Rechtfertigungsblogeintrag?

Aufgrund meines gestrigen Spontankaufs hat mich spät des Abends dann doch das schlechte Gewissen ereilt und ich habe begonnen, mal zu rekapitulieren, wieviel ich seit Mitte Jänner, also einem halben Jahr, eigentlich neu habe. Samt Herkunft und Begründung. Ihr dürft mich je nach Einschätzung abwatschen oder mir gratulieren, aber mir ist es wichtig, dass ihr jetzt nicht glaubt: Jetzt ist das Jahr vorbei, und sie shoppt genauso gedankenlos weiter wie vorher und sagts uns am Blog einfach nicht. Ich stehe zu meinen neuen Regeln: Bewusster Konsum, so bio und fair wie möglich. Aber eben: Ich bin jetzt keine Nichtkäuferin mehr, und im Nachhinein betrachtet habe ich Anfang des Jahres sicherlich ein bisschen „nachgeholt“. Kurz vorausgeschickt: Mir kommt diese Liste – auf der ich auch die Geschenke aufgelistet habe – extrem lang vor, ich war sehr überrascht, dass es sich doch so schnell zusammenläppert…

Meine Einkäufe im Amsterdam bei Cora Kemperman. Die waren eindeutig als Belohnung für das Jahr angesetzt, sind fair und bio und sind je nach Temperatur alle in Heavy Rotation. Haben sich also gelohnt.

Die Tasche aus Amsterdam. Habe ich mir bereits zwei Jahre lang gewünscht und freut jedes Mal, wenn sie zu meinem Outfit passt, mein Herzelein. Fast Bio und ganz fair.

Die Sachen von Anita Steinwidder. Nicht gekauft. Werden höchst in Ehren gehalten, ich bin unglaublich stolz auf sie. Besonders auch aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte – ich habe sie getauscht für einen von mir gestrickten Pullover.  Upcycling und fair.

Graue Jeans. Waren ebenfalls ein schon während des Jahres langgehegter Wunsch, und haben die Stylingmöglichkeiten in meinem Kleiderschrank massiv erweitert (ich bin halt doch eine Tussi…). Konventionell produziert…. *hüstel*

Weite Sommerhosen und schwarze Leggings von Maas Natur. Waren nötig, weil ich erstere aufgrund von Altersschwäche (10 Jahre) und leichten Spannungen am Popo gesprengt habe, zweitere hatte ich nur noch in zerlöcherter Version, gehören aber zu meinen Standardrepertoire, stylingtechnisch (was für ein Scheißwort, übrigens…). Bio und fair.

Die Stiefel. Das Gefühl, das ich bei denen hatte, das war das Gefühl, das ich gestern bei der Tasche hatte. Und habe es jedes Mal gehabt, als ich sie anzog dieses Frühjahr. Nicht bio, nicht fair – aber mich bestärkend in der Überlegung, auf Schuhdesign umzusteigen und rasend cool aussehende Schuhe eben in bio und fair zu entwerfen, das bisherige Angebot macht mich noch nicht hundertprozentig glücklich.

(c) Nunu Kaller

Graue Boots – gut, zugegeben, die waren eine Mischung aus Spontankauf und der Erfüllung meines „graue Boots“-Gemeckeres von 2012. Nicht bio, nicht fair, nicht exakt geplant, aber sehr gemocht.

Sommersandalen. Die waren wirklich bitter nötig. Meine heißgeliebten alten Sandalen haben nach acht Jahren nämlich den Geist aufgegeben, laut Schuster irreparabel (auch ein Scheißwort, aber aus anderen Gründen…). Bio und fair.

Das Kleid. Überraschend geschenkt bekommen und sehr sehr glücklich damit. Bereits einmal getragen und fett Komplimente kassiert. Danke nochmal, liebste Gaby!!! Nicht bio, aber sehr fair.

Außerdem diverses Selbstproduziertes. Und auf die hier – ein Geschenk vom Liebsten – freue ich mich gerade vor, bin gespannt, wie sie mir passen werden. Die gehören aber eindeutig in die Kategorie „Gegönnt“ und nicht in die Kategorie „Gebraucht“, zugegeben. Bio und fair.

Und natürlich mein gestern spontangekauftes Baby. Fast Bio und Fair (soll heißen: Material chromfrei gefärbt und aus Europa, aber nicht bio zertifiziert, fair genäht).

(c) Nunu Kaller

Zusammengefasst: Eine ganze Menge. Und spannend: Meine Willhabenanfälle 2012 waren verdammt oft Schuhe, und das zeigt sich auch in meinem jetzigen Einkaufsverhalten. Einiges davon gebraucht, weil mir die Vorgängermodelle im Laufe meines Kaufnixjahres eingegangen sind, und einiges davon mit viel Lust gekauft – und der Großteil der Einkäufe (fünf von sieben) hat im ersten Quartal stattgefunden. Acht von zehn Sachen sind fair produziert, drei davon wurden mir geschenkt. Ich bin keine Nichtkäuferin mehr, ich bin kritische Konsumentin, die Spaß an der Mode und am Shopping hat. Ressourcenschonender ist natürlich der Nichteinkauf, absolut. Aber Shoppen darf auch Spaß machen.

Darauf bin ich im Vergleich mit der Nunu prä-2012 sehr stolz und glücklich: Der überwiegende Großteil meiner Käufe wurde sehr bewusst getätigt, vorher gut überlegt, ob ich es wirklich brauche bzw. ob ich es wirklich oft tragen werde, und stammt aus fairer Produktion. Was nicht mehr passiert ist, und zwar ausnahmslos: Schnelle, spontane Lustkäufe bei diversen Billiganbietern, Einkäufe beim Textilschweden und Co, die sich früher wirklich zusammengeläppert haben, und Fehlkäufe. Kein einziger Fehlkauf. Für mich ist das auch eine Form der Ressourcenschonung auf dem langen Weg zur kritischen Konsumentin. Alles weitere über Style und Ressourcenschonung am kommenden Freitag auf der FairFair, 19h.

Liebe Leute, dieser Post hat mich viel Mut gekostet. Öffentlich zugeben, dass man nicht die perfekte Nichtkonsumentin geworden ist, dass immer noch Saulus-Rückstände im Paulus in mir da sind, das ist nicht einfach.

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6 Gedanken zu „Rechtfertigungsblogeintrag?

  1. swarina sagt:

    ich ziehe meinen hut vor dir, nach einem jahr kaufnix weiß ich nicht wie ich mich verändern würde, aber ich finde dein kaufverhalten ist wirklich vorbildlich! Und wenn es faire-bio-mir gefallende schuhe geben würde, dann würde ich diese kaufen, aber bei dem derzeitigen angebot lassen es die stylingtechnischen umstände einfach nicht zu 😉 schönen tag und viel freude mit der neuen tasche

  2. spreemieze sagt:

    die Sachen von Cora Kempermann gefallen mir rrichtig gut! Wie sind da so die größen? Fallen ehr klein aus? Warum haben die keinen Online Shop 😦

  3. faire schuhe, stiefel und sandalen gibt es hier:
    http://www.gea.at/frameset_gehen.html

    ansonsten: ich halte einen „spontanen“ aber trotzdem überlegten kauf eines produkts, welches auch wirklich verwendet wird für absolut in ordnung!!! ich hab gestern abend die ganze zeit gegrübelt, wo da die „sünde“ war. wenn spontan sünde ist, dann erschiesst mich bitte … 😉

  4. tina sagt:

    Also mir kommt das nicht sündig vor obwohl ich generell nicht so an Gwand interessiert bin und daher von haus aus nur wenig kaufe bzw 95% nur das was ich wirklich dringend brauch.

    Interessant wäre eigentlich auch eher die Veränderung in konkreten Zahlen zu erfassen: wieviel hast Du vor Deiner Shoppingdiät im gleichen Zeitraum gekauft, wie oft wurden die Teile dann auch verwendet bzw wie hoch war der Prozentsatz der Teile die damals nach dem Kauf ungenutzt blieben? Ich denke Du bist iwie zu kritisch mit Dir – wirklich benötigte Teile aus fairer bio-Produktion zu kaufen kann ja wohl keine Sünde sein. Und wenn man sich hin und wieder was kauft „nur“ weil man es mag ist das doch auch ok.
    Als wirkliche „Sünde“ würde ich eigentlich nur ansehen wenn man völlig gedankenlos shoppt und die Teile dann auch noch ungenutzt im Schrank vergammeln (wie man es ja immer wieder von vielen Leuten hört).

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