Ernsting bei mir

Gerade am Heimweg habe ich festgestellt: In die dm-Filiale bei mir ums Eck, die leider ein paar Blocks weiter gezogen ist (und jetzt genau diese paar Blocks „vom Schuss“ liegt), kommt ein „Ernstings Family“ rein. Also ganz ehrlich, von denen habe ich wirklich noch nie etwas gehört vorher.

Frau Nununeugierig hat natürlich zuhause gleich nachschauen müssen, was sie da so erwartet. Der Blick auf die Homepage ergab: Breites Angebot, Billig, die Preise schauen nach Bangladesch aus. Sie zeigen eine Outfitkombination, bei denen ich allein für vergleichbare Schuhe kürzlich mehr bezahlt habe.

ernstings1

Screenshot ernstings-family.at

Und schon gehts wieder los in mir, dieser unauflösbare Widerspruch. Einerseits: Nein, ich werfe Menschen, die sich Schuhe und Kleidung nur in billig(st)er Form leisten können, dieses nicht vor. Und insofern ist Ernstings Family gar nicht blöd mit seiner Filialauswahl, ich wohne jetzt nicht unbedingt in einer Top-Snob-Gegend. Aber das ganze zieht ja auch andere KundInnen an, die, die einfach hobbymäßig shoppen, zuhause einen Kleiderschrank haben, der überquillt, und sich definitiv keine neue Winterjacke kaufen, weil sie eine neue Winterjacke „brauchen“. Konsequent zu Ende gedacht, lege ich hier ein Zweiklassendenken an den Tag, vor dem mir selbst graust. Den einen werfe ich es nicht vor, den anderen schon. Nein, ich kann es niemandem vorschreiben, wie er/sie kaufen soll. Ich wünsch mir nur manchmal, dass es nicht so wahnsinnig viele verschiedene Ketten gibt, die im Grunde genau das Gleiche mit anderem Label drin anbieten – und die gegeneinander konkurrieren (was weiteres Preisdumping nach sich zieht).

Eine kurze Recherche ergab zumindest einen (sehr schwach flimmernden Hoffnungsschimmer):

Die Zeit schreibt über Recherchen der Stiftung Warentest:

Die Konzerne Ernsting’s Family und Peek&Cloppenburg lassen in Bangladesch in anständiger Weise produzieren und zahlen neben den kargen Mindestlöhnen zumindest extra Boni.

Und das klingt auch nicht so schlecht, was der bereits verstorbene Gründer der Textilkette mal sagte:

Im Gegensatz zu manchem Wettbewerber bemühte Ernsting sich stets um einen fairen Umgang mit Beschäftigten und Lieferanten. Zum Beispiel gab er seinen Managern vor, so viel fair gehandelte Baumwolle wie möglich einzukaufen. „Billig kann jeder“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ 2009. Sein Unternehmen meide teure Lagen in den Innenstädten und setze auf Standorte am Stadtrand und in kleinen und mittleren Städten.

Da hätt ich gern genauere Infos drüber. Weiß da jemand mehr?

Getaggt mit , ,

2 Gedanken zu „Ernsting bei mir

  1. KEKSesserin sagt:

    Hey,
    Ernsting’s family ist in Deutschland ziemlich vertreten.
    Über die Produktionsstandards weiß ich nicht viel, aber anders als bei Kik etc. ist die Qualität von Ernsting’s family verhältnismäßig gut. Also die Sachen halten auch länger als nur eine Saison. Was ja schonmal gut ist 🙂
    Grüße

  2. […] Desigual und Co. wurde ich heute wirklich positiv überrascht: Ich habe bei meiner Kurzrecherche zu Ernstings Family denen auch direkt mal geschrieben. Gestern Abend. Heute früh hatte ich bereits Antwort. Und zwar […]

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