Von der Verantwortung

Ich weiß, saublöder Widerspruch, weil meine neuen Stiefel konventionell hergestellt wurden. Das Spannende ist: Konventionelle Mode, also von den diversen Textilketten, ist für mich dennoch inakzeptabel geworden. Bei Schuhen muss ich wohl noch ein paar Meter am Weg in die Richtung gehen…

Der Widerspruch, vor dem ich immer öfter stehe, je mehr ich mich damit beschäftige: Einkaufsboykotts von Fast-Fashion-Marken mag den Unternehmen VIELLEICHT wehtun (wenn viele auf einmal boykottieren), aber den Näherinnen, denen tut das WIRKLICH weh. Weil die ihren Job verlieren. Andererseits: Das sind derart schlecht bezahlte und gefährliche Jobs, dass es keine Entscheidung zwischen „Haben sie ihren Job“ oder „haben sie ihren Job nicht“ sein darf, sondern eine klare Forderung nach „sie müssen einen sicheren, gutbezahlten Job haben“ sein muss.

Wer wirklich will, soll auch bei den klassischen Textiketten einkaufen gehen. Aber bitte nicht auf diesen Fast-Fashion-alle-drei-Wochen-shoppen-gehen-Wahn reinfallen. Been there, done that. Nix gut. Aber einen Haken hat die Sache in meinen Augen: Kauft man bei jenen Ketten, steht man direkt in der Verantwortung derer, die die Stücke produzieren (wir wissen, dass sie nicht fair bezahlt und gut behandelt werden, sondern dass unser Geld in der Werbung der Konzerne landet, oder?). Klingt naiv, und wirklich helfen geht von hier aus schwer, denkt man da schnell. Ein Schritt hier wäre, den Ketten zu beweisen, dass man bereit ist, für faire Mode mehr zu zahlen. Ein Euro pro Shirt mehr, und die Gehälter in Bangladesch würden signifikant steigen. So eine internationale „Bitte ich will mehr bezahlen“-Petition fänd ich angebracht (oder gibts die schon? Clean Clothes arbeitet in die Richtung, aber nicht mit dem Claim, wenn ich mich richtig erinnere). Weg von dieser „ich bin doch nicht blöd“ und „Geiz ist geil“-Mentalität…

Aber was wirklich jeder kann: Teilt das Video, ob auf Facebook oder sonst wo. Dass öffentlicher Druck einiges bewirken kann, beweist sich mir auch in meinem Job immer wieder. Je mehr Menschen Druck auf die Verantwortlichen machen, dass sich die Zustände in den Fabriken der Billiglohnländer ändern müssen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich langsam, sehr sehr langsam, aber doch etwas bewegt für die (größtenteils) Frauen, die unsere Kleidung nähen. Ich mag den Gedanken nicht, dass ich Kleidung trage, die in sklavenartigen Situationen entstanden ist – und diese Kleidung wird hierzulande auch einfach nicht wertgeschätzt, nach einer halben Saison weggeschmissen. Das muss doch verdammtnochmal auch anders gehen! Himmelnochmal! So kann man Menschen doch nicht behandeln!

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Ein Gedanke zu „Von der Verantwortung

  1. aniger sagt:

    Amen!

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