Mogelpackung „Made in Italy“

Heute wirds politisch. Ich nutze nämlich meine neuen Möglichkeiten, ganz ganz zeitnah mit Greenpeace selbst deren neuen Report zu präsentieren, heut wiedermal schamlos aus. Diesmal wurden Luxusmarken getestet. Kinder-Kleidung von Luxusmarken. An sich schon absurd, Kinder in Kleidung zu hüllen, die mehr kostet, als ich im Monat Miete zahle (und denen trotzdem nicht länger als eine halbe Saison passt, dass die auch so schnell wachsen müssen, die Gschroppen!). Und jetzt deckt Greenpeace auf: Nein, liebe Neureiche, die Kleidung für eure Kinder ist nix Besonderes. Die wird genau dort produziert, wo auch die Fetzen herkommen, mit denen eure Putzfrau ihre Zwerge einkleidet. Aber hey, gleiche Chancen für alle Kinder – auf Gift in der Kleidung. Yey! Chemie-Demokratie!

Gut, das gabs jetzt schon öfters: Greenpeace testet, deckt auf, und alle sind entsetzt, dass Kleidung so giftbelastet ist – und in weiterer Folge nicht nur die Kleidung, sondern jegliche Flüsse und Seen, in die die Abwässer vom Waschen gepumpt werden. So auch diesmal wieder.

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Der Report hat übrigens eine tolle Erzählstruktur – „Des Kaisers neue Kleider“ hört sich plötzlich so gar nicht mehr nach Märchen an….

Doch diesmal hat der Report eine besondere Pointe: Sieben und damit mehr als die Hälfte aller getesteten Kleidungsstücke, die „Made in Italy“ drin stehen hatten, waren belastet mit Nonylphenolethoxylat. Einer Chemikalie, die als massiv gefährlich für die Wasserwege gilt, daher in der Wasserrichtlinie der EU hochprioritär eingestuft wurde (=die muss weg aus dem Wasser. So bald wie möglich), und deren Einsatz in der Produktion von Textilien innerhalb der EU so eingeschränkt ist, dass man von einem Verbot sprechen kann. Dennoch wars in Produkten von diversen Luxusherstellern drin. Was heißt das jetzt?

Entweder die Luxushäuser haben in ihrer herablassenden Art beschlossen, da drauf zu pfeifen, und somit EU-Gesetze gebrochen, oder – und das halte ich für viel wahrscheinlicher: Die nutzen einfach schamlos die „Made in“-Regelung aus. Die besagt nämlich, dass die letzte Naht zählt. Soll heißen: Man kann Kleidung eigentlich bis zum Säumen in einem Billiglohnland produzieren, sie dann nach Italien verschiffen, dort einen Knopf annähen und schwupps: „Made in Italy“!

Ganz ehrlich: Sauerei. Ganz ganz heftige Sauerei. Nicht dass ich Kundin von Versace und Co. wäre, aber die sind ja sicher nicht die Einzigen – da gibts auch jede Menge andere, die das ausnutzen (und die skurrilen und traurigen Nebenwirkungen kann man hier nachlesen). Nur von solchen Luxusmarken find ich das dann doch speziell dreist. Ich will sie jetzt ja nicht in Schutz nehmen, diese Leute, die glauben, dass etwas automatisch besser produziert ist, nur weil es teurer ist. Aber irgendwie hab ich Mitleid, wenn sie so getäuscht werden.

Liebe Politik, jetzt haben wir bereits ein paar Tote, ein aufgedecktes wirtschaftliches Schlupfloch, fehlenden Konsumentenschutz und Bedrohung durch Chemikalien – brauchts noch mehr, damit diese verdammt intransparente „Made in“-Regelung endlich mal überdacht wird?

Getaggt mit ,

6 Gedanken zu „Mogelpackung „Made in Italy“

  1. Ein weiteres Problem von „Made in Italy“ sind mittlerweile die „Billiglöhner“, die nach Italien verfrachtet werde um dort den letzten Knopf anzunähen. 1000sende von Chinesen leben unter Menschen unwürdigen Bedingungen in Italien und nähen dort :-((
    Danke für die Chemie Info

  2. Franka sagt:

    Bravo! Ein wichtiger, witzig geschriebener Artikel. Freut mich, dass dann doch wieder alle gleich sind. Und jetzt geh ich mal den ’nackten König‘ gucken 😉 *ähm* lesen.
    Grüße aus Köln, Franka

  3. Julia K. sagt:

    Hi! Ich habe erst durch Dein Buch angefangen mich mit den Produktionsbedingungen für Bekleidung auseinanderzusetzen und bin täglich schockierter. Ja klar hab auch ich fleißig beim „Textilschweden“ gekaut. Für meinen Sohn und für mich auch. Für mich gild seit Janar ebenfalls ich kauf nix, mein Sohn wächst leider zu schnell, aber auch da gibts Lösungen. Er bekommt die Klamotten von seinem besten Kumpel, der ist ein Größe weiter. Danach gehen die Sachen wieder zurück und werden für den Cousin und danach für den kleinen Bruder verwendet! Unsere dann noch dazugekauften Sachen geben wir ebenfalls an Freunde weiter usw. Ähnlich läuft es inzwischen auch mit den Sachen von uns „großen“ ….
    Ein riesen Danke also an dieser Stelle für den enormen Motivationsschub.

    Das Thema Gift in Bekleidung ist grausam und erschreckend und ich glaube (mich eingeschlossen) die meisten wissen nicht was sie tragen und was während der Produktion schon in Gewässer und Böden gelangt ist. Ganz zu schweigen von den Arbeitern die die Chemikalien anwenden und verarbeiten…

    Darf ich das Bild Fashion Toxic auf meinem Facebookprofil als Titel posten? Ich mache gern auch einen Vermerk zum Urheber dazu. Ich möchte einfach gern was tun… Ansonsten baltel ich was eigenes 😉

    Liebe Grüße
    Julia

  4. Julia K. sagt:

    Danke mach ich!!

  5. Corinna sagt:

    Ich hab’s geahnt, aber ich wollte das nicht lesen ;-(. Hab mir eingebildet, wenn ich Made in Italy (gilt das auch für Made in Turkey?) lese, dann kauf ich schon was Gescheites. *grummel*, es ist wohl doch schwerer, vernünftige Klamotten zu kaufe, als ich hoffte.
    Trotzdem vielen Dank für deine Infos.
    LG, Coco

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