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Spaß beim bunten Spanier??!

Ich liebe da Bild.de. Mein tägliches Nachrichtenprogramm am Morgen beginnt mit derstandard.at und orf.at, geht dann manchmal noch kurz zu Spiegel.de, und auf alle Fälle aber noch zu Bild.de. Einfach, weil ich mir immer wieder denk: Das gibts doch einfach nicht. Das ist doch wirklich noch ärger als die Kronenzeitung. Heute durfte ich folgenden Artikel lesen: Ausziehen für Desigual. Die Aktion kennt man seit Jahren vom bunten Spanier: Nackert, optimalerweise im tiefsten Winter, vor der Filiale warten, drinnen darf man sich dann ein Oberteil- und ein Unterteil behalten. Mei. PR-Aktion halt.

Nur heute muss ich mal wirklich den Zeigefinger erheben, die Moralkeule auspacken und wasweißichnoch alles. Der Satz der PR-Beraterin nach der Feststellung, dass so eine Aktion den bunten Spanier 25.000 Euro kostet, blieb mir nämlich im Hals stecken: „Spaß lassen wir uns gern was kosten.“

Also erstens: Weiterlesen

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Beziehungsende

Ich hab Schluss gemacht. Endgültig.

Wer kennt es nicht, wer ist nicht schonmal drauf reingekippt: Dinge woanders kaufen, weil sie von woanders kommen, und dann zuhause damit sich ganz besonders fühlen. Weils nicht von zuhause ist, und weil die Wahrscheinlichkeit, dass andere zuhause auch dieses eine Teil haben, geringer ist. Kombiniert mit Markenbewusstsein ists gleich nochmal ein Level schärfer. Pfoah, die hat was von xy? Das gibts in Österreich ja gar nicht im Handel, wo hat die das her, das muss ja schweineteuer bei der Bestellung gewesen sein!

Mir gings mal mit dem bunten Spanier, also mit Desigual, so. Als man die Sachen in Österreich noch nicht kaufen konnte, beneidete ich jede, die vom Urlaub in Spanien zurückkehrte. Die Teile waren so schön bunt, und gleichzeitig doch irgendwie sophisticated (mir fällt ehrlich grad kein deutsches Wort ein, das sophisticated exakt übersetzt). Halb Spanien rannte damit herum, und hier war es exklusiv und passte irgendwie zum Auftreten von Universitätsprofessorinnen für diverse Geisteswissenschafterinnen (sorry Martina: Und passt immer noch…). Irgendwie wie mit den Muratti. Als es die in Österreich noch nicht gab (und ich noch rauchte), war Muratti in Italien das Kraut für den Arbeiter auf der Baustelle abwärts und in Österreich das Kraut für genanntes höhergestelltes Universitätspersonal aufwärts. Und ich war extrem glücklich, dass mein Bruderherz praktischerweise grad auf Auslandssemester in Bologna war….

Aber zurück zu Desigual: Abgesehen von der Tatsache, dass Desigual nicht nur keinen Nachhaltigkeitsbericht, ja nichtmal einen Code of Conduct vorzuweisen hat, sondern auch auf keine einzige meiner vier (!) Anfragen im Frühjahr 2012 reagiert hat, wird mir der bunte Spanier auch optisch immer unsympathischer – einfach, weils jetzt überall verfügbar ist. Ginge ich zu Fuß in die Arbeit (mit kleinem Umweg, zugegeben), hätt ich einen kleinen und einen Riiiiiiiiiiiiesenstore zur Bewunderung. Und in den nächsten Jahren soll es noch weitere dieser Riiiiiiesenstores geben.

Irgendwie unsexy, oder? Klassisches Prinzip von „Man will immer das haben, das man nicht so leicht haben kann“. Meine Fresse, mir dämmert grad: Mit Männern hab ichs jahrelang genauso gehalten. Wär ich doch besser mal monatelang damals Desigual nachgejagt anstatt dem Tiroler (oder dem Waldviertler oder dem…. lassen wir das), was hätt ich mir Herzschmerz erspart…

Kurzfassung: Ich liebe meine Mäntel und werd sie tragen, bis sie mir vom Leib fallen, aber was Neues vom bunten Spanier wird mich nächstes Jahr nimmer interessieren. Desigual wirkt auf mich inzwischen wie die Eine an der Bar, die es eindeutig nicht auf alleine schlafen gehen abgesehen hat: Zu schrill und viel zu leicht zu haben….

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Selbsttest, mal wieder

Hatte heute früh etwas Zeit, bevor mein Zug gen Westen ging. Darum hab ich mich am Westbahnhof mal wieder einem Selbsttest unterzogen und bin in verschiedenste Fetzengeschäfte rein, hab einzelne Kleidungsstücke angeschaut, den Preis begutachtet, ganz so wie früher.

Nur mit dem Unterschied, dass mich kein einziges Teil angemacht hat, während ich früher fast schon mit dem Gedanken „Ich muss was finden“ derartige Unternehmungen startete.

(c) nunette colour

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Sogar beim bunten Spanier war ich drin. Nicht ein einziges Teil hat mich angemacht.

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Grassroots-Designermäntel

Bin heute in meinem heißgeliebten bunten Desigual-Mantel (nicht dem, den ich aus lauter Panik einen Tag vor Beginn des Projekts gekauft hatte, sondern der, für den ich 300 Euro ausgab, und den es ein Dreivierteljahr später um 80 Euro im Outlet gab…) am Jahresgeneralmeeting aller FoE-Organisationen aufgetaucht. Am Hinweg dachte ich mir noch, ui, das wird nicht gut ankommen. Böse werden die mich anschauen. Wie kann ich nur so ausbeuterische Mode tragen? Und dann noch bei den Grassroot-Ökos so auftauchen?

Nun ja. Es kam anders. Drei Leute erklärten mir, wie gut mir der Mantel passe und/oder wie schön der Mantel ist.

Nicht nur andere haben mir gegenüber also schon ein schlechtes Gewissen, ich habs anscheinend vor mir selbst sogar viel ärger.

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4/12

Wow. 3/12 komplett verpasst. Also. 4/12. Ich hab ein Drittel des Shoppingboykotts rübergebracht. In dieser Zeit:

  • habe ich mir ganz schön viele Bücher gekauft… 🙂
  • habe ich kleidungstechnisch selten, schuhtechnisch permanent Verführungen widerstanden.
  • wurde ich nach und nach froh drüber, Schuhe in den Boykott miteinbezogen zu haben, weil ich
  • mein Konto saniert habe. Nicht famos, aber immerhin bleibts jetzt grün.
  • Grün im übertragenen Sinne endgültig zu meiner Lieblingsfarbe erklärt.
  • immer noch keine Antwort vom bunten Spanier bekommen.
  • Blieb dunkles türkis aber immer noch effektiv die Farbe, bei der bei mir die Sicherungen durchbrennen.
  • Habe ich unglaublich tolle Medienresonanz erfahren, von ORF und Biorama über News.at und Schaufenster bis hin zu Heute.
  • Habe ich tolle Frauen „kennengelernt“, die mich per Emails und Kommentare super motivieren.
  • Habe ich Severin „erschaffen“.
  • Habe ich abgesehen von einem etwas verwoardacklelten Schlauchschal noch kein Kleidungsstück genäht. Noch nicht.
  • Und auch noch keines gestrickt. Noch nicht.
  • Habe ich eine Strumpfhose und zwei Paar Leggings geschenkt bekommen und ein paar Kleidungsstücke ertauscht.
  • Habe ich festgestellt, dass ich meinen persönlichen roten Faden gefunden habe.
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Kaufsucht und Konsumismus und das neue Bügeleisen

Kaufsucht – laut Wiki:

Die Kaufsucht (…) ist eine psychische Störung bei Konsumenten, die sich als zwanghaftes, episodisches Kaufen von Waren äußert. Sie wird (…) zu den Zwangsstörungen gerechnet (…). Sie war bereits 1909 in der ersten Auflage des Lehrbuches von Emil Kraepelin enthalten. Für die psychiatrische Diagnose ist wesentlich, dass nicht mehr der Besitz der Güter Handlungsziel ist, sondern die Befreiung von einem imperativen Drang durch die Kaufhandlung selbst. Die Sinnlosigkeit des Handelns ist den Kaufsüchtigen klar, insofern unterscheidet sich die Kaufsucht vom Konsumismus. Willensanstrengungen („Zusammenreißen“) helfen gleichwohl nicht. Wird der/die Betroffene an der Kaufhandlung gehindert, kommt es zu Entzugserscheinungen, etwa in Form vegetativer Erregung. Meist wird eine bestimmte Warengruppe (z. B. Schuhe) bevorzugt. Die weit über den Bedarf hinaus gekauften Gegenstände werden oft unausgepackt in der Wohnung gelagert oder gar weggeworfen.

Ok. Kaufsüchtig war und bin ich definitiv nicht. Solche Geschichten von wegen „nach 11 Monaten im Schrank eine Jacke gefunden, an der noch der Hangtag dran hing“ passierten mir nicht. Hin und wieder Fehlkäufe, ok, aber dass ich was kaufte und es umgehend vergaß, passierte mir nicht. Allerdings frage ich mich, wo mein derzeitiger Drang herkommt, IRGENDWAS zu kaufen. Ich fahre gemütlich am Fahrrad nachhause und überlege, ob ich mir ein neues Bügeleisen kaufen soll oder doch ein gebrauchtes, ob ich …. ich hätt doch so Lust drauf … mir eine neue Nähmaschine kaufen soll, so mit elektronischem Display. Ich hab einfach richtig Lust auf Geldausgeben, und darauf, was Neues aus einem Geschäft rauszutragen. So eine neue Nähmaschine wär ein reiner Lustkauf.

Dieser Wunsch, der kommt aus meinem Bauch. Mein Kopf (und der gewinnt meistens, in diesem Fall glücklicherweise) sagt mir, dass es genau sinnlos ist, mir im Geschäft was Neues zu kaufen, wenn ich locker was leiwandes Gebrauchtes auf willhaben.at finden könnte. Und dass das viel mehr Sinn macht – das sieht sogar mein Bauch ein, der fühlt sich auch wohler, wenn nicht das Gefühl von sinnlosem Verbrauch in ihm rumort. Und überhaupt: Mein Konto macht doch grad so viel Spaß, so ganz ohne diese lästigen Bindestriche.

Aber wie lässt sich dieses Gefühl definieren? Ich suchte weiter.

Konsumismus – laut Wiki:

Konsumismus (…) ist ein sich seit den 1970er Jahren einbürgernder Begriff, der gebraucht wurde, um den Konsum in den westlichen Gesellschaften als übersteigert zu kritisieren. (…) Eine seiner Folgen sei die Zerstörung der Vielfalt sozialer Lebensformen und die Einebnung der Kulturen in einer globalen konsumistischen Massenkultur, welche die Freiheitsvorstellungen mit einer „Pflicht“ zum Konsumieren auflade und die Menschen veranlasse, mit dem „Gefühl von Freiheit“ die Konsumimperative zu erfüllen. Die entsprechenden Dispositionen, die eine innere Leere, Langeweile, Überdruss und chronische Depressivität im Akt des Kaufens oder Konsumierens kompensierbar machen, gehören nach Fromm zum Charakterbild des modernen Menschen. Als „alltäglicher Konsumismus“ wird die (…) Tendenz vieler Menschen in den Konsumgesellschaften beschrieben, sich mit Produkten oder Dienstleistungen zu identifizieren und ihr Selbstwertgefühl davon abhängig zu machen. Dabei werden Produkte mit kommerziellem Markennamen und statushebenden Versprechungen vorgezogen. Insoweit der Konsumismusbegriff als abwertend wahrgenommen wird, lehnen ihn viele Betroffene ab und ziehen es vor, ihren Konsum mit rationalen Argumenten zu rechtfertigen; sie verwerfen die Idee, sie würden „gezwungen“ zu konsumieren. Menschen, welche die Ideologie des Konsumismus bejahen, bewerten die gekauften oder konsumierten Produkte nicht als in sich wertvoll, sondern benutzen sie gezielt als gesellschaftliche Statussymbole und Signale, um sich mit gleichgesinnten Menschen zu umgeben.

Teils durch unterschiedliche Übersetzungen von consumerism gibt es begriffliche Unklarheiten, da neben Konsumismus auch der Begriff „Konsumerismus“ üblich ist. Konsumerismus (aus dem englischen consumerism: Konsumdenken) ist ein ideologiekritischer Ausdruck aus den Sozialwissenschaften, wonach persönliches Glück mit dem Verbrauch von Wirtschaftsgütern erzielt wird. Konsumerismus beschreibt ein konsequentes Konsumdenken, wobei der Konsum zu einer Ersatzreligion wird. In diesem Sinne ist Konsumerismus gleichbedeutend mit Konsumismus.

Ok, das klingt zwar jetzt auch nicht hundertprozentig nach mir (was sind mir Marken piepegal….mit ganzganzg wenigen Ausnahmen, zB. die bunten Spanier), aber inhaltlich finde ich das sehr spannend – darum hab ich auch das ewig lange Zitat dringelassen. (Ich hoff, ihr habt bis hierher gelesen…nicht einschlafen 🙂 ).  Und irgendwie deprimierend, weil so wahr. Nur:  Ein Bügeleisen brauche ich, um meine ersten größeren Nähprojekte durchführen zu können. Es wäre also kein Kauf um des Kaufs willen und ich werd auch nicht dastehen und mich besuchenden Freundinnen erklären: „Schaumal, ein Tefal, der Ferrari unter den Bügeleisen!“. Das ist mir alles wirklich wurscht. Ich brauch ein Teil, ich will es zum Bügeln nutzen und nicht zum Angeben, und ich kämpfe mit meiner eigenen Kauflust, doch zu einem Gebrauchten zu greifen. Absurd, oder?
Vielleicht sollte ich es ganz anders angehen, a la Freecycle oder Share&Care: Hat jemand ein altes Bügeleisen für mich übrig?

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Pressearbeit und fehlende Geduld

Liebe PR-Leute. Ich bin vom Fach. Und ich kann mich nur wiederholen: Presse-Seiten auf Firmenhomepages mit Registrierungspflicht nerven und sind kontraproduktiv.

Zwei Beispiele.

1) Vorarlberger Unterwäsche. Über eine Kollegin erfuhr der Holde, dass der Unterwäschehersteller in Österreich produziert. „Na dat guck  ick mir ma an“, dachte sich Nunu, in Vorfreude auf den baldigen Berlinaufenthalt. Googelte die Homepage, fand den Pressebereich, mit Anmeldung. Grumpf. Na gut, hab mich angemeldet, ganz brav Firmenname, Email, Adresse und Handynummer angegeben. Auf die Bestätigungsmail zur Registrierung warte ich immer noch. Gar nicht gut, liebe Gsis. Macht keinen schlanken Fuß.

2) Einen Fuß in der Größe von Monty Pythons berühmten „Ein Fuß trampelt das Bild nieder“-Sketchen haben inzwischen die bunten Spanier bei mir. Nach komplettem Scheitern bei der Online-Anmeldung für den Pressebereich in einem Shop in Wien telefonisch nachgefragt, und zu meiner großen Überraschung sogar die Emailadresse einer Marketingmitarbeiterin in Barcelona bekommen. Ihr eine Mail geschrieben, bei der ich ihr einerseits in den Allerwertesten krieche („so tolle Sachen, liebe meine Mäntel, blablabla“), ihr mit selbigem eigenen allerdings auch ins Gesicht fahre („Position zu Kinderarbeit? zu Bio-Baumwolle? Produktionsbedingungen? usw“). Es hieß telefonisch, am Montag würde sie antworten. Es ist Mittwoch. Und ich bin kein sehr geduldiger Mensch….

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Ich rieche Fisch…

Mein Shoppingboykott hat bekanntermaßen erst am 16. Jänner und nicht schon am ersten begonnen. Warum? Weil ich noch ein Wochenende in Barcelona war. Weil in Barcelona Desigual gaaaaanz groß ist. Und weil ich Desigual liebe. Und weil das so ist, war ich am 14., dem Samstag, nochmal im Desigual-Store – und hab nix gefunden. Komplette Überforderung vor lauter Muster und Farben. Aber dann am Flughafen am Sonntag. Alles noch offen, der Holde grad irgendwo, und ich mitten im kleinen, aber feinen Desigual-Store in der Duty-Free-Zone. Und mit mächtig Bammel im Handgepäck, mein Jahr ohne Kleiderkauf würde am nächsten Tag starten. Das Ergebnis: Ein Panikkauf, den ich inzwischen heiß und innig liebe: ein Mantel.

Nachdem ich auch sonst noch einige Teile von Desigual im Schrank hängen hab, wollte ich mich mal ein bißchen informieren, wie dass denn bei denen so ausschaut mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ähnlichem. Bis auf ein, zwei Interviews, in denen der Boss zugibt, in China und Indien nähen zu lassen, fand ich wirklich kaum etwas. Sehr verdächtig. Der Google-Begriff „Desigual Kritik“ ist kaum ergiebig. Dann fand ich auf der Desigual-Homepage den Press-Corner.

Zur Erklärung: Auf einem Press Corner der Website eines Unternehmens sollte man mirnixdirnix, SCHNELL die relevanten Infos, die neuesten Presseaussendungen plus hochauflösende Fotos finden, und ganz wichtig: Ansprechpartner, Kontaktadressen. Warum ich das weiß? Das ist mein Job! (Und keiner schaut sich jetzt auf der Homepage meines Arbeitgebers um…ich red mich hiermit auf den geplanten Relaunch raus…)

Nicht so bei Desigual. Für den Press Corner braucht man eine Anmeldung. Ganz brav hab ich alle meine Daten angegeben – und es funktionierte nicht, ich war „not authorised to view this page“ (auch, als ich schummelte und die Zeitung angab, bei der ich früher mal geschrieben habe). Desigual – ich mag euch wirklich, wirklich, wirklich gerne, ich liebe eure Looks. Meistens. Aber ihr habt definitiv was zu verstecken.

Ich bleib dran. Das find ich jetzt spannend. Aber ich vermute, ich brauche spanische Übersetzungshilfe. Uli? Hella? Manu? Freiwillige vor, bittebittebitte 🙂

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