Beziehungsende

Ich hab Schluss gemacht. Endgültig.

Wer kennt es nicht, wer ist nicht schonmal drauf reingekippt: Dinge woanders kaufen, weil sie von woanders kommen, und dann zuhause damit sich ganz besonders fühlen. Weils nicht von zuhause ist, und weil die Wahrscheinlichkeit, dass andere zuhause auch dieses eine Teil haben, geringer ist. Kombiniert mit Markenbewusstsein ists gleich nochmal ein Level schärfer. Pfoah, die hat was von xy? Das gibts in Österreich ja gar nicht im Handel, wo hat die das her, das muss ja schweineteuer bei der Bestellung gewesen sein!

Mir gings mal mit dem bunten Spanier, also mit Desigual, so. Als man die Sachen in Österreich noch nicht kaufen konnte, beneidete ich jede, die vom Urlaub in Spanien zurückkehrte. Die Teile waren so schön bunt, und gleichzeitig doch irgendwie sophisticated (mir fällt ehrlich grad kein deutsches Wort ein, das sophisticated exakt übersetzt). Halb Spanien rannte damit herum, und hier war es exklusiv und passte irgendwie zum Auftreten von Universitätsprofessorinnen für diverse Geisteswissenschafterinnen (sorry Martina: Und passt immer noch…). Irgendwie wie mit den Muratti. Als es die in Österreich noch nicht gab (und ich noch rauchte), war Muratti in Italien das Kraut für den Arbeiter auf der Baustelle abwärts und in Österreich das Kraut für genanntes höhergestelltes Universitätspersonal aufwärts. Und ich war extrem glücklich, dass mein Bruderherz praktischerweise grad auf Auslandssemester in Bologna war….

Aber zurück zu Desigual: Abgesehen von der Tatsache, dass Desigual nicht nur keinen Nachhaltigkeitsbericht, ja nichtmal einen Code of Conduct vorzuweisen hat, sondern auch auf keine einzige meiner vier (!) Anfragen im Frühjahr 2012 reagiert hat, wird mir der bunte Spanier auch optisch immer unsympathischer – einfach, weils jetzt überall verfügbar ist. Ginge ich zu Fuß in die Arbeit (mit kleinem Umweg, zugegeben), hätt ich einen kleinen und einen Riiiiiiiiiiiiesenstore zur Bewunderung. Und in den nächsten Jahren soll es noch weitere dieser Riiiiiiesenstores geben.

Irgendwie unsexy, oder? Klassisches Prinzip von „Man will immer das haben, das man nicht so leicht haben kann“. Meine Fresse, mir dämmert grad: Mit Männern hab ichs jahrelang genauso gehalten. Wär ich doch besser mal monatelang damals Desigual nachgejagt anstatt dem Tiroler (oder dem Waldviertler oder dem…. lassen wir das), was hätt ich mir Herzschmerz erspart…

Kurzfassung: Ich liebe meine Mäntel und werd sie tragen, bis sie mir vom Leib fallen, aber was Neues vom bunten Spanier wird mich nächstes Jahr nimmer interessieren. Desigual wirkt auf mich inzwischen wie die Eine an der Bar, die es eindeutig nicht auf alleine schlafen gehen abgesehen hat: Zu schrill und viel zu leicht zu haben….

Getaggt mit , ,

3 Gedanken zu „Beziehungsende

  1. aniger sagt:

    My sentiments, exactly!

    Du, da schließ ich mich an. Wenn was bunt, sexy und einzigartig sein soll, dann machen wir das selber.

  2. […] überraschend unöko in der Optik, diese Stiefeletten, die stilistisch an den bunten Spanier erinnern – und die ich überraschenderweise trotzdem sehr hübsch finde, an der Optik des […]

  3. […] gelobt wird und den ich weiterhin trage – alles Unfaire wegwerfen wäre doch auch sinnlos, nur neu kaufen bei denen würd ich nimmer) hat sich mit den ganzen natürlichen Farben dann doch ein bisschen geschlagen Aber ich mag das […]

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