Ich bin fürchterlich un-öko

Also Hawaii ist spannend. Glaub ich. Bin zwar gerade schwer im Urlaubsmodus (Strand! Wellen! Sand! Sonne – meistens!), aber so ganz kann ich nicht abschalten. Bereits am Flug (jaaa, ich weiß) ists mir in der Bordzeitschrift aufgefallen: Viele der Modefirmen scheinen wirklich noch hier auf Hawaii zu produzieren. Eine Firma hat gar einen Lagerverkauf, von dem aus man direkt in die Produktionshallen schauen kann. Was ich nicht getan hab, weil…ich auf der falschen Insel bin. Eine andere Firma, diesmal für Schuhe, brüstet sich auf ihrer Homepage mit Familienbesitz und Produktion auf Hawaii.

Natürlich gibts auch viel Schindluder mit „Made in Hawaii“ – ein Zehn-Dollar-im-Ausverkauf-Hawaiihemd mit dem Einnäher, ich weiß nicht so recht.

Ich hab beschlossen: Ich nähe selbst. Kein Hawaiihemd, sondern … ach, ich weiß auch noch nicht. Das rote (garantiert Made-in-Hawaii, handgebatikt) wird eine Bluse. Das Blaue: Noch keine Ahnung, aber ich hab nicht dran vorbei können. Wahrscheinlich wirds bei der Wohnungsumgestaltung eingesetzt. Auch made-in-Hawaii.  Und der dritte (*hüstel* Made in India, tschulligung) wird ein Taschenfutter. Ja, alle drei nicht organic. Ich weiß, ich weiß…. sorry. Ans andere Ende der Welt fliegen und dort konventionelle Stoffe kaufen. Schlimmer gehts kaum als Umweltfuzzi. Ich weeeeeeeiß.  Schwächeanfall. Aber alter Hawaiianer, freu ich mich auf meine Nähmaschine. Und darauf, davorzusitzen und an Hawaii zu denken.

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Übrigens, einige werden sichs sicher schon gedacht haben: Ja, meine ganze Reise ist fürchterlich un-öko. Neun Flüge und drei Mietautos in zwei Monaten. Ganz schlimm. Und ich geb auch offen zu: Beim Reisen steht meine unbändige Lust, am liebsten die ganze Welt zu sehen, dem ökologischen Gedanken massiv im Weg. Da hilft auch das Versprechen, die nächsten Sommer nur noch im Burgenland oder auf  (dem in meiner Wohnung nichtexistenten) Balkonien zu verbringen, wenig. Meine Neugierde, die mich so tief in Themen hineinsinken lässt, ist eben auch eine Neugierde auf die Welt. Und für die kann und will ich mich nicht rechtfertigen. Stattdessen nehme ich es als Segen hin, dass ich so viel sehen kann und darf.

Aber ich freue mich auch schon wieder sehr auf meine kleine Welt mit Fahrrad und Nähmaschine, im Grätzl und im Garten von Freunden, mit Bio-Gemüse und herrlichem Wiener Leitungswasser, mit kurzen Wegen und ohne Benzinverbrauch, mit Alltag und Beruf(ung). Meine CO2-Bilanz ist komplett im Arsch. Aber ich sags euch: Ich werd trotzdem Pfandflaschen kaufen, biokistln und mitm Rad ins Büro. Nicht, weils besser ist, sondern weils Spaß macht!

 

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6 Gedanken zu „Ich bin fürchterlich un-öko

  1. Lady Lynn sagt:

    Liebe Nunette. Danke für deinen Hawaii-Eintrag. Ich finde es beruhigend zu lesen, dass es dir auch so geht wie mir. Die Lust auf das Reisen ist auch bei mir einfach stärker als all die ökologischen Ideale. Dieses Jahr verbrachte ich meinen Urlaub in Japan und musste zuerst das schlechte Gewissen mir gegenüber verdrängen.. Aber die Reise hat sich total gelohnt und ich lebe zu Hause nun wieder ganz nach meinen Einstellungen 😉 Vielleicht möchtest du ja meinen Beitrag lesen: http://ladylynnblog.wordpress.com/2014/04/21/die-sucht-nach-der-exotik/
    Liebe Grüsse in die Ferne und geniesse die Zeit. Der Alltag kommt (leider) früh genug wieder.
    Lynn

    • nunette sagt:

      boah, bin ich erleichtert. ich dachte schon, jetzt kommen nur reaktionen a la „na endlich siehst ein, wie verlogen du bist“ 😀 uff. ja, es ist eine krux mit dem reisen….

  2. MarieAnn sagt:

    Hallo Nunette, ich kann dich auch verstehen. Auch ich finde Reisen toll. Wir hinterlassen hat alle unseren ökologischen Fußabdruck, das ist zwangsläufig so. Ich finde es vor allen Dingen wichtig, dass ich mich im Leben den anderen gegenüber fair verhalte und mein Handeln immer wieder überdenke.

  3. zauberweib sagt:

    Ich finds ok, dass du wenigstens ein bisschen ein schlechtes Gewissen dabei hast 🙂 Nein, ernsthaft: Wichtig ist doch, dass du, _obwohl_ deine Ökobilanz jetzt im A*** ist, _trotzdem_ weitermachst mit Pfandflaschen & Co. Ich finde einfach, dass es in Sachen Ökobiofair nichts gibt, dass zu wenig wäre, als dass es nicht wert wäre, nicht getan zu werden.

    Die Grundeinstellung ist einfach wichtig. Und das zählt viel mehr, als – neulich im Impressum einer Zeitschrift (?) gelesen – „Uns liegt die Umwelt am Herzen, deshalb haben wir CO2-Zertifikate gekauft, um (was auch immer, weiß ich grad nicht mehr) zu kompensieren“. _Sowas_ find ich ja mal voll fürn… also das, wo deine Ökobilanz jetzt auch ist 😉

  4. Claudia sagt:

    So was besonderes darf importiert werden, aber wow die Bluse willst du selber schneidern?! Respekt.
    Du holst das mit dem in die Arbeit radeln locker wieder rein…
    Tolles Buch das du da geschrieben hast, da hast du dir die Reise verdient.

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