in anständiger Weise produzieren und zahlen neben den kargen Mindestlöhnen zumindest extra Boni.

Und das klingt auch nicht so schlecht, was der bereits verstorbene Gründer der Textilkette mal sagte:

Im Gegensatz zu manchem Wettbewerber bemühte Ernsting sich stets um einen fairen Umgang mit Beschäftigten und Lieferanten. Zum Beispiel gab er seinen Managern vor, so viel fair gehandelte Baumwolle wie möglich einzukaufen. „Billig kann jeder“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ 2009. Sein Unternehmen meide teure Lagen in den Innenstädten und setze auf Standorte am Stadtrand und in kleinen und mittleren Städten.

Da hätt ich gern genauere Infos drüber. Weiß da jemand mehr?

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