Ich habe gesündigt.

Ich habe gesündigt, aber sowas von. Nicht nur, dass ich eigentlich gerade wieder auf Nixkauf-Trip bin, nein, auch mein Konto sagt grad: Fahr lieber auf Urlaub mitm Zelt nach Kroatien als nach Bali ins Viersternhotel (Anmerkung, weils gerade massive Kritik gab: Das ist der Versuch einer überzogenen Formulierung, ich hoffe, ihr wisst, wie ich es meine. Ich könnte hier auch „Toast mit Butter statt Fünfgangmenü im Restaurant“ oder „Wasser statt Schampus“ oder halt „nixkaufen statt kaufen“ schreiben, der Sinn wäre der selbe). Und trotzdem: Ich bin wirklich schwach geworden. Sehr schwach. Ich schwöre, das ist mir im gesamten Kaufnix-Jahr NIE passiert, genausowenig danach, auch da: Immer gutüberlegte Käufe.

Doch heute, da reichte es mir. Ich habe einige schöne Taschen in den quietschigsten Farben von orange bis türkis, und mit welcher Tasche laufe ich fast zwei Drittel der Zeit herum? Mit dieser hier:

(c) Nunu Kaller

(c) Nunu Kaller

Die Tasche habe ich vor vier Jahren um etwa 20 Euro – wenns nicht sogar billiger war – beim Textilschweden in Zürich gekauft, weil ich auf die Schnelle eine Tasche in dieser Größe brauchte, da ich höchst spontan von Zürich aus einen Übernachtungsausflug nach Rheinfelden machte und nicht den ganzen Koffer mitnehmen wollte. Tut jetzt nichts zur Sache und ist wirklich komplett unnötige Info, aber irgendwie solls halt zeigen, WIE unnötig und spontan dieser Taschenkauf eigentlich war. Was danach kam: Ich bin die letzten Jahre quasi NUR mit dieser Tasche herumgelaufen, während die schwarze Ledertasche von Mama im Eck versauerte, und die restlichen Taschen aufgrund ihrer Buntheit halt einfach nicht passten. Doch jetzt ist es einfach aus mit der Tasche. Hier nochmal in Großaufnahme:

IIIIIIhgitt!!  Da hilft nichtmal mehr der CCK-Button!

IIIIIIhgitt!! Da hilft nichtmal mehr der CCK-Button!

Heute am Heimweg über die Neubaugasse geschlendert, und so nebenbei mal in die Lindengasse eingebogen. So viel Negatives man über Ina Kent hört (gerüchteweise soll sie es mit dem Begriff „Gewährleistung“ nicht so richtig haben und auch nichtmal ein Jahr alte Taschen zur Reparatur annehmen, während beispielsweise Freitag auch so richtige Uralt-Modelle kostenlos repariert), ich find die Taschen einfach schick. Auf der Neubaugasse in zwei, drei anderen Taschenläden reingeschaut, immer mit der gedanklichen Vorgabe „groß, knautschig, mit langem Gurt zum quer tragen und vor allem grau bitte“. Aber im Hinterkopf wusste ich: Eigentlich darf ich nicht.

Am Weg zu Ina Kent gibts auf der anderen Straßenseite Ozelot. Und dort hing dann im Ausverkauf diese wunderschöne Tasche, so perfekt, so herrlich, so grandios, dass ich keine Augen mehr für etwas anderes hatte. Und dann auch noch im Ausverkauf, von 300 Euro runtergesetzt auf 185!! Aus fairer Produktion! Aus europäischem, chromfrei gegerbtem Leder! Ok, immer noch scheißteuer…

Es war Liebe auf den ersten Blick – und wurde zum ersten Impuls-Spontankauf seit Jahren, quasi ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk an mich selbst. Ich könnte grad nicht glücklicher sein, sorry. Ja, es fühlt sich fantastisch ein, sich etwas schönes zu leisten, noch dazu etwas, von dem man weiß: Die wird mich lange und fast täglich begleiten. Aber ich weiß auch: Es fühlt sich so fantastisch an, weil ich es mir nicht einmal pro Monat leiste (wobei, durch meine vielen Eigenproduktionen in letzter Zeit fühlt es sich sogar ein bißchen danach an – der neue Sommerpulli, der neue Rock, alles selbstgemacht, alles neu, und alles sehr sehr glücklich machend, außerdem waren im letzten halben Jahr einige Dinge dabei, die ich einfach gebraucht habe, weil die „Vorgänger“ kaputt waren, wie etwa meine Sandalen oder schwarze Leggings).

<3

Super Timing übrigens, am Freitag sitze ich ja zum Thema „ressourcenschonend modebewusst sein“ am  Podium bei der FairFair… Ironie, Ironie. 🙂

Getaggt mit , , ,

7 Gedanken zu „Ich habe gesündigt.

  1. babu sagt:

    Herzlichen Glückwunsch! Sie haben das Geld richtig investiert und dabei eine Marke unterstützt die was gutes fair produziert:-)

  2. […] Stiefel. Das Gefühl, das ich bei denen hatte, das war das Gefühl, das ich gestern bei der Tasche hatte. Und habe es jedes Mal gehabt, als ich sie anzog dieses Frühjahr. Nicht bio, nicht fair […]

  3. Romana sagt:

    Ich lese schon seit geraumer Zeit Ihren Blog und finde es bewunderswert, was sie geschafft haben. Ich finde es aber übertrieben, bei jedem Kauf von einer „Sünde“ zu sprechen. Sie kaufen fair produzierte Ware, also worin genau besteht die Sünde? Überhaupt zu kaufen? Sie betiteln Ihren Blog selbst mit den Worten „vom Shopaholic zur kritischen Konsumentin“. Aber kritisch zu kaufen bedeutet ja auf die Herkunft/Materialien zu achten und nicht einfach nichts zu kaufen. Wäre schlimm für die Wirtschaft wenn keiner etwas kauft. Außerdem geben Sie doch so den Labels, die fair produzieren, die Chance, ihr Unternehmen auszubauen, indem Sie bei denen kaufen. Shopaholic zu sein ist ein zwanghaftes Verhalten..doch entdecke ich in ihren Blogposts auch oft etwas zwanghaftes..nur eben jetzt in die andere Richtung. Jedoch ist keine Form von Zwang gut und ist es nicht so: je mehr man versucht, sich selbst etwas zu verbieten, desto mehr götzt man doch danach, oder nicht? Freuen Sie sich über die Dinge, die Sie erwerben. Ist doch nicht schön, wenn Sie danach immer das schlechte Gewissen überkommt. Sollte die Geldbörse darunter leiden ist das etwas anderes, aber wenn es nur um den Akt des Kaufens an sich geht, versteh ich die ganze Aufregung nicht so ganz.

    • nunette sagt:

      Vielen Dank für diesen Kommentar, und ja, es ist mir auch schon aufgefallen, dass ich mein Konsumverhalten mit schlechtem Gewissen belegt habe. Ich habe einfach Bammel, in alte Muster hineinzukippen. Aber stimmt: Die Dinge, die ich mir geleistet habe, sind entweder bio und fair oder dringend benötigt, was sie für mich auch rechtfertigt. Ist halt ein bißchen schwierig, das eigene Kaufverhalten so zu „outen“ 🙂 Vielen dank für den Zuspruch!

      • Romana sagt:

        Das verstehe ich schon gut. Ist ja nach jeder Diät auch so..man hat die Kilos runter, hat sich Wochen/Monate zusammengerissen und dann fängt es an: die Gönnerei 🙂 Und zack sind 5 von den 8 Kilos wieder oben und der Kreis dreht sich. Allerdings müssen Sie bedenken wie lange Sie ein „Shopaholic“ waren und wie lange Sie nicht bzw. bewusst kaufen. Da wird die Dauer des „Shopaholic“-Daseins wohl weitaus länger angedauert haben. Auch wenn Sie es ein Jahr geschafft haben (was eine unglaubliche Leistung ist), heißt das nicht dass sie gänzlich „geheilt“ sind. Sie hatten sowas wie einen kalten Entzug und müssen nun lernen, das Kaufverhalten langfristig zu ändern. Auf diesem Weg können einem schon mal Steine (oder Schuhe und Taschen) in den Weg gelegt werden. Doch fair produzierte Ware zu kaufen ist doch etwas Gutes. Natürlich sollte auch das in Maßen stattfinden. Sie erstellen sich doch Pläne, was sie brauchen, ob sie es wirklich brauchen usw. Das ist doch schon sehr toll und minimiert Fehlkäufe. Aber ich verstehe unter bewusstem und kritischem Kaufen nicht, dass man schon auf Schuhen ohne Sohle läuft, weil man nix kaufen will (überspitzt gesagt). Es bedeutet lediglich, dass man nicht wahllos und im Überfluss kauft. So empfinde ich das jedenfalls. Also weiterhin toi toi toi auf Ihrem Weg des bewussten Kaufens!

  4. […] richtiges Bobo-schlecht-Gewissen: Einerseits weiß ich, dass meine Sandalen, meine Boots und meine Taschen beide aus Ökoleder, chromfrei gegerbt und in Europa hergestellt sind. Andererseits: Leder. Und: Ich […]

  5. […] beide aus Leder, die eine, weil ich sie mir schon seeehr lange gewünscht hatte, die andere, weil meine graue meier gegangen war.  Ich liebe sie sehr, aber sie ist NICHT grau. Was mich seit eineinhalb Jahren ärgert, dennoch […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: