Hungerlöhne und Existenzgefährdung „Made in Europe“

Es ist nicht neu, aber die Clean Clothes Kampagne ruft es uns mal wieder ins Gedächtnis: „Made in Europe“ sagt gaaaaaar nix aus. Nix. Null. Ich kenns aus meinem Umfeld – die Frau eines Slowaken, den ich gut kenne, arbeitet in einer Näherei in der Ostslowakei. Dort wird Arbeitskleidung für deutsche Küchen hergestellt. Sie bekommt vollzeitangestellt 400 Euro. Das Preisniveau dort: Die kleine Wohnung für vier Personen kostet 250 Euro, und Lebensmittel genausoviel wie bei uns, in den gleichen Läden (am Ortsrand gibts einen großen Spar… oder wars ein Billa? Jedenfalls ein Laden, der exakt genau so am Ortsrand von Liezen oder Großpetersdorf stehen könnte). Kurz: ihr eh schon nicht unbedingt von großen Ausschweifungen geprägtes Leben wäre ohne sein Gehalt dazu unvorstellbar.

Die Clean Clothes Kampagne hat nun aus diesem mir bekannten Fall eine ganze Studie gemacht (gut, ich geh jetzt davon aus, dass nicht zwingend T., so heißt sie nämlich, der Auslöser war, aber ihr wisst, wie ichs mein). Diese Studie ergab (ich zitiere ORF.at):

Länder wie Bulgarien, Rumänien und Kroatien verfügten dank einer langen Tradition in der Bekleidungsproduktion über hoch qualifizierte Arbeitskräfte. „Firmen wie Hugo Boss, adidas, Zara, H&M oder Benetton nutzen diesen Vorteil, aber zahlen den Näherinnen so wenig, dass sich viele von ihnen nur mit Zweitjobs oder mit einer kleinen Landwirtschaft über Wasser halten können“, moniert die CCK. Der offizielle Mindestlohn in Ländern wie Bulgarien, der Ukraine oder Mazedonien betrage nur etwa 14 Prozent einer existenzsichernden Entlohnung. Dass hochpreisige Marken oder die Herkunft „Made in Europe“ würdige Arbeitsbedingungen garantieren würden, sei ein Mythos, gezahlt würden in Wahrheit oft „Hungerlöhne“.

Kurz: „Made in Europe“ sagt nichts über die Arbeitsbedingungen aus. Die Kluft zwischen den ausgezahlten und existenzsichernden Löhnen ist laut Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne Österreich „teilweise noch größer als in asiatischen Produktionsländern“.

Hier gehts zum kompletten Report (meiner heutigen GuteNacht-Lektüre. Ob ich danach schlafen kann?)

CCK

Getaggt mit , , ,

8 Gedanken zu „Hungerlöhne und Existenzgefährdung „Made in Europe“

  1. mukolamaa sagt:

    Viele der angesprochenen europäischen Länder sind noch dazu EU-Staaten. Da sollte man meinen, die EU würde wenigstens zustande bringen, dass in den Mitgliedsstaaten existenzsichernde Mindestlöhne zu gelten haben. Gerade, wo Wirtschaft ja eine so wesentliche Rolle spielt. Aber: Denkste. Ist nicht so.
    Traurig! 😦

  2. Leider stimmt das, was Du schreibst.

    lg
    Maria

  3. Langsam glaube ich, dass es niemals gerecht auf der Welt zugehen wird. Selbst wenn die Gruppe der Nachhaltigdenker und -handler größer wird, irgendwo sitzen immer welche ohne Gewissen, die sich ins Fäustchen lachen und abgreifen, worauf andere aus ethischen, moralischen oder was-auch-immer Gründen verzichten.

  4. EriksMama sagt:

    Hallo Nunu,
    ich lese Deinen Blog schon ein Weilchen und mache gerade auch eine Shoppingdiät für 1 Jahr:-)
    Danke auch für diesen Beitrag. Ich könnte heulen. Selbst wenn man bereit ist, etwas mehr Geld für Kleidung auszugeben, ist das keine Garantie dafür, dass die Näherin einen angemessenen Lohn bekommt. Traurig.
    VG Katrin

  5. […] ist eng verwoben mit dem aktuellen Report der Clean Clothes Kampagne: Die Erklärung von Bern, eine tolle NGO aus der Schweiz, fordert existenzsichernde, faire Löhne. […]

  6. […] Pakistan. Hin und wieder merke ich auch: Hui, so weit weg ist die ja gar nicht, das passiert in der Slowakei beispielsweise ja auch! […]

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