Weil ich so viel drüber schreib, hier mal ein bissl Hintergrundinfo, über die ich in einer Studie der Clean Clothes Kampagne gestolpert bin (über die ich demnächst gesondert schreiben werde…): Achtung, da kommt jetzt einiges an Text, ich habe jeweils Auszüge abgetippt. Bei den meisten Punkten werden viele denken, sie wüssten das eh, aber wirklich vor Augen führen sich das nur wenige. Nochmal, ich selbst war eine der größten Anhängerinnen der Möglichkeit, sich alle fünf Minuten durch Kleidung neu ausdrücken zu können (weil man sichs leisten kann), aber inzwischen denke ich: Pfuh, wenn das der Preis ist, sind die fünf Euro fürs Shirt aber verdammt teuer…
… Die Bekleidungsindustrie ist der größte Devisenbringer Bangladeschs, rund 78% seiner Exporterlöse stammen aus diesem Bereich. Seit 1990 hat sich der Sektor stark entwickelt. Lag der Wert der Exporte 1990 noch bei 600 Mio. US-Dollar, nahm er einen rasanten Aufstieg bis 2010 auf 15 Mrd. Dollar (laut einer Studie von McKinsey)…
…Bangladesch hat kürzlich Indien als zweitgrößten Strickwarenexporteur der Welt nach China überholt. …
…Seit Januar 2011 gibt es nicht mehr die Auflage, dass ein bestimmter Anteil an Vorprodukten der Kleidung auch aus dem exportierenden Land stammen muss. Da Bangladesch selber wenig Baumwolle anbaut und verarbeitet, sondern den Stoff häufig (aus Cina und Indien) importieren muss, gab es hier bisher Beschränkungen, die nun weggefallen sind. Zudem gehört Bangladesch zu der Gruppe der ärmsten Länder der Welt und darf ohnehin zollbegünstigt Kleidung nach Europa und in die USA ausführen….
…Wenn Bangladesch seine Mindestlöhne erhöhen würde, was dringend nötig wäre, dann würde es immer noch mit Abstand das Land mit den niedrigsten Löhnen weltweit in der Bekleidungsindustrie bleiben….
…Laut Statistischem Bundesamt kamen im Jahr 2008 über die Hälfte aller nach Deutschland einführten Jeans aus China und Bangladesch (…) Die Jeans aus China kostete 6,93 Euro, die aus Bangladesch nur 4,72 Euro….
(In den Fabriken sind 87% junge Frauen angestellt) …. Frauen über 30 Jahre werden als zu alt betrachtet, da sie den ungeheuren Arbeitsdruck oft nicht mehr aushalten können … Trotz größtenteils miserabler Arbeits- und Sozialstandards bietet die Bekleidungsindustrie für die Frauen oft die einzige Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen…
… Wenn sich die Frauen gewerkschaftlich organisieren wollen, werden sie entlassen (ein Vorgehen, das mir übrigens in Österreich auch schon mal begegnet ist, nur so nebenbei). …. Die Angst, die Arbeit zu verlieren, ist groß, und zudem bleibt bei 13-16-Stunden-Schichten plus Überstunden kaum Zeit für gewerkschaftliche Organisierung…
… Die Regierung erhöhte (…) den monatlichen Mindestlohn auf 3000 Take (30 Euro), die Gewerkschaften verlangten allerdings 50 Euro als Minimum zum Überleben. Laut Asia Floor Wage ist allerdings gar ein Grundlohn von 116 Euro in Bangladesch nötig, um eine vierköpfige Familie zu ernähren…
… Im Mai 2009 wurde aufgedeckt, dass in einer Fabrik, in der Metro produzieren lässt, eine 18-jährige Frau wegen Erschöpfung starb. Eine beantragte Krankschreibung war ihr vom Fabrikmanagement verwehrt worden. In dieser Fabrik mussten Näherinnen sieben Tage und bis zu 97 Stunden pro Woche arbeiten….
…Die rechtliche Situation in Bangladesch ist nicht einmal schlecht: Die Rechtsordnung enthält eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen. Das Land hat sieben der acht Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ratifiziert (….) Gleichzeitig enthlt es noch Schwachstellen im Hinblick auf Mindestalter und Niedrigstlöhne. Das Problem liegt vor allem in der mangelnden Durchsetzung von Recht durch die Behörden und einem fehlenden wirksamen Rechtsschutz für die Betroffenen….