Die Hose made in Bangladesh in meinem Schrank

Spät, aber doch: Mein heutiger Beitrag. Ich habe den heutigen Tag nämlich damit verbracht, mich von Dingen zu trennen. Meine Wohnung ist dankenswerterweise recht groß, und wir bewohnen sie lediglich zu zweit (was eine Katastrophe für den ökologischen Fußabdruck ist, aber ein großes Glück für die Beziehung – man hat einfach Raum). Und heute war es so weit: Ich bin meinen Besitz durchgegangen. Während der Liebste in der Küche alles wegschmiss, was abgelaufen war, und aus dem gerade noch verkochbaren Zeug eine herrliche Suppe kochte, wanderten bei mir Bücher, Zeitschriften und sonstiges Zeug kistenweise raus. Es ist unglaublich, bei einer so großen Wohnung merkt man einfach nicht, wieviel Krempel und Klumpert man ansammelt. Wohnzimmer, Küche und Bad fühlen sich definitiv schon „leichter“ an, nun ist das Schlafzimmer dran. Und dort steht der Kleiderschrank. Also der halbe, aber das tut jetzt nichts zur Sache.

Als ich im Oktober 2012 dachte, ich hätte mich bereits von so viel Zeug getrennt, jetzt passts – lag ich voll daneben. Es ist schon wieder ein Ikea-Sack voller Kleidung startklar für Tauschparties und die Caritas. Und ich habe das starke Gefühl: Da folgen noch weitere. Denn alles, von dem ich nicht wirklich sagen kann: „Das zieh ich gern an!“, fliegt.

Doch ein Teil, das heb ich mir auf, obwohl ich es nie anziehe.

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Gekauft habe ich diese Hose am 28. Dezember 2011. Ich war beim Textilschweden, um mir wie von einer Freundin angetragen für den anstehenden Jahreswechsel auf Teneriffa der spanischen Tradition entsprechend rote Unterwäsche zu kaufen (immer diese Traditionen übrigens, an den Weintrauben, die man ebenfalls traditionell dort ist, bin ich halb erstickt…). Ich kann mich noch genau an diesen Besuch beim Textilschweden erinnern: Es war überall Ausverkauf. Ich MUSSTE einfach einmal durchschauen, ob mich was anspringt. Diese Hose tat es. Heruntergesetzt auf 15 Euro. In Größe „Ja, wird schon passen“. Bei den Umkleidekabinen eine ewig lange Schlange – dafür hatte ich keine Zeit. Ich musste ja noch packen, am nächsten Tag gings Richtung Teneriffa. Zuhause dann die Hose (und die Bluse und das Top, das ich auch noch mitgenommen hatte, das Top um unpackbare 2,50) anprobiert. Sie schaute einfach seltsam aus, passte mir überhaupt nicht ordentlich. Weggeben konnte ich sie nicht. Sie war ja neu und vielleicht würde ich noch was draus machen und überhaupt, vielleicht würde ich sie ja doch mal anziehen. Rückgabe gibts beim Textilschweden auf Heruntergesetztes nicht, zumindest war das damals an der Kassa die Info.

Heute ist sie mir wieder in die Hand gefallen, versteckt im hintersten, untersten Eck meines Kleiderschranks. Ich schaute mir das Label mal genauer an (wobei mir eh klar war, dass auch wenn da jetzt Turkey oder Cambodia steht, es nicht besser ist):

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Diese Hose werde ich aufbewahren. Sie ist für mich und meinen Kleiderschrank (also was den Inhalt dessen anbelangt, ob der selbst eine Meinung hat, kann ich nicht sagen, wobei: Lustig wär das schon! „Hearst, was gibst ma denn da scho wieder eini, a so a Schaas, des ziagst sicher nia an, und dann hab ichs hängen. Super.“) fast schon ein Mahnmal: Sie ist der Inbegriff meines früheren Kaufverhaltens. Sie steht für das „zuviel“, in dem ich so leidenschaftlich geschwelgt habe, und für das so viele Menschen leiden mussten. Für das nicht-darüber-nachdenken, wo meine Kleidung herkommt. Für diese Anspruchshaltung, dass ich mir nebenbei schnell mal was zum Anziehen kaufen kann, ohne groß drüber nachzudenken. Wie gerne würde ich heute wissen, wer aller diese Hose (oder Teile davon) in der Hand hatte, bevor sie bei „meinem“ Textilschweden zum Verkauf da lag. Damals war mir das wurscht. Wenn diese Menschen wüssten, dass ich diese Hose erst einmal an hatte…

Getaggt mit , , , , ,

6 Gedanken zu „Die Hose made in Bangladesh in meinem Schrank

  1. Rabin sagt:

    Gerade heute habe ich von genau dieser Hose im Buch gelesen.

  2. […] Hose von gestern spukt mir noch im Kopf herum – sie erinnert mich wirklich an die Zeit damals, vor meiner […]

  3. […] Wochen keimte eine Idee in mir – nach Bangladesch und mit eigenen Augen sehen, wie meine ungetragene grüne Hose produziert wurde, nach Kambodscha und sehen, unter welchen Bedingungen meine […]

  4. […] solchen Dumpingpreisen einfach immer mehr an Stellenwert, wird zu “nebenbei Gekauftem” (und ich weiß, wovon ich spreche). Und das befeuert diesen Impuls nach mehr, schneller, billiger, her mit dem schnellen […]

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